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Auf der Bühne steht ein Tisch wie in einem Schulraum, darunter liegt eine Plastiktüte und drin und drum rum liegen Spielpläne, Theaterspielpläne aus der ganzen Republik. Gleich werden 3 Frauen und 5 Männer auf die Bühne kommen und davon Kostproben geben. „Spielplan Deutschland“ heißt der heitere Theaterabend, geboten vom Berliner Theaterdiscounter. Wer einen Überblick über das aktuelle Theatergeschehen von Kiel bis Freiburg, von Zittau bis Bochum haben will, kommt dort auf seine Kosten. Die Theaterschnipsel werden mit Humor geboten. So wird aus Shakespeare der „angry young men der Renaissance“. Doch halt, ist der Begriff eine Kreation der Theatergruppe oder haben sie damit nur ein Theater persifliert. Denn das ist ein ständiger Begleiter des eineinhalbstündigen Abends. Immer wieder werden die Sprechblasen eingestreut, mit denen Theater in Deutschland um mehr Publikum werben oder auf die Finanzkrise reagieren. Oftist es zum Schreine komisch.

„Der Vorhang auf und alle Fragen offen“, ist ein solcher Nonsenssatz. Natürlich darf auch die unvermeidliche Frage nicht fehlen, in welcher Welt wir eigentlich leben, wo so schnöde an der Kunst gespart wird. In Cottbus zumindest wird Unterhaltung ganz groß geschrieben.

Diese Mixtur aus Theaterschnipsel sowie Werbe- und Klageblöcken wird ergänzt von Opern- und Operettendarbietungen. Janes Joplin kommt ebenso zum Zuge wie eine Hommage an Conny Cash. Aus der Feuilletondebatte der letzten Monate wurde der kurze Sturm im Wasserglas über ein unbedeutendes Buch einer Frau Hegemann noch mal aufgegriffen. War eigentlich nötig, denn Personal und Stoff sind eigentlich viel zu uninteressant, so dass man froh sein kann, dass es darum wieder still geworden ist. Aber was ist schon interessant, an den regelmäßig aufgebauschten Feuilletondebatten? Leider sind die Thetermacher kein einziges Mal auf Schlingensiefs Tod eingegangen. Spielt der für eine Generation junger Theaterleute heute überhaupt keine Rolle mehr?

Seitenwechsel

Im letzten Drittel mischendie Schauspielerinnen und Schauspieler sich für einige Minuten unter das Publikum und fragen, ob es bereit wäre, ihre Rolle zu übernehmen. Auf die Frage, was denn bezahlt wird, kam die ausweichende Antwort, es wird geprüft, ob auch so etwas möglich ist. Dass heißt im Klartext: Geld gibt es nicht. Daher vielen Dank, prekäre Beschäftigungsverhältnisse gibt es schon zuhauf.

Insgesamt ein gelungener Abend und den jungen Schauspielerinnen und Schauspielern gebührt ein besonderer Dank. Schließlich mussten sie sich in sovielen unterschiedlichen Rollen beweisen und sie haben ihre Sache gut gemacht


Peter Nowak


Infos über weitere Termine von Spielplan Deutschland finden sich unter. theaterdiscounter.de/?p=2309


02:29 26.09.2010
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