Flexibilisierung

Regellosigkeit: Das Marketingprodukt "Industrie 4.0" soll nun auch dazu dienen, die Arbeitnehmerrechte zu schwächen, insbesondere die Arbeitszeit mittels Flexibilisierung.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Flexibilisierung ist das Stichwort, mit der die Kapitalseite (Arbeitgeber) am Arbeitszeitgesetz (ArbZG) weitere Liberalisierungen durchführen möchten. Es reicht ihnen immer noch nicht aus, was sie bereits in ihren Vereinbarungen mit den Gewerkschaften durchsetzen konnten. Ganz zu schweigen von den vielen innerbetrieblichen Regelungen, die die Betriebsräte mit den Managern (Unternehmern) ausgehandelt haben.

Darunter fällt auch die sogenannte Vertrauensarbeitszeit, die sicher manche Vorteile für die Lohnarbeiter gebracht hat, aber doch nur deshalb eingeführt wurde, weil es hauptsächlich den betrieblichen Interessen dient und das bedeutet auf vielfache Weise Arbeitsintensivierung und Verlagerung der damit verbundenen Probleme. Betroffen sind dabei auch die Angestellten der mittleren Ebene.

Marcus Schwarzbach beschreibt vorzüglich in einer Übersicht die unter dem Begriff Industrie 4.0 angesiedelte Bestrebung des Kapitals, sich weiter als Zeitdiebe zu betätigen. Es ist zu befürchten, dass das ArbZG, bereits heute mit vielen Möglichkeiten der Umgehung einer regelmäßigen Arbeitszeit versehen, nicht wie notwendig, auf eine 5-Tagewoche verbessert wird, sondern die 6-Tagewoche (der Samstag gilt immer noch als Werktag) quasi zu einer 7-Tagewoche ausgedehnt wird, was bereits Millionen von Lohnarbeitern kennen, die in Schichtarbeit tätig sind.

Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, Modernisierung der Arbeitszeit, verbesserte Freizeitgestaltung für Arbeitnehmer. Es werden viele „Verschönerungsbegriffe“ (Lügen) benutzt (werden), um die Lohnarbeiter weiter zu flexibilisieren. Einhergehend der positive Effekt für das Kapital, dumme Gedanken an Widerstand zu unterbinden, denn dafür hat man einfach keine Zeit mehr, zumal sich die Kollegen, Bekannte und Freunde dann schlecht koordinieren lassen. Und die Gewerkschaften? Sie können sich einfach (noch) nicht zu übergreifenden Aktionen entschließen, was den politischen Streik benötigen würde. Denn es geht hier eindeutig um eine Politik der Gestaltung. Innerbetrieblich ist das Problem nicht zu lösen.

Lohnarbeiter im Text übrigens deshalb, da keinerlei Veranlassung besteht, den zutreffenden Begriff durch „Aufhübschung“ zu relativieren.

Die Zeitdiebe (jw 30. Januar 2016 - Marcus Schwarzbach)

17:18 30.01.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Kommentare 1