Gleispark Fintrop

Psychoquark und mehr Ein kleiner Bericht vom Sonntagabend. Es geht um die Erfahrung, dass die Ueberwindung der eigenen Schwerkraft neue Einblicke ermoeglicht.
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Ich bin heute alleine. Das haette nicht so sein muessen. Ich weiss wo ich am Sonntag hingehen kann, wenn ich Menschen sehen moechte. Heute war mein Antrieb weg. Irgend etwas im Kopf tat nur weh. Es waren aber keine richtige Schmerzen sondern nur so eine quaelende Leere,in die ich nichts Vernuenftiges rein tun konnte, was meine Seele satt gemacht haette. So habe ich das genutzt, was die Natur mir zur Ueberwindung meiner eigenen, manchmal in ihrer Traegheit unertraeglichen Schwerkraft mitgegeben hat und bin in den Gleispark Fintrop nicht weit von meiner Wohnung gegangen, und tanke etwas Sonne. Ich habe mich am Rande des Parks auf den Rasen gesetzt. Die liebe Sonne bescheint mich noch und natuerlich auch den schoenen Gleispark. Stur dreht sich die Erde um sich selbst. Es dauert nicht mehr all zu lange, bis die Dunkelheit kommt. Vor der habe ich weniger Angst. In ihr bin ich zuhause. Sie deckt alles zu, was nicht so gut an mir ist.

Die Politik geht mir durch den Kopf. Das ist ja nicht alles sofort vergessen, wenn ich es im Internet gelesen habe. Das ich hier jetzt alleine sitze, finde ich irgendwie auch politisch. Ich muss aber erst eine These dazu entwickeln , warum mein Alleinsein politisch sein koennte. Meine Interessen sind so verdammt punktuell. Mich interessiert irgend ein Wort.Ich gucke dann nach, was es damit auf sich hat und dann ist es wieder gut.

Der Gleispark Fintrop hier, stammt aus der Zeit als das Ruhrgebiet noch viel industrialisierter als heute war. Hier haben jede Menge Gueterwagen gehalten. Sie haben Samen aus anderen Regionen Europas mitgebracht. Nachdem der Gueterbahnhof, auf dem voher vor allem Kohle verladen wurde, still gelegt wurde, hat sich alles in einer grossen natuerlichen Vielfalt entwickelt. So gesehen waren die Samen und Pflanzenreste auf und von den Gueterwagen nur blinde Passagiere. Ausserdem steht hier ein einigermassen grosser Birkenwald, der wirklich sehr schoen ist. Hier im Gleispark Fintrop leben Feldhasen, einige seltene Voegel arten und mehr. Die Pflanzenvielfalt soll laut Auskunftstafeln circa 250Arten betragen. Das ist jetzt nicht sooo viel, aber fuer ein Stueckchen Industrienatur mitten im Ruhrgebiet, kann sich das doch sehen lassen. Der Gleispark Fintrop ist uebrigens ein Teil der offiziellen Route Industrienatur die quer durch das Ruhrgebiet fuehrt und zum Beispiel auch den Natur-Aspekt von Zeche Zollverein umfasst. Nicht so umstaendlich ausgedrueckt bedeutet das, das zu besichtigen, was an Gruen und Natur nach der Stilllegung dieser Industriestandorte zur gekehrt ist.

Gleich gehe ich wieder nach Hause.

Es mir geht wieder besser.

P. S. Als einer der in Essen-Dellwig lebt, muss ich klar stellen, dass der Gleispark Fintrop ganz klar auf dem Gebiet von Essen - Dellwig steht. Essen-Fintrop ist der Nachbarstadtteil von Dellwig. Sei 's drum. Ich goenne den Fintropern die Namensgebung fuer den Gleispark. Auf Gute Nachbarschaft!

11:40 10.04.2018
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Geschrieben von

poor on ruhr

Vielseitiger interessierter Arbeiter und ziemlich stark in die in die in aller Welt bekannten Pandabären vernarrt. 🐼
poor on ruhr

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