Großaktionärin M. Schickedanz hat Angst vor Armut

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Am Wochenanfang (20.07.09) wurde hier in der WAZ berichtet, dass die Ex -Milliardärin M. Schickedanz Angst vor Armut hat. Ich habe mir verwundert die Augen gerieben. Ich bin schon etwas älter und Frau M. Schickedanz mit Ihrer Beteiligung an Quelle war für mich bisher so etwas wie ein Synonym für Reichtum. Nun hat die "arme Frau" Schickedanz Angst im Alter noch nicht einmal eine Rente zu bekommen. Der Kommentator der Westdeutschen meinte, dass sich sein Mitleid in Grenzen hält. Ich habe mich gefragt, warum dem Lesepublikum so eine Story so groß aufgetischt wird? Soll auf eine Not und -Leidensgemeinschaft in der sozialen Marktwirtschaft hingewiesen werden, in der alle in einem Boot sitzen und in der Hartz IV auch die Milliardärin erwischen kann?

Bei Frau Schickedanz sollen allein an Villen , Häusern und beweglichen Besitztümern noch 127 Millionen Euro vorhanden sein, die sie aber auch verlieren kann, wenn der Konkurs bei Quelle abgeschlossen wird. Da sie mit Ihrem Gatten Gütertrennung vereinbart hat, scheint eine direkte Notlage noch nicht unmittelbar bevor zu stehen. Man lebe aber jetzt schon von 500-600 Euro im Monat und zum Italiener gehe man nur um die Ecke, weil das nicht jedes mal 40 Euro kosten würde. Einschnitte im kulturellen Bereich wie etwa der Verzicht auf die Wagner- Festspiele in Bayreuth seien ihr besonders schmerzhaft.

Schön dass sich die Medien noch Gedanken um Frau Schickedanz und Ihre Absicherung im Alter machen.

Schade nur, dass die Lobby der Hartz IV-Empfänger auch nur im noch halbwegs menschlich verständnisvollen Sinne nicht so medienpräsent ist.

Genauer beschrieben haben die Hart IV -Empfänger fast gar keine Lobby, von ein wenigen rühmlichen Ausnahmen wie dem PARITÄTISCHEN WOHLFAHRTSVERBAND abgesehen.

Das ist ein millionenfaches Hartz IV- Drama, dass jeden Tag in so vielen deutschen Haushalten abläuft.

Hier wäre doch zum Beispiel mal eine Untersuchung oder eine Reportage in wie vielen Fällen Obdachlosigkeit oder Selbsmord direkte Hartz IV -Folgen waren, fällig.

Bei den normalen Hartz IV-Empfängern lassen zum Beispiel die großen Privatsender kaum eine Gelegenheit aus, diese benachteiligten Menschen in Nachmittagstalkshows als arbeitsfaul vorzuführen und Ihre Notlagen in der Regel als selbstverschuldet zu präsentieren.

Wenigstens vor diesen menschenverachtenden und verdummenden Methoden der Privatsender wird Frau Schickedanz wohl keine Angst haben müssen.


15:31 22.07.2009
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Geschrieben von

poor on ruhr

Vielseitiger interessierter Arbeiter und ziemlich stark in die in die in aller Welt bekannten Pandabären vernarrt. 🐼
poor on ruhr

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