Neonazis mussten umkehren

Neonaziaufmarsch Trotz Regens stellten sich am Wochenende viele LeipzigerInnen einem Neonazi-Aufmarsch der JN in den Weg. Dabei gab es Verletzte und Festnahmen. Die Nazis mussten umkehren
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Es goss aus Kübeln, trotzdem machten sich am Sonntag ca. 700-800 Menschen auf den Weg, um sich einem JN-Aufmarsch in Leipzig-Lindenau entgegenzustellen. Diese versammelten sich auf dem Lindenauer Markt unter dem Motto "linken Straßenterror stoppen". Für die Neonazis der letzte Akt im Wahlkampf.

Wie ein Häufchen Elend, standen sie gut anderthalb Stunden im strömendem Regen. Sechs Mitglieder der NPD Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten JN, waren die Vorhut und bewachten den Lautsprecherwagen. Unterdessen sammelte sich trotz des Wetters draußen der Protest. Zwei Kundgebungen wurden im Vorfeld angemeldet von der Leipziger Initiative "Leipzig nimmt Platz". Die GegendemonstrantInnen sammelten sich an Kreuzungen und versuchten zum Lindenauer Markt durchzukommen. Die eingesetzten Beamten, offizielle Stellen sprechen von 500, versuchten die Gruppen auf den Kreuzungen festzuhalten.

Die Leipziger Verkehrsbetriebe wurden von der Leipziger Polizei um Hilfestellung gebeten, um die ca. 100-120 Neonazis vom Hauptbahnhof möglichst unkompliziert zum Lindenauer Markt zu bekommen. Diese stellten zwei Sonderbusse zur Verfügung, was bei vielen LeipzigerInnen auf Unverständnis stieß. "Sollen sie halt laufen, uns hat auch keiner den Bus bezahlt" rief eine ältere Frau, die sich zu den JournalistInnen auf den Lindenauer Platz gesellte. Nachdem die Sonderbusse eintrafen, formierte sich die Demonstration der Neonazis.

Außerhalb der Speerzone der Polizei wurden die Proteste mittlerweile Mobiler. Viele AktivistInnen haben sich trotz Regens mit dem Fahrrad bewaffnet, um möglichst schnell an vielen stellen präsent sein zu können. Und so wanderten die Blockadepunkte im zehn Minuten takt, was die Polizeikräfte weiter unter druck setze. Auch bekannte Mittel bei Naziaufmärschen, die immer wieder im Umfeld von Protesten auftauchen, wie Barrikaden aus Mülltonnen und Baustellenabsperrungen wanderten an vielen Orten auf die Straße. Vereinzelt brannten Mülltonnen, die Feuerwehr hatte diese meist in einigen Minuten unter Kontrolle. Zusätzlich war Sperrmülltag, zumindest auf dem Papier. Scheinbar war auch diese alte Tradition bei Gegenprotesten von Neonazi-Aufmärschen wiederbelebt worden. Die Polizei versuchte im Vorfeld, möglichst viel Speermüll wieder von den Straßen Lindenaus zu bekommen.

Die Einsatzleitung der Polizei entschied aufgrund der unübersichtlichen Situation und wegen des mittlerweile großflächigem Flurschadens in Lindenau, die Route der Neonazis zu verkürzen und ließ die Demo der JN um 180 Grad umdrehen. Diese marschierten dann wieder zurück zum Lindenauer Markt, wo sie von einer Straßenbahn wieder zum Hauptbahnhof gefahren wurden.

Die JN setzte sich mit dieser Demo gegen die NPD-Fraktion durch, diese hatte im Vorfeld zum "Stillehalten" aufgerufen. Die JN Führung unter Alexander Kurth widersetze sich dem Demoverbot, was wohl intern zu weiteren Streitigkeiten führen dürfte. Das Motto wurde laut eigenen Aussagen gewählt, um nach einer vermeintlichen Anschlagsserie auf NPD-KandidatInnen in den letzten Wochen für mehr Öffentlichkeit zu sorgen und um die "linke Politik in Leipzig zu beerdigen." Die rechten hatten ein Transparent mit der Aufschrift "Nagel, Merbitz, Kasek, Jung sind Leipzigs Beerdigung!" entrollt. In der Leipziger Volkszeitung äußerte sich Jürgen Kasek / Grüne: „Das war ein klarer Versuch der Einschüchterung und der Diffamierung“. Er werde rechtliche Schritte prüfen lassen.

Es gab laut Aussagen der Polizei zwei Festgenommene, gegen die wegen Brandstiftung ermittelt wird. Es gab fünf leicht verletzte Beamte und eine unbekannte Anzahl von verletzten DemonstrantInnen. Die Polizei ging in vielen Fällen recht brutal gegen die SitzblockiererInnen vor. So wurde bei einem Handgemenge Unteranderem die Bundestagsabgeordnete Monika Lazar von Pfefferspray leicht verletzt. Sie kritisierte im Nachgang den Polizeieinsatz scharf.

14:06 19.05.2014
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Geschrieben von

Andreas Potzlow

Freier Fotograf und Journalist aus Berlin.
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Andreas Potzlow

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