Ketten- und Hassrasseln in Cottbus

Politik In Cottbus, so wird's beklagt, hat das Gestern getagt.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

In Cottbus, so berichtet die sonst verschlossene Lokalpresse, demonstrierte eine Meuthe verärgerter Bürger die Geschlossenheit der AfD als ihren Wahlkrampfauftakt. Mit dabei Kalbutz und verspätet Bernd Höcke. Wer den fake, die Linken hätten die Autobahn blockiert gestreut hat, wird wohl nicht mehr zu ermitteln sein. Wem nützt das?

Der Tonfall ist aggressiv. T-shirts mit der Aufschrift „Merkel Jagd Club“ werden verkauft. Dabei hätte es vollkommen ausgereicht dass „die Raute des Grauens“ (O-Ton AfD), mit ihren eigenen Worten gesagt einfach nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Mutti als Sündenbock ist zu kurz gegriffen. Nun, die zumeist älteren Wutbürger sind zu Recht empört über ihre gebrochenen Biografien, ihren Armutsrenten, Abstiegsängsten und ihren Leiden unter (bunten) Nullen in Verantwortungsposition. Nicht ganz zu Unrecht verlangen sie eine Neuauflage der Revolution von 1989.

Nur lassen sie sich die falschen Ursachen aufschwatzen. Die durch unsere Kriegspolitik Vertriebenen trocknen nicht die Sozialsysteme aus, sondern das machen unsere Steuerflüchtlinge (in Panamapampas) zusammen mit ihrer Politik für die (Super-)Reichen. Sie bestimmen mit ihrem Geld die Richtung. Der Klimawandel ist kein Schreckgespenst der "Altparteien". Arbeitsplätze werden gestrichen und prekär neu geschaffen, wenn es profitabel ist - für die "Eigentümer". Die Folgen, also auch das bevorstehende Grillen, tragen immer die kleinen Leute, zu denen auch das deutschtümelnde Völkchen vor der Stadthalle und ihre Enkel gehören werden. Alles in allem bildet aber die AfD keine Gefahr für den Kollisionskurs des bestehenden Systems.

Anders die betont friedliche Gegenveranstaltung im angrenzenden Puschkinpark. Dort äußerten etwa ebenso viele Cottbuser ihre Befürchtungen angesichts der benachbarten AfD-Veranstaltung sowie ihre Zuversicht im Bezug auf die Solidarität für eine weltoffene Stadt. Mit Kultur, Brechts Humor und einer klaren Abgrenzung von Rassismus und nationalem Sozialismus wurden dort Ross und Reiter klar getrennt, weshalb für das Bürgerfest im Puschkinpark die Lokalpresse im Internetz verschlossen blieb.

Fast zur gleichen Zeit fand am Rande von Cottbus zwei Tage lang das 19. Militär- und Nutzkraftfahrzeugtreffen statt. Ich erinnere mich noch, wie vor 1989 die vormilitärische Ausbildung in der DDR von den "Westmedien" kritisiert wurde - zu Recht. Kinder in NVA-Panzern? Das ginge schon gar nicht. Und heute? Stehen wir wieder vor einem Ostfeldzug? Unsere Jugend wird darauf vorbereitet. Wer unsere angeblichen Feinde sind, wissen die verärgerten Bürger auf der AfD-Veranstaltung genau, während die auf dem Bürgerfest jegliche Feindbilder ablehnen, unheilvolle Ideologien aber konsequent bekämpfen. Und unsere in ihren medial gestützten "Parteikäfigen" eingeschlossenen Politiker merken einfach nicht, dass sie das eigentliche Problem sind und die AfD nur ein Symptom.

Ein Irrer ist dieser Höcke, ein Irrer!

Als ob das in der Politik was zu sagen hätte. (frei nach Werner Finck)

Das wird man ja noch mal sagen dürfen. (Th. Sarrazin, SPD und AfD-Vordenker)

12:22 14.07.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Regimekritiker_Dracula

Faible für Gotteslästerung und Majestätsbeleidigung. Leidet unter schwerer Esotherikunverträglichkeit.
Schreiber 0 Leser 7
Regimekritiker_Dracula

Kommentare 4