(Wagen-)Knecht’sche Politik der Ressentiments

Debatte Wagenknecht und #aufstehen Rassismus vorzuwerfen ist vereinfachend. Ein Blick auf Umfang & Motivation zahlreicher Ressentiments ist nötig, aber keinen Deut erbaulicher.
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I. Wagenknecht & das Ressentiment gegenüber Geflüchteten

Es ist nun keinerlei Neuigkeit, dass Sahra Wagenknecht seit 2015 auf recht kontroverse Weise Migrationskritik übt, indem sie Migrant*innen gegen alle anderen sozial Schwache ausspielt. Ebenso bekannt dürfte Ihr Vorgehen sein, welches den Provokateuren des Rechtspopulismus’ gleicht, dass sie im Nachhinein ihre Aussagen missverstanden sehen will oder um einige Deut in ihren Thesen zurückrudert.

Nun nimmt das Gegenüberstellen zweier sozial schwacher Gruppen in der Wagenknecht’schen Argumentation nur einen Aspekt ein (nebenbei ist sie weder bzgl. Migration & Trikontpolitik eine Fachfrau, noch gehört es zu ihren eigentlichen Themen), so dass sie ihre Migrationsfeindlichkeit immer herunterspielen kann und wird, während die, die davon angesprochen werden sollen, folgerichtig auch angesprochen werden. Anhand einiger Beispiele möchte ich die Wagenknecht’sche ‘Argumentation’ verdeutlichen.

In einem aktuellen Interview mit dem US-amerikanischen Jacobine Magazine, welches irgendwo zwischen Occupy und Bernie Sanders anzusiedeln ist, aber recht gegensätzliche Wortmeldungen aus dem gesamten (vermeintlich) linken Spektrum zulässt, fokussiert sie zwei gewaltige Probleme dieser Tage, nämlich die Wohnungsknappheit und den Arbeitsmarkt. Beide Probleme sieht sie durch die Anwesenheit von Geflüchteten in Deutschland verschärft.1

In dem selben Interview konstatiert sie zunächst eine Unvereinbarkeit von linker Politik und Nationalismus, so dass ihre Position ja gar kein Nationalismus sein könne, sondern: „Yet it’s a completely different matter to demand that the state as it currently exists go back to exercising its regulatory power.“2 Ihre Position ist also die eines starken regulativen nationalen Staates, wobei ‘regulativ’ freilich eine große Deutungsspanne beinhaltet.

Zudem wird angesichts eines seit Jahren angespannten Wohnungsmarktes nun allein eine Gruppe von Wohnungssuchenden mit dem Problem in Verbindung gebracht, freilich die der Geflüchteten. Nicht erwähnt wird, dass es auch jene sind, welche in heruntergekommenen Wohnheimen, die man eher Lager bezeichnen will, verharren oder in die Obdachlosigkeit abgleiten.

Auch bzgl. des Arbeitsmarktes wird stattdessen diese Gruppe als einzige denunziert, wobei im Sinne einer sozialen Gerechtigkeit z.B. zu skandalisieren wäre, dass von staatlicher Seite (mittels Themen der BaMF-Sprachkurse oder bei Beratungen im Jobcenter) Geflüchteten z.B. gerade eine Arbeit im Pflegebereich, wofür wir Altdeutsche uns seit Jahren zu gut sind, schmackhaft gemacht werden sollen.


Statt einem beherzten Eintreten für die sozial Schwachen in unserer Gesellschaft, stellte Wagenknecht z.B. so auch in ihrer Bundestagsrede
„Die Menschen wollen kein ›Weiter so‹ mehr“ (23.11.2016), die Eingang in ihr Buch Couragiert gegen den Strom. Über Goethe, die Macht und die Zukunft (September 2017) fand, die Gruppe der Geflüchteten gegen alle anderen:

„Das heißt, je mehr Hartz-IV-Empfänger – Sie wissen, dass die meisten Flüchtlinge ab dem nächsten Jahr Hartz IV bekommen werden –, desto teurer wird es für den Postzusteller und die Aldi-Kassiererin, während der privat versicherte Chef von ihnen und natürlich auch die Konzerne, bei denen sie arbeiten, von der Finanzierung von solchen gesellschaftlichen Aufgaben komplett verschont werden. Das ist doch ein Skandal. [...] (Beifall bei der LINKEN. Sören Bartol, SPD: Postboten gegen Flüchtlinge ausspielen, das ist doch widerlich!).“3

Zu dem häufig wiederholten Wagenknecht’schen Argumentationsmuster gehört weiter die Narration, die allein jene Menschen in Krisengebieten fokussiert, die nicht nach Europa fliehen oder fliehen können, und es wird stets als eine neue Erkenntnis gefeiert, dass Invalide, Alte oder Menschen nahe am Hungertod sich selbstverständlich gar nicht auf den Weg nach Europa machen können. Man muss nun keine Migrationsforschung betreiben, um diesen faktischen Allgemeinplatz zu kennen und jedwede migrationspolitische Forderung in der Realpolitik beinhaltet seit Jahren zumindest formal ein Postulieren der Ursachenbekämpfung und der Stärkung von lokalen demokratischen Strukturen.

Das lässt sich ja auch sehr leicht dahinsagen und kostet nichts. In Afrika indes ist man dieser hohlen europäischen Phrasen müde. Ein Ugandaer vor Ort kritisiert so einem Interview: „Ich höre immer von Politikern aus Europa, man müsse die Fluchtursachen vor Ort bekämpfen. Ich höre aber nicht, wie das geschehen soll.“4 Auch wenn eine Wagenknecht einen Stopp von Waffenexporten und Aufkündigen unfairer Handelsabkommen nennt: Sie weiß ganz genau, dass sie mittelfristig nicht in die Verlegenheit kommen wird, das politisch durchzusetzen zu können/müssen.

Auch Wagenknecht hat hier also nichts als eine propagandistische Wortphrase zu bieten, schlimmer noch, sie thematisiert perspektivisch in diesem Zusammenhang hingegen jene kaum, denen es doch gelingt, nach Europa zu kommen resp. denunziert diese Menschen. In Couragiert gegen den Strom heißt es:

„Diejenigen, die kommen, sind eher aus der Mittelschicht. Sie fliehen dennoch vor Armut und Perspektivlosigkeit, gar keine Frage, aber es verbessert die Situation in den betreffenden Ländern nicht, wenn zusätzlich zu allem Elend auch noch ein beträchtlicher Teil der etwas besser ausgebildeten Mittelschicht auswandert. Den wirklich Armen helfen wir also nicht durch ›Willkommenskultur‹, [...].“5

Sprich: Jene, die mörderische Fluchtrouten überlebt, geduldszerreißende Asylverfahren durchlitten und sich nun zwischen rechtspopulistischen Anfeindungen einerseits und den Mühlen deutscher Bürokratie & fehlender Sozialstaatlichkeit anderseits irgendwie behaupten müssen, werden schlicht ignoriert, eine weitere ‘Willkommenskultur’ wird negativ konnotiert und der Begriff ‘Mittelschicht’ dient dazu, die denunzierten Träger*innen von den Ansprüchen jeglicher Thematisierung, weit jenseits einer sozialen Teilhabe, auszuschließen.

Was dabei ‘eher aus der Mittelschicht’ in afrikanischen Ländern bedeutet, wird freilich auch nicht erörtert: Es bedeutet erst einmal lediglich irgendeinen Schulabschluss zu haben und irgendein Einkommen. Im Fall z.B. von Rangmy Ridua, Mosambik, bedeutet das zudem: fünf Kinder zu ernähren, einzukleiden und Schulgeld zu zahlen, umgerechnet 150 Euro monatlich als Freiberufler zu bekommen, weiter ohne ausreichende Befähigung als ‘Lehrer’ zu arbeiten, umger. 100 Euro monatlich für eine Abendschule zu bezahlen (um am Ball zu bleiben), keine Rücklagen zu haben und keinerlei Einkommenssicherheit.6 Die Journalistin Bettina Gaus, schreibt in ihrer Reportage Auf der Suche nach der afrikanischen Mittelschicht Folgendes: „Mittelschicht über das Kriterium der Durchlässigkeit nach oben und unten zu definieren: Das scheint mir eine der brauchbarsten Analysen zu sein, die ich während dieser Reise gehört habe.7


Kürzlich löste Wagenknecht weiter anlässlich der Berliner Groß-Demonstration
#unteilbar einen neuen Skandal aus. Die Frankfurter Rundschau beschreibt sachlich den Hergang: Auslöser war eine öffentliche Veranstaltung der Linksfraktionschefin ein paar Tage zuvor in Berlin-Lichtenberg. Da wurde sie von ihrer linken Fraktionskollegin Gesine Lötzsch gefragt, ob #Aufstehen an #unteilbar teilnehmen werde. Wagenknecht verneinte dies. Wohl werde es sicher Leute „von uns“ geben, die hingingen, wurde die 49-Jährige zitiert. Sie selbst allerdings sehe in dem Demonstrationsaufruf eine Tendenz hin zu einem Plädoyer für „offene Grenzen für alle“. Und diese Position teilt Wagenknecht bekanntlich nicht.

[...]

Aus der Linken verlautet wiederum: „Der Druck im Kessel nimmt zu.“ Denn Partei und Fraktion waren bei #unteilbar federführend. Parteichefin Katja Kipping hielt bei der Auftaktkundgebung am Alexanderplatz eine Rede.“8

Ein schöner Kommentar zu #unteilbar findet sich in der taz. Christian Jakob verweist dort darauf, dass bei der Demonstration die Multitude, die Gesellschaft(en) in ihrer Vielfalt und ihren Facetten (mögen uns diese schmecken oder nicht) also, auf die Straße kam und sich einem gemeinsamen Ziel verschrieb.9 Sicher: Eine Großdemonstration wie #unteilbar erreicht nicht unmittelbar etwas gegen den Rechtspopulismus, sondern ist in erster Linie lediglich Selbstvergewisserung der Multitude. Daraus kann (aber muss nicht) Weiteres folgen. Wie wenig aber Wagenknecht und #aufstehen sich überhaupt für die Multitude interessieren, sei weiter unten dargelegt.


In einem Interview argumentierte Wagenknecht außerdem vor Kurzem für nationale Grenzen mit der verschleiernden Argumentation, eigentlich sei sie ja auch für eine Welt ohne Grenzen:
Auch mein Traum ist eine Welt ohne Grenzen. Eine Welt mit so ausgeglichenen Wohlstandsniveaus, dass man keine Grenzen mehr braucht. Aber in unserer Gegenwart profitiert nur das Kapital von einer „Welt ohne Grenzen!“, nicht die Menschen.“ 10

Auf diesen Denkfehler, dass geöffnete Grenzen neoliberal seien, machte schon wesentlich früher die Emanzipatorische Linke aufmerksam und kam zu dem Schluss, dass umgekehrt vielmehr die #aufstehen-Denke eine Ausbeutung durch einen nationalen Kapitalismus nur begünstige:

„Der vorliegende Gründungsaufruf von „Aufstehen!“ zeigt, dass die „Sammlungsbewegung“ mit einem an die Einschränkung des Asylrechts von 1993 anknüpfenden „Recht auf Asyl für Verfolgte“, einem nationaleren Zuschnitt der Sozialpolitik und einer Anti-EU Politik punkten will, auch deshalb, weil die Macher*innen ehrlich davon überzeugt sind, die neoliberale Spielart des Kapitalismus schwäche den Nationalstaat und wolle die Überwindung von Grenzen und nationaler Identitäten. Das ist sowohl historisch als auch analytisch falsch. Die neoliberale Spielart des Kapitalismus will nicht „No border, no nation“, sondern einzig die Zurückdrängung der staatlich garantierten sozialen Rechte bei gleichzeitiger Förderung eines starken (nationalen!) Gewaltapparates.

Der Gegner von „Aufstehen!“ ist nicht der Kapitalismus an sich, sondern der „globalisierte Finanzkapitalismus, der Konzerne und Vermögende aus der sozialen Verantwortung entlässt. Die von „Aufstehen!“ vollzogene Trennung des Kapitals in einen bösen globalisierten Finanzkapitalismus und das gute produktive, nationale Kapital, das eine „soziale Verantwortung“ wahrnimmt, erhebt damit Ausbeutung, Entfremdung und Demütigung im alltäglichen Kapitalismus zu etwas Gutem oder zumindest Normalen und adelt die Ausbeutung und Entfremdung des Menschen in der Mehrwertproduktion.“11


Nicht nur den kapitalistischen Demütigungen aber ist Wagenknecht zugeneigt, sondern auch aufgerüsteten Exekutivorganen. So sprach sie sich unlängst für mehr Sicherheit durch den Staat aus, während die gesellschaftliche Linke gegen die neuen Polizeigesetze demonstrierte wohlgemerkt, und schuf dabei gleichzeitig ein Kopfkino von kriminellen Migrant*innen auf deutschen Straßen:

"Das hat auch damit zu tun, dass Menschen Angst vor Kriminalität haben, weil wir in Deutschland seit Jahrn die Polizei kaputt gespart haben", sagte Wagenknecht am Montag im ARD-Mittagsmagazin." Es sei "in großen Städten tatsächlich oft schwer, wenn man die Polizei anruft, überhaupt noch jemanden zu erreichen." Viele Kriminalfälle würden gar nicht aufgeklärt. "Dann ist es natürlich leicht zu sagen, es sind immer die Banden aus dem Ausland." Sie finde, dass der Staat Sicherheit gewährleisten müsse, sagte Wagenknecht.“12

Wo auch immer diese verängstigten Menschen seien mögen, die sich auf deutschen Straßen fürchten, und selbst wenn diese sich irgendetwas zwischen Polizeistaat und StaatsSicherheit wünschen: Es markiert m.E. totales politisches Versagen diesem Begehren nachzugeben.


Letztlich ist die Wagenknecht’sche Strategie, dass ein Erstarken der Rechten durch ein Aufgreifen derer Populismen und durch eine Abwehr von Migrant*innen erreicht werden könne, nicht nur auf den ersten Blick absurd, sondern verkennt auch die Gewichtung der Kategorien Krise und Rassismus.


Der bekannte linke Theoretiker Étienne Balibar erörterte bereits vor 30 Jahren wie folgt:
„Wenn das Schlimmste zu befürchten ist (und hier fehlt es nicht an historischen Beispielen), ist es dann nicht ratsamer, zum Rassismus zu schweigen, um ihn nicht noch zu verschlimmern? Ja: wäre es nicht besser, die Ursache zu beseitigen, weil man vielleicht die Wirkungen nicht kontrollieren kann (sprich: schickt die „Fremdkörper“ nach Hause, deren Anwesenheit „Abwehrreaktionen“ hervorruft und „assimiliert“ diejenigen, die sich assimilieren wollen oder dafür geeignet sind)?
Anstatt von Ursache und Wirkung muss man eigentlich von einer Wechselwirkung zwischen Krise und Rassismus sprechen: d.h. man muss die soziale Krise als eine rassistische Krise bewerten und
spezifizieren, und die Merkmale des „Krisen-Rassismus“ untersuchen, der zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer bestimmten gesellschaftlichen Formation entsteht. Auf diese Weise wird man die von mir angesprochenen Alibis und Fehldeutungen vermeiden können. Denn dass der Rassismus sichtbarer wird, besagt nicht, dass er aus dem Nichts bzw. aus einem kleinen Kern entsteht. [...] [D]er Rassismus ist in materiellen (auch psychischen und soziopolitischen) Strukturen angelegt, die seit langem existieren und einen Teil der sogenannten nationalen Identität bilden.“ 13

Dito fungierten die 890.000 Geflüchteten, die 2015 Zuflucht in Deutschland suchten, lediglich als Katalysator eines bereits vorhandenen Rassismus’. Die Büchse der Pandora ist nunmehr geöffnet, eine Sahra Wagenknecht und ihre Jünger*innen betreiben kein Krisen-Management, sondern helfen den der Büchse entflohnen populistischen Übeln nur bei der Verbreitung. Gleichzeitig gibt man sich bei ebensolchen Konstatierungen künstlich empört, denn freilich gilt: Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.

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II. #aufstehen: Ressentiments gegen ‘jüdisches Geld’, Emanzipation, Migration und das 21. Jahrhundert

Eine objektive Beschreibung von #aufstehen ist unmöglich, setzt es sich doch aus über 70 Ortsgruppen zusammen, die weiter meist eigene Facebook-Gruppen betreiben. Es geschieht so nicht unbedingt im repräsentativen Sinne, wenn im Folgenden Highlights des Unsäglichen referiert werden.
Einen gewissen Eindruck davon, Menschen welcher Gesinnung hier zusammenfinden, gibt die
Pol.is-Umfrage, an der sich 33.574 Aufsteher*innen beteiligten.14 Erkennbare Tendenzen sind (wobei schon allein die Fragestellungen tief blicken lassen):

- Die Kritik an Konzernen und Lobbyismus ist stark. [Das unscharf umrissene Feindbild steht bei 97% bzw. 94% fest.]

- 94% sprechen sich für eine Politik aus, die zugunsten Menschen mit kleinen oder mittleren Einkommen agiert [Bemerkenswert: Eine Politik, die allen gute Einkommen beschert, wird gar nicht abgefragt.]

- 94% konstatieren, dass die Schere zwischen Arm und Reich auseinanderklaffe [Hierzu gibt es empirische Daten, eine Meinungsbefragung ist sinnfrei.]

- 82% sprechen sich gegen offene Grenzen aus.

- 74% haben Angst, verursacht durch einen vermeintlichen gesellschaftlichen Rechtsruck.

- 73% bejahen die Aussage Wenn es den einfachen Menschen sozial besser gehen würde, wären sie Flüchtlingen gegenüber offener.

- 41 % betrachten sich als links und patriotisch.

- 54% haben Angst vor Alter und Rente.

- 51% wollen eine Politik, die sich auf (wohl Ur-)Deutschekonzentriert.

- 50% haben Angst vor der Digitalisierung

- Fehlende Sicherheit, eine generelle Diversität der Gesellschaft, das Vorurteil, dass Geflüchtete Arbeitsplätze wegnehmen würden und eine Verfremdung Deutschlands sind keine überwiegenden Angstszenarien (allerdings doch für 15%, 16% , 13% resp. 22%).

- 38% lassen sich von der deutschen Einwanderungspolitik in Angst versetzen.

- Nur 9% der Befragten haben einen Migrationshintergrund. (Dabei leben in Deutschland 23,6% Menschen mit Migrationshintergrund,15 der Migrationsanteil unter den realiter sozial Schwachen liegt bei etwa 40%.16)

Neben dem Bestätigen und Schüren verschiedener Angstszenarien, verschieden ausgeprägten nationalen Tendenzen und der Kritik an Einwanderung, fällt freilich die Fixierung auf und Stereotypisierung von einem Klientel der ‘kleinen Leute’ auf.


Weitere Aussagen, die über die
#aufstehen-Bewegung gemacht werden können, sind, dass es interne Kritik an Zentrismus und Handlungsunfähigkeit gibt,17 dass beispielsweise über ‘verschwundene Menschen’ und eine Aggressivität & Skrupellosigkeit im Diskussionsniveau geklagt wird (Abb.), dass in den zahlreichen Facebook-Gruppen aber auch unter dem Strich recht wenig passiert, die offizielllen Administrator*innen Postings meiden, die den Anklang von Fremdenfeindlichkeit haben könnten, verschiedene Akteure das Posten AfD-affiner Verschwörungstheorien wagen, diese auch positiv rezipiert, aber von Administratoren schließlich gelöscht werden, dass Selbstdarsteller*innen, politische Geisterfahrer*innen und Populisten sich bei #aufstehen ein Stelldichein geben und erste Machtkämpfe liefern.

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Aufschlussreicher als die offiziellen
#aufstehen-Seiten und -Gruppen auf Facebook sind indes ältere ‘linke’ Facebook-Gruppen und Internet-Seiten, wo viele #aufstehen-Befürworter sich tummeln und sich dort wesentlich freiherziger geben.18 Geflüchtete sind dort nicht das einzige Feindbild dieser Aufsteher*innen. Regelrecht bekämpft werden von manchen Akteuren auch Feminismus, QueerFeminismus, Emanzipation, Gender Studies, Diversität und eine ‘offene Gesellschaft’, die zum einen einseitig auf Karl Popper (1902-1994) zurückgeführt wird und zum anderen Popper als Mitbegründer des Neoliberalismus’ versteht. Diese Narration ist zwar über Poppers Verbindung zu Friedrich von Hayek konstruierbar, deutet aber Popper, der vor allem als Philosoph, Gesellschaftstheoretiker und Begründer der modernen Wissenschaftstheorie von Bedeutung ist, erheblich um. Nicht unerhebliche Motivation dieser Umdeutung dürfte sein, dass Popper einer Familie entstammt, die vom Judentum zum Protestantismus konvertierte.


Einer der entschiedenen Verfechter dieser Lesart ist der emeritierte Mathematik-Professor Hans-Jürgen Bandelt, der
#aufstehen bei dem ‘journalistischen Grenzgänger’ (so der Deutschlandfunk) Rubikon wie folgt begrüßte:

Das politische Klima in Deutschland wandelt sich. Am 4. September stellte Sahra Wagenknecht die Sammlungsbewegung „Aufstehen“ auf der Bundespressekonferenz vor. Sie sprach von einer „handfesten Krise der Demokratie“, die wir in Deutschland erleben. Die Symptome sind vielfältig und die Ursachen eigentlich bekannt: Die neoliberale Macht transformiert die parlamentarische Demokratie schleichend in Richtung autoritärer Systeme. In den letzten Jahren bekommt der „Tiefe Staat“ aus linken Kreisen nicht nur stillen Beistand, sondern auch aktive Vertiefung. Konsequente Kritiker einer den Neoliberalismus fördernden Politik werden systematisch des Rassismus, Antisemitismus oder der Verschwörungstheorie verdächtigt und verleumdet.“19

Freilich gehört Bandelt selbst zu jenen, gegenüber dem diese Verdächtigungen ausgesprochen werden, was aber nichts mit seiner Kritik am Neoliberalismus zu tun hat.

Bereits im April 2018 forderte Bandelt übrigens im Vorfeld von #aufstehen die Gründung einer neuen Partei. Ausschlaggebendes Kriterium war dabei wohlgemerkt die (vermeintliche) Israel-Solidarität aller anderen agierenden Parteien:

„Da die im Bundestag vertretenen Parteien von DER LINKEN bis hin zur CSU geschlossen eine unerschütterliche Pro-Israel-Haltung haben und nichts zum Frieden in Nahost beitragen, muss es notwendigerweise zu einer neuen außerparlamentarischen demokratischen Sammlungsbewegung und schließlich zu einer neuen Partei kommen, die anders als jene Parteien uneingeschränkt, ohne Doppelstandards, für unser Grundgesetz in Deutschland und für Frieden und Humanität in der Welt eintritt. Die extreme Rechte, vertreten durch die AfD, kann das erst recht nicht. Also muss das derzeitige politische Vakuum gefüllt werden. Füllen wir es.20

In seinem Text ‘Solidarität statt offene Grenzen!’ (August 2018) ätzt Bandelt gegen Willkommenskultur, gegen Intellektuelle, gegen gegenderte Schreibweisen, gegen Kosmopolitismus, gegen „Gender- und Kompetenz-Neusprech“, gegen an Wagenknecht adressierte „Verleumdungen“, gegen eine sog. ‘Lifestyle-Linke’ aber auch gegen ‘Antifa-Gebaren’, was er alles einer „hippen und selbstgerechten, oberen Mittelschicht und unteren Oberschichtzuschreibt.21 In seinem Text ‘Diversity statt University’ (August 2017) nimmt er Diversität, Vielfalt, Chancengleichheit, Inklusion, Gender Studies, Political Correctness und Antidiskriminierungsmaßnahmen aufs Korn, welche gegen Hartz IV-Empfänger*innen gerichtet seien.22 Auch Sahra Wagenknecht selbst äußerte sich einmal in eine ähnliche Richtung gehend, als sie Weltoffenheit, Antirassismus, Ehe für alle und Minderheitenpolitik als ‘Wohlfühllabel’ brandmarkte, welches eine rüde Umverteilung von unten nach oben kaschiere.23

Wagenknecht spielte also wiederum soziale Gruppen gegeneinander aus, und in gesteigerter Form tut dies dito Bandelt, der darüber hinaus eine gnostizistische Welt der Dualismen’ konstruiert: (vermeintliches) Oben gegen (vermeintliches) Unten, die 0 gegen die 1, das Establishment gegen das Volk, Gut gegen Böse, Palästina gegen Israel, soziale Gerechtigkeit gegen Alles. Seien es die befreienden Dekonstruktionen der Postmoderne, die emanzipatipatorischen Kämpfe, die Freude am Denken, die Erfolge zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen, die Möglichkeiten eine Universität zu besuchen: Das alles wird indifferent als neoliberal verstanden und zudem einer Elite zugeschrieben.


Wie eine solche Dualisierung und Stereotypisierung von Menschen in zwei Kategorien seit dem 19. Jahrhundert die Steilvorlage für den Faschismus war, habe ich ausführlich in meiner
Übermensch-Schrift dargelegt.24 Ebenda habe ich aber auch auf eine andere Lesart von Welt und Mensch verwiesen, nämlich die, die Welt in ihrer Vielfalt, in ihren Fragmentierungen, ihren Differenzen, ihren Brüchen und Widersprüchen zu sehen.

Diese Option wurde uns maßgeblich durch die postmoderne Philosophie und die postmodernen Studien eröffnet. Es geht dabei um eine Perspektivierung und ganz sicher nicht um ein Wirtschaftsmodell. Vielmehr haben postmoderne Denker*innen schon vor 50 Jahren auf die Gefahren eines Einiggehens mit neoliberalem Wirtschaften hingewiesen, allen voran Foucault, und wieder und wieder verweisen Postmodernist*innen auf die Notwendigkeit einer anderen (Post-)Moderne, die sich vom Neoliberalismus lossagt. Denn freilich gibt es auch Verquickungen von Postmoderne und Neoliberalismus und einjeder, der diese untersucht und perspektiviert, wird die Überschneidungen unterschiedlich setzen. Gerade die Rechtsradikalisierung verschiedener Gruppierungen in den letzten Jahre motivierte aber nicht wenige (mich persönlich eingeschlossen) trotz neoliberaler Überschneidungen und Vereinnahmungen unsere kulturelle Freiheit nun entschlossener zu verteidigen und sei es auf einem (doch sehr arg kommerzialisierten) Frankfurter Christopher Street Day .


Wenn aber Bandelt in seinem
Diversity-Text die Politikwissenschaftlerin und Feministin Nancy Fraser zitiert, um sein Schwarz/Weiß-Modell zu untermauern, so reicht ein Blick in das Original-Interview, welches sich übrigens auf die weitaus mehr polarisierte US-Gesellschaft bezieht, um eine patentere Lösungformel zu formulieren:

Das Problem ist nicht der Kampf für Feminismus, LGBTQ-Rechte und gegen Rassismus, sondern die Trennung dieses Kampfs vom Kampf für soziale Gerechtigkeit. [...] Ich selbst engagiere mich für einen Feminismus der 99 Prozent. Damit stehen wir im erklärten Gegensatz zu „Glasdeckenfeminismus“: Wir kämpfen sowohl für die (weiblichen und männlichen) Arbeitenden als auch für Migranten und die, die sich unbezahlt an Care Work aufreiben. Das kann nur zusammen erkämpft werden, wie es der progressive Populismus von Bernie Sanders macht. [...]

Zu dieser neuen Linken gehören aber eben auch Kurskorrekturen, hin zu einer solidarischen Linken. Diese kämpft um soziale Gerechtigkeit und für Emanzipation und Vielfalt.25

Genannt seien hier auch die erfolgreichen Emanzipationen der letzten 100 Jahre, die freilich für Arm wie Reich gelten und von der eine lesbische Hartz IV-Empfängerin im Bereich der geschlechtlichen Gleichbehandlung selbstverständlich auch profitiert:

§ 1918: Frauenwahlrecht

§ 1976: keine Strafverfolgung bei Schwangerschaftsabbruch

§ 1977: Frauen können arbeiten, auch ohne Einverständnis ihres Mannes zu haben

§ 1981: Anpassung des Geschlechtseintrages im Geburtenregister möglich

§ 1994: Abschaffung §175

§ 1997: Strafbarkeit Vergewaltigung in der Ehe

§ 2001: Lebenspartnerschaftsgesetz

§ 2016: Geschlechterquote

§ 2017: Ehe für alle

§ 2017: Bundesverfassungsgericht fordert dritte Geschlechtsangabe ein

§ Fehlt: geschlechtsangleichende OPs für intersexuelle Babys

§ Fehlt: gemeinschaftliche Elternschaft bei Geburt in lesbischer Ehe

§ Entschädigung für §175 (Noch nicht komplett)

Fehlt: Abschaffung des Paragraphen 219a26


Bandelt hingegen kennt kein Differenzieren, so gehört er auch zu denjenigen Wagenknecht-Jünger*innen, die gegen
#unteilbar hetzten:

„Keine Minderheit
wird diskriminiert.
Die Arbeitslosen
wissen es besser.

Die Antwort auf Rassismus
ist nicht Buntheit.
Denn die will der Kapitalismus
in Entgrenztheit.

[...]

Für Hillary von Soros finanziert.
Wild und kraus kreist die Welt:
Nun sitzt in Berlin sein Geld.
Wirr wird mir, seit ich erwacht!“27

Neben der Dualisierung von Arbeitslosen vs. anderen diskriminierte Minderheiten, fällt hier freilich die Erwähnung des US-amerikanischen Investors George Soros auf, der 1930 in einer jüdisch-ungarischen Familie geboren wurde, und der beliebtes Hassobjekt von Antisemiten, Verschwörungstheoretikern und sog. ‘Querfrontlern’ (die das rechte und linke Lager zusammenschließende, anti-demokratische und anti-emanzipatorische Akteure) ist; perfiderweise noch zudem mit einer Zeile Richard Wagners aus dessen vor antisemitischen Stereotypen nur so strotzenden Siegfried-Oper („Wirr wird mir, seit ich erwacht.“). (Kürzlich wurde Soros übrigens zu einem der Empfänger der Briefbomben, die ein rechtsradikalisierter Trump-Fan verschickte.28 )

Bandelts Denke schlägt in ähnliche Kerben, wie die Oskar Lafontaines oder das Dieter Dehms, beide Mit-Aufsteher. Lafontaine hat bekanntlich keinerlei Hemmschwelle zum Einklinken in Vokabular, welches auch Ahner einer ‘jüdischen Weltverschwörung’ benutzen, z.B. propagierte er 2017 auf einer Demonstration in Ramstein, unter Zitierung Roosevelts, die Existenz einer ‘unsichtbaren Regierung’, die hinter der eigentlichen Regierung stehe und ‘die Geschicke dieser Welt’ bestimme. Lafontaine beschrieb weiter, auch hinter der deutschen Bundesregierung stehe eine ‘Schattenregierung’ und den aktuellen Wahlkampf gewinne, wer insb. von der Rüstungsindustrie gesponsert sei. Dieser ‘militärisch-industrielle Komplex’ sei zu zerschlagen. Atomwaffen wurden von ihm weiter als Propaganda-Lüge bezeichnet, denn tatsächlich seien es ‘Monster’ und ‘Ungeheuer’: ‘Diese Monster müssen von der Welt verschwinden’.
Regierende Politiker per se bezeichnete Lafontaine als ‘Terroristen’, die in die ’Anti-Terror-Datei’ gehören würden. Den ‘Mut zur Wahrheit’ (zufällig auch Motto der AfD) beschwörte Lafontaine gegen die Politiker (‘Terroristen’) herauf.29 Dieter Dehm aber ... ach, Dieter Dehm.30 Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang indes, dass
Aufstehen im Sinne der rinkslechten Anti-Kriegs-, Anti-Atomwaffen-, Anti-NATO-Metaphorik übrigens am 3. November u.a. in Leipzig demonstrierte.31 (Abb.)

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Ein weiterer höchst problematische Aufsteher ist Bernd Stegemann, wie Bastian Reichardt ausführt:
„So verteidigt der Dramaturg Stegemann den Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer in einem Beitrag, der im Mai in der Zeit erschien als »tragischen Held unserer Tage«. [...] Zitat Palmer auf seiner Facebook-Seite: »… weil ich wette, dass es ein Asylbewerber war. So benimmt sich niemand, der hier aufgewachsen ist mit schwarzer Hautfarbe.« Ja, der tragische Held unserer Tage. Der Vorsitzende von »Aufstehen Trägerverein Sammlungsbewegung e.V.«, Bernd Stegemann, nimmt Palmer gegen jene in Schutz, die sich über solche Aussagen empören [...]“32

In einem Interview bezüglich der #unteilbar-Demonstration wendete sich Stegemann auch gegen jenen „Teil des linken Spektrums, das sich nur noch auf Fragen der Symbol- und Anerkennungspolitik fokussiert, auf Rassismus, Sexismus. Für dieses Lager ist jede Frage nach sozialer Politik Hochverrat an seinem Auftrag. [...] Die Theater gehören zu einem hohen Prozentsatz zu diesem identitätspolitischen linken Flügel.“33 Im weiteren relativiert er das etwas, doch die Unterstellung des fehlenden Plädoyers für soziale Gerechtigkeit bleibt ebenso stehen, wie wiederum das Feindbild der (vermeintlichen) ‘Identitätspolitik’.

Und wiederum Reichardt weist auf eine weitere rechtspopulistische Figur bei #aufstehen hin: „Wo die »Bewegung« hingeht, sieht man auch an ihrem neuen Aushängeschild Peter Brandt – dem Politikwissenschaftler der FernUni Hagen und Sohn des ersten SPD-Kanzlers. Der von Oskar Lafontaine auf Facebook gefeierte Neuzugang Peter Brandt publiziert seit Anfang der 1980er vor allem über Fragen des deutschen Nationalbewusstseins. Spätestens seit einem Interview, das er der Jungen Freiheit im Oktober 2010 gab, sollte klar sein, dass er einem national-konservativen Spektrum der Sozialdemokratie angehört. Die Rede vom »Tätervolk« sei destruktiv, wenn man endlich die »deutsche Neurose« überwinden wolle, wie es in diesem Interview mit der ultra-rechten Wochenzeitung heißt.34

Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang noch, dass die Initiative ,wie die Wagenknecht’sche Wendung gegen #unteilbar, Lob von sowohl Frauke Petri35 als auch Alexander Gauland36 erhielt. Die Geister, die sie rief...

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Die Demonstration
#unteilbar aber wird innerhalb der #aufstehen-Bewegung auch häufiger kritisiert; auf der Frankfurter Facebook-Seite z.B. wendet ein Aufsteher sich gegen eine (wohl linksliberale) Meinungsdiktatur (Abb.) oder auf den oft dualistisch argumentierenden NachDenkSeiten wird versucht, sich sachlich in dem Streit #unteilbar vs. #aufstehen zu geben, darunter finden sich dann aber auch solche Zeilen (zum Kontext siehe Link in Fußnote, dann muss man indes auch lesen, wie der Nahost-Konflikt in die Thematik hinein gezogen wird...):

Sollen alle nach der Façon der urbanen, offenen und toleranten Weltenbürger leben, fühlen und denken? [...] Der Streit geht um die Frage, ob und wie offen die Grenzen sein sollen. Und auch um die Frage, ob und welche Folgen eine unbegrenzte Migration für die Löhne, für die Arbeitslosigkeit und den Wohnungsmarkt haben.

Es geht aber auch um das erwähnte Lebensgefühl. Akzeptieren wir, dass es Menschen unter uns gibt, die ihre – aus mancher Sicht kleine, begrenzte – Welt erhalten wollen. Es ist aus der Sicht der Weltbürger, aus der Sicht der Menschen im urbanen bunten Milieu eine provinzielle Welt. Wenn wir aber deren Lebensgefühl und ihre Vorstellung von ihrem Umfeld nicht als möglich betrachten und stattdessen als fremdenfeindlich, intolerant, verschlossen, eben Ausdruck des Gegenteils einer offenen Gesellschaft bezeichnen und brandmarken, dann diffamieren wir diese Menschen. [...]“37

Der entscheidende Moment hierbei ist, dass das Bild eines Provinzlers geschaffen wird, der in seiner kleinen Welt leben wolle, unfähig sei Akzeptanz zu praktizieren oder zu erlernen und dem man als Option zu einem Ganz-Rechts mit der AfD besser ein Halb-Rechts mit Wagenknecht gebe. Für Letztere wird sodann eine gehörige Stange gebrochen und ihre Taktik des Ausspielens als etwas ganz anderes ausgegeben:

„Die Differenzen werden auch sichtbar an einem Satz im Aufruf von „unteilbar: „Wir lassen nicht zu, dass Sozialstaat, Flucht und Migration gegeneinander ausgespielt werden.“ [...] Der Satz ist erkennbar eine Spitze gegen „aufstehen“ und Sahra Wagenknecht. Von ihr und anderen Unterstützern von „aufstehen“ wissen die Autoren des zitierten Satzes, dass sie bei unbegrenzter Migration die Sozialstaatlichkeit gefährdet sehen. Diese Sorgen folgen nicht der Lust, Flucht und Migration gegen die mögliche Sozialstaatlichkeit auszuspielen, sondern der nüchternen Einschätzung, dass die mit großer Migration verbundenen Lasten zum Versuch genutzt werden, die Axt an soziale Leistungen anzulegen.38 Eben diese Hypothese beinhaltet indes freilich das Ausspielen.


Von Wagenknecht selbst werden übrigens in
Couragiert die NachDenkSeiten als eines der wenigen kritischen und wertvollen Medien in Deutschland bezeichnet bezeichnet: „Die Medien sind durchaus interessengeleitet. Natürlich gibt es in Deutschland eine gewisse Pluralität und zum Glück auch Zeitungen, Zeitschriften oder Blogs wie die NachDenkSeiten, die kritisch sind und sehr wertvolle Arbeit leisten. [...] Dennoch steht die Mehrheit der Medien im Dienste der vorhandenen Machtstrukturen und ist darauf bedacht, die herrschende Politik nicht zu hart anzufassen. Die LINKE hat es dagegen oft schwer, überhaupt vorzukommen, weil sie die bestehenden Zustände in Frage stellt.

Rötzer: Das klingt schon ein bisschen nach der These der AfD, die von einem Polit-Medienkartell spricht. Würden Sie das auch sagen?

Wagenknecht: Mich interessiert nicht, was die AfD dazu sagt. [...]“39

Interessiert ist man hingegen an den AfD-Wähler*innen. Ganz real auf der Straße tummelt sich so im Saarland der Lafontaine-Freund Detlev Schönauer, über ihn und seine #aufstehen-Gruppe heißt es in der Saarbrücker Zeitung, „dass sie mit einem Stoppsignal für Angela Merkels Flüchtlingspolitik“ aufschlage. „Diese Gruppe vertritt der Kabarettist Detlev Schönauer, der schon bei der Gründungsversammlung von „Aufstehen“ in Berlin dabei war. Schönauer sagt, „Aufstehen“ sei keine linke Sammlungsbewegung, sondern überhaupt eine Sammlungsbewegung. Er will auch AfD-Wähler ansprechen, das seien ja nicht alles Nazis. [...] Viele Bürger fühlten sich angesichts der „Chirurgen, Ingenieure oder gar Raketenwissenschaftler“, die angeblich aus Syrien gekommen seien, „verarscht“, sie fragten sich: „Was will man uns hier verheimlichen?“ Für Schönauer ist die Begrenzung der Migration das Alleinstellungsmerkmal der Bewegung, beim Rest vertrete sie ja ähnliche Positionen wie die Linke.

Für viele Linke müssen Schönauers Positionen jedoch eine Zumutung sein. Er hat Kriminalstatistiken ausgewertet und Grafiken gebastelt, mit denen er zeigen will, dass Zuwanderer deutlich krimineller sind als Deutsche. Straffällig gewordene Migranten sollten „eingesperrt oder abgeschoben“ werden. Er ist auch der Meinung, dass die Gewalt von Linksextremen in den „Mainstream-Medien“, er nennt die „Tagesschau“, gerne heruntergespielt, die von Rechtsextremen hingegen übertrieben wird (zumindest kürzlich bei der Verhaftung der rechten Terrorgruppe „Revolution Chemnitz“). Dass es in Chemnitz eine Hetzjagd gab, bestreitet er. „So etwas gibt es bei jedem Bundesliga-Spiel.“ Auf eines legt Schönauer aber Wert: „Ich bin kein Rassist.““40

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Von nationalbolschewistischer Coleur dagegen ist die
#aufstehen Rote Fahne Gruppe, die mit Ostalgie, Stalinismus, Weisheit von Aluhüten und Hass auf Akzeptanz & Vielfalt polarisiert.41 (Abb.) Ebenso werden in einem (wohl nicht-offiziellen) #aufstehen-Forum mit rund 3000 Mitgliedern Aluhut-Nachrichten von KenFm, dem rechtspopulistische Tichys Einblick, Nachrichten über eine ‘Umvolkung’ mittels des Migrations Pact oder Videos des Verschwörungstheoretikers Daniele Ganser fröhlich geteilt und kommentiert.42

Aber auch in abgesegneten Foren finden sich dererlei Ansichten. So wird ein Offenbacher SPDler, der vor allem seine Weltanschauung mit selbstgemachten Videos verbreitet, aber auch auf verschwurbelten Medien wie Nuovo.tv zu sehen ist, der mit dem vermeintlichen Aufdecker einer Bargeldabschaffungsverschwörung Torsten Schulte (zeitweise AfD, Autor bei dem rechtspopulistischen KOPP-Verlag und in der rechtsradikalisierten Jungen Freiheit) posiert (Abb.), der eine AfD-Anfrage zum Migration Pact als (vermeintlich) geplante Umsiedlungsaktion von Millionen Menschen vom Trikont nach u.a. Deutschland postet (was ‘die Deutschen’ zu einer Minderheit mache) und dabei allein die ‘Arroganz’ des antwortenden SPD-Staatsministers Michael Rothe kritisiert,43 auch in der regionalen Gruppe #aufstehen Hessen mit einem Video zu einem Vernetzungstreffen zwecks Gründung einer neuen Partei beworben.

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Geradezu von grotesker Naivität erscheinen in diesem Reigen der Reaktionären, derer, die nicht Antisemiten genannt werden wollen, der Rechtspopulisten, Hinterwäldler und Verschwörungstheoretiker schlussendlich jene, die
#aufstehen politisch links oder gar emanzipatorisch deuten wollen. Das Statement der Mitgründerin Simone Lange spricht so davon, geradezu die erkorenen Feind*innen des Milieus mit ins Boot zu holen: Ich denke dabei unter anderem an die europäische Bewegung DiEM25, an Flüchtlingshilfe, Refugees welcome, Campact, Attac, an die Grundeinkommensbewegung, die Initiative #unteilbar, an Menschen, die sich bei Greenpeace oder in feministischen und queeren Bewegungen engagieren.44 Es sei dahingestellt, ob Lange (und ähnlich blauäugigen Anhänger*innen) hier bewusst eine Alibi-Funktion zugewiesen wird oder ob das Köpfe sind, die schon bald rollen werden.

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III. Das Ressentiment gegen Mündigkeit & Bildung

Dass weder bei Wagenknecht oder bei vielen Mitinitator*innen, noch an der Basis der Aufsteher*innen sich differenziertere Perspektiven zu Flucht & Migration finden lassen, dürfte klargeworden sein. Als Versuch einer anderen Perspektivierung dürfte hier allein der Einwand des Mit-Initiators Ludger Volmers sein, der ganz richtig um Differenzierungen bittet, sich dabei aber m.E. teils selbst zu indiffernet zeigt.45

Er kritisiert beide Seiten der Debatte, wobei er der emanzipatorischen Seite, welche Kosmopolitismus & offene Grenzen postuliert, eine gewisse Konzeptlosigkeit unterstellt, was allerdings m.E. nur Volmers eigene Unkenntnis des Diskurses offenbart. Wie auch immer, bemerkenswert ist allerdings, dass er ein Veto gegen Wagenknechts Polarisieren erhebt.46 Es sei erwähnt, dass Volmer übrigens (ebenso wie der Mit-Initiator Marco Bülow oder aber auch der kontroverse Peter Brandt) nicht nur #aufstehen, sondern auch der sich offener und emanzipatorischer geb enden Denkwerkstatt Institut Solidarische Moderne angehört, die von nicht wenigen Hardlinern unter den Aufsteher*innen befeindet wird.

Letztlich kommt Volmer zu Schlüssen, die einem differenzierten und emanzipatorischen Ansatz entsprechen könnten, indes freilich der Ausarbeitung und Politisierung bedürfen, wofür m.E. das Milieu von #aufstehen denkbar ungeeignet ist: „Eine Politik sozialer Solidarität aber braucht ein prägnanteres Profil. Sie muss die Veränderung der globalen Strukturen, die nicht nur das Flüchtlingselend, sondern auch die Degradierung von Arbeitnehmern und die Abstiegsangst von Mittelschichten verursachen, ins Zentrum rücken. [...] An einem handlungsfähigen Staat geht nichts vorbei. Doch müssen die nationalstaatlichen Beschränkungen überwunden, statt verfestigt werden - angesichts der Renationalisierungstendenzen ein schwieriges Unterfangen.“47

Jegliche Überwindungen sind indes vor allem schwer angesichts der Dispositionen von #aufstehen.


Der
Gründungsaufruf ist so in seiner Positionierung zum Migrationsthema vor allem vielsagend in seinen Leerstellen. Der Vollständigkeit halber seien hier beide Paragraphen zitiert, die das Thema Migration (nicht) thematisieren:

Die Zerstörung des sozialen Zusammenhalts, wachsende Unzufriedenheit und empfundene Ohnmacht schaffen einen Nährboden für Hass und Intoleranz. Auch wenn der Hauptgrund für Zukunftsängste die Krise des Sozialstaats und globale Instabilitäten und Gefahren sind: Die Flüchtlingsentwicklung hat zu zusätzlicher Verunsicherung geführt. Übergriffe auf Menschen aufgrund ihres Aussehens oder ihrer Religion häufen sich. Wir lehnen jede Art von Rassismus, Antisemitismus und Fremdenhass ab. Gerade deshalb halten wir die Art und Weise, wie die Regierung Merkel mit den Herausforderungen der Zuwanderung umgeht, für unverantwortlich. Bis heute werden Städte, Gemeinden und ehrenamtliche Helfer weitgehend allein gelassen. Viele bereits zuvor vorhandene Probleme wie der Mangel an Sozialwohnungen, überforderte Schulen oder fehlende Kita-Plätze haben sich weiter verschärft. Am Ende leiden vor allem die ohnehin Benachteiligten.

Die globalen Gefahren wachsen. In den internationalen Beziehungen ersetzt das Faustrecht des militärisch Stärkeren immer öfter Verhandlungen und Diplomatie. Hemmungslos werden Kriege geführt, um Zugang zu begehrten Rohstoffen zu erhalten oder geopolitische Einflusszonen auszuweiten. Das gilt besonders für die Vereinigten Staaten. Diese Kriege haben ganze Regionen verwüstet, islamistische Terrorbanden gestärkt und sind ein wesentlicher Grund für globale Fluchtbewegungen. Das Konzept der gemeinsamen Sicherheit in Europa und des Interessenausgleichs zwischen Ost und West, zwischen kleineren und größeren Staaten wurde aufgegeben. Das Wettrüsten zerstört alle Errungenschaften der Abrüstung in den 90er Jahren. Im Verhältnis zu Russland herrscht Eiszeit. Und deutsche Regierungen machen immer öfter mit: bei Kriegen, bei Waffenexporten in Krisengebiete, bei der Missachtung des Völkerrechts. Die Gefahr eines militärischen Zusammenstoßes der großen Atommächte ist wieder größer geworden.“48

Wie im ganzen Pamphlet wird auch in diesen Absätzen also eine dezidierte Rhetorik des Katastrophalismus’, der Angst- und Panikmache geübt. Der Leserin wird Angst eingeflößt vor sozialer Kälte, dem rechtspopulistischen Hate Speech, fast gesetzlosen Zuständen, vor Islamismus, vor fehlender militärischer Sicherheit, vor Krieg, Wettrüsten und letztlich gar der atomaren Eskalation. Geschickt eingeflochten sind dabei der Faktor der Migration und der Faktor der zunehmenden Migration. Das obligatorische „Wir lehnen jede Art von Rassismus, Antisemitismus und Fremdenhass ab.“ ist hier nicht mit einem rechtspopulistischen ‘Aber’ fortgesetzt, sondern mündet mit einem ‘Gerade deshalb [...]’ in einer Kritik der Migrationspolitik, die wiederum (wie bereits in den oben gegebenen Argumentationen Wagenknechts) damit verzahnt wird, dass Migrant*innen bestehende soziale Probleme verschlechtern würden.

Bezeichnend ist hier auch die FormulierungAm Ende leiden vor allem die ohnehin Benachteiligten.“, womit ganz sicher keine Eritaerin, geflohen vor der zweitschlimmsten Diktatur weltweit, gemeint ist, die durch Behördenwillkür im reichen Deutschland obdachlos geworden ist und auch keine Afghanin, die nervenaufreibend seit Monaten, in denen sie vom System hängengelassen wird, auf ihre Erneuerung der Duldung resp. ihrewrfinale Abschiebung ins ‘sichere’ Taliban-Land harrt.

Schon allein durch die holzschnittartige Rhetorik nicht angesprochen ist ganz sicher das breiter und breiter werdende akademische Prekariat, nicht die prekär bezahlten digitalen Nomad*innen, Angestellten, Freiberufler*innen, Selbständige, Hartz IVler mit einem letzten Rest verbliebener Würde. Nein, angesprochen werden hier explizit jene, die sich selbst das Konstrukt des ‘Abgehängtseins’ überstülpen lassen oder gar selbst überstülpen.

Als würde die neoliberale Wirtschaft nicht bereits in materieller Hinsicht der Multitude in ihren verschiedensten Facetten genug schaden, wird hier in geistiger Hinsicht einer vorher klar umrissenen Klientel (vgl. die Pol.is-Umfrage oben: zwar geringverdienend, aber dabei auch ur-deutsch, ängstlich, migrationskritisch bis -feindlich soll der ideale Aufsteher sein) ein weiteres Mal die Würde genommen und ‘die Abgehängten’ werden an dieser Stelle erst folgenreich geschaffen.

Überstülpen lassen sich diese Selbstentmündigung freilich auch jene, die aus ideologischen Gründen (beispielsweise fehlende Einsicht in die Realität des Klimawandels, die Mechanismen der Migrationen des 21. Jahrhunderts oder in die gesellschaftliche Minderheiten- und Diversitätspolitiken) anfällig sind. Die AfD erreichte bei der letzten Bundestagswahl mit dieser Strategie auch extrem wertkonservative, klein- oder gutbürgerlichen Wähler*innen, vor allem mit mittlerem bis gutem Einkommen.49 #aufstehen nun will auch sozial Schwächere ansprechen, aber eben nicht sozial Schwache in all ihren diversen Facetten, sondern gemäß eines ganz bestimmten Zuschnitts. Nicht angesprochen im Gründungsaufruf sind so auch die gesellschaftliche Minderheiten, die Worte ‘Frau’ und ‘Alleinerziehende’ fallen jeweils einmal, Lesben, Schwule, Inter*, Trans*, Migranten und Geflüchtete in Deutschland, Juden, Moslems oder Menschen mit Behinderungen werden gar nicht angesprochen oder genannt.

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IV. Ressentiments aus der ‘sozialistischen’ Tradition

Die Ressentimenthaftigkeit ist m.E. begründet in einem fundamentalistisch und verflachend gehändelten Verständnis des marxistischen ‘Klassenstandpunkts’, welches polarisierendes und dualistisches Verständnis seit dem 19. Jahrhundert überlebt hat und in manchen ‘linken’ Kreisen auch gerne mal als überkommene Kalter-Krieg-Metaphorik weitergeführt wird. Und das, obwohl hier paradoxerweise alle Ausfahrten zu einem Systemwechsel (nennen wir ihn ‘sozialistisch’ oder ‘postkapitalistisch’) links liegen gelassen werden zugunsten retroromantischer Staalichkeit.

Will man in Marx’scher Nachfolge idnes weiter mit Klassenbegriffen operieren, so gilt gemäß Balibar & Wallerstein: „Es gibt keinen „Idealtypus“ der Klassen (Proletariat und Bourgeoisie), sondern Prozesse der Proletarisierung und der Verbürgerlichung [...].“50 Und weiter (umgekehrt zum Populismus der Sahra Wagenknecht) wird von jenen vertreten, „dass die (Re-)Konstituierung einer Klassenideologie auf neuen Grundlagen (und vielleicht in neuen Begriffen), die geeignet ist, dem galoppierenden Nationalisimus von heute und morgen entgegenzuwirken, einen effizienten Antirassismus zur Voraussetzung hat, wodurch ihr Inhalt bereits bestimmt ist.“51


Der historische Marxismus aber weist eine Synchroniziät zum Rassismus auf, wie Balibar aufzeigt (vgl. Zitat in Fußnote).52 Ist der ‘Klassenkampf’ indes realiter dialektisch verstanden, so kommt diese Symmetrie an ihre Grenzen, ebenso wie Arbeiterschaft und Bourgeoisie keine ultimative dualistische Gegenpole darstellen; Dualismus, Gnostizismus oder Manichäismus ergibt sich nur bei Vertreter*innen eines
„Antogonismus[‘] zwischen „Elite“ und „Masse““.53

Komplex sind zudem die Relationen zwischen historischer ‘Arbeiterklasse’ und Rassismus. Zwar kann man nicht von dem ‘Rassismus einer Klasse’ sprechen, zwar half die ‘Arbeiterklasse’ auch stets bei der Entwicklung und Verbreitung eines Antirassismus,54 dennoch ist ebenso auf eine Affinität für instrumentalistische und konspirative Rassismus in den historischen Arbeiterbewegungen hinzuweisen.55

Als Marx-Kenner und zentraler Denker des Postmarxismus’, meint Balibar letztlich, dass dem Marxismus heute wie zukünftig kein Platz mehr zukomme, allenfalls in dekonstruierten Formen des Postmarxismus’. Das ist auch der Zwangsläufigkeit des dialektischen Prozesses geschuldet und wie Engels angesichts Hegels, so zitiert Balibar angesichts Marx’ aus Goethes Faust: „Denn alles was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht.“56 Der Marxismus wurde so bereits überholt, wie Balibar ausführt: „Ohne, dass man genau sagen kann, wann dieses Ereignis eingetreten ist, [...], wurde einerseits deutlich, dass sich die „Voraussagen“ des Marxismus als solche niemals realisieren würden, und zwar aus dem einfachen Grund, weil die „Bedingungen“, auf denen sie basierten ̶̶ eine bestimmte Konfiguration des Klassenkampfes, des Kapitalismus ̶ schon nicht mehr existierten, da der Kapitalismus diese Bedingungen und somit den Marxismus selbst „überschritten“ hatte.“ 57 Dabei war die Gegenüberstellung zweier Klassen gemäß Balibar stets ein Mythos, ein Annähern an diese Polarisierung fand sich allenfalls im 19. Jahrhundert, mit Sicherheit aber nicht mehr 21. Jahrhundert.58 Weiter analysiert Das Kapital nur eine Klasse, die des Proletariats, während die Bourgeoisie als soziale Gruppe gar keine Rolle spielt, sondern allein als Feindbild.59 Auch eine ‘Arbeiterklasse’ existierte nicht a priori aus einer soziologischen Situation heraus, sondern bedurfte der Arbeiterbewegung, um zur Existenz zu gelangen. Die (vermeintlichen) z.B. sozialistischen Vertreter von Arbeiterbewegung und ‘Arbeiterklasse’ wiederum vertraten keineswegs deren Bedürfnisse, sondern bezogen sich auf das Konstrukt des ‘Gesamtarbeiters’. Umgekehrt war keine sogenannte ‘Arbeiterpartei’ historisch jemals eine reine Organisation von (oder für) Arbeiter(n).60 Nicht erst die bolschewistische Machtergreifung im Oktober/November 1917 machte dies transparent.


Mit alledem leugnet Balibar ganz und gar nicht die
„massive Verarmung, Arbeitslosigkeit, Deindustrialisierung der kapitalistischen Produktion, d.h. das Zusammenfallen von Kapitalvernichtung und wild wuchernder Finanz- und Währungsspekulation“ im Zuge der Neoliberalisierung seit den 1970ern, „[w]ährend gleichzeitig vom Staat eine Politik betrieben wird, die sich auch für den nicht-marxistischen Beobachter als eine „Klassen“-Politik darstellen muss, deren lautstark propagierte Ziele nicht mehr das Allgemeinwohl sind [...], sondern die Gesundheit der Unternehmen, der Wirtschaftskrieg, die Rentabilität des „menschlichen Kapitals“, die Mobilität der Menschen usw.“ Ist das nicht Klassenkampf in Reinkultur?“61 Nein, ist es eben nicht, denn es besteht hier keine Einheit zwischen Ökonomie, Politik, Kultur, Sozialität der Gruppen und letztlich des theoretischen Überbaus.62 Wie bereits oben gesagt, gehören z.B. migrantische Transgender oder prekär beschäftigte Akademiker*innen keineswegs dem Establishment an, auch wenn sie ihre Lebensweise über die postmodernen Gender Studies resp. Nomadismus-Theorien definieren. ̶ Auch die akutesten Problemlagen in 1988 sieht Balibar nicht in einem ‘Klassenkampf’, der an zentraler politischen Bedeutung verloren hat, sondern in Umweltbedrohung, ethnischen Konflikten oder dem Terrorismus.63 Das ist auch 30 Jahre später noch so, hinzugekommen sind indes nationalistische Ideologien einerseits und der fehlende politische Umgang mit den technologischen (R)Evolutionen.


Jene aber, und in den Reihen der Wagenknechte finden sie sich gut aufgehoben, die mit dem dualistischen Sterotyp zweier Klassen operieren, haben als Grundlage eine weitere Schieflage:

Marx’ eigener Schwiegersohn, Paul Lafargue (1842-1911), kritisierte 1880 in seinem Das Recht auf Faulheit den eingeschlagenen Weg der sozialistischen Arbeiterbewegung zum einen dafür, dass die Arbeiterschaft den Disziplinierungscharakter der Fabriken nicht in Frage stellt, sondern sich vielmehr zu Komplizen dessen macht:

[Die Arbeiter] haben sich durch die Religion der Arbeit so weit degradieren lassen, dass sie 1848 das Gesetz, welches die Arbeit in den Fabriken auf 12 Stunden täglich beschränkte, als eine revolutionäre Errungenschaft entgegengenommen; sie proklamierten das Recht auf Arbeit als ein revolutionäres Prinzip. Schande über das französische Proletariat! Sklaven nur sind einer solchen Erniedrigung fähig.“64

Die sozialistische Stereotypisierung ‘des Arbeiters’ hat zudem eine gefährliche Nähe zu den stereotypisierungen und Ästhetisierungen des Rassismus’, wie Balibar aufzeigt: „Und die symbolische Umkehrung in der sozialistischen Tradition, in der die zukünftige Menschheit ihren vollendeten Ausdruck findet und die den „Übergang“ von extremer Entfremdung zu extremer Macht verkörpert, war bekanntlich von einer intensiven Ästhetisierung und Sexualisierung begleitet, die die Vereinnahmung durch den Faschismus ermöglicht haben und die uns vor die Frage stellen, welche rassistischen Elemente historisch in den „sozialistischen Realismus“ Eingang gefunden haben.“65 [Sind mit letzterem Sowjet-Kunstwerke gemeint, die, analog zum Faschismus, den weißen, heteronormativen und muskelbepackten Arbeiter zeigen, so verweist die „Vereinnahmung durch den Faschismus“ beispielsweise auf die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP).]

Lafargue aber denkt zum anderen die verschiedenen Rollen in der Bevölkerung (zu seiner Zeit also als Großgruppen Arbeiter*innen und Bürgerliche) vielmehr zusammen als die meisten anderen Sozialisten, bei denen ‘der Bürgerliche’ das Feindbild per se ist (kurioserweise bis heute, auch wenn die Sprechenden gar keine Nicht-Bürgerlichen kennen und sich selbst in der dustersten Klein- und Spießbürgerlichkeit ergehen). Marxens Schwiegersohn indes sieht Arbeiter*innen wie Sozialist*innen mit diesem dualistischen Feindbild irre gehen:

„Und just zu dieser Zeit setzten es sich die Proletarier [...] in den Kopf, die Kapitalisten zwangsweise zur Arbeit anzuhalten. In ihrer Einfalt nahmen sie die Theorien der Ökonomen und Moralisten über die Arbeit für bare Münze und schickten sich an, die Praxis derselben den Kapitalisten zur Pflicht zu machen. Das Proletariat proklamiert die Parole: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ [...] Auf diese barbarischen Angriffe wider das bürgerliche Wohlleben und alle bürgerliche Faulheit konnten die Kapitalisten nur mit gewaltsamer Unterdrückung antworten [...], so wissen sie doch, dass selbst in dem Meere des vergossenen Blutes die absurde Idee des Proletariats, den Müßiggängern und Satten Arbeit aufzuerlegen, nicht ertränkt worden ist; und nur um dieses Unheil abzuwenden, umgeben sie sich mit Soldaten, mit Polizisten, Behörden und Kerkermeistern, die in einer mühseligen Unproduktivität erhalten werden.“66


Nietzsche ging in seiner Analyse noch weiter und polemisierte stark gegen Moralsysteme und Politiken, die auf einer Idealisierung des Schwachen beruhen und damit Geistesgrößen, Genies oder einfach jedwede Individualitäten zu Gunsten einer Gleichmacherei einebnen. Obschon Nietzsche sich nie eingehender mit Marx beschäftigt hat und seine Äußerungen von daher recht indifferent sind, erkennt er dabei dennoch scharfsinnig das bei Marx und anderen damaligen Sozialisten angelegte Autoritäre. Hellsichtig ist seine Bemerkung von 1878 im Hinblick auf die kommunistischen Regime des 20. Jahrhunderts (nicht vorhergesehen hat Nietzsche indes, dass der Begriff ‘Sozialismus’ heute auch für demokratische und emanzipatorische Ideen zur Gestaltung des Postkapitalismus’ im postmarxistischen Sinne wieder herangezogen wird):

Der Socialismus ist der phantastische jüngere Bruder des fast abgelebten Despotismus, den er beerben will; seine Bestrebungen sind also im tiefsten Verstande reactionär. Denn er begehrt eine Fülle der Staatsgewalt, wie sie nur je der Despotismus gehabt hat, ja er überbietet alles Vergangene dadurch, dass er die förmliche Vernichtung des Individuums anstrebt: als welches ihm wie ein unberechtigter Luxus der Natur vorkommt und durch ihn in ein zweckmässiges Organ des Gemeinwesens umgebessert werden soll. [...] er braucht die allerunterthänigste Niederwerfung aller Bürger vor dem unbedingten Staate, wie niemals etwas Gleiches existirt hat;[...] [...] bereitet er sich im Stillen zu Schreckensherrschaften vor und treibt den halb gebildeten Massen das Wort "Gerechtigkeit" wie einen Nagel in den Kopf, um sie ihres Verstandes völlig zu berauben (nachdem dieser Verstand schon durch die Halbbildung sehr gelitten hat) und ihnen für das böse Spiel, das sie spielen sollen, ein gutes Gewissen zu schaffen.67


Den Ursprung für die Erniedrigungsphilosophie mancher sozialistischer Ansätze (obwohl sich manch Arbeiterbewegungen, die sich sowieso oft erfolgreich von ihren geistigen Urhebern entfernten, oder sozialistisch motivierte koloniale Befreiungskämpfe auch konträr zur ihren marxistischen Ideengebern auf eine ihr innewohnende Stärke beriefen) sieht Nietzsche dabei in der christlichen Kultur (vorbereitet in der priesterlich-prophetischen Tradition des Judentums), vor allem freilich im Jesus der christlichen Evangelien, der Arme, Kranke und Sünder fokussiert. Diese Fokussierung versteht Nietzsche indes als
„sublime Rachsucht“ und als „wahrhaft grosse Politik der Rache“; einer Rache an denen, die Größe oder Geistesgröße, freudige Leiblichkeit oder materielles Wohlergehen besitzen, die Visionen und Ideale haben, eben ‘denen da Oben’. (Ganz anders verstand sich noch das Judentum der mosaischen Zeit, nämlich leib-, materie- und diesseitsfreudig.) Ausdruck dieser Ressentiment-Moral ist freilich der Stellenwert der Kreuzigung im Christentum, also die Leidensmetaphysik.68

Nietzsche polemisiert dabei nicht gegen Kranke, sozial Schwache oder Sklaven, sondern vielmehr gegen eine Denke, die Kranke, sozial Schwache oder Sklaven stereotypisiert und als Leitbild ausgibt. Das steht gemäß Nietzsche auf fatalen Füßen: „Der Sklavenaufstand in der Moral beginnt damit, dass das Ressentiment selbst schöpferisch wird und Werthe gebiert: das Ressentiment solcher Wesen, denen die eigentliche Reaktion, die der That versagt ist, die sich nur durch eine imaginäre Rache schadlos halten. Während alle vornehme Moral aus einem triumphierenden Ja-sagen zu sich selber herauswächst, sagt die Sklaven-Moral von vornherein Nein zu einem „Ausserhalb“, zu einem „Anders“, zu einem „Nicht-selbst“: und dies Nein ist ihre schöpferische That.“69 Die Moral oder Politik des Ressentiments definiert sich also durch reine Selbstbezüglichkeit, durch eine Abgrenzung zu Höherem, Besseren oder auch nur Anderem, ihr fehlt völlig die Dimension der Überschreitung (sei es von inneren oder äußeren Grenzen), dort draußen lauert nur das schlichte Feindbild: „Dagegen stellen man sich „den Feind“ vor, wie ihn der Mensch des Ressentiments concipirt ̶ und hier gerade ist seine That, seine Schöpfung: er hat „den bösen Feind“ concipirt, „den Bösen“, und zwar als Grundbegriff, von dem aus er sich als Nachbild und Gegenstück nun auch noch einen „Guten“ ausdenkt ̶ sich selbst! ...“70 Dabei ist auch jenes Selbstbild als ‘Guter’ freilich unterschwellig von Selbsthass und einem negativen Menschenbild per se bestimmt, von Minderwertigkeitskomplex und Selbstmitleid:

„[W]ir Schwachen sind nun einmal schwach; es ist gut, wenn wir nichts thun, wozu wir nicht stark genug sind.71


Nietzsche (selbst scharfer Kritiker des Deutschtums wie des kleingeistigen Antisemitismus’, stattdessen Kosmopolit, Europäer und mit seinem großen Wurf hinsichtlich der Potentiale des Menschen per se brillierend ), zu dessen Zeit teils noch die Leidensmetaphysik, des Christentums gelehrt wurde, teils sich sklavenmoralische, gleichmachende Spielarten des Sozialismus’ verbreiteten und nicht zuletzt Nationalismus, Völkisches und Antisemitismus die Öffentlichkeit zu bestimmen begannen, diagnostiziert so schließlich:
„Hier eben liegt das Verhängniss Europas’s ̶ mit der Furcht vor dem Menschen haben wir auch die Liebe zu ihm, die Ehrfurcht vor ihm, die Hoffnung auf ihn, ja den Willen zu ihm eingebüsst.“72

Das negative Menschenbild ist so die Grundlage einer Politik, die allein auf Ressentiments gründet, seien es Ressentiments gegen Besserverdienende, Geflüchtete, Homosexuelle, Student*innen z.B. der Gender , Postcolonial oder Posthuman Studies, Akademiker*innen, prekäre Verdienende dieses Milieus, Queer-Aktivist*innen, ‘die da Oben’ oder das ‘grüne Establishment’. Die negativen Gefühle des Ressentiments, wie Hass oder Neid, sind dabei die Triebfeder und oft bleibt es allein bei den negativen Gefühlen, dem Irrationale also, worum endlos gekreist wird. Eine realisierte soziale Gerechtigkeit würde dem den Boden entziehen, weshalb auch gar keine positiv besetzten Kämpfe für eine gerechtere Gesellschaft erfolgen; es bleibt allzu oft bei der Litanei, dass es jene nicht gibt, verquickt mit dem (heute gern beschönigend bemäntelten) Plädoyer für das Autoritäre, welches Sicherheit und Gleichheit zu bringen verspricht. Schon Kaiser, Päpste, Bischöfe, Könige, Fürsten und ZK-Vorsitzende wussten mittels der knechtischen Ressentiments die Bevölkerungen zu manipulieren, zu instrumentalisieren und zu unterdrücken, wobei tatsächlich die Unterschichten immens verachtet wurden. Eine eigentliche innere Stärke des Menschen, die sich sowohl in christlichen wie sozialistischen Traditionen in diesseitigen Gestaltungsmöglichkeiten im Sinne einer besseren Zukunft dito finden lässt, wird dabei völlig ausgeblendet.

Dass die umgekehrte Fokussierung von Schwäche und Knechttum rein destruktiv ist, konstatiert auch der Publizist Heinz Michael Vislmeier, der zugleich auf eine positiv aktualisiertes Verständnis von Sozialismus verweist: „In einem Thread zu meinem Beitrag "Wagenknecht verbreitet unausgegorenen Bullshit" schrieb ein "Linker": "jemand aus der Unterschicht, der nur Arschtritte vom System gekriegt" habe, könne mit einer konkreten Utopie von einer menschlichen Gesellschaft nichts anfangen und würde sich deswegen den Rechten zuwenden. Was sonst aber, als die konkrete Utopie einer sozialistischen, einer menschlichen Gesellschaft können wir den Menschen anbieten?

Sicherlich kann sich jemand, der nur Unterdrückung und Ausbeutung erfahren hat, ein menschliches Zusammenleben, nichts anderes ist eine sozialistische Gesellschaft, schwerlich vorstellen. - Wie auch!? Wenn aber die Vision einer menschlichen Gesellschaft nicht gedacht werden kann, bleibt Resignation und Hass. Der Hass richtet sich gegen alle, denen es irgendwie besser zu gehen scheint, als einem selbst und gegen alle, die anders sind, beispielsweise Minderheiten oder Migranten und Flüchtlinge.“73


Ganz im Sinne des knechtischen Ressentiments bewegt sich beispielsweise
#aufstehen Frankfurt wenn auf deren Facebook-Seite über die linke Landtagsfraktionsvorsitzende Janine Wissler (mir persönlich würden da viel sachlichere Kritiken einfallen) mit „Kreißsaal. Hörsaal. Plenarsaal“74 gepöbelt wird, Bildungswege also denunziert und unterstellt wird, in jedweder Art von ‘Saal’ werde gar nicht ‘richtig gearbeitet’, weil die Arbeit an der akademischen Ausbildung ebenso wie die parlamentarische Arbeit eben nicht dem konstruierten Stereotyp der ‘Abgehängten’ entspricht. Auch wenn die Verfasser die Vokabel kreißen gar nicht zu kennen scheinen (vgl. vorige Fußnote), wird die Reproduktion (nach z.B. Arendt ein Aspekt tatsächlicher, natürlicher Arbeit) hier ebenfalls (gewollt oder ungewollt) abgewertet und das Patriarchat legitmiert.

Einen weiteren Beitrag in Sachen Sklavenmoral stiftet #aufstehen Frankfurt, wenn es den Lafontaine- und Wagenknecht-Vertrauten Christoph Butterwegge als Gewährsmann heranzieht (Abb.). Ist Butterwege in seiner Rhetorik auch wesentlich zurückhaltender, so besetzt er dennoch reaktionäre Positionen, die das Wesen der Digitalisierung nicht begreifen, die am Horizont des (längst vergangenen) Industriekapitalismus’ festhalten, die die Arbeitsideologie des 19. Jahrhunderts reproduzieren und ein Zurück zum nationalistischen Sozialstaat des Rheinischen Kapitalismus fordern, dessen historische Grundlage (Kalter Krieg) aber freilich schon lange nicht mehr gegeben ist. Ebenso nährt er ein negatives Menschenbild, gemäß dem der Mensch mittels Arbeitszwang diszipliniert werden muss.75 In der Migrationsthematik betreibt er (in abgeschwächter Form) ebenfalls ein Ausspielen von Geflüchteten und anderen sozial Schwachen,76 was nur konsequent ist: Sein, wie Wagenknechts & Co, retro-romantischer Nationalstaat wäre ja nur mittels Abschottung realisierbar.

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V. Das kulturalistisch-rassistische Ressentiment

Manche Protagonist*innen aus dem Milieu von #aufstehen, so wurde oben gezeigt, kritisieren grundsätzlich unsere Gesellschaft als neoliberal und wenden sich dabei auch entschieden gegen kulturelle Ausprägungen des (Neu-)Liberalen, nämlich Emanzipationen und Minderheitenpolitiken, seien sie zugunsten von People of Color, Homosexuellen, Geflüchteten, Frauen, Trans* oder Inter*. Dabei wird also nicht zwischen einer kulturellen Sphäre und einer ökonomischen Sphäre unterschieden. Dieser Ansatz lässt sich indes nicht aufrechterhalten, denn die sozialen Gruppierungen und ihre sozialen Funktionen gehen nicht deckungsgleich mit ihrer ökonomischen Vereinheitlichung (als Bio-Material, Konsument*innen, Wähler*innen und Geber*innen virtueller Daten). Étienne Balibar stellte bereits 1988 die rhetorische Frage: „[...] ob die sozialen Einheiten der heutigen Welt nicht von ihrer ökonomischen Einheit zu unterscheiden sind. Warum sollten sie eigentlich zusammenfallen? Außerdem meine ich, dass die Gesamtbewegung der Weltwirtschaft eher das zufällige Ergebnis der Bewegung dieser sozialen Einheiten als ihre Ursache ist.“77 Denn es gibt freilich auch solche „soziale Praktiken [...], die ebenso materiell, aber nicht auf das Verhalten des homo oeconomicus reduzierbar sind: z-B. die Praktiken der sprachlichen Kommunikation und der Sexualität, die Technik oder das Wissen, die dem Imperialismus der Produktionsverhältnisse Grenzen setzen und ihn von innen heraus transformieren.“78

Schon seit einigen Jahrzehnten gibt es den Rassismus im eigentlichen Sinne, also mit Grundlage einer Rassentheorie, kaum noch; selbst in den Reihen der AfD dürften sich nur einige Rassentheoretiker*innen finden lassen. Vielmehr definiert sich Rassismus heute darüber, dass er andere Kulturen ablehnt, nicht versteht oder als dem euro- und amerikazentrischen Leitbild unterlegen betrachtet. Dieser kulturalistische Rassismus artikuliert sich um stigmatisierende Merkmale des „Anderen“ (wie Name, Hautfarbe, kulturelle Eigenarten, Vorstellungen von Welt, Familie, Erziehung oder Arbeit, religiöse Praxisformen) herum.79 Die Kategorie der Rasse wird dabei durch die Kategorie der Immigration ersetzt, es handelt sich so um einen „Rassismus ohne Rassen“, der die kulturellen Differenzen fokussiert und „die Schädlichkeit jeder Grenzverwischung und die Unvereinbarkeit der Lebensweisen und Traditionen“ behauptet,80 wie auch die Ablehnungen von Grenzdestruktionen und/oder geöffneter Grenzen dazu gehören, den Rassismus meint eben nicht nur die gezielte Ausbeutung und Unterdrückung anderer Nationen oder Kulturen, sondern auch Bestrebungen, die eine „Hierarchisierung und Abschottung der Gesellschaft zum Ziel“ haben.81



Wir kennen es inzwischen zur Genüge von der AfD, aber auch von Wagenknecht und Jünger*innen, dass das Konstatieren des Rassismus’ alteriert von sich gewiesen wird. Nach ursprünglicher Wortbedeutung zu Recht, denn weder Weidel noch Wagenknecht berufen sich explizit auf eine Rassentheorie. Balibar/Wallerstein wiesen bereits 1988 darauf hin, dass die neuen Kategorien des kulturalistischen Rassismus von den neuen Rassist*innen systematisch zu einer
„eine Erschütterung der Abwehrmechanismen des traditionellen Antirassismus und zwar durch Umstülpung seiner eigenen Argumentation [dienen]: sie wird gegen ihn selbst gewendet [...].“ 82 Auf einer weiteren Ebene argumentieren ambitionierte Rassist*innen von heute sogar, dass sie eine Position vertreten, welche aus dem Konflikt zwischen Rassismus und Antirassismus entstanden sei und dass der Antirassismus erst den Rassismus hervorbringe.83

Ein anderes Kriterium des Rassismus’ hat sich im Kulturalismus(wobei das Wort ursprünglich gerade die gleiche Augenhöhe der Kulturen meinte) gleichbleibend erhalten: Es ist von ‘demokratischer’ Art, denn die rassistischen und/oder kulturalistischen Lehren sind einem schwachen Bildungsgrad angepasst und unmittelbar zugänglich, also gemacht für die ‘Masse(n)’; dabei gilt: „Die Kategorie der „Masse“ (oder auch des Volkstümlichen) ist als solche keineswegs neutral, sondern steht in direktem Zusammenhang mit der Logik der Unterwerfung des Gesellschaftlichen unter die Denkformen von Natur und Rasse [resp. heute Immigration].“ 84 Dabei findet sich Rassismus per se in denjenigen nationalen Institutionen, die die Kultur der ‘nationalen Massen’ legitimieren und es als universalistisch & fortschrittlich darstellen, dass sie ‘andere integrieren’.85 Indes: „Kein theoretischer Diskurs über die Gleichwertigkeit aller Kulturen kann einen wirklichen Ausgleich für die Tatsache schaffen, dass von einem „Black“ in Großbritannien oder einem „Beur“ in Frankreich die Assimilation als Voraussetzung dafür verlangt wird, sich in die Gesellschaft „integrieren“ zu dürfen, in der er doch bereits lebt (wobei zugleich unterschwellig immer der Verdacht gehegt wird, seine Assimilation sei oberflächlich, unvollständig oder bloß vorgetäuscht) und dass dies als ein Fortschritt, ein Emanzipationsakt, als Gewährung eines Rechts dargestellt wird.“86


Ein Internationalismus, der von orthodox-linker Seite gerne als Gegenbild sowohl der Globalisierung als auch eines emanzipatorischen Kosmopolitismus’ angeführten wird, steht in seinen historischen Versionen in gefährlicher Nähe zum Rassismus. Denn UdSSR oder DDR praktizierten tatsächlich einen
„internationalistischen Nationalismus“, während rechte Parteien gleichsam internationale Gleichgesinnte suchten/suchen und so einen „nationalistischen Internationalismus“ prägten/prägen.87 Ebenso handelte es sich bei allen bisherigen sozialistischen Staaten wie bei Sozialstaaten stets um einen nationalistischen Staat.88 Grundlage sind dabei jeweils die symmetrischen Ideologien: „So groß war die Symmetrie, die seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts zwischen den Darstellungen der Geschichte als „Klassenkampf“ und als „Rassenkampf“ bestand, beide als „internationale Bürgerkriege“ gedacht, bei denen es um das Schicksal der Menschheit geht.“89

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VI. Überwindung der Ressentiments: Freiheit und Gleichheit

Das Plädoyer für die Freiheit aber, die Emanzipation der verschiedensten sozialen Gruppen also, die (umgangssprachliche) ‘Liberalisierung’ von Kultur(en), Sexualität(en), Körperlichkeit(en) oder Bildung(en) also, bleibt außen vor. Das ist ein Grundzug des Sozialismus’, oder besser gesagt, des orthodox-marxistischen und später staatlichen Sozialismus’, dass Freiheit zugunsten von Gleichheit fallengelassen wird.

Axel Honneth indes erinnert uns daran, dass Sozialismus ursprünglich etwas anderes meinte, dass der Frühsozialismus der Formel der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit entsprach. Dies wurde auch mit der französischen Revolution propagiert, was aber bekanntlich nur für den männlichen, weißen Europäer der Bourgeoisie realisiert wurde. Jedoch findet sich bei den Frühsozialisten, so werden die sozialistischen Akteure aus dem Umfeld der Frz. Revolution (1789) bis zur 1848er Revolution genannt, noch ein Nachhall der Formel, wenn auch mit einer ersten Umakzentuierung, so Honneth: „Es geht den Vertretern des Frühsozialismus nicht einfach nur darum, die ökonomische Sphäre sozialen Direktiven zu unterstellen [...]; auch sind diese Autoren nicht vordringlich darum bekümmert durch eine neue Wirtschaftsordnung einfach nur eine gerechtere Verteilung lebensnotwendiger Ressourcen zu gewährleisten; vielmehr soll die stärkere Vergemeinschaftung der Produktion dem moralischen Ziel dienen, der revolutionär proklamierten Freiheit den Charakter der bloß privaten Interessenverfolgung zu nehmen, um sie in der neuen Form einer ungezwungenen Kooperation mit dem anderen Revolutionsversprechen der Brüderlichkeit vereinbar zu machen.“90 Noch werden also Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit (letztere nennen wir heute Solidarität) gemeinsam genannt, aber bereits hier wird die Freiheit der Solidarität und Kooperation untergeordnet, allerdings nur in dem Sinne, dass ein subjektiver Individualismus von der Gemeinschaft begrenzt wird. Selbst beim jungen Marx finden sich noch Ansätze, die Freiheit des Individuums (wie ihn der politische Liberalismus versteht) beizubehalten, auch wenn diese der kommunistischen, ‘wahren’ Gemeinschaft zu widersprechen scheint.

In einem Text der 1840er Jahre verwendet Marx eine Analogie zur geschlechtlichen Liebe, wenn er Freiheit und Solidarität miteinander zu verschränken sucht. Honneth fasst zusammen: „[D]enn wie in der Liebe, so müssen auch in der zuvor beschriebenen Assoziation [der kommunistischen Gesellschaft also; R.W.] meine Aktivitäten von vornherein auf nur solche Zwecke beschränkt sein, die zugleich meiner eigenen Selbstverwirklichung wie auch der meines Interaktionspartners dienen [...].“91 Die individuellen Freiheiten und Zwecke bleiben also erhalten, verschränken sich aber in ein ‘Füreinander’.


So weit, so gut. Der spätere Marx indes, und mit ihm ein ganzer Strang der sozialistischen Tradition, beziehen das Themenfeld der sozialen Freiheit(en) nicht auf eine politische Demokratie, sondern allein auf die Sphäre der gesellschaftlichen
Arbeit. Nach Honneth, und ich bin da ganz bei ihm, liegt hierin der erste Geburtsfehler des Sozialismus’.92 Daraus aber resultiert: „Weil die Sozialisten alle Freiheit, die gute ebenso wie die schlechte, einseitig nur noch im ökonomischen Handlungsbereich platziert haben, ist ihnen plötzlich und ohne es recht zu bemerken die Chance genommen, das neue Regime einer demokratischen Aushandlung gemeinsamer Ziele ebenfalls in Kategorien der Freiheit zu denken. Und die Folge davon musste sein, nicht nur über keinen zureichenden Begriff der Politik mehr zu verfügen, sondern auch die emanzipatorische Seite der gleichen Freiheitsrechte insgesamt zu verfehlen.“93

Dabei ist die genauere Argumentation bei Marx, dass die liberalen Freiheitsrechte zwar jedes Individuum zum Teil der ‘Volkssouveränität’ machen, aber in der sozialistisch-kommunistischen Gesellschaft der Zukunft keinerlei normative Bedeutung mehr haben (müssen), weil dort aller individueller Wille in der materiellen, ökonomischen Arbeit gebunden ist. Es gehen als „alle individuellen Rechte restlos in einer Gemeinschaft füreinander tätiger Subjekte [auf] [...], so daß am Ende weder für die Autonomie des einzelnen noch für die intersubjektive Erkundung eines gemeinsamen Willens ein legitimer Platz blieb. [...] Die Folge des damit umrissenen Zukunftsentwurfs war die Unfähigkeit, aus der eigenen Doktrin heraus noch einen normativen Zugang zur politischen Sphäre zu finden.“94 Letzteres meint m.E., dass gemäß Marx’schem Entwurf ja gar keine politische Sphäre im eigentlichen Sinne besteht, weil sie in Arbeit & Ökonomie einbegriffen ist.


Selbstreferentiell ist weiterhin (das macht nach Honneth den
zweiten sozialistischen Geburtsfehler aus) die Marx’sche/sozialistische Annahme, dass soziologisch eine potentielle Gruppe von Widerständlern bereits in der Gesellschaft vorhanden sei und nur aktiviert werden müsse. Die Frankfurter Schule brachte als erstes auf empirischer Basis „dieser soziologischen Fiktion einer revolutionären Arbeiterklasse“ [Honneth] Bedenken entgegen.95 (Wenn #aufstehen einen ‘Abgehängten’ konstruiert, geschieht m.E. Analoges.)
Mit dem Übergang des Industriekapitalismus in den Informationskapitalismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und mit dem sich nun im 21. Jahrhundert vollziehenden weiteren Übergang in die
Post-Work-Gesellschaft (wobei ökonomischer wie politischer Rahmen weiterhin offen sind), ist das vermeintlichen revolutionäre Subjekt freilich zuerst in eine Minderheit und bald gar in eine Abwesenheit verschoben worden.


Der
dritte Geburtsfehler schließlich ist die Annahme eines Fortschritts, der selbständig zur Möglichkeit veränderter Produktionsverhältnisse führt, begleitet von dem Denkfehler einer gesetzten (indes bisher nicht experimentell verifizierten) Optimalität der Planwirtschaft.96 Mit diesen Setzungen a priori aber „ist es dem Sozialismus durch die Unterstellung historischer Gesetzmäßigkeiten nahezu vollständig verwehrt geblieben, sich selbst als eine Bewegung zu begreifen, die erst durch soziale Experimente herauszufinden hat, wie die leitende Idee der sozialen Freiheit je nach geschichtlichen Bedingungen am ehesten und besten zu verwirklichen wäre; [...].“97 [Hervorh. R.W.]

Honneth indes geht davon aus, dass trotz all dieser Geburts- oder Denkfehler die sozialistische Idee, verstanden als Dreiklang von Freiheit, Gleichheit & Solidarität, aktualisierbar und realisierbar ist.

Die ‘sozialistische Freiheit’ versteht Honneth dabei als ‘soziale Freiheit’, die er (wider alle historischen Gegenbeispiele) von der Unfreiheit des Kollektivismus’ stark abgrenzt: „Vom Kollektivismus unterscheidet sich eine solche soziale Freiheitsauffassung dadurch, daß es ihr primär um die Realisierungsbedingungen individueller Freiheit geht, vom herkömmlichen Individualismus grenzt sie sich hingegen dadurch ab, daß sie diese Freiheit von der Teilhabe an einer bestimmten Art von sozialer Gemeinschaft abhängig macht.“98 [Hervorh. R.W.] Eine Aktualisierung ‘des Sozialismus’’ nun kann die drei Prämissen der Geburtsfehler nicht einfach streichen, sondern muss sie korrigieren und aktualisieren. Honneth setzt dabei , womit ich einig gehe, auf die Theoretiker*innen des Postmarxismus’.99 Weiter hebt er aber auch (und umgekehrt stehen gerade die Wagenknechtianer*innen dagegen auf) hervor, dass die in der parlamentarischen Demokratie errungenen Emanzipationen, deren Institutionalisierungen und Niederschläge im common sense (ich würde hier beispielhaft nennen: Frauenrechte, Homosexuellenrechte oder Rechte zugunsten von Migrant*innen sowie die jeweilige zumindest partielle Akzeptanz der betroffenen Gruppen in der Bevölkerung) „von einem heutigen Sozialismus viel eher als Gewährsgrößen für eine Realisierbarkeit seiner Hoffnungen genommen werden [können] als die noch so zahlreichen Auftritte sozialer Bewegungen.“100

Ich möchte hier ergänzen, dass freilich soziale Gruppen stetig Druck auf die Institutionen auszuüben haben (In dieser Hinsicht müssen die Institutionen gejagt werden!), bis die letzten Spuren von Sexismus, Rassismus, Chauvinismus und Diskriminierungen verschwunden sind.

Honneth bemerkt weiter aber ganz richtig, dass dogmatische und/oder autoritäre Sozialist*innen, ebenso wie ihr weichgespülten Unten-vs.-Oben Nachfolger*innen zur Linken wie zur Rechten, nicht wahrnehmen wollen, welche realen und emanzipatorischen sozialen Freiheiten (vor allem im Feld der Bürgerrechte) bereits im (Neu-)Liberalismus gewonnen wurden, und stattdessen bei ihrem schlichten Feindbild ‘Neoliberalismus’ verharren. Das liegt daran, weil im Tunnelblick allein die wirtschaftliche Sphäre fixiert wird (und ja, dort läuft wirklich vieles sehr, sehr schief!), die Existenz anderer Sphären (Feminismus, Lebensweisen etc. pp.) aber gar nicht ins Blickfeld kommt.101

Realiter aber existieren drei Freiheitssphären: das ökonomische Handlungssystem, die persönlichen Beziehungen und die demokratische Willensbildung.102 Für eine postkapitalistische, zukünftige Gesellschaft ist ein Zusammenspiel dieser dreier Sphären zu postulieren.103
Zudem ist auch nach Honneth freilich die
„nationalstaatlich eingehegte Gesellschaft“ aufzugeben, die im 21. Jahrhundert „höchst unpausibel geworden ist“.104 Steuerndes Element des neuen Sozialismus’ aber soll „die demokratische Öffentlichkeit sich beratschlagender Bürger und Bürgerinnen“ sein,105 die meines Wissens (#wirsindmehr) Rassismus, Nationalismus, Grenzregimen oder Kulturalismus, ob er von der AfD, #aufstehen oder sonstwem kommt, noch beherzt entgegentritt.

Grundsätzlich106 gilt, dass „der Sozialismus -wie sollte es auch anders sein - ein „kosmopolitisches“ oder „internationalistisches“ Unternehmen“ ist.107


Balibar, der hier vor allem hinsichtlich seiner Rassismus-Theorie hinzugezogen wurde, betont übrigens gleichsam eine Verquickung von Gleichheit und Freiheit. Er konstatiert: „
„Die historischen Bedingungen der Freiheit sind dieselben wie die historischen Bedingungen der Gleichheit. Zwangsläufig werden stets beide gemeinsam angefochten.“108 Er verquickt beide Begriffe so sehr, dass er zu der Wortschöpfung Gleichfreiheit (Égaliberté) kommt, wie auch ein neuerer Essay-Band109 von ihm titelt.

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VII. Noch einmal: Dekonstruiert Grenzen!

Auch wenn ewiggestrige ‘Linke’ fleißig (meist argumentationslos) dieses Feindbild beschwören: Die vielen Facetten des postmarxistischen Diskurses, seien es die Queer Studies, die Gender Studies, der neuere Feminismus, der zeitgenössische Anarchismus, der Postoperaismus, die Diskurse der People of Color, das Postkoloniale, das Posthumanistische, die Inklusionsdiskurse. die Kapitalismus- und Gesellschaftsanalysen der postmodernen Philosophie, Critical Whiteness und Critical Masculinty Studies, Migrationsforschung, Akzeleration oder die Ökonomien der Post-Work-Denker*innen, sind freilich nicht zu verwerfen, nur weil sie sich bereits im Neoliberalismus ausbilden konnten, zu neoliberalen Zwecken instrumentalisiert werden oder vom Neoliberalismus besetzt werden können. Vielmehr stellen sie eine funktionsfähige Basis dar, auf der eine postkapitalistische Gesellschaft und Ökonomie gründen kann. Zu diesen Forschungen gehört selbstfreilich auch eine nicht-nationalistische Armutsforschung, für die beispielsweise Esther Duflo (bzgl. ihrer Forschung sei unten auch referiert) und Abhijit Banerjee stehen, die sich nicht den Prozessen des 21. Jahrhunderts verschließt.

Diese verschiedenen Forschungs- und Theoriezweige sind weder abstrakt noch elfenbeintürmisch, sondern arbeiten ganz konkret mit den jeweiligen thematisierten Subjekten und ihren Lebensweisen; wer sich aber nicht in die jeweilige Materie einarbeitet, kann freilich nur über entkontextualisierte Einzelzitaten spotten. Nicht selten ist es übrigens, meiner Beobachtung nach, das Personal dieser Studien, welches gleichzeitig sozial und politisch engagiert ist und für Verbesserungen von Lebensumständen eintritt. Und ja, Ironie, kritische Selbsthinterfragung (Das Theorem geht jetzt zu weit...), Gelächter und Tragikomik tragen viele dieser Post-s, Kritiken oder -ismen bereits in sich, um es beispielsweise mit der QueerFeministin Donna Haraway zu sagen:

„Ich bin Kompost-istin, nicht Posthuman-istin: Wir sind alle Kompost, nicht posthuman. [...] Der Rande der Vernichtung ist nicht nur eine Metapher; der Systemzusammenbruch ist kein Thriller. Frag jedes beliebige Wesen, das auf der Flucht ist, egal welcher Spezies.“110


Bereits an anderer Stelle111 habe ich die postkoloniale Herausforderung unserer Tage (wie sie sich im postmarxistischen Sinne darstellt) referiert und dabei auch auf die ganz pragmatischen Nutzen von geöffneten Grenzen verwiesen. Vor der Negativ-Folie des Rassismus’, des Kulturalismus’ und des Ressentiments, welche der vorliegende Text gibt, möchte ich einige Aspekte wiederholen. So möchte ich aufzeigen,

· wie die Welt des 21. Jahrhunderts nur jenseits der nationalen Einheit verstanden werden kann.

· wie der postkoloniale Diskurs sich dieser Realität stellt und dabei gleichsam den Menschen in seiner Wesentlichkeit fokussiert (anstatt ihn (wagen-)knechtisch zu begrenzen).

· wie dieses menschliche Wesen im postmarxistischen & postkolonialen Sinne gerade nicht identitätspolitisch gehändelt wird, sondern Identitäten dekonstruiert (während umgekehrt die Kritiker*innen selbst identitär vorgehen, wenn sie die Identität des ‘Abgehängten’ konstruieren).

· wie postkoloniales Denken die Fiktivität von Grenzen offenlegt, nicht zuletzt bei dem (nur 200 Jahre glaubhaften) Konstrukt der Nation.

· wie geöffnete Grenzen ethisch, ökonomisch wie zukunftsweisend sinnstiftend sind.


Die rassistische Welt des ‘Wir’ und ‘die Anderen’ konstruiert eine binäre Logik, die sich in der banal-bösen Welt des Dualismus ausdrückt, welchen der (Neo-)Kolonialismus setzt: Die Kolonialherren auf der einen Seite, die Unterdrückten auf der anderen. Das Ressentiment triumphiert und damit der Rassismus. Jener aber ist (auch in der Spielart des transversalen, sozialen Rassismus’) Grundzug der westlichen Welt bei ihrem kolonial-imperialistischen Agieren, wie Fanon bemerkt:
„Die kolonisierte Welt ist eine zweigeteilte Welt.“112 Es ist eine Welt mit einem gewaltigen Grenzwall. Auch Fanon benutzt dafür den Begriff des Manichäismus’: Der Manichäismus wird vom Kolonialherrn betrieben, der den Kolonisierten zum Gegenbild stilisiert oder jenen gar negiert, ihn für Ethik und westliche Werte nicht fähig erklärt.113

Auch die heutige Globalisierung und ihr Neo-Kolonialismus sind strukturell rassistisch wie sexistisch;114 obwohl Xenophobie und Exklusion der Kapitalakkumulation schaden, so ist Rassismus doch eine Wunderwaffe, um die Arbeiterschaft zu disziplinieren. Trotz des universalistischen Anspruchs der Globalisierung, hantiert sie in mehrfacher Hinsicht mit Grenzerrichtungen des Rassismus’ (am offensichtlichsten freilich mit der Grenze zwischen globalem Süden und globalem Norden).115

Es ist kontrovers, ob heute ein Neo-Kolonialismus vorliegt oder der Kolonialismus schlicht nie gebrochen wurde. Wichtig ist aber, dass die koloniale Idee „bis in die heutigen postmodernen Konsumgesellschaften und deren geschichtspolitischer Bezug auf eine sinnentleerte und kommodifizierte Retro-Kolonialität reichen kann.“116


Der peruanische Soziologen Aníbal Quijano spricht vom Konzept einer
Kolonialität der Macht, welches sich auf dem kapitalistischen Wertesystem gründet und die kulturelle Differenz in einem blauäugigen Modern vs. Traditionell, Weiß vs. Schwarz, Zivilisation vs. Barbarei zu fassen sucht. Dabei entsteht eine Geopolitik des Wissens, die indigene und andere periphere Kenntnisse, Wissenschaften und Sprachen ignoriert. Stattdessen wird gerne ein Wissen über den Anderen produziert.117

Konkreter sei zu der Kolonialität der Macht gesagt: Beispielsweise Kien Nghi Ha weist in Die kolonialen Muster deutscher Arbeitsmarktpoltik (2003) darauf hin, dass deutsche Migrations- und Arbeitsmarktpolitik die „Form der inneren Kolonisierung“ habe, denn es werde schlechterdings die Produktivkraft des Anderen angeeignet. Gilt noch im 21 Jahrhundert eine Selektion von Einwanderungswilligen nach Nützlichkeitskriterien, so sei das „charakteristisches Merkmal von Kolonial- und Apartheidsstaaten“.118

Selbstverfreilich nicht nur der deutsche Arbeitsmarkt, sondern auch und vor allem der globale Süden unterliegt dieser Kolonialität der Macht: mit europäischen und US-amerikanischen Protektoraten (Rekolonisierung119), mit Erdölkriegen, mit land grabbing inklusive Zwangsvertreibung der ansässigen Bevölkerung, mit Nahrungsmittelspekulation, mit Waldrodungen im exorbitanten Stil, mit durch den Klimawandel ausgelöster Bodenverarmung/Erosion – wie durch tauende Gletscher anschwellende Flüsse (z.B. in Bolivien) – und andere Naturkatastrophen,120 mit verschmutztem ‘Trink-‘wasser, mit einer Medikamentenmafia, mit der Versagung von Ausrüstung an leistungsfähige und mit reicher traditioneller Erfahrung ausgestattete Bauernkulturen.121 An der Tagesordnung sind Unterdrückung durch Armut, fortwährende Unterernährung und periodisch wiederkehrende Hungersnöte, (Kinder-)Prostitution, Kinderarbeit in Minen und Fabriken, hohe Kindersterblichkeit, hohe Suizidraten, wirtschaftliche wie soziale Dauerkrisen, nicht tilgbare Auslandsschulden, bewaffnete Konflikte, Aids, Tuberkulose und anderen Epidemien.

Es sei mit Jean Ziegler erinnert: „In ihrem augenblicklichen Zustand könnte die Weltlandwirtschaft problemlos zwölf Milliarden Menschen ernähren, was gegenwärtig fast der doppelten Weltbevölkerung entspräche. / Insofern ist die Situation alles andere als unabwendbar. / Ein Kind, das am Hunger stirbt, wird ermordet.“122 Bis heute lässt sich so konstatieren: „Ideen von »der Welt« oder »dem Globalen« bleiben zutiefst mit dem Neokolonialismus verstrickt.“123


Ebe
n diese Situation wollen postmarxistische und/oder linke Vertreter eines Kosmopolitismus’ verändern. Beispielsweise Ulrich Beck (1944-2015) beschreibt so in seinem letzten, posthum erschienen Buch Die Metamorphose der Welt (2017), dass angesichts der global gültigen Problemstellungen Klimawandel, Migrationsbewegungen, neuen Bio-Technologien und deren ethische Konsequenzen, die eine strukturelle Metamorphose der Welt bewirken, dito die Perspektive auf Welt und Menschheit gerichtet zu sein habe und die Fixierung auf den Nationalstaat abzulösen sei.124 Bewegungen der Renationalisierung sind dabei trotzige Reaktion auf die Globalisierung (so die aktuellen nationalistischen Bestrebungen des ‘Grenzschutzes’ oder die Stereotypisierungen des ‘deutschen Abgehängten’).125

Anstatt einer neoliberalen Globalisierungspolitik gilt es nach Beck indes eine Kosmopolitik zu setzen: „[...] eine Metapolitik, eine Politik der Politik, die dem nationalstaatszentrischen Denken und seinen Normen und Institutionen eine neue Form gibt ˗ [...] mit dem Ziel einer kosmopolitischen Erneuerung und Ausweitung der Wirkungsmöglichkeiten nationaler Politiken [...].“126

Dabei ist das in Angriff zu nehmende Projekt der Kosmopolitisierung nach Beck ganz klar von einem vorigen Paradigmenwechsel zu trennen, nämlich dem der kolonialen Transformation („Frühstadium einer imperialistischen Globalisierung vor der Globalisierung“127), an welche die Globalisierung anknüpfte ˗ indes nicht die Kosmopolitisierung, welche die normativen Horizonte von Gleichheit und Gerechtigkeit verlangt und so vielmehr auch als eine „Metamorphose des Postkolonialismus“ bezeichnet werden kann.128


Das Postkoloniale fokussiert dabei in mehrfacher Hinsicht die Grenze(n), ausgehend von der
Gemengelage des Kolonialismus, der Globalisierung, des Neo-Kolonialismus und des steten Dualismus’, welche zu überwinden sind. Grenzen werden nicht im Sinne der Abgrenzung verstanden, sondern: Es wird 1.) die Grenze als Ort der Vermengung (von Kulturen, Sprachen, Weltbildern), und somit des Hybriden thematisiert. 2.) Ist Ausgangsort des Postkolonialen selbst dieses Grenzland, ein „hybride[r] Ort des kulturellen Wertes – des Transnationalen als des Translationalen129 [Bhaba]. Die postkoloniale Studien an sich sind Grenzerfahrung (border gnosis) des permanenten Überschreitens und Unterlaufens von kulturellen Systemen .130 3.) Die Postcolonial Studies betonen also die Bedeutung des Hybriden (jede Kultur, jeder Mensch ist letztlich hybrid; es gibt keine feste und starre Kultur im Reinzustand, die Geschichte des Menschen ist eine Geschichte der Migrationen und kulturellen Vermengungen). 4.) Das Postkoloniale transformiert gerade durch die Betonung der Ontologie der Grenze dieselbe: Wenn alles Grenze ist, wenn alles hybrid ist, werden konstruierte starre Grenzen und Grenzverläufe überschritten (transzendiert). Die Vorsilben der Überschreitung, trans- und inter-, fallen so häufig in den Postcolonial Studies.

Der postkoloniale Denker Homi K. Bhabha beginnt seine Schrift Die Verortung der Kultur (engl. 1994, dt. 2000) mit folgendem Heidegger-Zitat: „Die Grenze ist nicht das, wobei etwas aufhört, sondern, wie die Griechen es erkannten, die Grenze ist jenes, von woher etwas sein Wesen beginnt.“131 Weiter wird die Grenze betont, freilich nicht in ihrer trennenden Funktion, sondern in ihrem eigentlichen Wesen, ihrer Wesentlichkeit, die Subjekt und Gemeinschaft, kurz: unsere Gegenwart, prägt.132 Jede*r ist Grenzgänger*in, in einem Über-Leben (es wird hier auf Derrida verwiesen, der „die „Zeit“ des Benjaminschen Konzepts vom Nachleben der Übersetzung als sur-vivre, Über-leben, als den Akt, sein Leben auf der Grenze zu leben, übersetzt.“).133

Das muss (indes: es darf!) nicht zwingenderweise im philosophischen Sinne verstanden werden, leben wir doch in einem Zeitalter, welches wesenhaft von „der Geschichte postkolonialer Migration, den Erzählungen kultureller und politischer Diaspora, den großen Verdrängungen von Bauern- und Ureinwohnergemeinden, der Exilpoetik, der düsteren Prosa von Flüchtlingen aus politischen und wirtschaftlichen Gründen“134 geprägt ist.


Das Wesen beginnt von der Grenze her,
unser Wesen beginnt von der Grenze und damit vom Ambivalenten beider Ufer her. Der postkoloniale Diskurs ist so nicht nur ein Diskurs der Überschreitung von Grenzen, sondern auch Diskurs einer Überschreitung der Identitäten, ein Diskurs des Nicht-Identitären also. Der Ahnherr des postkolonialen Diskurses, Frantz Fanon (1925-1961), betont, dass angesichts abhandengekommener Identität die Identifikation mit einem (westlich diktierten) ‘Negro-Sein’ für People of Color zum Finden des wahren Menschseins führt. Dieser Sinn des Menschseins kennzeichnet sich für Fanon zudem gerade durch Unverständnis und Disharmonie (hervorgerufen durch den Verlust der alten Identität).135 Wird heute (z.B. von AfD , Wagenknechtianer oder anderen reaktionären Rechten wie Linken) den PoC-Diskursen oder den Critical Whiteness Studies unterstellt, sie zementiere geradezu eine neue starre Identität, ein Identitäres (ebensolche Vorwürfe erfolgen freilich ebenso gegenüber beispielsweise den Queer oder Gender Studies), so ist zu entgegen, dass hier sich nur auf eine vorübergehende Identität berufen wird, eben solange das System nach anderen Spielregeln spielt (nach patriarchalen, heteronormativen, denen des weißen Mannes).

Schon Fanon beschwört aber auch das finale dekonstruktive Aufgeben der Identität, so auch wenn er schreibt: „Wir möchten das Skelett des Menschen zum Glühen bringen und aufbrechen. […] / Der Mensch, befreit vom Sprungbrett, das die Widerstandskraft der anderen bildet, schürft im eigenen Fleisch, um einen Sinn für sich zu suchen.“136 Oder: „Um sein Heil zu finden, um der Vorherrschaft der weißen Kultur zu entgehen, sieht der Kolonisierte sich gezwungen zu unbekannten Wurzeln zurückzukehren […]. […] Dieses mühsame und schmerzliche Sichlosreißen [von der kolonial diktierten Identität; R.W.] ist notwendig. Andernfalls kommt es zu schwerwiegenden psycho-affektiven Verstümmelungen. Menschen ohne Ufer, ohne Grenzen, ohne Farbe, Heimatlose, Nicht-Verwurzelte, Engel.“137

Genauer lässt sich das – nicht-identitäre und differente – postkoloniale Subjekt folgendermaßen definieren: „Ein Subjekt, das die Notwendigkeit von symbolischen Fiktionen, die um Verortung in einer Nation, einer Gemeinschaft oder einer globalen intersubjektiven Vernetzung kreisen, gerade darin ernst nimmt, daß es diese stets als Fiktionen handelt und demzufolge die eigenen Identitäten in bezug auf die symbolische Anrufung, die an es von diesen sinnstiftenden Fiktionen herangetragen werden, immer mit einer ironischen Distanz, mit einer Selbstspaltung oder Selbstdoppelung, aushandelt.“138 Die bevorzugte Sicht auf Grenzen, Nationen und Identitäten ist also die ironische.

Der Haltung des Postkolonialen ist es aber nicht nur inne, die Grenzerfahrung in ihrer dekonstruktivistischen, non-identitären Funktion zu thematisieren, sondern auch die Überwindung von willkürlich gesetzten Grenzen: „Die koloniale Welt in die Luft sprengen, das ist von jetzt an ein sehr klares, sehr verständliches Aktionsbild; […]. Die koloniale Welt auflösen heißt nicht, daß man nach dem Niederreißen der Grenzen Übergänge zwischen den beiden Zonen einrichten wird.“139


Die
Postcolonial Studies verweisen so auch auf ein ‘Nach dem Drama der Konfrontation von Kolonisierten und Kolonisierenden’, auf ein ‘Nach der Grenze’, auf einen neuen Standpunkt, der zwischenräumlicher, grenzhafter (die Grenze kehrt zu sich selbst zurück) Standpunkt einer neuen Kultur ist. Bhabha prägte hier den Begriff vom ‘Dritten Raum’. Castro Varela/Dhawan verdeutlichen, dass Bhabhas ‘Dritter Raum’ explizit als nicht-dialektischer Ort aus den Brüchen des Imperialismus entsteht, er ist für das Imperiale inkommensurabel.140 Wichtig ist dabei auch die Meta-Ebene von Bhabhas Denken: Nicht die kulturelle diversity wird gefeiert, sondern das Konflikthafte der verschiedenen Kulturen wird betont.141 So können eine malinesische Geflüchtete (die möglicherweise noch in der ‘Kolonie Französisch-Sudan’ geboren wurde) mit vier schreienden, ‘nicht-disziplinierten’ Kleinkindern und ein eingetakteter deutscher Wohlstandsbürger mit kolonialen Ahnen und kolonialer Prägung (man entgeht ihr nicht, ein Karl May-Band in der Kindheit genügt) trotz der Differenzen bezüglich Herkunft, Sozialisation, Religion, trotz der Differenzen zwischen Kriegstraumata und Zivilisationsneurosen dennoch einen gemeinsamen Zwischenraum betreten – jener lässt übrigens nach Bhabha142 eine neue (subversive) Handlungsmacht entstehen und macht gerade durch seine Zwischenräumlichkeit ein Erfassen der neuen global-internationalen Kultur143 erst möglich. Das ist selbstredend eine anspruchsvolle Aufgabe, wie Castro Varela/Dhawan ausführen.144 Aber hingegen ein angenommener ‘Kampf der Kulturen’ oder auch nur die Annahme, die Welt sei in einzelne kulturelle Räume unterteilt, ist für Bhabha gleichbedeutend mit dem kulturalistischen Rassismus.145


Eine weitere postkoloniale Herangehensweise an Grenzen ist die Betonung ihrer Konstrukthaftigkeit. Das ist nicht nur
im philosophischen Sinne gemeint, sondern es geht ganz konkret um konstruierte Grenzen, nämlich Nationalgrenzen. Bhabha argumentiert in Nation and Narration (1990), dass der Nationalstaat und seine Grenzen die tatsächliche kulturelle Vielfalt dementieren und stattdessen eine polit-kulturelle Identität konstruieren, welche das für sie nicht Adäquate ausblendet. Für Bhabha ist es höchst bedenklich, dass das politische Subjekt innerhalb des Nationalstaates begrenzt wird.146

Ein eingehender Blick auf das Konzept der Nation wird von Benedict Anderson in Die Erfindung der Nation. Zur Karriere eines folgenreichen Konzepts (1983) entworfen. Festzuhalten ist aus jener Arbeit, dass es keine wissenschaftliche Definition von Nation gibt; es ein relativ neues Konzept ist, allein Nationalisten beschwören ein subjektives Alter;147 der Nationalismusforscher Tom Nairn den Nationalismus als Pathologie und Neurose entlarvt hat;148 mit ‘Nation’ ein Konstrukt, eine Imagination oder Einbildung vorliegt. Es bewegen sich Protagonisten, die sich nicht einmal kennen müssen, in einem fiktiven Gebilde, ebenso wie in einem Roman (der moderne Roman entwickelt sich etwa zeitgleich zum Nation-Konzept).149 Dass der Nationalismus sich im 18. Jahrhundert in das Abklingen der Religion einfügt und pseudo-religiöse Elemente fortführt (Tod & Unsterblichkeit für/durch das ‘Vaterland’); 150 dass, ohne der Monarchie zu huldigen, zu konstatieren ist, dass die Herrscherdynastien jenseits einer nationalen Beschränkung ihr Herrschaftsgebiet hatten.151 Dass der moderne Nationalismus stets kolonialer Natur ist: Die europäischen Sprachen sind nach wie vor auch in Afrika oder Lateinamerika die Norm.152

Jüngst betonte Rutger Bregman zudem, dass explizit nationale Grenzen für viele Menschen sich bis zum Ersten Weltkrieg allein auf dem Papier befanden und man sich frei über Landesgrenzen hinweg bewegen konnte, erst der Kriegsausbruch beendete das.153 Grenzen wie Nationalstaaten sind letztlich konstruiert und leicht dekonstruierbar: No Borders, No Nations. Stop Deportations! Wem das zu platt klingt, sei auf Nutzen und Machbarkeit zumindest abgebauter Grenzen und Nationen hingewiesen:

Nicht nur Bregman sieht offene Grenzen im Zuge eines kosmopolitischen 21. Jahrhunderts als unabdingbar, ebenso wie ein Überdenken der sog. ‘Entwicklungshilfe’ für den afrikanischen Kontinent, von dem in den nächsten Jahrzehnten die meisten Migrationen ausgehen werden.

Gibt der globale Norden jedes Jahr 134,8 Milliarden Dollar für Entwicklungshilfe aus, so mangelt es laut Bregman an Belegen, dass diese nachhaltig hilft. Er stützt sich dabei auf die Arbeiten der MIT-Professorin Esther Duflo, die Entwicklungshilfe mit der präwissenschaftlichen Praxis des Aderlasses vergleicht:154

„Nach Ansicht Duflos haben die beiden Abhilfemaßnahmen ein wichtiges Merkmal gemein: Es fehlt ihnen eine wissenschaftliche Grundlage.“155

Erst um die Jahrtausendwende begannen überhaupt wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Thema. Eine randomisierte Studie mit Kontrollgruppe zeigte 1998 so, dass die Entwicklungshilfe von kostenlosen Schulbüchern bei kenianischen Grundschülern keine messbare Leistungssteigerung verursachten.156 Auch zu der Unwirksamkeit von Mikrokrediten gibt es mittlerweile Forschungsergebnnise und Bregman argumentiert, was auch zu seinen Argumenten für ein UBI (Universal Basic Income) gehört, dass Direktzahlungen an Subalterne wesentlich nachhaltiger hilfreich seien.157

Ebenso wie in Sachen Entwicklungshilfe macht die westliche Welt gemäß Bregman in Sachen Grenzen einen immensen Fehler:

„[...] der beste Plan, der nie in die Tat umgesetzt wurde. / Die Rede ist von offenen Grenzen. / Nicht nur für Bananen, Derivate und iPhones, sondern für alle Menschen: für Wissenschaftler, Flüchtlinge und ganz normale Menschen, die auf ein besseres Leben hoffen. [...] Vier verschiedene Studien haben gezeigt, dass das „Bruttoglobalprodukt“ bei offenen Grenzen abhängig vom Ausmaß der Bewegungen auf dem globalen Arbeitsmarkt um 67 bis 147 Prozent wachsen würde. Offene Grenzen würden die ganze Welt doppelt so reich machen, wie sie heute ist.“158


An anderer Stelle habe ich ausführlich dargelegt, wie Schritte der Transformation einer kosmopolitischen, digitalisierten und postkapitalistischen Welt aussehen können.159
Mit Bregman ist zu ergänzen, dass offene Grenzen dazu gehören. Es ist schlechterdings absurd, wie Güter, Dienstleistungen, Aktien und Daten, Daten, Daten frei zirkulieren, aber keine freie Menschen.160

Der ethische Gesichtspunkt hat freilich schweres Gewicht, übrigens aber nicht nur um seiner selbst willen, sondern auch auf der Meta-Ebene: „Die Grenzen tragen mehr zur Diskriminierung bei als alle anderen Faktoren in der Geschichte der Menschheit. Die Ungleichheit zwischen den Einwohnern ein und desselben Landes ist verschwindend gering verglichen mit der Ungleichheit zwischen Bürgern verschiedener Ländern. [...] Ein Mensch, der in den USA unter der Armutsgrenze lebt, zählt zu den reichsten 14% der Weltbevölkerung [...].“161

Ebenfalls bizarr ist die Narration vom ‘Wirtschaftsflüchtling’ resp. die Tatsache, dass als Asylgrund oft nur Verfolgung und Tod in den Heimatländern gelten gelassen werden, dass Armut dabei aber irrwitzigerweise herausfällt: ein somalisches Kleinkind stirbt mit 20%iger Wahrscheinlichkeit bis zu seinem 5. Lebensjahr (die Todeswahrscheinlichkeit im Zweiten Weltkrieg lag übrigens bei 1,8%) und das soll kein Asylgrund sein?162 Mit Bregman ist zu konstatieren: „Hier handelt es sich um Apartheid in globalem Maßstab.“163


Auf sehr schöne Weise widerlegt Bregman weiter die 7 populärsten populistischen Ressentiments gegen offene Grenzen und Migrant*innen:

1. SIE SIND ALLE TERRORISTEN: Studien der University of Warwick, die Migrationen zwischen 145 Ländern untersucht haben, zeigen umgekehrt, dass Einwanderung und der Rückgang von Terroranschlägen zusammenhängen. Einwanderer eignen sich schnell neue Kenntnisse und Perspektiven an und etwaigen fundamentalistische Ressentiments nehmen ab.164

2. SIE SIND ALLE VERBRECHER: Studien zeigen auf, dass weder Ethnie noch Herkunftsland mit Kriminalität zusammenhängen. Ein Anfälligkeit für Straffälligkeit ergibt sich indes aus dem sozialen Milieu.165

3. GEFÄHRDUNG DES SOZIALEN ZUSAMMENHANGS: Eine „Auswertung von neunzig Studien konnte keinerlei Korrelation zwischen Diversität und sozialer Kohäsion“ aufzeigen.166

4. SIE WERDEN UNS DIE ARBEITSPLÄTZE WEGNEHMEN: „Es stimmt nicht, dass produktive Frauen, Senioren oder Einwanderer den Männern, den Jungen oder den Einheimischen die Arbeitsplätze wegnehmen werden. Vielmehr schaffen sie zusätzliche Beschäftigungschancen. Eine größere Erwerbsbevölkerung bedeutet mehr Konsum, größere Nachfrage und mehr Arbeitsplätze.“167

5. BILLIGE ZUGEWANDERTE ARBEITSKRÄFTE WERDEN UNSERE LÖHNE DRÜCKEN: Hier gilt dasselbe wie bei 4.), denn Einwanderung erhöht die Produktivität.168 [Zu 4.) und 5.) möchte ich anmerken, dass Arbeit 4.0 die von Bregman verwendeten Begründungen etwas umformulieren wird: Es werden Roboter und KI sein, die die durch Einwanderer begünstigte Zunahme an Produktivität vollziehen.]

6. SIE SIND ARBEITSSCHEU: „[...] es gibt keinen Beleg dafür, dass Einwanderer mit größerer Wahrscheinlichkeit Sozialhilfe beantragen als Einheimische. Auch locken Länder mit einem starken sozialen Auffangnetz keine größere Zahl an Einwanderern an.“169

7. SIE WERDEN NIE IN IHRE ALTE HEIMAT ZURÜCKKEHREN: Bregman nennt es ein „faszinierendes Paradox“ und zeigt es anhand Langzeitfaktenerhebungen an der mexikanisch-nordamerikanischen Grenze auf: „Offene Grenzen fördern die Rückkehr von Einwanderern in ihr Geburtsland.“ Offensichtlich verbleiben Einwanderer reaktiv in einem Ankunftsland, wenn dieses in andere Richtung die Grenze schließt.170 Die Uganderin Winnie Adakule (Rechtsanwältin, ehemalige UN-Angestellte und in Asylfragen tätig) unterstützt in ihrem Buch Flucht. Was Afrikaner außer Landes treibt (2016) diese These: Illegalität in Europa breche alle Brücken nach Afrika ab, während Familie und Verwandte den Betroffenen im europäischen Paradies wähnen und geg. selbst die Wege in eine europäische Illegalität suchen.171 Adukule konstatiert so: „Ich bin davon überzeugt, dass eine weitaus größere Zahl sogenannter Wirtschaftsflüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren würde, wenn man sie dabei unterstützte und ihnen überdies die Möglichkeit offen ließe, später, sofern die Voraussetzungen vorliegen, legal wieder einzureisen.“172


Geöffneten Grenzen steht freilich einerseits die gegenwärtige EU-Grenzpolitik entgegen:
„Drei Viertel aller Grenzzäune wurden [weltweit] nach dem Jahr 2000 errichtet. [...] Und während die Europäische Union die Grenzen zwischen ihren Mitgliedstaaten öffnet, investiert sie Millionen in eine Flotte, die auf dem Mittelmeer mit Flüchtlingen überladene Boote abfangen soll. ...] [Diese Politik] kostet Tausenden Menschen das Leben. Ein Vierteljahrhundert nach dem Fall der Berliner Mauer werden von Usbekistan bis Thailand und von Israel bis Botswana mehr Mauern als je zuvor errichtet. Die Menschheit entwickelte sich nicht weiter, indem sie an einem Ort verharrte.“173

Andererseits stehen der Offenheit und Freiheit zahlreiche Ressentiments entgegen, wie ich oben referiert habe:

  • das Ressentiment, welches einen stereotypisierten ‘kleinen Mann’ gegen Geflüchtete und Migration ausspielt.
  • das Ressentiment, welches diesen kleinen, weißen, alten Mann gegen die vielfältige, diverse zeitgenössischee Multitude stellt.
  • das Ressentiment gegen die zahlreichen feministischen, queeren, postkolonialen oder postmarxistischen Emanzipationen.
  • das Ressentiment gegen ein verschwörungstheoretisch konstruiertes (z.B. 'jüdisches') Kapital.
  • das Ressentiment gegen ein irrational konstituiertes 'Establishment'.
  • das Ressentiment gegen Wohlstand, Bildung und Mündigkeit.
  • das Resentiment, welches dualistische Weltbilder schafft.
  • das Ressentiment, welches eine Selbstentmündigung und Selbstverknechtung installiert.
  • das kulturalistisch-rassistische Ressentiment.
  • das Ressentiment gegen positive postkapitalistische Zukunftsentwürfe.


Ohne solche Ressentiments formulierte dieser Tage eine Gruppe von Linksparteiler*innen ganz richtig wie folgt:

„Unsere Aufgabe ist es, Anliegen zu formulieren, die die Unterschiede zwischen uns nicht leugnen, aber doch das Gemeinsame sichtbar machen. Wir müssen dafür sorgen, dass KlimaschützerInnen und Bergleute, HartzIV-EmpfängerInnen und MigrantInnen, GewerkschafterInnen und Bewegungslinke, Feminismus und Arbeiterbewegung, Junge und Alte zusammen kommen. Wir müssen dazu beitragen, dass gegen die neoliberale Gesellschaft, die stets das Individuum, die Konkurrenz und den Unterschied betont, kollektive Forderungen stark gemacht werden, denn Freiheiten und Rechte lassen sich immer nur gemeinsam erobern.

Das ist es, was viele von uns als »neue Klassenpolitik« bezeichnen: Wir, die wir nicht vom Vermögen leben können, haben starke gemeinsame Interessen: an sicherer Beschäftigung und höheren Löhnen, an kostenlosem Nahverkehr und Krankenhäusern mit mehr Personal, an Renten, die hoch genug sind, dass niemand im Alter Flaschen sammeln muss. An kommunalem und genossenschaftlichem Wohnungseigentum, das den Immobilienfonds die Stadt wieder streitig macht. Wir alle, egal ob Feminist oder Gewerkschafterin oder beides, haben ein Interesse daran, dass der Klimawandel gestoppt wird und der kapitalistische Wachstumszwang als Kern des Problems erkannt wird. Und wir alle, auch diejenigen, die nicht schwul oder schwarz sind, haben ein Interesse daran, dass Schwule oder Schwarze nicht diskriminiert werden, denn Solidarität und rechtliche und soziale Gleichheit machen die Gesellschaft lebenswerter für uns alle.“174


Wendet sich ser selbige Text auch gegen die Politik von #aufstehen, so möchte ich hier in ähnlichem Sinne hinzugefügen: Niemandem sei gewünscht, weiter unter einer neoliberalisierten Ökonomie leiden zu müssen, noch mehr aber sei niemandem gewünscht, sich von AfD, Wagenknecht, #aufstehen oder sonstigen rückwärtsgewandten Kräften ein Selbst-, Welt- und Menschenbild der Ressentiments aufdrücken zu lassen.

Eingebetteter Medieninhalt


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Literatur (Auswahl & weiterführend)

Winnie Adukule, ‘Flucht. Was Afrikaner außer Landes treibt’, Berlin 2016.

Benedict Anderson, ‘Die Erfindung der Nation. Zur Karriere eines folgenreichen Konzepts’, Frankfurt/New York 2005.

Étienne Balibar / Immanuel Wallerstein, ‘Rasse, Klasse, Nation. Ambivalente Identitäten’, Hamburg 1990.

Étienne Balibar, ‘Gleichfreiheit. Politische Essays’, Berlin 2012.

Ulrich Beck, ‘Die Metamorphose der Welt’, Berlin 2017.

Homi H. Bhabha, ‘Die Verortung der Kultur’, Tübingen 2011.

Rutger Bregmann, ‘Utopien für Realisten. Die Zeit ist reif für die 15-Stunden-Woche, offene Grenzen und das bedingungslose Grundeinkommen’, Reinbek bei Hamburg 2017.

María do Mar Castro Varela/Nikita Dhawan, ‘Postkoloniale Theorie. Eine kritische Einführung’, Bielefeld 2015.

Frantz Fanon, ‘Die Verdammten dieser Erde’ (1961), Frankfurt 2015.

Frantz Fanon, ‘Schwarze Haut, weiße Masken’ (1952), Wien/Berlin 2015.

Michael Hardt/Antonio Negri, ‘Common Wealth. Das Ende des Eigentums’, Frankfurt am Main 2010.

Axel Honneth, ‘Die Idee des Sozialismus. Versuch einer Aktualisierung’, Berlin 2017.

Paul Lafargue, ‘Das Recht auf Faulheit’ (1883), Frankfurt am Main 2010.

Paul Mason, ‘Postkapitalismus. Grundrisse einer kommenden Ökonomie’, Berlin 2016.

Khien Nghi Ha, ‘Die kolonialen Muster deutscher Arbeitsmarktpoltik ’, Münster 2003.

Donna Haraway, ‘Monströse Versprechen, Die Gender- und Technologie-Essays’, Hamburg 2017.

Julia Reuter/Alexandra Karentzos, ‘Schlüsselwerke der Postcolonial Studies’, Wiesbaden 2012.

Nick Srnicek/Alex Williams, ‘Die Zukunft erfinden. Postkapitalismus und die Welt ohne Arbeit’, Berlin 2016.

Gayatri Chakravorty Spivak, ‘Kritik der postkolonialen Vernunft. Hin zu einer Geschichte der verrinnenden Gegenwart’, Stuttgart 2014.

McKenzie Wark, ‘Molokulares Rot. Theorie für das Anthropozän’, Berlin 2017.

Jean Ziegler, ‘Wir lassen sie verhungern. Die Massenvernichtung in der Dritten Welt’, München 2011.

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1 Im Original: Wagenknecht: Naturally, that includes addressing problems associated with immigration. I think it was a bad strategy for the Left to try and talk these problems out of existence or simply ignore them, thereby leaving them to the Right. And there are problems: as a result of the inadequate housing policy in the last years there’s an extremely tense situation on the German housing market and people are competing with each other over rental apartments as rents continue to go up, particularly in poorer neighborhoods. Naturally, this will lead to people having reservations about the arrival of more refugees who will also head to the poorer quarters to find housing. On the labor market — which, as I’ve mentioned, has been dramatically deregulated — competition in the low-wage sector is growing.“ ̶ Zit. nach: https://jacobinmag.com/2018/10/sahra-wagenknecht-aufstehen-die-linke-interview.

2 Zit. nach: ebd.

3 Zit. nach: Sahra Wagenknecht / Florian Rötzer, ‘Couragiert gegen den Strom. Über Goethe, die Macht und die Zukunft’, Frankfurt am Main 2017, S. 135f.

4 Zit. nach: Winnie Adukule, ‘Flucht. Was Afrikaner außer Landes treibt’, Berlin 2016, S. 153.

5 Zit. nach: Wagenknecht, Couragiert, S. 96.

6 Vgl. https://www.wiwo.de/politik/ausland/unternehmertum-auf-der-suche-nach-der-mittelschicht-in-afrika/5326722-all.html.

7 Zit. nach: ebd.

8 Zit. nach: http://www.fr.de/politik/linke-bewegung-sahra-wagenknecht-in-der-bredouille-a-1604783.

9 Vgl. https://www.taz.de/Archiv-Suche/!5542706/.

10 Zit. nach: https://www.freitag.de/autoren/jaugstein/es-geht-nicht-um-die-nation.

11 Zit. nach: https://emanzipatorischelinke.wordpress.com/.

12 Zit. nach: https://www.presseportal.de/pm/51580/4095068.

13 Zit. nach: Étienne Balibar, ‘Rassismus und Krise’, S. 261-272; in: Étienne Balibar / Immanuel Wallerstein, ‘Rasse, Klasse, Nation. Ambivalente Identitäten’, Hamburg 1990, S. 262.

14 Siehe die komplette Auswertung unter: https://pol.is/report/r6xd526vyjyjrj9navxrj.

15 Vgl. http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61646/migrationshintergrund-i.

16 Vgl. https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-05/armut-deutschland-risiko-zuwanderung-beschaeftigung.

17 Vgl. https://www.focus.de/politik/deutschland/unterstuetzer-werden-sehr-ungeduldig-internes-papier-zeigt-wie-es-wirklich-um-wagenknecht-bewegung-steht_id_9780579.html.

18 Vgl. insb. https://www.facebook.com/groups/690806277652025/ und https://www.facebook.com/groups/157776064346989/.

19 Zit. nach: https://www.rubikon.news/artikel/die-ausgrenzer.

20 Zit. nach: https://www.rubikon.news/artikel/schluss-mit-kafighaltung.

21 Vgl. https://www.rubikon.news/artikel/solidaritat-statt-offene-grenzen.

22 Vgl. https://www.rubikon.news/artikel/diversity-statt-university.

23 Siehe: https://www.queer.de/detail.php?article_id=31415&fbclid=IwAR0OGotR2-BOtjocTH5I5ZXAw_nsd3rz5KmYcfR57y5ZjbPWbit3ALOS_Fg.

24 Vgl. Roland Wagner, ‘„Des Übermenschen Schönheit kam zu mir als Schatten“. Ästhetiken, Ideologien und Lesarten von Konzeptionen des Übermenschlichen: Friedrich Nietzsche, Karl May und Sascha Schneider – das deutsche Fin de siècle & darüber hinaus’, Norderstedt 2015.

25 Zit. nach: https://www.taz.de/Archiv-Suche/!5402332/.

26 Aus einer Wahlkampfaktion der Grünen, 20.10.2018, 11 Uhr Schlossplatz, Wiesbaden.

27 Zit. nach: https://www.facebook.com/groups/157776064346989/permalink/1091867157604537/ (18.10.2018).

28 Vgl. z.B. https://www.stern.de/politik/ausland/milliardaer-und-philantrop-briefbombe-bei-george-soros-in-den-usa-gefunden-8414312.html (25.10.2018).

29 Siehe den entsprechenden Clip unter: https://www.youtube.com/watch?v=n0mUuMzvfh4&fbclid=IwAR01mlWect3JkS73WDlAIZjr6debI1hfvxaCmAUo1DeX7f-XVOEtEtyycxI.

30 Vgl. weiterführend: https://de.wikipedia.org/wiki/Diether_Dehm#Kontroversen_und_Positionen.

31 http://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/aufstehen-kuendigt-erste-Demonstration-in-Leipzig-an?fbclid=IwAR0IG0sJNhiYXD-gg5orjrL40Wf_UQ8Q6hn0IIDKhEIVSsgbFCswBPR0wg4.

32 Zit. nach: https://www.freitag.de/autoren/bastian-reichardt/autoritaer-und-ohne-dialektischen-anspruch.

33 Zit. nach: https://www.tagesspiegel.de/kultur/aufstehen-sammlungsbewegung-die-angst-war-vorher-da/23194296.html.

34 Zit. nach: https://www.freitag.de/autoren/bastian-reichardt/autoritaer-und-ohne-dialektischen-anspruch.

35 Vgl. http://www.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/Politik/Frauke-Petry-Schulterschluss-mit-Sahra-Wagenknecht?fbclid=IwAR2C10tU5grScuP9sw5tWui2-cjMrY1_DXTKlGU3ouqpzPjMlkJ6vHZxdLU-.

36 https://www.welt.de/politik/deutschland/article181882762/Migrationspolitik-Wenn-Gauland-Wagenknecht-als-Stimme-der-Vernunft-lobt.html?fbclid=IwAR3qCF51IEny85uDhWiWqUSLp4R7Y8NayrknQOBrv6L_-QlMZgmtpv4zowY.

37 Zit. nach: https://www.nachdenkseiten.de/?p=46491.

38 Zit. nach: ebd.

39 Zit. nach: Wagenkecht, Couragiert, S. 97f.

40 Zit. nach: https://m.saarbruecker-zeitung.de/saarland/saarland/sammlungsbewegung-aufstehen-geht-im-saarland-an-den-start_aid-33924387?pgnr=2.

41 https://www.facebook.com/groups/RoteFahneGruppe/.

42 https://www.facebook.com/groups/1446103845606913/.

43 Vgl. https://www.facebook.com/olav.mueller2/videos/10204896515730496/?__tn__=%2CdlCH-R-R&eid=ARARc24R2X6ftmFqpKaJ4xocfGrW9YJkDozb30jM3akNsEiGUJuZGvm4mLi0cfW1sMCcaUJx8texe0Ip&hc_ref=ARSd_qKvFRemyWEKnraaf5YHdbKRMxyR6EAYCyEFRg3ucT-uiWOI1bwPj8XYn0VlHmY&hc_location=group.

44 Zit. nach: http://simone-lange.de/statement-zur-initiative-aufstehen/.

45 Vgl. https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/migration-der-versuch-einer-problemskizze.

46 So schreibt Volmer: „Eine soziale Politik, die den Nationalstaat als Grenze der Solidarität fixieren will, läuft Gefahr, die internationale Bedingtheit und die daraus erwachsende Dynamik der Zuwanderung zu verdrängen. Die Beschränkung auf die sozialen Interessen der hiesigen Unterschichten neigt zur Bestärkung von Ressentiments gegenüber Zuwanderern und zur Verengung tatsächlich vorhandener Spielräume. Sie setzt das Gebot der Aufklärung aufs Spiel zugunsten oberflächlichen Sympathiegewinns. Das autoritäre Sozialstaatsverständnis will zwar Benachteiligte besser behandeln, kämpft aber nicht dafür, sie selbst im emanzipatorischen Sinne handlungsfähig zu machen. Seine politische Ethik gebietet die Verteidigung des nationalen Status quo gegenüber einer unkalkulierbaren gesellschaftlichen Dynamik, die seiner eigenen Klientel noch weiter zusetzen könnte. Sie will Zumutungen begrenzen, um ihre Klientel nicht noch anfälliger für rechte Erlösungsangebote zu machen. Die traditionssozialistische, nationalstaatliche Ausrichtung sozialer Politik trägt zur Re-Nationalisierung des politischen Denkens insgesamt bei und unterläuft die Erkenntnis, dass in Zeiten einer unumkehrbaren ökonomischen Globalisierung Nationalismus immer das Problem und nie die Lösung ist. Von integrativer Außenpolitik auf der Basis friedlichen Interessenausgleichs gar nicht zu reden.“ ̶ Zit. nach: ebd.

47 Zit. nach: ebd.

48 Zit. nach: https://www.aufstehen.de/gruendungsaufruf/.

49 Vgl. https://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-08/afd-waehler-terrorbekaempfung-integration.

50 Zit. nach: Balibar, Vorwort, S. 17.

51 Zit. nach: ebd., S. 19.

52 Balibar schreibt: „„Theoretisch betrachtet, ist der Rassismus eine Geschichtsphilosophie oder, besser gesagt, eine Historiographie, der zufolge die Geschichte einem verborgenen und den Menschen enthüllten „Geheimnis“ entspringt, das ihre eigene Natur, ihre eigene Herkunft betrifft. [...] Natürlich gibt es historiographische Aspekte ebenfalls in den Vorsehungstheologien und in den Fortschrittsphilosophien, aber auch in den dialektischen Philosophien. Der Marxismus ist davon nicht ausgenommen, was nicht wenig zu den Symmetrieeffekten zwischen dem „Klassenkampf“ und „Rassenkampf“, zwischen dem Motor des Fortschritts und dem Rätsel der Evolution, beigetragen, also die Möglichkeiten der Übersetzung des einen ideologischen Universums in das andere gefördert hat.“ ̶ Zit. nach: Balibar, Rassismus und Nationalismus, S. 70.

53 Ebd., S, 70.

54 Balibar, Rassismus und Krise, S. 268f.

55 Étienne Balibar, ‘Der „Klassen-Rassismus“’, S. 247-260; S. 250.

56 Zit. nach: Balibar, Klassenkampf, S. 191.

57 Zit. nach: ebd., S. 192.

58 Ebd., S. 194.

59 Ebd., S. 197f.

60 Balibar, Klassenkampf, S. 209.

61 Zit. nach: ebd., S. 194.

62 Ebd., S. 195.

63 Ebd.., S. 195

64 Zit. nach: Paul Lafargue, ‘Das Recht auf Faulheit’, Frankfurt am Main 2010, S. 38. ˗ Lafargue meint hier den ‘Juniaufstand’, der ein zweites Aufbegehren der Arbeiter*innen in 1848 ist, nachdem sie gemeinsam mit dem Bürgertum zunächst die ‘Februarrevolution’ entfesselt hatten. Forderungen im Juni sind vor allem ein ‘Recht auf Arbeit’ und eine ‘Organisation der Arbeit’.

65 Zit. nach: Balibar, Rassismus und Nationalismus, S. 74.

66 Zit. nach: Lafargue, S. 51-55.

67 Zit. nach: Friedrich Nietzsche, ‘Menschliches, Allzumenschliches I’, S. 9-366; in: KSA 2, S. 307.

68 Vgl. Friedrich Nietzsche, ‘Zur Genealogie der Moral’, S. 245-412; in: KSA, S. 268f.

69 Zit. nach: ebd., S. 270f.

70 Zit- nach: ebd., S. 273f.

71 Zit. nach: ebd., S. 280.

72 Zit. nach: ebd., S. 278.

73 Zit. nach: https://www.facebook.com/heinzmichael.vilsmeier/posts/1903244803090935.

74 Der orthographische Fehler ‘Kreissaal’ wurde hier korrigiert; das entsprechende Posting wurde inzwischen gelöscht.

75 Vgl. weiterführend: https://www.freitag.de/autoren/rwagner/erzaehlungen-aus-der-zukunft-vii.

76 Vgl. https://www.deutschlandfunk.de/christoph-butterwegge-die-fluechtlingskrise-droht-die-armut.694.de.html?dram:article_id=340776.

77 Zit. nach: Étienne Balibar, ‘Vorwort’, S. 7-22; in: Balibar/Wallerstein, S. 11.

78 Zit. nach: ebd., S. 12.

79 Vgl. Étienne Balibar, ‘Gibt es einen „Neo-Rassismus“?’, S. 23-38; in: Balibar/Wallerstein, S. 24.

80 Ebd., S. 27fi.

81 Vgl. Étienne Balibar, ‘Rassismus und Nationalismus’, S. 49-84 ; in: Balibar/Wallerstein, S. 52.

82 Zit. nach: Balibar, Neo-Rassismus, S. 29.

83 Ebd., S. 30f.

84 Zit. nach: ebd., S. 27.

85 Ebd., S. 33.

86 Zit. nach: ebd., S. 33.

87 Balibar, Rassismus und Nationalismus, S. 79.

88 Balibar, Klassenkampf, S, 207.

89 Zit. nach: Balibar, Rassismus und Nationalismus, S. 79.

90 Zit. nach: Axel Honneth, ‘Die Idee des Sozialismus. Versuch einer Aktualisierung’, Berlin 2017, S. 32f.

91 Zit. nach: ebd., S. 40.

92 Vgl. ebd., S. 40ff.

93 Zit. nach: ebd., S. 58.

94 Zit. nach: ebd., S. 62f.

95 Vgl. ebd., S. 66ff.

96 Vgl. ebd., S. 74-78.

97 Zit. nach: ebd., S. 78.

98 Zit. nach: ebd., S. 52.

99 Vgl. ebd., S. 83ff.

100 Zit. nach: ebd., S. 116f.

101 Ebd., S. 121ff.; vgl. auch ebd., S. 137.

102 Ebd., S. 139.

103 Honneth formuliert das wie folgt aus: „Die drei Freiheitssphären sollten in Zukunft nach Möglichkeit derart aufeinander bezogen sein, daß jede dabei soweit wie eben möglich ihren nur je eigenen Normen folgt, sie gemeinsam im ungezwungenen Zusammenspiel aber die beständige Reproduktion der übergeordneten Einheit der Gesamtgesellschaft bewirken. Das in einem solchen zweckmäßigen Zusammenspiel unabhängiger Freiheitssphären festgehaltene Bild läßt sich als Inbegriff der Vorstellung einer demokratischen Lebensform bezeichnen. Vorweggenommen sind darin die formalen, experimentell erst noch zu konkretisierenden Strukturen eines gesellschaftlichen Zusammenlebens, in dem die Subjekte im praktischen Füreinander ihrer persönlichen, wirtschaftlichen und politischen Beziehungen jeweils kooperativ zur Bewältigung der Aufgaben beitragen, die zusammengenommen für die Aufrechterhaltung ihres Gemeinswesens erforderlich sind.“ ̶ Zit. nach: ebd., S. 144.

104 Ebd., S. 148.

105 Ebd., S. 151.

106 Einige vorübergende Ausnahmen formuliert Honneth indes auch., interessanterweise sind es u.a. gerade emanzipatorische und persönliche Freiheiten Europas, die er nicht sofort zur globalen Diskussion stellen will. ̶ Vgl. ebd., S. 156.

107 Ebd., S. 158.

108 Balibar; hier zit. nach: https://www.deutschlandfunk.de/der-innere-widerspruch-der-gleichheit-und-freiheit.1310.de.html?dram:article_id=243724.

109 Étienne Balibar, ‘Gleichfreiheit. Politische Essays’, Berlin 2012.

110 Zit. nach: Donna Haraway, ‘Anthropozän, Kapitalozän, Plantagozän, Chthuluzän: Making kin, sich Verwandte machen, S. 24-34; in: diess., ‘Monströse Versprechen, Die Gender- und Technologie-Essays’, Hamburg 2017, S. 29.

111 Siehe unter: https://www.freitag.de/autoren/rwagner/erzaehlungen-aus-der-zukunft-vi.

112 Zit. nach: Frantz Fanon, ‘Die Verdammten dieser Erde’ (1961), Frankfurt 2015, S. 31.

113 Ebd., S. 34.

114 Vgl. Immanuel Wallerstein, ‘Ideologische Spannungsverhältbnisse im Kapitalismus: Universalismus vs. Sexismus und Rassismus’, S. 39-48; in: Balibar/Wallerstein, S. 39ff.

115 Ebd., S. 44f.

116 Olaf Kaltmeier, ‘Postkoloniale Geschichte(n). Repräsentationen, Temporalitäten und Geopolitiken des Wissens’, S. 203-214; in: Julia Reuter/Alexandra Karentzos, ‘Schlüsselwerke der Postcolonial Studies’, Wiesbaden S. 206f.

117 Ebd., S. 208f.

118 Khien Nghi Ha, ‘Die kolonialen Muster deutscher Arbeitsmarktpoltik ’, Münster 2003, S. 268.

119 Vgl. Jean Ziegler, ‘Wir lassen sie verhungern. Die Massenvernichtung in der Dritten Welt’, München 2011, S. 244.

120 Vgl. ebd., S. 226ff.

121 Vgl. ebd, S. 76f.

122 Zit. nach:ebd., S. 15.

123 Zit nach: María do Mar Castro Varela/Nikita Dhawan, ‘Postkoloniale Theorie. Eine kritische Einführung’, Bielefeld 2015, S. 78.

124 Ulrich Beck, ‘Die Metamorphose der Welt’, Berlin 2017, S. 18ff.

125 Vgl. ebd, S. 24f..

126 Zit. nach: ebd., S. 48.

127 Zit. nach: ebd., S. 82.

128 Ebd., S. 82f.

129 Homi H. Bhabha, ‘Die Verortung der Kultur’, Tübingen 2011, S. 258.

130 Julia Reuter/Alexandra Karentzos, ‘Vorwort’, S. 9-13; in: diess., ‘Schlüsselwerke der Postcolonial Studies’, Wiesbaden 2012, S. 11.

131 Martin Heidegger, ‘Bauen – Wohnen – Denken’, S. o.A.; in: ders., ‘Vorträge und Aufsätze. Teil II’, Pfullingen 1967, S. 29; hier zit. nach: Bhabha, S. 1.

132 Vgl. Bhabha, S. 1.

133 Ebd. S. 339.

134 Zit. nach: ebd., S. 7.

135 Vgl. Frantz Fanon, ‘Schwarze Haut, weiße Masken’ (1952), Wien/Berlin 2015, S. 14.

136 Zit. nach: ebd., S. 9.

137 Zit. nach: ebd., S. 184f.

138 Zit. nach: Elisabeth Bronfen, ‘Vorwort’, S. IX-XIV; in: Bhabha, S. XIII.

139 Zit. nach: Fanon, Verdammten, S. 34.

140 Castro Varela/Dhawan, S. 242f. u. S. 246.

141 Ebd., S. 248.

142 Vgl. Bhabha, S. 276.

143 Vgl. ebd., S. 324.

144 „Postkoloniale kritische Diskurse erfordern Formen des dialektischen Denkens, die die Andersheit (Alterität), welche den symbolischen Bereich psychischer und sozialer Identifikationen konstituiert, nicht verleugnen oder aufheben. Die Unvereinbarkeit kultureller Werte und Prioritäten, deren Repräsentant der postkoloniale Theoretiker ist, kann innerhalb von Theorien des kulturellen Relativismus oder Pluralismus nicht erfaßt werden.“ ̶ Zit. nach: ebd., S. 258.

145 Castro Varela/Dhawan, S. 267f.

146 Castro Varela/Dhawan, S. 255f.

147 Benedict Anderson, ‘Die Erfindung der Nation. Zur Karriere eines folgenreichen Konzepts’, Frankfurt/New York 2005, S. 13f.

148 Ebd., S. 15.

149 Ebd., S. 16f. u. S. 32ff.

150 Ebd., S. 18ff.

151 Ebd., S. 88.

152 Ebd. S. 115f.

153 Vgl. Rutger Bregman, ‘Utopien für Realisten. Die Zeit ist reif für die 15-Stunden-Woche, offene Grenzen und das bedingungslose Grundeinkommen’, Reinbek bei Hamburg 2017, S. 213.

154 Ebd., S. 201ff.

155 Zit. nach: ebd., S. 203.

156 Ebd., S. 204f.

157 Ebd., S. 209.

158 Zit. nach: ebd., S. 212.

159 Vgl. https://www.freitag.de/autoren/rwagner/erzaehlungen-aus-der-zukunft-ii.

160 Bregman, S. 213.

161 Zit. nach: ebd., S. 215.

162 Ebd., S. 216f.

163 Zit. nach: ebd., S. 218.

164 Ebd., S. 219f.

165 Ebd., S. 220f.

166 Ebd., S. 221f. – Siehe die Studienauswertung unter: https://www.annualreviews.org/doi/10.1146/annurev-soc-071913-043309.

167 Zit. nach: ebd., S. 223.

168 Ebd., S. 223f.

169 Zit. nach: ebd., S. 224.

170 Ebd., S. 225f.

171 Adukule, S, 17.

172 Zit. nach: ebd., S. 18.

173 Zit. nach: ebd., S. 226f.

174 Zit. nach: https://www.neues-deutschland.de/artikel/1104652.wohin-geht-die-linke-veraenderung-kommt-aus-der-gesellschaft.html?fbclid=IwAR38BD64qbLUS1JsLpYGvMgsnPfnpucVYGE9jCwbQ2FExhqmcknoNI9IuXg.

18:38 01.11.2018
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Dr. Roland Wagner

... studierte Kunstgeschichte und Germanistik & promovierte mit einer interdisziplinären Schrift zum "Übermensch"-Phänomen um 1900.
Dr. Roland Wagner

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