Der Kaufrausch hat die Proteste erstickt

Eher enttäuschend: In den großen Städten mag "Friday for Future" einiges gegen die BlackFriday-Junkees erreicht haben. Hier im Umfeld von Düsseldorf war nichts davon zu spüren.
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Ich weiß nicht, ob das für den 29. November bewusst so eingerichtet wurde, dieses Aufeinandertreffen von irrwitzig vorgezogenen Weihnachtsmärkten und BlackFriday auf der einen und der „machtvoll sein wollenden“ Friday-for-Future-Demo auf der anderen Seite. Fakt ist, dass dieser Kontrast beispielgebend war für das , was sich in unserer Gesellschaft wirklich tut. Da geht es vor allem um Konsum, um noch mehr Raffen in Zonen, die vor Weihnachtsmännern (hey, warum nicht Frauen?) und abgeholzten Bäumen nur so strotzen, in Zonen, die alles hergeben, was den Hohlköpfen an Wünschen so eingeblasen wurde. Die Schar der Protestierer nahm sich dagegen echt mickrig aus. Zumindest in meiner Stadt, in Ratingen, wo das Häuflein von ehemals gut tausend (20.9.) auf zweihundert Teilnehmer geschrumpft war.

Und dann erst der folgende Samstag, und Sonntag und Montag. Die Anbieter hatten die Preishosen knallig runtergelassen. Bis zu dreißig Prozent reichten die Rabatte, und alle Welt suhlte sich im Kaufschaum, schmiss – kaum zur häuslichen Ruhe gelangt – die alten, dann aber auch die fast neuen, erst vor ein paar Monaten erstandenen Klamotten weg – gerade so, dass Verschwendung und Ressourcenverbrauch schön sichtbar wurden. Jetzt quellen die Altkleiderboxen schwer über, die Sperrmüllhaufen erreichen astronomische Ausmaße und die polnischen (immer weißen) Transporter sahnen ab, bevor die offiziellen Abräumer auf der Bildfläche erscheinen.

Die Rheinische Post, die dominierende NRW-Zeitung ohne politische Alternative, macht da schön mit. Sie erwähnt mit keiner Zeile die bevorstehenden Demos, erfreut sich vielmehr der vielen Konsumjünger, düpiert unaufhörlich diejenigen, denen die notwenige Politikwende am ehesten zuzutrauen ist (Borjans/Esken, Habeck und Baerbock) und wirbt prahlerisch für die neuen, hochmotorisierten Umweltverpester, die in der LA Autoshow auf die Bühne kommen https://rp-online.de/leben/auto/die-neuheiten-von-der-la-autoshow_aid-47515281.

Muss dieser Irrsinn nicht auch digitalisiert werden?

Dr. Ulrich Scharfenorth, Ratingen

17:10 02.12.2019
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Geschrieben von

Scharfenorth

Geb. 1941. Bis 1990 Gutachter fuer die DDR-Stahlindustrie. Danach Journalist/ Autor in Duesseldorf. 2008: "Stoerfall Zukunft"; 2011: "abgebloggt"
Scharfenorth

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