Die Separatisten gehören mit an den Tisch

Irre Töne aus Kiew Wenn die Kiewer Putschisten-Clique am Genfer Verhandlungtisch Platz nehmen darf, dann ist es wohl selbstverständlich, dass auch die Separatisten anwesend sind.
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Dass Jazenjuk und Co. die Genfer Friedenskonferenz zum Scheitern bringen könnten, ist haarsträubend. Zumal deren Forderung, die Separatisten nicht zuzulassen, durch nichts zu rechtfertigen ist (auch die derzeitige Kiewer Regierung ist aus einem Putsch hervorgegangen!) - und nur Stillstand bedeuten kann. Putin ist an dieser Stelle hilflos. Und der Westen beschränkt sich aufs Sprücheklopfen, auf heuchlerisches Mitleid mit den bereits getöteten Bürgerkriegsopfern. Weil er immer noch hofft, dass die korrumpierten Kiewer Putschisten einen Sieg über die Separatisten erringen und so günstigere Bedingungen für die bevorstehenden Wahlen, resp. für eine weitergehende westliche Einflussnahme erreicht werden können. Doch in dem Maße, wie die Strategen im fernen Kiew scheitern, in dem Maße, wie sich Soldaten dagegen wehren, auf Landsleute zu schießen, verdunkelt sich die Perspektive für die gewissenlosen Praktiken von USA und EU.

Für mich ist es einfach unerträglich, dass deutsche Politiker den Tag der Befreiung in so unseliger Undankbarkeit (gegenüber Russland) verbringen. Und - zumindest teilweise - mit denen ein Bündnis eingehen, die im 2. Weltkrieg gegen die Sowjetarmee gekämpft und unzählige Massaker an Russen, Polen und Juden verübt haben. So traurig das: Das Massaker von Babi Jar (die Ermordung von 40.000 Juden in der Nähe von Kiew) ist von tausenden Westukrainern aktiv unterstützt worden http://www.phoenix.de/babi_jar/806265.htm. Heute berufen sich die an der Kiewer Regierung beteiligten Faschisten auf die Protagonisten dieser Gräueltaten. Und stellen für sie Denkmäler und Altäre auf. Damit, dass die Bundeswehr an den derzeit abgehaltenen Droh-Manövern in Osteuropa nicht teilnimmt, ist es nicht getan. Die deutsche Politik muss aktiv und sofort zum Frieden beitragen, und das heißt vor allem - für einen Interessenausgleich eintreten. Wenn Merkel das wieder einmal nicht hinbekommt, weil sie - wie im Fall Snowden - Beziehungsprobleme mit den amerikanischen Kriegstreibern und Info-abschöpfern befürchtet, müssen SPD, Grüne und Linke aktiv werden. Vor allem aber brauchen wir eine mächtige außerparlamentarische Kraft, mächtige Demonstrationen, die den Friedenswillen der Europäer, und vor allem der Deutschen, kundtun.

Dr. Ulrich Scharfenorth, Ratingen

www.stoerfall-zukunft.de

19:07 07.05.2014
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Geschrieben von

Scharfenorth

Geb. 1941. Bis 1990 Gutachter fuer die DDR-Stahlindustrie. Danach Journalist/ Autor in Duesseldorf. 2008: "Stoerfall Zukunft"; 2011: "abgebloggt"
Scharfenorth

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