Feministische KunstKnalltüte

So macht man den Humor ... fertig. Und fordert einmal mehr das immer Perfektere, Schnellere und Sterilere. Wichtig, sich klarzumachen, welche Macht eine einzelne jounalistische Meinung hat
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Es mag etwas ungewöhnlich aussehen, aber ich möchte hier nur einen Brief wiedergeben, den ich mit einiger Wut im Bauch u.a. an die Rhenische Post geschickt habe. Die Reaktion auf das Geschehen vom letzten Freitag ist irgendwie typisch für unsere zunehmende Engherzigkeit und Selbstkasteiung:

Meine Damen und Herren, uns hat die Veranstaltung des Apollo am 26.4. außerordentlich gut gefallen. Umso empörter sind wir wegen der RP-Kritik von Birgit Wanniger in der Rheinischen Post. Auch wenn Argentinien nicht in allen Beiträgen geführt, auch wenn da Kreisler eingemixt wurde - die Show war in ihrer Gesamtheit spannend und über alle Maße unterhaltend. Das trifft in erster Linie auf die beteiligten Arkrobaten, Tänzer und die Sängerin, aber ebenso auf den moderierenden, klavierspielenden und singenden Markus Schimpp zu. Ihn in der Kritik als Applausbremser und Slapstickkomiker, ja sogar als frauenfeindlichen Akteur abzutun, ist nicht nur geschmacklos, sondern für den Betreffenden auch jobrelevant. Die fahrlässige Beurteilung eines Menschen durch eine einzige Person - mit der Wirkungsbreite der Rheinischen Post- ist imageschädigend, meinungsverbildend und rücksichtslos. Ich kenne Herrn Schimp nicht, doch ich weiß, wie überbordender Feminismus, einschl. MeToo-Debatte in unserer überhitzten Atmosphäre dreinschlagen. Satire, hintergründiger Humor und lockeres, unterhaltenes Beiwerk werden nicht mehr verstanden, überernst genommen, wobei das genießerisch-süffisante Lächeln des Betrachters (ganz gleich ob Mann oder Frau) zu Tode gequält wird. Soweit sind wir inzwischen. Fakt ist: Keine Frau muss sich durch Schimpp (Kreisler) verletzt fühlen, es sei denn sie ist krank, überreizt oder Alice Schwarzer.
Die artistischen Einlagen - vor allem die letzte -hat mich das Gruseln gelehrt, und ich fragte mich heimlich, ob man das in dieser sensationsheishenden, "sicherheitslosen" Form nicht verbieten müsste. Diese einmalige halsbrecherisch-schöne Akrobatik ohne körperlichen Schutz für die Beteiligten, nur im Vertrauen auf eine sicher untaugliche Bodenmatte, spricht eher für gnadenlose Ausbeutung der Akteure als für moderne, menschengemachte Kunst.


Dr.-Ing. Ulrich Scharfenorth

www.stoerfall-zukunft.de

Sorry, ich vergaß, die OriginalQuelle anzuführen .....https://rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/freizeit/neue-show-im-apollo-variete-duesseldorf-viva-agentina_aid-38435083

12:54 29.04.2019
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Geschrieben von

Scharfenorth

Geb. 1941. Bis 1990 Gutachter fuer die DDR-Stahlindustrie. Danach Journalist/ Autor in Duesseldorf. 2008: "Stoerfall Zukunft"; 2011: "abgebloggt"
Scharfenorth

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