Religiöses Dummenpulver

Stramm arbeiten ... ... konnten die Leute in Baden-Württemberg und Bayern schon immer. Dafür sorgte schon die Knute der Herrschenden, und wenn das nicht reichte, kirchliche Maßregelung
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Was lese ich da heute in der Rheinischen Post - über eine von Tim Specks kommentierte Studie des IWD, Köln?

Der jüngst veröffentlichte Innovationsatlas des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt in dieser Hinsicht eines besonders deutlich auf: Vom Süden in den Norden sowie vom Westen in den Osten herrscht ein starkes Innovations- und Einkommensgefälle. In Baden-Württemberg wurden 2014 insgesamt 287 Patente angemeldet - in NRW waren es schon nur noch 84, Schlusslicht Sachsen-Anhalt kam gerade einmal auf 19 Anmeldungen. Auch beim Bruttoinlandsprodukt unterscheiden sich die Länder noch deutlich. In den westdeutschen Flächenländern lag das BIP laut Bertelsmann-Stiftung 2015 im Schnitt bei 38.600 Euro pro Kopf, in den ostdeutschen hingegen bei 26.500 Euro.

Es gibt eine erstaunliche Erklärung für das Gefälle. "Die Innovationskraft einer bestimmten Region hängt auch mit der religiösen Verortung ihrer Einwohner zusammen", sagt Oliver Koppel, Innovationsforscher beim IW. "Religiosität, konkret die Besinnung auf Werte wie Demut, Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit und Tüchtigkeit, bewirkt eine positive Arbeitsethik." Das sei eine der Erklärungen dafür, warum im religiös geprägten Süddeutschland eine höhere Innovationskraft herrsche als in Ostdeutschland.

Nur ein völlig Unbedarfter, einer der Geschichte Unkundiger, ein Ignorant, ein Provokateur oder ein bloßer Idiot kann solchen Unsinn verfassen.

Jeder klar Denkende weiß heute, dass weder der Kirche noch der Religion Bedarf, um edle Werte im Menschen wach zu rufen und zu befestigen. Und so mag die jahrhundertealte Unterjochung des Menschen, zu der die Kirche ganz maßgeblich beigetragen hat, eher andere Eigensschaften in einem Teil der Deutschen befördert haben - seine Fügsamkeit, sein devotes Ausharren, seine bedingungslose Arbeitsamkeit, sein weg vom Widerstand, seine Bereitschaft zur Unterordnung. In so einem Gefüge - jenseits von Streik und Aufruhr - lässt sich zu Gunsten der Herrschenden erfolgreich arbeiten und bruttoinlandprodukten. Vielleicht kann das als Erklärung gelten. Die emsigen Häuslebauer in Baden-Würthemberg bauen eben Häusle - ohne recht nach rechts und links zu schauen. Sie bauen auch Autos und kaufen en masse SUVs, die unsere Welt verpesten und Rüstungsgüter. Mit der Ethik - ich meine mit der richtigen - ist es da oft nicht weit her. Und mit der Geschichtskenntnis auch nicht.

Doch dass man selbst in Köln nicht weiß, warum die Ostdeutschen wirtschaftlich kaum aufholen, ist noch ein Stück schlimmer. Mit Religion jedenfalls, oder besser gesagt: mit dem Ausbleiben von Religion hat das NULL zu tun.

Dr. Ulrich Scharfenorth, Ratingen

18:36 28.08.2017
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Scharfenorth

Geb. 1941. Bis 1990 Gutachter fuer die DDR-Stahlindustrie. Danach Journalist/ Autor in Duesseldorf. 2008: "Stoerfall Zukunft"; 2011: "abgebloggt"
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Scharfenorth

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