Verkommen bis zum Gehtnichtmehr

MöchtegernOsmane Erdogan versteht es meisterhaft, Deutschland und Europa zu erniedrigen. Und beider Neigung, die Verbrechen des Sultans hinzunehmen, ist ungebrochen.
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Der Pakt mit dem Teufel dauert an. Nein mehr noch: Er gewinnt zusätzlich an Fahrt. So und nicht anders ist das zu bewerten, war derzeit zwischen Deutschland und der Türkei läuft. Stillschweigendes Tolerieren der vom türkischen Militär im Inland und in Nordsyrien praktizierten Schweinereien gegen die Freilassung des WELT-Journalisten Deniz Yücel. Die amtierende deutsche Regierung scheint bereit, den Tot von hunderten Kurden hinzunehmen, wenn nur ja die Flüchtlingsvereinbarung mit dem Bosporus intakt bleibt und Yücel auf freien Fuß kommt. Erdogan hat es blendend verstanden, die Geiselhaft der Deutschen einmal mehr ins Bewusstsein zu rufen, und er lacht sich zweifellos über die gebaute Zwickmühle halb tot.

Etwas anders liegt das mit den Amerikanern. Sie versuchen ihren Einfluss in Nahost unter dem Deckmantel des Kampfes gegen den IS weiter auszubauen und haben dabei mit anderen Problemen zu tun. Nämlich mit der Tatsache, dass eine Konfrontation mit türkischen Interessen dazu führen könnte, dass sich Erdogan noch mehr in Richtung Russland orientiert. Erdogan duldet keine autonome kurdisch geprägte Region an seiner Grenze. Denn er spürt die Gefahr, dass sich alle in Nahost befindlichen Kurden irgendwann einmal auf ein kurdisches Ganzes besinnen könnten. Was dann mit erheblichen Gebietsverlusten in der Türkei und der Beerdigung Erdoganscher Träume vom Wiedererstehen eines großosmanischen/großtürkischen Reiches einhergehen müsste.

Die USA, die Mann-gegen-Mann-Kämpfe – wo immer möglich – vermeiden, haben in der Strategie 1 kurdische Kämpfer für die direkte Konfrontation mit dem IS benutzt. Sich also auf die verlustlosen Bombardements beschränkt, während die Verbündeten den fanatischen, ja irrsinnigen Kämpfern des Islamischen Staates gegenüberstanden. In Strategie 2 besetzen gemischte Kontinente Teile Nordsyrien, um Öl- und Gasfelder sowie Staudämme unter ihre Kontrolle zu bringen. Auch hier sind die Kämpfer der YPG, die Erdogan als Terroristen, sprich: als Verbündete der PKK zu etikettieren versucht, mit von der Partie.

Es ist schizophrener Unsinn, die YPG als bloßen Handlager anderer zu betrachten. Immerhin haben ihre Kämpfer schon bei Kämpfen gegen den IS in Kobane unzählige Opfer gebracht - obwohl die Türkei alles daransetzte, ihre Unterstützung zu boykottieren. Parallel dazu waren von den Kurden in Nordsyrien neuartige, menschenwürdige Sozialstrukturen geschaffen worden. Ein Experiment, ein doppelt böses Unterfangen, stellte es doch nicht nur die Machtansprüche Erdogans, sondern die des TurboKapitalismus überhaupt in Frage.

Zusammengefasst ergibt sich in etwa folgendes: Die deutsche PolitikHure hält sich zurück, wenn es um faschistoides Gebaren in der Türkei oder um völkerrechtswidrige Aktionen der MöchtegernOsmanen in Syrien geht. Sie kommt dafür in den Genuss einer immer weiter laufenden Desavouierung – weil ja neben Deniz Yücel quasi tröpfchenweise immer weitere am Bosporus verhaftete Systemkritiker ihren Austausch gegen Leopard-II-Modernisierungen, Heckler&Koch-Gewehre und Hightech-Munition erwarten müssen. Gut möglich, dass Erdogan erneut auf seine Auflistung von GülenAnhängern zurückkommt und die Zuständigen in Deutschland nötigt, gewisse Asylanträge zu verweigern. Ja, angesichts der Bestrebungen Merkels, die Beziehungen zur Türkei deutlich zu verbessern http://www.rp-online.de/politik/deutschland/angela-merkel-und-binali-yildirim-versuchen-einen-neuanfang-aid-1.7399897, kann auch hierzu nichts Anderes als finsterste HinterzimmerPolitik vermutet werden. Dabei dürfte es immer schwieriger werden, den Deutschen die ekelhaften Kuhhandel schmackhaft zu machen. Ganz gleich, ob Merkel energisch abwiegelt oder nicht.

Ab April dürfte die neue alte Regierung an die Unfähigkeit ihrer Vorgängerin anknüpfen. Der osmanischen Ohrfeige bedarf es auch dann nicht. Denn wer im Schwitzkasten ist, geht auch so vor die Hunde.

Dr. Ulrich Scharfenorth, Ratingen

www.stoerfall-zukunft.de

13:02 16.02.2018
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Geschrieben von

Scharfenorth

Geb. 1941. Bis 1990 Gutachter fuer die DDR-Stahlindustrie. Danach Journalist/ Autor in Duesseldorf. 2008: "Stoerfall Zukunft"; 2011: "abgebloggt"
Scharfenorth

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