Barack Obama hasst einen Hund

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Barack Obamas neuer Hund macht nicht Wuff oder Wauwau, dafür aber bösartige Kommentare zu dessen Politik. Hier erzählt er von seinem ersten Tag im Weißen Haus.

Vor zehn Stunden kam ich ins Weiße Haus. Vor zwei Stunden verließ ich es wieder. Nach meinen Informationen bin ich der Präsidentenhund mit der kürzesten Amtszeit in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Ich sitze in einem Greyhound-Bus auf dem Weg nach Kalifornien. Neben mir schläft Michelle Obama. Sie sieht noch besser aus als im Fernsehen.

Das kam so: Ich liege in meinem Zimmer und lese den New Yorker, als mein Mitbewohner Edward Kennedy hereinkommt und sagt: „Du wirst der Hund des neuen amerikanischen Präsidenten.“
Ich sehe ihn entsetzt an.
„Ja, ich weiß, dass du bei den Wahlen für einen anderen Kandidaten gestimmt hast, aber was soll ich machen, Noam?“
„In diesem Leben werden wir keine Freunde mehr. Kommt der Herr Präsident wenigstens vorbei, um mich abzuholen?“
„Er wartet bereits unten.“

Er verlässt den Raum, kurze Zeit später kommt er zurück, Barack Obama im Schlepptau. Dann stellt sie sich vor mich, die angebliche Hoffnung Amerikas, Obama, mit seinen weißen Zähnen wie Alpengletscher und dem Kopf, der so aussieht wie die Karikatur seines Kopfes.
„Das ist er?“, fragt Obama.
Edward nickt.

Zwei Minuten später sitzen wir auf der Rückbank seiner Limousine und fahren durch Washington.
Obama sagt: „Ich ertrage deinen Anblick schon jetzt nicht mehr. Ich mag keine Hunde. Aber ich habe meinen Töchtern in meiner Siegesrede dieses blöde Versprechen gegeben, ihnen einen Hund zu kaufen.“
„Sie können sich sicher sein, dass ich Sie nicht gewählt habe.“
„John McCain?“
„Nein.“
„Aber sonst gab es doch keine Kandidaten.“
„Sie sollten nicht nur das sehen, was in den Zeitungen steht. Im Übrigen werde ich Ihnen nicht sagen, wen ich gewählt habe. Sie werden es noch herausfinden.“
„Wenn du meine Kinder indoktrinierst, drehe ich dir den Hals um.“
„Das ist sehr aufmerksam von Ihnen.“

Als ich Michelle Obama im Flur des Weißen Hauses sehe, diesen Menschheitstraum im schwarzen Kostüm, schwöre ich mir, dass ich zu dieser Frau nie etwas Böses sagen werde. Sie läuft lächelnd auf mich zu, an Obama vorbei, der die Arme ausstreckt, und schüttelt mir die Hand.
„Ich freue mich, Ihre Bekanntschaft zu machen“, sagt sie.
„Aber Frau Obama“, sage ich, „nennen Sie mich doch Noam.“
„Nur, wenn du mich Michelle nennst.“
„Gerne.“
„Hast du Gepäck mitgebracht?“
„Nein, ich bin frei wie der Wind. Heute hier, morgen dort.“
Sie lächelt wieder.
„Seid ihr jetzt fertig?“, bollert Obama dazwischen.
„Aber Barack, ich habe doch nur unseren Gast begrüßt. Ist er nicht ein hübscher Kerl?“
„Er ist hässlich wie die Nacht in Guantanamo.“

Bevor er mich weiter beschimpfen kann, kommen die Mädchen aus der Schule, Malia Ann und Natasha. Das jüngere, Malia Ann, stürmt sofort auf mich zu und drückt sich an mich.
„Hallo Bo.“
Ich sage: „Ich habe jetzt keine Zeit für Zuneigung. Ich muss telefonieren. Und außerdem heiße ich nicht Bo.“
Das Mädchen guckt beleidigt und ruft: „Papa, der Hund will sich nicht drücken und nicht Bo nennen lassen.“

Obama brummt nur: „Papa interessiert nicht, dass der Hund sich nicht drücken lässt. Papa geht jetzt ins Oval Office und schickt 17000 neue Soldaten nach Afghanistan.“
„Das ist also der berühmte Change, den Sie versprochen haben.“
„Bitte?“
„Erinnern Sie sich daran, wie Sie vor zwei Jahren die Ausweitung der Streitkräfte gefordert haben? Eine Idee, die Sie von Robert Gates haben. Der war Verteidigungsminister unter Ihrem Vorgänger und ist jetzt - richtig, auch Ihr Verteidigungsminister. Das einzige, was sich geändert hat, ist die Hautfarbe des Präsidenten.“

„Du bist bestimmt auch einer von denen, die den ganzen Tag Dokumentarfilme von Michael Moore sehen.“
„Für wen halten Sie mich? Michael Moore ist doch der Hofnarr Washingtons, der nur deshalb so unverfroren auftreten darf, weil ihr wisst, dass ihn sowieso keiner ernst nimmt.“
„Wenn du dich noch einmal in meine politischen Entscheidungen einmischt, vergifte ich dein Futter.“

Als es dunkel wird in Washington, gibt es Abendessen im Weißen Haus. Ich setze mich neben Michelle an den Tisch im Speisesaal. Der Koch hat mein Leibgericht für mich gemacht, Austern.
„Bevor wir essen…“ sagt Obama.
„… Zeit für das tägliche Barack-Obama-Quiz“, sagen die Kinder monoton und die Gesichtsmuskeln stürzen zu Boden.
„Genau. Wer war der erste afro-amerikanische Präsident der Harvard Law Review?“
„Du Papa“, sagen die beiden.
„Wer ist der erste afro-amerikanische Präsident der Vereinigten Staaten?“
„Du Papa.“
„Was ist so besonders an Mama?“
„Sie ist die erste afro-amerikanische First Lady.“
Obama wirft ihnen einen strengen Blick zu.
„Mama ist die erste First Lady eines afro-amerikanischen Präsidenten“, sagt Malia Ann.
„Fein. Jetzt können wir essen.“

„Papa“, sagt Natasha, „heute hat jemand aus meiner Klasse gesagt, dass er schon mal Alkohol auf einer Party seiner Eltern probiert hat.
„Halte dich besser fern von ihm. Drogen sind schlimm.“
„Stimmt“, sage ich. „Wer in seiner Jugend Drogen zu sich nimmt, zum Beispiel Gras, Kokain und Alkohol, der wird später bloß Präsident. So wie euer Vater.“
Michelle lacht laut auf, Obamas Augen verwandeln sich in eine Mischung aus Höllenfeuer und Atombombenabschussrampen.
„Dieses Tier untergräbt meine Autorität“, sagt er.

„Ich finde Noam lustig“, sagt Michelle.
„Bin ich etwa nicht lustig?“
„Na ja, wenn ich mich an unser erstes Date erinnere. Wir haben diesen Kinofilm gesehen und du hast dir immer Popcorn in die Nase gesteckt und mich angegrinst.“
„Das war lustig.“
„Das war nicht lustig.“
„Aber der Hund ist nicht der Präsident der Vereinigten Staaten.“
„Genau, der Hund ist nicht der Präsident der Vereinigten Staaten“, sagt Michelle.
Bevor Obama versteht, was sie damit meint, erschüttert eine Sirene den Speisesaal.
„Der Alarm“, sagt Obama. „In den Schutzkeller! Terrorangriff! Nur der Hund bleibt hier.“ „Du kannst das arme Tier doch nicht hier lassen“, sagt Michelle.
Obama knurrt. „Na gut, aber du kümmerst dich um ihn.“

Zwei Stunden später sitzen wir noch immer im Keller. Niemand sagt etwas.
„Um noch mal auf die Sache mit dem change zu kommen“, beginne ich.
Obama verdreht die Augen.
„Vergiss nicht, ich war bereits früh ein Gegner des Irak-Krieges.“
„Ich habe Ihre Rede auf der Anti-Kriegs-Demo in Chicago gehört. Sie haben erst einmal klar gestellt, dass sie nicht grundsätzlich gegen Krieg sind. Sie sagten, sie seien bloß gegen dumme Kriege. Mal ehrlich, auch Ihr Vorgänger hätte nicht gesagt, dass er für dumme Kriege ist. Niemand sagt: Ich bin für schlechte Kinofilme. Ich bin für angebranntes Essen.“
Nun schießt Obama die Atombomben in seinen Augen ab. „Es reicht.“

Er macht einen Satz auf mich zu, ich renne davon. Er jagt mich durch den Raum.
Michelle ruft: „Lass doch diesen Unsinn, Barack.“
Er brüllt: „Aber ich bin noch immer für ein Ende des Irakkrieges.“
Ich sage, keuchend, nur einen Schritt vor ihm: „Ja… aber mit … welcher Begründung? Weil Sie denken,… dass der Kampf …gegen den Terror… in Afghanistan geführt wird… und nicht im …Irak. Kein Wort davon…, dass der Krieg… laut UN-Charta… illegal war.“
„Aber du siehst ja…, wie wichtig der Kampf… gegen den Terrorismus ist. Wir sitzen… nicht ohne Grund… in diesem Bunker.“

Nun hat er mich gepackt und schleudert mich zu Boden.
„Jetzt bist du fällig.“
„Lass doch den armen Hund in Ruhe“, ruft Michelle.
Obama holt mit seiner Faust aus.
In diesem Moment kommt ein Sicherheitsbeamter hinein.
„Alles klar, Herr Präsident, war nur ein Probealarm.“
„Oh, nur ein Probealarm“, sage ich, „mit Probeterroristen.“
„Halt endlich dein verdammtes Maul. Halt endlich dein verdammtes Maul. Ich will dich hier nicht mehr sehen. Mir war sofort klar, dass es ein Fehler war, dich ins Weiße Haus zu bringen. Wir kaufen einen neuen Hund.“

Zehn Minuten später stehe ich an der Bushaltestelle. Der Bus fährt ein, als eine Frau im schwarzen Kostüm angerannt kommt, eine Reisetasche in der rechten Hand.
„Ich will auch so frei sein wie der Wind“, sagt sie.
„Wovon träumst du?“
„Ich will ein Punkrock-Café in Kalifornien aufmachen.“
„Nach dir“, sage ich, als sich die Türen des Busses öffnen.

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10:46 18.04.2009
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