Die Ukraine-Krise - Realpolitik anstelle von Wunschträumen

Ein aktueller Einspruch Die öffentliche, mediale Diskussion über den Ukraine-Krieg wird verantwortungslos verkürzt auf den sofortigen Stop aller Energie-Importe aus Russland und die sofortige Lieferung immer tödlicherer Waffen an die Ukraine!
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Zusammenfassung

Die öffentliche, mediale Diskussion über den Ukraine-Krieg wird vereinfacht und manipulativ geführt nach dem Motto - die Emotion treibt die Vernunft vor sich her - und verantwortungslos verkürzt auf den sofortigen Stop aller Energie-Importe aus Russland und die sofortige Lieferung immer tödlicherer Waffen an die Ukraine!
Ersteres würde uns mehr schaden als dem Aggressor und letzteres basierte auf dem frommen Selbstbetrug, auf einen Sieg der Ukraine gegen die mörderische russische Kriegführung zu setzen, ohne selbst Waffen in die Hand zu nehmen. Und das Ganze vor dem Hintergrund von Spekulationen über die Kriegsmotive und Kriegsziele von Putin, die eigentlich äußerste Vorsicht und Zurückhaltung gebieten müßten.
Dennoch erleben wir ein Übermaß an Kriegs-, militärischem Sieg- und Niederlage- sowie an Waffen-Rhetorik. Eine zielführende Friedensrhetorik wird dagegen vergessen. Stattdessen sind die Konservativen schon eifrig damit beschäftigt, 16 Jahre Merkelsche Regierungsverantwortung und regelmäßige Moskaubesuche von CSU-Vorsitzenden vergessen zu machen, indem Sie kräftig am Narrativ der "gescheiterten Russlandpolitik der SPD" stricken.
Und die wahnwitzige Einforderung einer Führungs (Führer?)-Rolle von Deutschland läßt den Blick auf unsere wenig „ruhmvolle“ Vergangenheit vermissen! Insbesondere, wo doch noch bei zu Vielen sich historisch rassistisches, imperialistisches, völkisches, demokratiefeindliches Erbgut herumtreibt!


Was für ein Wahnsinn!


Da legen wir schnell mal unsere leistungsfähige Wirtschaft - nicht nur die deutsche, sondern die der gesamten EU - lahm, indem wir ihr durch das von manchen geforderte sofortige Energie-Embargo den wichtigsten Grundstoff, die Energie, entziehen!
Warum eigentlich?
Aus Solidarität? Als Bestrafung? Aus Hilflosigkeit? Aus Prinzip? Als Mutprobe? Als Genugtuung, moralisch gehandelt zu haben?


Was u.a. zur Konsequenz hat, dass die dann darniederliegende Rüstungsindustrie Deutschlands und der EU der Ukraine keine neuen Waffen mehr liefern kann, dass die Nahrungsmittelindustrie keine Überschüsse, die wir an die Ukraine weitergeben könnten, mehr produzieren kann, dass wir der Ukraine nicht mehr mit überschüssiger Energie aushelfen können, dass unser Schuldenberg weiter exorbitant steigt, so dass wir die Ukraine nicht mehr finanzieren können, dass Hyperinflation, ein Arbeitslosenheer und Massenarmut die Bereitschaft und Fähigkeit nicht nur der Deutschen zur Unterstützung der ukrainischen Flüchtlinge untergräbt.

Andere halten das für maßlos übertrieben, führen u.a. die Corona-Krise an, die angeblich noch herausfordernder gewesen wäre, können aber in der konkreten Realität mein o.g. Szenario nicht ausschließen.


Was wären die Folgen für den von Putin und seinem Gefolge unrechtmäßig angezettelten Angriffs-Krieg in der Ukraine?

Ja, er wäre tatsächlich zu Ende, sobald die Ukrainer mit ihrer Wehrkraft am Ende wären. Und das wären sie spätestens, wenn die EU keine Waffen mehr liefern könnte.

Andere glauben, dass ein sofortiges Energie-Embargo Putin innerhalb weniger Monate in die Knie zwingen würde, können das aber weder wirtschaftlich, noch finanziell, noch politisch auch nur näherungsweise belegen, zumal alternative Abnehmerstaaten nicht nur in Afrika, Indien, China bereitstehen. Also bestehe ich weiterhin auf die Einbeziehung meines Worst-Case-Szenarios.

Und ja, verlockend wäre dann in diesem Szenario für Russland anschließend die wirtschaftlich am Boden liegenden Länder der EU Schritt für Schritt in ein imperiales russisches Machtimperium einzugliedern. Und Russland könnte glauben, dass die verarmten Massen es ihnen möglicherweise danken würden.

Andere glauben, dass Russland sich nach dem Ukraine-Krieg an die Einverleibung der nächsten EU-Staaten machen würden, obwohl diese doch mit dem Beistandspakt einer - noch - vergleichsweise starken NATO geschützt sind.


Und Deutschland hätte sich in meinem Energie-Embargo-Deindustrialisierungs-Szenario 100 Milliarden Euro zur Finanzierung des militärischen Anteils der „Zeitenwende“ erspart!? Und die Wirtschaftswissenschaftler, die in der Überzahl den Anschein erwecken, als könnten ihre Modelle die Gesamtauswirkungen abbilden, obwohl sie sich doch auf klassische volkswirtschaftliche Kennzahlen und Modelle beschränken - was kümmert die schon die Physik! -, hätten mit Ihren Prognosen recht behalten, dass der Energiemarkt einen sofortigen Energie-Importstop aus Russland verkraften würde - mit lediglich einem Stagnatiönchen, allenfalls einem Rezessiönchen!? Mal abgesehen von der mangelnden Aussagekrsft dieser volkswirtschaftlichen Modelle, haben diese Wissenschaftler noch nicht bemerkt, dass die Probleme der derzeitigen Energieversorgung vorwiegend mit der 1998 in Europa begonnenen Liberalisierung des Energiemarktes zu tun haben?
Ist das schon die Resignation, die sich hier bei mir Bahn gebrochen hat oder nur manchen Kriegstreibern und Verharmlosern geschuldete Polemik, Satire, Sarkasmus?

Dies alles auch vor Augen hoffe ich inständig,

- dass sich Habeck und Scholz und die gesamte Bundesregierung mit Ihrer bisherigen verantwortlichen, vernunftgeleiteten Real-Politik weiterhin durchsetzen.

- dass sich die Regierung der Einforderung einer Führungs(Führer?)-Rolle von Deutschland widersetzt. Lässt eine solche Forderung doch den Blick auf unsere wenig ruhmvolle Vergangenheit vermissen! Insbesondere, wo doch noch bei zu Vielen sich historisch rassistisches, imperialistisches, völkisches, demokratiefeindliches Erbgut herumtreibt!

- dass sich einseitig verantwortungslos und manipulativ gerierenden Talkmastern, die plötzlich die Moral für sich entdeckt haben, und Kriegsjournalisten von SPRINGERschen Anspruch mal in den Kopf geht, dass die deutsche Regierung auch und insbesondere eine Verantwortung für Deutschland, seine Bevölkerung, seine Wirtschaft und seine Zukunft, aber auch eine Mitverantwortung für eine friedlichere und nicht eine kriegerischere Welt hat. Dass im übrigen gerne dreiste Falschbehauptungen ukrainischer Offizieller wie z.B. des ukrainischen Botschafters Melnyk - offensichtlich unrecherchiert - für bare Münze genommen und deutschen Regierungspolitikern anklagend vorgehalten werden, ist eine weitere Eigentümlichkeit der deutschen medialen Berichterstattung. Dass deren Ton zunehmend in Kriegseuphorie abdriftet und dass sie Kriegsberichterstattung mit moralisch verbrämter, einseitig aufgepeitschter Kriegsstimulierung verwechseln ist unverzeihlich, ja untragbar! Deshalb ist von der Berichterstattung Distanz zu verlangen, nicht Emotionsanheizung! Und dass, als auch auf welche Weise, den Deutschen ein angebliches Dilemma (also ein falsches Dilemma!) bei der Frage eines sofortigen Energie-Embargos eingeredet werden soll, grenzt an Manipulation pur!

Da ist es dann auch schon nicht mehr verwunderlich, dass bei eingeladenen Politikern deren evtl. "Verstrickungen" in Lobbyorganisationen der Rüstungsindustrie vornehm verschwiegen werden.

Andererseits eröffnen sie mir, ob ihrer bisweilen verstörenden Ausdrucksweise, die Möglichkeit und Berechtigung, aus Fairnessgründen mit gleichen Tönen "zurückzuschlagen".

- dass die Wirtschaftswissenschaften endlich die Grenzen ihrer Profession erkennen und der staunenden Öffentlichkeit reinen, realistischen Wein einschenken, wenn Sie halbgare, der Physik und der Realität widersprechende Prognosen abgeben.


- dass die Verantwortlichen in Deutschland, der EU und der NATO nicht auf die populistischen Parolen der Demokratiefeinde aus Polen, Ungarn und anderswo hereinfallen.

- dass den Forderungen, der Ukraine auch schwere Waffen zur Verfügung zu stellen bzw. in weiteren Eskalationsschritten noch darüber hinaus zu gehen, nicht alternativlos gefolgt wird. Auch nicht weil, wie das plötzlich - undiskutiert - herbeigezauberte Narrativ - der Kampf der Ukraine würde auch unserem Schutz von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten dienen, suggeriert, dies unabdingbar wäre! Auch wenn dieses Narrativ, wie u.a. von FDP-Vizefraktionschef Alexander Graf Lambsdorff und anderen zum "Was muß eigentlich noch alles passieren-Trommlern" vorgeführt, und neuerdings auch von Habeck quasi zum moralischen Imperativ erhoben wird, müssen vorrangig die damit verbundenen Risiken einer Ausweitung des Krieges auch auf Deutschland und Europa, ggf. unter Einbeziehung russischer Atomwaffen, ernsthaft und verantwortungsvoll abgewogen werden. Vor der Unterschätzung dieser Risiken warnte übrigens u.a. der amerikanische CIA-Chef Burns.


Skeptisch bin ich allerdings - über die fatalen Wirkungen eines sofortigen Energie-Embargos hinaus - zunehmend über die behaupteten Erfolge vieler Sanktionen, wobei schon die Frage erlaubt sein darf, was denn eigentlich deren Ziel sein sollen, wenn diese offensichtlich nicht zu einem sofortigen Kriegsende führen. Am 80. Kriegstag: Der Rubel stark, die Läden voll – es scheint, als wirkten die Sanktionen gegen Russland - noch - nicht. Der Rubelkurs hat sich darüber hinaus wieder erholt. Russland schließt neue Energie-Lieferverträge mit afrikanischen und asiatischen Ländern. Nicht auf Basis von Dollar oder Euro! Russland hat in den letzten Jahren im globalen Süden (Afrika, Süd-Amerika) und globalen Osten (Indien, China) weitsichtig neue Handelsstrukturen - unabhängig von denen des globalen Westens - aufgebaut. Die russische Bevölkerung steht offensichtlich mit übergroßer Mehrheit hinter Putins kriegerischer Politik. Könnte es sein, dass die letzten Jahre - insbesondere auch unter dem Einfluss einer Trump-Administration in den USA - die ehemals starken, westlich dominierten Strukturen der globalen Wirtschafts-, Finanz- und Militär-Sektoren entscheidend geschwächt und destabilisiert wurden? Warum greifen unsere Medien diese Fragen eigentlich nicht auf?


Ich bin trotz allem erleichtert, dass wir in diesen Zeiten keinen Bundeskanzler a là Merz oder Söder haben,

- die einerseits schein-populistische, aus dem Corona-Irrsinn übernommene Nebelkerzen („Independence Day“, „Weiterbetrieb der AKWs“, "Nordstream I und II war ein Fehler") werfen, anstatt Verantwortung zu übernehmen und z.B. auch die 1998 europaweit eingeleitete Liberalisierung der Energiewirtschaft zu überdenken,

- die andererseits die Entlassung der Verteidigungsministerin wegen angeblicher Überforderung, fordern, obwohl die Union doch mit Ihren zig wirklich überforderten Verteidigungsministern der letzten 16 Jahre das heute in vollem Ausmaß sichtbare Desaster in der Bundeswehr hinterlassen hat. Mal ganz abgesehen von Überforderungen anderer Unions-Minister insbesondere im Wirtschafts (leere Gasspeicher!)- und Verkehrsressort (Ausländer-Maut!).

- die bereits mit der Aufarbeitung dieser Krise, sekundiert von den Medien mit Berichten a là "Die gescheiterte Russlandpolitik der SPD", beschäftigt sind, um wohl 16 Jahre Merkelsche Regierungsverantwortung und regelmäßige Moskaubesuche von CSU-Vorsitzenden vergessen zu machen. Den intellektuellen Tiefflieger-Vogel schoss dabei Samira El Quassil im SPIEGEL mit Ihrer Kolumne vom 28.4.2022 "Alle Fehler schon immer richtig gemacht" ab, eine Serie von SPIEGEL-Titeln, mit denen wohl gerade der YouTuber Rezo mit „Die Zerstörung der SPD“ zu imitieren versucht werden soll. Mit dem einzigen, aber wichtigen Unterschied: der SPIEGEL ist bei weitem nicht so erfolgreich wie Rezo! Im übrigen erinnert das fatal an die seinerzeitige Medienkampagne gegen Martín Schulz im vorletzten Bundestagswahlkampf - Weitere Beispiele gefällig?

- die schließlich dem Kanzler und der Regierung in dieser schwierigen Situation nicht nur bei der Frage der militärischen Unterstützung der Ukraine aus parteitaktischen Gründen in der Rücken fallen.

Dennoch sehe ich, dass - in Anbetracht der immer grausigeren Kriegsbilder aus der Ukraine - fast im Wochen-Rhythmus an der Eskalationsschraube - und zwar immer nur in eine Richtung - gedreht wird: von bestimmten konservativen Kreisen, von - häufig falschen - Moral-Aposteln nicht nur unter Medienverantwortlichen, von Interessenvertretern, …! Nicht selten werden dabei die grausamen Seiten des verbrecherischen Krieges instrumentalisiert. Und zunehmend wird wieder das alte Afghanistan-Krieg-Narrativ sinngemäß aufgegriffen: Anstelle "Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt!" heißt es jetzt "Die Ukraine kämpft auch für uns! Für unsere Freiheit! Für unsere Demokratie! Gruselig!
Enlarvend dabei ist, dass diese Anpeitscher selbstgewiss unterstellen, zu wissen, was in Putin's Kopf vor sich geht, was er wirklich versteht ("nur Stärke"), was er nicht versteht, was seine wirklichen Ziele ("Herrschaftsbereich von Lissabon bis Wladiwostok"), was nur leere Drohungen ("Atom-Krieg", "dritter Weltkrieg"), was seine Erpressungen sind! "Eine Erkenntnis von Menschen, die offenbar einen Zweitwohnsitz in Putins Kopf unterhalten", wie es Hilmar Klute treffend formulierte. Sie gerieren sich dabei als die "wahren" Putin-Versteher, werfen aber den anderen - "unwahren?" - Putin-Verstehern vor, - ja was denn? - Putin - falsch oder richtig?- verstanden zu haben.

Nach meinem Geschmack allzu schnell werden bereits Fehler der Vergangenheit in der Russlandpolitik von Deutschland der letzten 20 Jahre diskutiert (vgl. hierzu auch meinen "Vorkriegsbericht" Die Ukraine-Krise - ein nachdenkliches Vorkriegstagebuch https://www.freitag.de/autoren/sigismundruestig/ukraine-im-spannungsfeld-die-ukraine-krise-ein-nachdenkliches-tagebuch
) und in einer gravierenden Fehleinschätzung Putins durch die deutsche Politik festgemacht. "Moskau zeigt sein wahres Gesicht" ist dabei das beliebteste Narrativ. Verstörend ist, dass offensichtlich diese Analyse bisher nur sehr einseitig betrieben wird und fast wöchentlich Scharfmacher, die offensichtlich schon immer alles besser gewusst haben - nicht selten angestachelt von dem ukrainischen Botschafter Melnyk -, zu Entschuldigungen, Fehlerbekenntnissen und gar Schuldeingeständnissen auffordern oder gar drängen. Das mag auch mit der natürlich einsetzenden Betroffenheit über die bisher bekannten Kriegs-Grausamkeiten und Kriegs-Verbrechen der russischen Seite zusammenhängen, deren Ende nicht abzusehen ist. Diese einseitige Betrachtung beflügelt natürlich, ob gewollt oder nicht, die weitere Diskussion nächster Eskalationsschritte in Deutschland und anderswo.


Gerne führe ich für die Eskalationsschraube hierfür drei besonders skurrile Beispiel an.

Erstens:

Es sollte doch mittlerweile in der deutschen Politik- und Medienlandschaft bekannt sein, dass der Wahrheitsgehalt der Aussagen dieses ukrainischen Botschafters Melnyk mit Vorsicht zu genießen sind! Das ist vorsichtig, höflich und diplomatisch ausgedrückt - eine Ausdrucksweise, die Melnyk offensichtlich fremd ist.

Dass Hofreiter - der übrigens noch vor wenigen Jahren gegen eine Aufrüstung der Bundeswehr und noch kürzlich gegen Waffenlieferungen in die Ukraine war - sich nun quasi im Schulterschluss mit Melnyk zum - unerfahrenen - Militärexperten aufschwingt - hat er überhaupt gedient? -, ist abenteuerlich.
Er, der ultimativ ein sofortiges Energieembargo gegen Russland fordert - einen dadurch verursachten Großschaden der deutschen Wirtschaft will er nicht erkennen -,
er, der ultimativ die sofortige Lieferung Deutschlands von schweren Waffen an die Ukraine fordert - das Risiko einer dadurch verursachten Ausweitung des Krieges auf NATO-Gebiet erkennt er nicht -,
stellt jetzt die überraschende These auf, dass das Verweigern schwerer Waffen den Krieg verlängert und damit das Risiko eines dritten Weltkrieges erhöht!
Ähnlich hatten einschlägige Kriegstreiber aus den USA noch vor Kriegsausbruch argumentiert:
Wer keine Waffen liefert, ist für den Krieg!?
Wer langsam bzw. zögerlich Waffen liefert, bremst! Ja, wen oder was bremst er denn? Den Krieg oder den Frieden?
Wer Waffen liefert, ist gegen den Krieg und für den Frieden!?

Bisher hatte ich Hofreiter für einen intelligenten und vernünftigen Politiker gehalten. Jetzt kommen mir große Zweifel!


Dass er den Marketing-Abteilungen von Rüstungsfirmen sowie dem ukrainischen Botschafter mehr Vertrauen entgegenbringt als seiner Ampelkoalition, zeugt von wenig Professionalität.

Während Hofreiter ursprünglich die sofortige Lieferung schwerer Waffen forderte - die Ukraine muß sich jetzt verteidigen -, kritisiert er bei dem „Ringtausch“ von schweren Waffen zwischen Deutschland und Slowenien, dass diese altsowjetischen Waffen ja nicht längerfristig eingesetzt werden könnten!
Dass Hofreiter in dieser schwierigen Situation noch dazu dem Kanzler und der Ampelregierung in den Rücken fällt, zeigt nicht von staatspolitischer Verantwortung!
Sollte Hofreiter den Triumph der guten Gesinnung über die Gesetze des Verstandes anstreben wollen, dann zeugt das eben nicht von Klugheit.

Wie Recht die grüne Spitze doch hatte, Hofreiter kein Ministeramt anzuvertrauen!


Zweitens:

Ex-Bundespräsident Gauck auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee, 21.4.2022:

„Wenn wir schon nicht kämpfen, lasst uns das Menschenmögliche (Gauck meinte damit u.a. sofortiges Energie-Embargo und Lieferung schwerer Waffen) tun.“ Was will Gauck uns damit sagen? Will er uns eigentlich in den Krieg schicken?

Erst kam Gauck so harmlos daher mit "Man könne für die Freiheit auch mal frieren"! Dann will er auch noch schwere Waffen liefern! Und tatsächlich ...? Was für ein Albträumer!


Drittens:

Was den FDP-Vorsitzenden und Finanzminister Lindner und sein Lavieren angeht, sei gesagt:
Auf den Sieg der Ukraine gegen Russland zu setzen ist nicht nur realitätsfern, es ist auch töricht! Den Bundeskanzler in Schutz zu nehmen, aber gleichzeitig die Strack-Zimmermanns, die Kubickis, die Buschmanns, die Jungen Liberalen etc. weiterhin in Ihrem Scholz-Bashing gewähren zu lassen, ist koalitionsschädigend und unverantwortlich!

Eine, auf mich eiskalt-schneidig-zynisch wirkende, sich durch den Ukraine-Krieg nicht „belästigt fühlende“, selbst erklärte Nicht-„Intellektuelle“ (eigentlich reicht das für deren umfassende Charakterisierung) Strack-Zimmermann, die ständig mit erhobenem Zeigefinger und gerunzelter Stirn aufzählt, was es alles an schönem Material von Dingo über Boxer bis zu Fuchs aus welchen Waffenkammern auch immer gibt („kleine Waffenkunde“, wie es die selbst erklärte Waffen-Jeanne d’Arc spielerisch und vor moralischer Selbstgewissheit überschäumend nennt), nervt und ist - auch durch ihre Permanent-Kritik am Kanzler und der Verteidigungsministerin - einer gedeihlichen Zusammenarbeit in einer Koalition nicht förderlich! Wenn Sie darüberhinaus warnt vor angeblichen Ansichten, Absichten und Handlungen, die gar nicht zur Diskussion stehen, erzeugt sie den Eindruck, sich wichtig machen zu wollen auf Kosten anderer, auch von - eigentlichen - Partnern!
Gerne kritisiert sie Ihre Kritiker als - unausgesprochene - Weicheier, die „mit dem Hintern im Warmen sitzen“. Eine Zuschreibung, die, wenn sie sich - lässig mit ihren Forderungen nach „geschmeidigen“ Waffenlieferungen Schauder erzeugend - in Talkshowsesseln räkelt, auf sie zurückfällt.

Es verwundert nicht, dass Strack-Zimmermann Mitglied in diversen Lobbyorganisationen der Rüstungsindustrie, u.a. als Präsidiumsmitglied des Förderkreises Deutsches Heer (FKH), ist. Sie selbst begründet und verharmlost das, mit den angeblichen Erfordernissen ihrer politischen Aufgaben. Was schon eher verwundert: obwohl Strack-Zimmermann keine der Talkshows auslässt, wurde noch in keiner dieser Sendungen ihre „Verstrickung“ in diesen Lobbyorganisationen erwähnt. Warum wird das verschwiegen, wenn es doch eher - lt. Strack-Zimmermann - gewissermaßen eine Notwendigkeit für ihre Aufgaben darstellt?

Und die Einforderung einer Führungs(Führer?)-Rolle von Deutschland läßt den Blick auf unsere wenig ruhmvolle Vergangenheit vermissen! Insbesondere, wo doch noch bei zu Vielen sich historisch rassistisches, imperialistisches, völkisches, demokratiefeindliches Erbgut herumtreibt!


Untragbar, wenig geschmeidig, diese FDP-Frau!

In Anbetracht des Übermaßes an Kriegs-, militärischem Sieg- und Niederlage- sowie an Waffen-Rhetorik vermisse ich die Friedensrhetorik! Stattdessen malt neuerdings Strack-Zimmermann im Verbund mit Hofreiter Moldau als nächstes Kriegsziel von Putin an die Wand - um was genau zu erreichen? Das aktuelle Kriegsziel des Westens auf einen Vernichtungskrieg gegen Putins Russland umzudeuten?

Immerhin glaubt Justizminister Buschmann zu wissen, dass das Liefern von - auch schweren - Waffen, völkerrechtlich kein Grund ist, zur Kriegspartei erklärt zu werden. Ob das Putin auch so sieht?

Wollen wir wirklich in einem neuen Weltkrieg enden?
Wehret diesen Unheilsbringern!
Lasst die Vernunft und nicht die schneidigen Großtöner siegen!


Was mir bisher fehlt, ist - anstelle der vorherrschenden Kriegsrhetorik - eine Friedensrhetorik!

Dies sei am Bild der bisherigen USA-Aktivitäten in diesem Konflikt skizziert.
Verstörende Kriegsziele und Kriegsrhetorik der Amerikaner, sichtbar im Umfeld des Besuchs der US-Außen- und Verteidigungsminister in der Ukraine am 25.4.2022 und von Nancy Pelosi am 1.5.2022 in Kiew: „ Amerika werde der Ukraine beistehen bis zum Sieg“.

Ist es verantwortbar, dass die Amerikaner mit Ihrer Rhetorik vom möglichen Sieg der Ukraine gegen Russland und der Schwächung von Russland die Ukrainer noch tiefer in die kriegerischen Auseinandersetzungen hineintreiben und somit noch mehr Kriegsopfer generieren? Das liegt doch auf der Linie von Bidens Gerede vom „Regime Change“, oder nicht?
Und auf dieser Linie liegt, dass der US-Kongress den Lend-Lease-Act verabschiedet hat. Das erinnert stark an das Lend-Lease-Gesetz von 1941, welches es US-Präsident Franklin D. Roosevelt erlaubte, kriegswichtiges Material an das britische Empire, China, Russland und Griechenland zu liefern. Washington stellt nun 2022 die enorme Summe von 47 Milliarden US-Dollar zur Verfügung. Das entspricht einem Drittel des Bruttoinlandsproduktes der Ukraine vor dem Krieg. Das läuft auf nichts weniger hinaus als auf die Finanzierung eines totalen Krieges.
In Anbetracht des Übermaßes an Kriegs-, militärischem Sieg- und Niederlage- sowie an Waffen-Rhetorik vermisse ich die Friedensrhetorik!
Die USA liefern offensichtlich keinen Beitrag für eine Verhandlungslösung. Im Gegenteil! Dies ist im übrigen auch die Sicht vieler kritischer Amerikaner, u.a. auch von Noam Chomsky und John Mearsheimer. Wobei Neutralisierung, (regionale) Autonomie in einer föderalen Ukraine und Demilitarisierung drei Grundpfeiler sein könnten, auf denen eine Lösung a là Mexico bzw. a là Schweiz aufgebaut werden könnte, wie es z.B. auch Noam Chomsky vorschlägt.


Geht endlich in den Verhandlungsmodus!

Anstelle endlich nach einer Beendigung dieses grausamen Krieges zu suchen, ja dieses Ende einzufordern, hinterlassen insbesondere unsere Medien bei mir den Eindruck, als könnte es Ihnen gar nicht schnell genug gehen, ein sofortiges Energieembargo gegen Russland zu verhängen, immer tödlichere Waffen in die Ukraine zu liefern, ja sogar auch deutsche Soldaten auf ukrainischen Boden kämpfen zu lassen.

Die Risiken werden ignoriert durch gerne verwendete Floskeln wie „Nicht einschüchtern lassen“, „keine Panikmache“. Im Angesicht von russischen Drohungen eines Energieembargos oder eines Atomkrieges, ist das ja „nur“ die mittlerweile von - skrupellosen?- Politikern, Medienschaffenden, Experten etc. verbreitete Aufforderung, insbesondere auch an den Bundeskanzler und seine Regierung, dieses Risiko aus jedweder politisch zu verantwortender und sachlich umfassend informierter Abwägung herauszunehmen! Und wo findet man diese Skrupellosen?
Bei der CDU (Wadepuhl, Kiesewetter, Röttgen, Merz, … ), in der FDP (Strack-Zimmermann, Buschmann, Lambsdorff,…), bei den Grünen (Hofreiter, Fücks, Beck, …), in den Medien (Lanz, Will, Maischberger, Illner, Amann, Plasberg, …), bei den „Experten“ (Major…), sonst (Gauck…).
Wollen wir das wirklich?

Typische Beispiele hierfür sind die Talkshows von Maybrit Illner und Markus Lanz.

In Illners Sendung Ende April 2022 demonstriert die Leiterin des SPIEGEL-Hauptstadtbüros Melanie Amann die Methode: um ihre immerwährende Kritik an Scholz auf den Punkt zu bringen, hören sie und ihre Nachahmer bzw. Vormacher offensichtlich gar nicht mehr auf Argumente und Erläuterungen von Scholz und seiner Regierung, wenn diese nicht in ihr Narrativ, an dem sie kräftig stricken, passen, nämlich dass Scholz zögerlich und ängstlich sei, zaudere, und Führungskraft und Haltung vermissen lasse, einen Zick-Zack-Kurs verfolge und den Bürgern Angst mache.
Wohin wollen uns diese „Tauben“ wohl bringen? Sprechen bzw. schreiben sie doch - anscheinend angstfrei, aber empörungsgeladen - bereits den „übernächsten Export" - noch - schwererer Waffen herbei, dessen überlange Diskussion sie für unnötig halten, die ja gar - gereckter Zeigefinger! - eine immer größere militärische Unterstützung - will sagen: eine Ausweitung, Verlängerung und Brutalisierung des Krieges - verzögere. Also angstfrei, ohne zu zögern und lästige Diskussionen immer tiefer in den Krieg! Hip hip Hurra! Wie gruselig!


Als ein Talkgast darauf hinweist, dass die Meinung der Bürger zur Frage der Lieferung von - schweren - Waffen (Fürsprecher und Gegner halten sich die Waage) nicht der Meinung der Medien entspricht, die überwiegend zu den Fürsprechern zählen, hält Illner entgegen, dass in ihrer Sendung auch Gegner zu Wort kommen. Was mich erschreckt, ist die Realitätsferne dieser vor Selbstgewißheit überschäumenden Influencer!

Seit Ausbruch des Ukraine-Krieges nehme ich Lanz wahr als sich einseitig und verantwortungslos gerierender Talkmaster, der plötzlich die Moral für sich entdeckt hat und den Eindruck hinterlässt, er spule - ohne Mandat - eine eigene Agenda ab, die da lautet:
- Energieembargo sofort, koste es, was es wolle - wobei er sich das schön redet mit Gästen, die das für machbar halten.
- Schnellstmögliche Lieferung auch schwerer Waffen an die Ukraine.

Talkgäste, die dieser Agenda entsprechen, läßt er gerne - unkritisch - ausreden, insbesondere wenn sie seine Meinung ergänzen.

Talkgäste, die dieser Agenda weniger entsprechen, bügelt er gerne mit moralischen Argumenten, wenn nicht gar mit unrealistisch bzw. naiv ab.
Was Lanz völlig abgeht, ist die Erkenntnis, dass die deutsche Regierung auch und insbesondere eine Verantwortung für Deutschland, seine Bevölkerung, seine Wirtschaft und seine Zukunft, aber auch eine Mitverantwortung für eine friedlichere und nicht eine kriegerischere Welt hat.

Bei Lanz hat man zudem den Eindruck, dass er sich für einen - immer richtig - handelnden Politiker hält: wenn er lange genug seine offensichtliche Agenda medial durchgedrückt hat und entsprechende politische Entscheidungen erfolgt sind, lehnt er sich gerne mal genüßlich zurück und klopft sich - erkenntlich, wenn auch unsichtbar - auf die Schultern! Was treibt diesen Mann wohl an?

Eine spezielle Methode, auch mal Fake-News unter die Leute zu bringen, ist mir bei Lanz aufgefallen: immer dann, wenn Lanz einfach mal - scheinbar unbedarft - die Frage „Stimmt das, dass …“ stellt, ist Vorsicht geboten.

Gerne lädt Lanz Gäste ein, die auch als Waffen-Lobbyisten unterwegs sind, und grölt mit ihnen im Chor das garstig Lied von immer mehr, immer tödlicheren Waffen. Weshalb er deren Lobbyisten-Status verschweigt, sagt alles über ihn aus: charakterlose Gesellen!


In Lanz' Sendungen Mitte April 2022 wird dann schon mal - realistisch? überzeugend? - erläutert: "Die Vereinten Nationen, die Türkei und die Europäische Union müssten Russland „mit aller Macht“ an den Verhandlungstisch bringen und den Abzug russischer Truppen aus Transnistrien, Georgien und Kaliningrad(?) fordern“!

Lanz läßt seine ausgewählten Traumtänzer immer wieder auf dem Kriegspfad marschieren!
Diese Traumtänzer schwadronieren unter Lanz’ Regie auch schon mal von deutschen Soldaten in der Ukraine, wobei es Lanz übrigens „erstaunlich“ findet, dass so viele Menschen bei uns schon besorgt sind über die vielen Waffenlieferungen! Diese Traumtänzer fühlen sich gedanklich schon als Kriegspartei - wie der CDU-MdB Kiesewetter, der übrigens auch gerne „unverzagter“ Waffen geliefert haben möchte. Und diese Traumtänzer scheuen sich nicht - wie Röttgen -, durch ihre Forderung eines sofortigen Energieembargos für Deutschland den Absturz in ein deindustrialisiertes Land zu riskieren! Schämt Euch!
In seiner Sendung vom 4.5.2022 lies Lanz es bei der kritischen Diskussion der leeren Gasspeicher - Stirnrunzeln und erhobener Zeigefinger bei Lanz! - Dauer-Talkgast Röttgen, unwidersprochen durchgehen, dass der zuständige Minister, der für die Energiewirtschaft in Deutschland verantwortlich war und bei der fehlenden Befüllung der Gasspeicher hätte eingreifen müssen, nicht benannt wurde! Warum wohl?
Es war übrigens der Ex-Wirtschafts-Minister und Röttgens CDU-Kollege Altmaier!
Auf was für eine Schlagzeile hat Lanz da verzichtet:
„Merkel und ihr zuständiger Wirtschaftsminister haben spätestens seit Herbst 2021 übersehen, dass Putin sich konkret auf einen Krieg vorbereitet - sonst hätte Putin ja nicht - unbemerkt? - die Gasspeicher leer gelassen.“
Röttgen ist übrigens auch wieder aufgefallen als einer, der gerne Fakten schönt bzw. unterdrückt.
Ein kleines Beispiel, wie trickreich Röttgen mit Fakten - unwidersprochen von dem Röttgen-gläubigen Lanz - umgeht:
Den Hinweis von Wirtschaftsminister Habeck, dass man vorbereitet sei, wenn der Gashahn plötzlich abgedreht wird, interpretiert er um in „das ist machbar“, so als ob keine drastischen - ja unbeherrschbaren - Wirtschaftsrisiken damit verbunden wären.
Dass Lanz hier nicht - wie üblich - dazwischen grätschte, mag damit zusammenhängen, dass er in seinen vergangenen Sendungen über den Ukraine-Krieg - also in fast allen seit Kriegsbeginn - sich zum Rächer der deutschen Putins-Kriegsfinanzierer aufgeschwungen hat. Ungläubiges Staunen der Zuschauer!
Und schließlich läßt Lanz die naheliegende Frage, wer denn die offensichtlich problematische Privatisierung der Energieindustrie in Deutschland federführend vorangetrieben hat, ungestellt im Raum stehen. Wollte Lanz nicht oder kann Lanz gar keinen Investigativ-Journalismus?
Verräterisch ist auch die Auswahl der Talkgäste in diesen "Shows": so läßt Lanz unwidersprochen den Ex-Verteidigungminister De Maizière schwadronieren, dass Kanzler Scholz "Klartext reden oder schweigen soll"! Der Ex-Verteidigungsminister De Maizière, der auch heute noch als Unsinn abwehrt, wenn er neben Guttenberg und von der Leyen zu Recht als einer der Hauptzerstörer der Bundeswehr genannt wird. Ich bin gespannt, wann diese "Experten" auch noch in die Talkshows eingeladen werden.


Auch die Ägide der Ex-Generale - seit 7-12 Jahren im wohlverdienten Ruhestand -, die diese Talkmaster regelmäßig aufmarschieren lassen, spricht Bände. Das erscheint so, als hätte man zur Corona-Pandemie anstelle von Prof. Drosten den mittlerweile zum Querdenker mutierten Prof. Bhakdi eingeladen. Aber zu dieser Zeit handelten die Talkmaster offenbar noch rationaler. Andererseits, und das macht deren Auftreten als unerwarteter Widerpart doch wieder interessant, argumentieren einige dieser Ex-Generäle besonnener als die Horde der zur Kriegstreiberei neigenden Politiker, Journalisten und Talkmaster.



Die öffentliche Berichterstettung über den Ukraine-Krieg wird längst instrumentalisiert


Interessant ist auch, wie der SPIEGEL die Ausrichtung seiner Ukraine-Berichterstattung geändert - oder sollte ich besser sagen, die Ukraine-Krise zu einem Scholz-Bashing instrumentalisiert? - hat.

Markus Feldenkirchen, Mitarbeiter des SPIEGEL-Hauptstadtbüros, hatte noch im März 2022 vernünftige Besonnenheit auch in der SPIEGEL-Berichterstattung in Anbetracht des Ukraine-Krieges demonstriert:
Wer dem Drängen nach einer Nato-Luftüberwachung nachgibt, ebnet den Weg in den dritten Weltkrieg. Es gibt eine Verantwortung, die über die Ukraine hinausreicht. Sie umfasst die gesamte Menschheit.“

Offensichtlich setzen sich mittlerweile andere Kräfte um die SPD- und Scholz-Basherin Melanie Amann durch, die - nachdem sie schon nicht einen Kanzler Scholz verhindern konnten - jetzt eine Chance wittern, Scholz zu stürzen. Dies ist zumindest der Eindruck, den diese bei mir erzeugen.

Die neue SPIEGEL-Kampagne gegen die SPD erinnert mich an die seinerzeitige Medienkampagne gegen den damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Martín Schulz. Warum wohl? Beispiele gefällig? Auch damals im Geleitzug mit der Presse von SPRINGER, Burda, FAZ und Konsorten.
Diese Kampagne geht von dümmlich - wenn Samira El Quassil in ihrer bereits oben erwähnten Kolumne „Alle Fehler schon immer richtig gemacht“ für „zahlreiche Entscheidungen der SPD in Bezug auf Russland deren negative Folgen sichtbar macht“, auch solche Entscheidungen, die gar nicht der SPD zuzuordnen sind, und auch solche Folgen, die gar nicht negativ sind - bis zu gefährlich - wenn Melanie Amann, um ihre immerwährende Kritik an Scholz auf den Punkt zu bringen, und ihre Nachahmer bzw. Vormacher offensichtlich gar nicht mehr auf Argumente und Erläuterungen von Scholz und seiner Regierung hören, sofern diese nicht in ihr Narrativ passen, nämlich dass Scholz zögerlich und ängstlich sei, zaudere, Führungskraft und Haltung vermissen lasse, einen Zick-Zack-Kurs verfolge und den Bürgern Angst mache.
Wohin wollen uns diese „Tauben“ wohl bringen? Sprechen sie doch - anscheinend angstfrei, aber empörungsgeladen - bereits den „übernächsten Export" - noch - schwererer Waffen herbei, dessen überlange Diskussion sie für unnötig halten, die ja gar - gereckter Zeigefinger! - eine immer größere militärische Unterstützung - will sagen: eine Ausweitung, Verlängerung und Brutalisierung des Krieges - verzögere. Also angstfrei, ohne zu zögern und lästige Diskussionen - nach dem Motto: Emotion treibt Vernunft vor sich her! - immer tiefer in den Krieg! Hip hip Hurra! Und davor schnell noch Scholz gestürzt! Wie gruselig!
Interessant zu wissen, dass in Sachen Russlandpolitik offensichtlich nur die SPD zu schützen ist! Diese verspiegelte Schein-Fürsorge ist ja wohl auch Teil dieser neuen SPIEGEL-Kampagne, die scheinbar gerade den YouTuber Rezo mit „Die Zerstörung der SPD“ zu imitieren versucht! Mit dem einzigen, aber wichtigen Unterschied: der SPIEGEL ist ganz offensichtlich bei weitem nicht so erfolgreich wie Rezo mit seiner „Die Zerstörung der CDU“-Kampagne war.
Sekundiert wird diese Kampagne von SPIEGEL-Kolumnist Sascha Lobo, der die ihm auf den Leib geschneiderte Rolle als krähender Blechbläser übernimmt, wenn er die Teilnehmer der Ostermärsche als als "Lumpen-Pazifisten" verunglimpft, ohne natürlich zu erwähnen zu vergessen, wie nahe diese der SPD stehen, und - im Faktenrausch? - Mahatma Gandhi zur "sagenhaften Knalltüten" ernennt.
Zudem wird der SPIEGEL wohl mittlerweile richtig alt: vergisst mal schnell 16 Jahre CDU-Merkel-Regierung und Kohl’s Russlandpolitik um 1990: die war ja wohl, wie man heute weiß, auch nicht vom Feinsten!
Der SPIEGEL greift, wie die CDU mit Ihrem neuen Vorsitzenden Merz, in die Mottenkiste von Vorgestern! Wenn schon rückwärts, warum nicht gleich in die einst ruhmreichen Zeiten eines - Lumpen-Pazifisten? - Rudolf Augstein?


Putingleich werden besonnen-kritische Stimmen weggebissen

Und kaum sind 10 Wochen Ukraine-Krieg in‘s Land gezogen, werfen erste Medien - wie z.B. die Süddeutsche Zeitung, wenn auch nur unter ferner liefen im Medienteil bzw. im Feuilleton - einen ersten kritischen Blick auf die bisherige eskalationsheischende Kriegsberichterstattung der Medien bzw. lassen kritische Stimmen wie z.B. die des Philosophen Jürgen Habermas zu Wort kommen - als einer der ersten ist der Fränkische Tag mit einem Interview des Friedensforschers Professor Egon Spiegel hervorzuheben. Auch die ZEIT und die FAZ hatten über das Interview mit Habermas berichtet, aber gleich einen ultimativen Kontra-Artikel veröffentlicht, so dass beim Leser nicht der Eindruck entstand, es hätte sich nicht um einen einmaligen “Ausrutscher“ der ZEIT bzw. der FAZ gehandelt. Der FAZ-Redakteur Simon Strauß verglich dabei fliegenschißgleich Habermas mit Alexander Gauland von der AfD.

Mittlerweile wurden zwei gegensätzliche offene Briefe an Bundeskanzler Scholz zum Ukraine-Krieg veröffentlicht, was wohl auch von einigen Medien als ein Denkanstoß begriffen wird, ihre bisherige einseitige und wenig besonnene Berichterstattung aufzugeben (vgl. hierzu z.B. den Kommentar von Giovanni di Lorenzo in der ZEIT vom 5.5.2022 „Deutsche Debatten“).

Als am 1.5.2022 Anne Will in ihrer Sendung gefragt wurde, dass doch sicherlich solche aktuellen Stimmen - im konkreten Fall war es der offene Brief von Alice Schwarzer - in der Sendung noch zu Wort kämen, war von Anne Will nur ein empörtes, aber entlarvendes, abwehrendes "nee" zu hören. Das passte wiederum zu Ihrer Gästeliste und auch Ihrer Agenda, wo eine abwägende, nachdenkliche und besonnene Stimme wieder einmal nicht vertreten war. Auch ihr mittlerweile wohlfeiler Vorwurf an Bundeskanzler Scholz, dass er seine Ukraine-Politik nur unzureichend erkläre, verwundert, wenn man sich an die Anne Will Sendung vom 27.3.2022 mit Olaf Scholz zur Erklärung seiner Zeitenwende-Rede vom 27.2.2022 erinnert: hatte Anne Will doch mit jeder ihrer Fragen versucht, Scholz einen Fehler nachzuweisen, ja ihn vorzuführen. Dass sie aber Interesse an seinen Erklärungen hätte, lies sie nicht erkennen.


Die offenen Briefe an Scholz: Beginn einer ausgewogenen Diskussion?

Die Argumentation einerseits vieler Kritiker des offenen Briefes von Alice Schwarzer bzw. des Interviews mit Jürgen Habermas, andererseits der Autoren des zweiten offenen Briefes von Marina Weisbach zum Ukraine-Krieg zu Ende gedacht, läuft letztlich, wenn man es überspitzt formuliert, auf einen Vernichtungskrieg gegen Putins Russland hinaus!
Das kann man sogar auch aus aktuellen Äußerungen amerikanischer Regierungspolitiker zu ihren Kriegszielen herauslesen: vom Regime-Change über eine ultimative Schwächung Russlands bis zu „Amerika werde der Ukraine beistehen bis zum Sieg“.
Ob aber das zu Ende gedacht ist?

Ob die Ukrainer hinsichtlich der enthusiastischen Botschaften aus dem Westen, sie könnten den Krieg gewinnen, wenn sie nur mit noch mehr und noch tödlicheren Waffen unterstützt würden, nicht in Wirklichkeit dadurch verführt werden, sich noch tiefer in einen, eigentlich aussichtslosen Krieg, zu stürzen, macht mich noch nachdenklicher, ob diese Politik für die Ukrainer moralisch und militärisch wirklich das Beste auch für sie und nicht nur für die - militärisch unbeteiligten - Unterstützer ist, die sich gerne als die eigentlichen moralischen Gewinner gerieren wollen.
Ob auch das zu Ende gedacht ist?

Und wenn jetzt einer der Kritiker des offenen Briefes von Alice Schwarzer, der CDU-Außenexperte Kiesewetter, plötzlich in der ZEIT vom 5.5.2022 für Verhandlungen mit Putin wirbt, dann erweist sich das bei genauerem Hinsehen als eine Mogelpackung. Verbindet er das doch mit Forderungen an Russland, deren Annahme völlig unrealistisch ist und die weit über die Ukraine hinausreichen - als ob er auch, wie die USA mittlerweile andeuten, eine Ausweitung des Krieges befürworten würde? -, weshalb er erklärt: das Ziel muß sein, dass die Ukraine den Krieg gewinnt. Also ein militärisches Kriegsende anstelle eines diplomatischen Kriegsendes.

Vor diesem Hintergrund möchte Kiesewetter Waffen noch „unverzagter“ liefern, malt er eine zehnfache russische Übermacht auf, die er aber gleich wieder als „russische Nebelkerze“ entlarvt, von der sich, wie Kiesewetter treffsicher (?) analysiert hat, leider auch der Bundeskanzler ein Stück weit blenden lässt. Gleichzeitig analysiert Kiesewetter, dass Putin größere Ziele hat als die Ukraine. „Transnistrien, Moldau, Georgien, Teile des Baltikums – all diese Gebiete will er langfristig in Russland integrieren“. Das würden übrigens auch die Unterzeichner dieses offenen Briefs nicht verstehen!
Beruhigend (?) ist doch aber, dass Kiesewetter als Ober-Kriegs-Versteher erklärt, dass all das Deutschland völkerrechtlich nicht zur Kriegspartei macht! Sicherlich versteht das Putin auch so!? Wenig glaubwürdig allerdings, wenn man hört, dass sich Kiesewetter in einer der vielen Lanz-Sendungen zum Ukraine-Krieg gedanklich schon als Kriegspartei fühlt und u.a. sogar über deutsche Soldaren in der Ukraine schwadroniert.
Übrigens hat dieser Kiesewetter, Oberst a.D. der Bundeswehr, Merz bei seiner Schlafwagentour durch die Ukraine begleitet.
Übrigens hatte sich Kiesewetter noch am 25.2.2022 gegen Waffenlieferungen in die Ukraine ausgesprochen und ein Umschwenken als zynisch bezeichnet.


Derartiges, etwas wirres Gedankengut, wie ich es hier ausgebreitet habe, in den Köpfen von Kiesewetter und anderer ihm Gleichgesinnter macht mich besonders hellhörig und vorsichtig im aktuellen Umgang mit dem Ukraine-Konflikt. Es deutet sich ein realistisches Risiko für eine - nicht vorhersehbare - Dynamik des Kriegsgeschehens an, der vorbeugend entgegengewirkt werden muss. So wie auch die ersten kritischen Äußerungen a là Offener Brief von Alice Schwarzer ja auch vor dem Hintergrund von fast 10 Wochen einseitigem Dauerbeschuss in fast allen Medien vorwiegend über Waffenlieferungen und Energiesanktionen zu verstehen sind, als wäre für Deutschland die militaristische Alternative der einzig verfügbare Handlungsspielraum.


Möglicherweise berichten im Nachgang zu diesen kritischen Anmerkungen künftig Medien ausgewogener und besonnener, wenn auch die ersten diesbezüglichen Talkshow-Diskussionen zeigen, dass die Gegner dieses Offenen Briefes wiederum vorwiegend nur militaristisch argumentieren! Und weiterhin werden Gäste eingeladen, die auch als Waffen-Lobbyisten unterwegs sind, ohne deren Lobbyisten-Status transparent zu machen. Was sagt uns das? Charakterlose Gesellen? Und SPIEGEL-Chefredakteurin Amanns Erklärung, nach der wochenlangen SPIEGEL-Dauer-Kampagne Pro-Waffen-Anti-Scholz würden ein paar gegensätzliche Artikelchen doch Ausgewogenheit demonstrieren, zeugt von unglaublicher Selbstgewissheit und Fehleinschätzung! Nichts verstanden?


Und wie weiter?


Doch der Krieg geht weiter! Und die Medien spielen weiter ihr Spiel! Und sollte es anders enden, als sie vorhergesagt, vorhergeschrieben, vorhermanipuliert haben, was soll's! Sie tragen ja keine Verantwortung, die sie dann ggf. weit von sich weisen und auf andere ihrer Opfer lenken!


Ich aber appelliere:

Lasst die Emotion nicht die Vernunft vor sich her treiben, sondern wägt sorgfältig ab! Auch wenn das Abwägen etwas Zeit braucht!

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
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