smukster
30.03.2016 | 02:02 64

Russlands neuer Reichtum

Export Sicher, das Land wird nicht ewig von Öl und Gas leben können. Aber mit seinem riesigen Territorium hat es noch etwas Anderes zu bieten - und das ist viel wertvoller.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied smukster

Es hat sich zu einem beliebten Spiel entwickelt, Russland mittelfristig den unweigerlichen Niedergang zu prophezeihen: Ökonomisch sei es viel zu sehr vom Öl- und Gasexport abhängig, und sobald deren Weltmarktpreise und schließlich klimabedingt auch die Nachfrage nachließen, werde der scheinbare Aufschwung der letzten Jahre sich in Luft auflösen und endgültig einem Absinken auf den Status eines Entwicklungslandes Platz machen. Zwar bemühe sich Moskau mindestens seit dem Amtsantritt Putins um eine Diversifizierung und Modernisie- rung seiner Wirtschaft, doch seien auch nach 15 Jahren keine Erfolge dieser Strategie feststellbar, die Abhängigkeit von Importen aus Europa und Asien sogar noch gewachsen.

Es kann durchaus angezweifelt werden, dass der anvisierte Umbau der Wirtschaft tatsächlich so erfolglos ist wie behauptet, was sich nicht nur an der Produktion modernster Waffen- systeme, sondern auch an Fortschritten im Bereich der Biotechnologie festmachen lässt, doch darum soll es hier nicht gehen. Denn die Untergangspropheten vergessen eine viel wichtigere Zukunftsressource, dank derer Russlands wirtschaft- liches Überleben langfristig gesichert sein dürfte: Ackerland.

Vom Öl- zum Agrarexporteur

Der Ölpreis ist innerhalb eines Jahres von über 100 auf etwa 40 Dollar gefallen, und es gilt als unwahrscheinlich, dass er in den nächsten Jahren wieder alte Höhen erreichen wird - wenn überhaupt jemals. Das ist für die russische Wirtschaft jedoch weniger dramatisch als es zunächst klingen mag, da der Rubel (wie jede Währung eines Rohstofflandes) parallel zum Ölpreisverfall abwertet und so zwar Importe deutlich teurer werden, der Exporterlös in Rubeln jedoch annähernd konstant bleibt und Staatsausgaben im Inland somit bezahlbar bleiben. Längerfristig wird jedoch der weltweite Verbrauch fossiler Brennstoffe aus Gründen des Klimaschutzes unweigerlich abnehmen, und damit auch die Möglichkeit, den Haushalt mit deren Verkauf zu bestreiten.

Doch gleichzeitig entsteht, ebenfalls aufgrund des Klima- wandels, aber verstärkt durch das anhaltende Wachstum der Weltbevölkerung und die Übernutzung der Böden in vielen Ländern, eine neue Knappheit: Immer mehr Staaten und Weltregionen können nicht mehr genug Lebensmittel produzieren, um ihre Bevölkerungen selbst zu ernähren, und sind somit auf Importe angewiesen. Was etwa China oder dem Mittleren Osten größte Kopfschmerzen verursacht und sie zum “land grabbing” vor allem in Afrika treibt, bedeutet für Russland eine riesige Chance.

Nahrungsmittel als strategischer Rohstoff

Schon heute hat dieses die drittgrößte landwirtschaftlich genutzte Fläche aller Staaten, und den vorherrschenden Modellen zufolge wird sich diese durch den Klimawandel noch deutlich vergrößern. Während steigende Temperaturen anderswo Wüstenbildung oder versalzende und überschwemm- te Küstenregionen bedeuten, dürften sie Russland ebenso wie Kanada eine Verschiebung der Ackerbaugrenze nach Norden bescheren. Die Prognosen dazu sind mit großen Unsicherheiten behaftet, und die drohende Zunahme von Extremwetter- ereignissen wie der Hitzewelle von 2010 aufgrund des Klimawandels darf ebenfalls nicht vergessen werden. Doch wenn sich diese beherrschen lassen und die Anpassung gelingt, ergibt sich daraus nicht nur eine ökonomische Langfristperspektive, sondern auch eine politisch-strategische: Denn Agrarprodukte sind einerseits ein lukratives Exportgut, andererseits aber auch eine unverzichtbare Ressource, die sich bei Bedarf als geostrategisches Machtinstrument einsetzen lässt.

In diesem Kontext interessant ist auch die Entscheidung der russischen Regierung vom letzten September, den Anbau gentechnisch veränderter Nahrungspflanzen zu verbieten: Mittelfristig eröffnet das die Chance, den der Gentechnik gegenüber kritisch eingestellten “anspruchsvollen europäischen Markt” zu beliefern. Längerfristig könnte dabei jedoch auch der Gedanke eine Rolle gespielt haben, sich so als Ausweichprodu- zent zu positionieren für den Fall, dass es in den stark auf genveränderte Nutzpflanzen setzenden Anbauregionen Nord- und Südamerikas sowie Chinas zu schwerwiegenden Problemen damit kommen sollte, also zu einem “Gen-GAU”. Denn trotz aller Labortests gibt es keine Garantie, dass tatsächlich schädliche Wechselwirkungen sowie eventuelle Langfrist-Folgen für Gesundheit und Ökosystem ausgeschlossen werden können, und einmal großflächig in die Natur entlassene Organismen lassen sich kaum wieder aus dieser entfernen.

Kornkammer mit Atomwaffen

Schon in der griechischen Antike galt die nördliche Schwarzmeerküste als fruchtbare “Kornkammer”, und der einträgliche Handel mit ihr war wohl der Hauptgrund für den Reichtum Trojas und damit auch den Trojanischen Krieg. Wer das heutige Russland despektierlich als “Tankstelle mit Atomwaffen” bezeichnet, sollte sich dies in Erinnerung rufen. Denn Öl mag zwar substituierbar sein - doch solange Getreide nicht im 3D-Drucker hergestellt werden kann, wird dieses als strategische Ressource immer wichtiger werden. Und der russischen “Kornkammer mit Atomwaffen” nicht nur Reichtum, sondern auch eine enorme Machtposition im geopolitischen Spiel der Kräfte verleihen.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (64)

denkzone8 30.03.2016 | 10:17

vor beinah zweihundert jahren sah toqueville die zukunft der menschheit in den händen der usa und rußlands: während der produktive zenit des einen überschritten ist im gehäuse der privat-wirtschaft, war, ist, und bleibt das andere auf absehbare zeit das land, in dem die traktoren-fabriken gepanzerte raupen-fahrzeuge aus-stoßen: das land der un-eingelösten hoffnung, das reich der nicht-erreichbaren zukunft.

groß-deutsche träume auf nutzung der bären-kräfte haben das ihre beigetragen...

h.yuren 30.03.2016 | 15:13

Der Ölpreis ist innerhalb eines Jahres von über 100 auf etwa 40 Dollar gefallen, und es gilt als unwahrscheinlich, dass er in den nächsten Jahren wieder alte Höhen erreichen wird - wenn überhaupt jemals.

eine sehr gewagte these, möchte ich meinen. mit klimaschutz ist alles und nichts zu begründen. falls der denn irgendwo ernsthaft stattfindet.

aber gegen den durst nach erdöl ist vorläufig kein kraut gewachsen. denk doch nur an das militär. kein flugzeug, kein lkw, kein flugzeugträger bewegt sich ohne den wüstensaft.

auch hast du gar nicht erwogen, warum denn der ölpreis in den keller gegangen ist. aber erst wenn das einigermaßen klar ist, kann über die zukunft des fossilen zeugs spekuliert werden. die traditionelle kriegführung bleibt stecken ohne das erdöl.

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Ehemaliger Nutzer 30.03.2016 | 20:36

Im Moment schwächelt Hipp/ Kaliningrad etwas, aber Ru hat das Potential, exzellente Lebensmittel zu produzieren.

Vorerst wird der Waffenexport boomen, Syrien diente auch der Werbung und der Perfektion. Bei der Beherrschung der Lüfte kann es ohnehin Niemand mit Suchoi aufnehmen

http://de.sputniknews.com/blogs/20160325/308675532/suchoi-beherrschung-Luefte.html

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Ehemaliger Nutzer 30.03.2016 | 20:48

Was Viele vergessen: Ru ist das größte Land d Erde, der Westen das größte Land Europas, der Osten das größte Land Asiens, und hat gerade mal 146 mio EW.

zum Thema auch noch diesee URL

http://journal-neo.org/2016/03/03/putin-s-pragmatic-agricultural-policy-the-value-of-stomach-diplomacy/

smukster 30.03.2016 | 23:11

Habe ich nicht, ist auch nicht wirklich Thema dieses Artikels;-) Der Ölpreis ist in dem Moment gefallen, in dem der Dollar sein Ölmonopol verloren hat - eben vom Monopol- auf den Marktpreis. Ob dabei Absprachen im Spiel waren ist eine gute Frage.

Der Kohleausstieg ist bereits sehr real, und ich zweifle nicht daran dass es bei Öl ähnlich laufen wird (s. Rockefeller-Stiftung), wobei der zeitliche Rahmen m.E. schwer einzuschätzen ist. Sicher, Armeen brauchen Öl, aber nicht das Gros der globalen Fördermenge, und in den USA scheint ohnehin eher eine Phase des nicht-Interventionismus anzustehen. Dass von heute auf morgen nichts mehr verbraucht wird behaupte ich natürlich nicht, aber die Einschätzung dass der Preis moderat bleibt wird weitestgehend geteilt.

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Ehemaliger Nutzer 30.03.2016 | 23:17

Russlands "neuer Reichtum" besteht im Wesentlichen aus Propaganda nach innen im Vorgaukeln einer "heilen Welt", die dem bislang gutgläubigen russischen Volk in absehbarer Zeit den Boden unter den Füßen weg reißen wird.

Putin hat hoch gepokert und verloren, die Rechnung zahlt das eigene Volk.

Es weiß es nur noch nicht.

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Ehemaliger Nutzer 31.03.2016 | 00:22

Ja, da ging's aber nicht um die Waffentechnik, sondern allein um die Beherrschung der Luft im physikalischen Sinne, die Aerodynamik, das Fliegen selbst und das Kuriose ist ja, daß die russische Linie auf einem US Entwuf aufbaut, während die US- Linie auf einem Russischen Entwurf aufbaut.

Beim Erdöl scheint ja der Glaube verbreitet, daß es eine endliche Resource sei, dabei ist es so nachhaltig, wie die Biomasse der Ozeane, ich werde das zum Wochenende rauslassen. Im Moment ärgere ich mich gerade, daß der fr wikimedia-Inhalte doch nicht zuläßt?!

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Ehemaliger Nutzer 31.03.2016 | 00:34

mit Sachal Studio Orchestra schreibt sich's wirklich gut,

aber ich sehe die Sache etwas anders, als Verlierer sehe ich im Moment Westeuropa, uns! Als ein Freund aus Teheran mit Bildern zurückkam, habe ich gestaunt, wie gut das Land die Sanktionen überstanden hat, ab einer gewissen Größe funktionieren sie einfach nicht mehr, können im Gegenteil als Katalysator für eine andere Entwicklung wirken, 'die Sanktionen gegen Ru' waren nie etwas anderes als Sanktionen gegen EU.

an anderer Stelle schrieb ich heute:

Eurasien ist nicht zu verhindern, USA und auch UK stehen dann im Abseits, was nicht ausschließt, daß sie ihre Rolle in der neuen Welt finden

auch Besrukow könnte hier etwas auf der Seite des Gestern stehen, Ru hat 140.000 EW, Tj 1,4Mrd

Mir scheint, die USA machen Ru gerade wieder zu ihrem Feind, grundsätzlich natürlich, weil sie keine Alternative zu ihrem antiquierten Weltbild gefunden haben, aber warum jetzt?

Die Schock- Einführung des Kapitalismus in der SU war ein prima Geschäft f US Konzerne und künftige Oligarchen, (Kolomoiski) die dann gerne ihren Wohnsitz in den USA nehmen. Aber diese Gelegenheit ist schon Geschichte.

Die USA ist ja nicht das Land der US- Amerikaner, sondern der Reichen dieser Welt.

Westeuropa hat die Wahl, ob es an Eurasiens Blüte teilhaben will oder von der USA ausgebeutet werden will

Stine 31.03.2016 | 00:40

Leider bezahlt die Rechnung auch die deutsche Landmaschinenindustrie

http://www.proplanta.de/Agrar-Nachrichten/Agrarwirtschaft/Landmaschinenbauer-spueren-Russlandkrise_article1406185250.html

Es gibt keine heile Welt. Es ist ein großer Schaden durch die Sanktionen auch in der EU entstanden. Fragen Sie mal im Bauernverband nach, wie die Kollegen die aktuelle Politik einschätzen. Hatten die französchen Bauern nicht vor ein paar Monaten die Autobahnen vor Paris blockiert?

smukster 31.03.2016 | 01:00

Nunja, das gehört wohl zur Rüstungstechnik im weiteren Sinne. Aufbauend auf Entwürfen...ich erinnere mich, das mal gehört zu haben, aber nicht an die Details.

Europa hat keine Wahl, es muss "sowohl-als auch" betreiben. Wenn es sich eindeutig festlegt, könnte das katastrophale Folgen haben. Warum jetzt, ich denke wegen der Entwicklungen im Mittleren Osten, wo sich in Sachen Syrien wie auch Iran Russland seit 2013 als unverzichtbarer Vermittler profiliert hat, ohne den gar nichts läuft.

Aussie42 31.03.2016 | 08:41

Schoene Analyse. Diesen Aspekt hatte ich noch nicht gesehen.
Interessant finde ich vor allem den Hinweis auf die Probleme der Gen-veraenderten Pflanzen- und Tier-Produktion. Diese Sachen werden derzeit in grossem Stil angeboten und konsumieert. Da muss es nur wenige Faelle mit unbeherrschbare Nebenwirkungen geben, schon hat die gesamte Branche Schwierigkeiten. Beispiel BSE (und das war nur ein Tier mit geringem Risiko fuer Menschen. Aehnlich Vogelgerippe).

Weltweit wuerden die Nahrungsmittel knapp. Besonders schnell in den USA und EU, den groessten Verbrauchern. In dieser Situation waere Russland zwar Hegomon aber dennoch in einer prekaeren Situation.

Werden die Staaten der ersten Welt ohne Gegenwehr hungern?
So ne Situation stelle ich mir lieber nicht vor.
Trotzdem die Entscheidungen Russland, gen-veraenderte Nahrungsmittel nicht anzubauen zeugt von erstaunlichem Weitblick.

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Ehemaliger Nutzer 31.03.2016 | 10:28

Monsanto hat aktuell Schwierigkeiten.

Aber daß GE schlecht für Zeitgenossen ist, muß nicht schlecht für's Geschäft sein, aber das ist Teil der Monsanto- Strategie.

Blinkt auf ihrem Bildschirm noch nicht die Reizmagen- Werbung?

Übrigens die gute Nachricht hinsichtlich GE: wie die lieben Insekten werden wir uns schon in 30 Generationen an die veränderte Chemie gewöhnt haben!

Aussie42 31.03.2016 | 12:58

Insekten werden wir uns schon in 30 Generationen an die veränderte Chemie gewöhnt haben!

Das sind immerhin 750 Jahre. Ob der miesepetrige facebook Nachwuchs so lange mit GE Pizza durchhaelt... Ich haette meine Zweifel.

Mensch koennte sich natuerlich fuer die Metamorphose zur Kuechenschabe entscheiden. German cockroaches gibt's ja schon. Sind die kleinen ganz schnellen. Niedlich irgendwie.

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Ehemaliger Nutzer 31.03.2016 | 13:51

Wunschträume mögen gut fürs Wohlbefinden sein, aber die Realität schlägt dann noch gnadenloser zu.

Die Sanktionen sind für den Westen marginal, für Putins Russland jedoch ein signifikantes Problem, auch wenn er das in seiner üblichen Verkennung negiert, warum sonst stehen sie bei jedem zu verhandelnden Abkommen aus seiner Forderungsliste?

Den Ölpreis-Kollaps konnte er zwar nicht vorhersehen, sein Fehler liegt jedoch in einfallsloser einseitiger Wirtschaftspolitik.

Alles was jetzt angeleiert wird, kommt um Jahre zu spät.

Zusammen mit der aufziehenden wirtschaftlichen Krise in China wird das wohl nichts mit dem Blüten-Traum Eurasiens.

Kapitalismus kann man eben nicht einfach so billig kopieren wie eine Rolex oder Sportschuhe und Kleidung mit Streifen.

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Ehemaliger Nutzer 31.03.2016 | 14:48

Ja, Kapitalismus. Mit der Religion des BIP- Wachstums sind wir Sklaven des Finanzkapitals. 'anything but production' wie es Webster G Tarpley freundlich formuliert.

Um mal eine der großen Konstanten von Krieg, Geschichte, Ökonomie zu benennen: es ist alles eine Frage der Transportkosten. Und da hat Eurasiens Geographie die Seemächte zu Gewinnern gemacht. Das ändert sich aber gerade. Schon fahren die Züge von Peking bis Madrid in der halben Zeit des Seetransportes.

Man kann sich freilich fragen, warum Ru überhaupt so wichtig ist, 146 Mio gegen 1,4Mrd Chinesen? Die Russen sind seit '39 in Übung, sich ihrer Haut zu wehren. Ihr wirtschaftliches Zentrum liegt in der Mitte Eurasiens. Ihr Land ist das größte der Erde.

Wenn's mal etwas hakt? sowat. Die Angloamerikaner sind halt ihrem antiquierten Weltbild verhaftet und stören nach Kräften. Brzezinskis weicher Bauch der SU ist auch der weiche Bauch Westeuropas und das Terrain der (alten und) neuen Seidenstraße.

Die USA als politische Macht sind hinter D Brubeck zurückgefallen, Sachal geht weiter.

smukster 31.03.2016 | 17:47

Ob dieser Aspekt einer möglichen Gen-Katastrophe bei der russischen Entscheidung eine Rolle spielte, wer weiß - das ist zugegebenermaßen pure Spekulation. An einen Komplettzusammenbruch glaube ich nicht, wenn dann beträfe das m.E. einzelne Sorten in einer Weltregion. Aber das wäre genug, um GMO-freie Exporte z.B aus Russland zu einem begehrten, knappen Gut auf dem Weltmarkt zu machen, und das bedeutet mehr als nur finanziellen Gewinn.

Ein anderer Punkt ist die Frage der Kontrolle über das Saatgut: Je mehr GMO, desto größer die Macht der Saatguthersteller, gerade weil das ja idR unfruchtbare Hybrid-Sorten sind. Diese Abhängigkeit will Moskau sicherlich auch vermeiden - wobei es interessant ist, dass sich gerade jetzt "das Kapital" verstärkt auf die Landwirtschaft stürzt, wo industrielle Produktion überall billig verfügbar ist: Nahrung lässt sich nicht beliebig verfielfältigen und ist damit weiterhin ein (profitträchtiges) "knappes Gut".

smukster 31.03.2016 | 17:55

Es gibt nur eine Sorte 'Kapital', nicht mehrere verschiedene - aber darum wirds im nächsten Artikel gehen, ebenso wie um Wachstum und den (Un)sinn von 'Produktion'. :-)

Nur 30 Generationen, danke dass Sie uns Mut machen! Eigentlich mache ich mir aber weniger Sorgen um die chemische Verträglichkeit für den menschlichen Körper (die sich auch eher in Laborversuchen erforschen lässt) als um Auskreuzungen und Wechselwirkungen mit anderen Organismen und daraus resultierende Folgen für das Ökosystem. Wenn Bienen verschwinden, bestäuben wir dann von Hand - oder bauen wir dafür Mikrodrohnen?

PS. Gewisse Leutchens trollen hier alle Artikel, die irgendwie mit Russland zu tun haben (könnten) - meist ohne deren Inhalt zur Kenntnis zu nehmen, geschweige denn Ahnung vom Thema zu haben. ;-)

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Ehemaliger Nutzer 31.03.2016 | 18:42

Super, da freu ich mich schon drauf.

Ich hab gerade bei sputniknews einen blog dazu geschriebem aber richtig zufrieden bin ich nicht, es fehlt der Pepp, der gelingt in der Kontroverse besser, als wenn man sozusagen allein auf der Bühne steht. Kann nur besser werden

Das Kapital unterliegt natürlich auch einer historischen Entwicklung, oder sind wir es, die seiner Entwicklung unterliegen?

h.yuren 31.03.2016 | 19:22

Dass von heute auf morgen nichts mehr verbraucht wird behaupte ich natürlich nicht, aber die Einschätzung dass der Preis moderat bleibt wird weitestgehend geteilt.

das ist ein guter witz zu behaupten, dass plötzlich nichts mehr verbraucht wird von dem, was die räder antreibt.

und was den preis betrifft, muss der früher oder später, aber eher früher wieder durch die decke gehen, wenn man weiß, dass die ungeheuren ölreserven tropfen für tropfen aus dem gestein geschlagen werden müssen. bei spottpreisen... fracking ist doch nur ein äußerst teurer porpagandistischer aufschrei der usa. was danach kommt, ist schweigen.

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Ehemaliger Nutzer 31.03.2016 | 20:24

Wenn Sie die Meinung "gewisser Leutchens" nicht interessiert, und alles, was Ihnen niht passt diskreditieren, (Troll, keine Ahnung usw.) warum schreiben Sie dann überhaupt hier in einem Meinungsforum?

Jewgenij Gontmacher: Russlands Wirtschaft im freien Fall?

Die Regierung ist der Meinung, die Krankheit sei nicht so kompliziert. Die Gründe seien die niedrigen Ölpreise und Sanktionen. Deswegen brauche man auch keine Reformen. Die Ölpreise würden wieder steigen. In Regierungskreisen kursiert momentan die Prognose, dass das Barrel Öl bald wieder 60 Dollar kosten würde. Und die Sanktionen? Eigentlich auch kein Problem. Europa würde irgendwann der Sanktionen überdrüssig sein und sie selbst wieder aufheben. Danach wäre dann wieder alles gut und schön. Alles, um den Status quo zu stützen. Es gebe temporäre Schwierigkeiten, sagt man der Bevölkerung. Die müsse man ein paar Jahre erdulden, aber dann wird alles wieder gut.

Tja, so kann man ein ganzes Volk hinter ein paar Putin-Fichten führen. Haben Sie sich wohl.

smukster 31.03.2016 | 22:58

Es leben die Serverprobleme - die Antwort ist weg. :-(

Ja, es ist einfacher mit direktem Feedback oder Kontra zu schreiben als auf ein 'weißes Blatt'. Im Kopf mag die Argumentation ja völlig schlüssig sein, aber ist sie das auch nachher für Außenstehende im geschriebenen Wort?

Sowohl als auch denke ich. Das Kapital gehorcht zwar heute noch denselben grundsätzlichen Regeln wie vor 200 Jahren, aber das soziale, politische und technologische Umfeld verändert sich teils rasend schnell - und damit auch die konkrete Art und Weise der Kapitalverwertung. Und irgendwann kommt der Punkt, an dem es die technologische Entwicklung so weit getrieben hat, dass diese seine eigene Verwertung untergräbt, gar unmöglich macht, und es sich fortan bemüht, diese zu bremsen...was natürlich ein Kampf a la Don Quijote ist. Wussten Sie, dass Marx das Internet vorhergesagt hat?

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Ehemaliger Nutzer 31.03.2016 | 23:31

Saudi-Arabien strebt die Monopol-Position an und profitiert dabei sogar davon, dass der Iran die Hähne voll auf dreht.

Sokange dieses Ziel (Monopol) nicht erreicht ist, wird der Preis im Keller bleiben.

Der Haupt-Leidtragende ist in diesem Punkt das russische Volk und nicht der Westen. Auch für den sogenannten Islamischen Staat (IS, arabisch الدولة الإسلامية , DMG ad-daula al-islāmīya) hat das erhebliche wirtschaftliche Nachteile, was aus unserer Sicht natürlich positiv zu bewerten ist, da dies bisher die Haupteinnahmequelle der Terrororganisation war.

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Ehemaliger Nutzer 01.04.2016 | 02:14

Marx das Internet vorhergesgt? die URL bitte!

Wußten Sie?

In meinem Profil steht nicht umsonst 'KISCH lesen'.

Im Mex Exil schreibt er, bzw läßt Maximilian sscreben: hätte ich doch auf Marx gehört, und zwar den jungen, der in Wien's Zeitungen schreibt und zwar von Ökonomie wo andere von Ehre, Vaterland... schreiben.

Man hatte Mex einen kleinen Kredit gewährt und sich einen großen unterschreiben lassen, um den einzutreiben schickten die Franzosen den Habsburger nach Mex, um aus dem Bürgerkrieg als Kaiser hervorzugehen und den Schuldendienst zu leisten. Der regimechange scheiterte.

Ein äußerst modernes Szenario, frielich nicht online zu verifizieren. In Berlin habe ich dazu zwar die Resourcen, aber bis jetzt nicht die Zeit.

Die Möglichkeit einen Staat zu verschulden, ist ein eine Errungenschaft der 'F' Rev, wenn ich das richtig sehe?

Ach, und fracking ist der adäquate Zugang zu den mineralischen Hydrokarbonen, 'unkonventionell' sind Gas- & Öl- Blasen, zum Wochenende wird der Beitrag freigeschaltet.

Ich fide dies Forum OK, IBAN hat sich bei Negwer konstruktiv verhalten.

Nein, seid froh, daß ihr nicht erlebt habt, was bei sputniknews.de los war, bevor moderiert wurde!

smukster 01.04.2016 | 05:32

In these musings, not published until the mid-20th century, Marx imagined information coming to be stored and shared in something called a “general intellect” – which was the mind of everybody on Earth connected by social knowledge, in which every upgrade benefits everybody. In short, he had imagined something close to the information economy in which we live. And, he wrote, its existence would “blow capitalism sky high”.

So Paul Mason, original im Guardian, jetzt nur noch bei Alternet auffindbar.

Diese mexikanische Geschichtsschreibung kannte ich noch nicht, was nicht viel heißen will da ich allgemein die Geschichte des 19. Jh in diesem Erdteil nicht gut kenne. Da gibts recht üble Episoden, erinnert sei an den Paraguay-Krieg...wobei das verglichen mit dem Taiping-Aufstand ja alles Sandkastenspiele waren. Ideologie ist eben doch der mächtigste Treiber der Politik.

Der Französischen Revolution? Die Bankhäuser der Renaissance sind mit Krediten an Fürsten und Könige reich geworden, aber natürlich hat die Einführung von Papiergeld um 1800 die Möglichkeiten nochmal deutlich ausgeweitet.

Ich bin froh...;-)

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Ehemaliger Nutzer 01.04.2016 | 09:17

Klar, weil ablenken und relativieren wohl das Einzige ist, was den prekären Zustand von Russlands Zukunft noch irgendwie schön zu reden vermag.

Ehrlicher Diskurs geht anders.

Wenn die landwirtschaftlichen Überlegungungen überhaupt greifen sollten, was ich für Wunschdenken halte, da bereits jetzt mehr Nahrungsmittel erzeugt werden, als gebraucht werden, dann kommen sie zu spät.

Nicht die erzeugte Menge ist das Problem, sondern die gerechte Verteilung. Und daran ändert die erwähnte Strategie gar nichts.

denkzone8 01.04.2016 | 09:21

warum nur die möglich-keiten der landwirtschaft als riesige ressource rußlands reportieren?

denkt jemand(außer den nestlé-managern) an die trinkwasser-reserven, die in rußland schlummern?

die der gewinn-gewitzte nestlé-konzern der welt im premium-segment anbieten könnte?

aus russischer erde gepumpt, auf milliarden plastik-flaschen gezogen:

der hit in ländern, die auf öffentliche, gesunde wasser-versorgung (aus diversen gründen)verzichten.

die zahlungs-kräftige nach-frage z.b. selbst in pakistan und nigeria ist ja im kommen!(jedenfalls bei denen, die über 8o cents pro kopf am tag verfügen).

derartige geschäfts-modelle hält die zukunft bereit!

auch die deutsche wirtschaft wird dann wieder s-klasse an die politische rußlands liefern können.

also: vertrauen nach vorn: die zukunft muß ja kommen!

und: realisieren als: in die wirk-lichkeit umsetzen, ist schon auch wichtig.

h.yuren 01.04.2016 | 09:50

Fracking war vor allem ein strategisches Manöver, um weniger abhängig von Importen und damit erpressbar zu sein.

was fracking vor allem war und ist, kann ich dir sagen: umweltzerstörung hoch sieben - mit fühlbaren folgen für die leutchen in nord-amerika, die nicht gefragt wurden und werden, was da geplant und vergiftet wurde.

das programm ist für die brd auch vorgesehen. mehr als die hälfte des landes nrw ist bereits verplant. die machtkranken in berlin haben nichts dagegen. die basis in nrw stemmt sich dagegen. die gesetze sind bundesrecht. nur über das wasserrecht lässt sich ein wenig gegensteuern. das bundesberggesetz zu ändern, fällt den herren und dämlein in berlin natürlich nicht ein...

smukster 01.04.2016 | 13:55

Noch ist das richtig (Verteilung), aber längerfristig dürfte sich das ändern. Wir reden hier von einer strategischen Perspektive für die Zeit nach ca. 2040. Darüber, dass Russland seine eigenen (großen) Probleme hat, müssen wir nicht reden. Aber wenn Sie so tun als würde das in Moskau nicht erkannt und bearbeitet ("was jetzt angeleiert wird"), dann ist das schlicht Unsinn. Diversifizierung ist seit Putins Amtsantritt einer der Schwerpunkte seiner Politik.

smukster 01.04.2016 | 14:01

Naja, Sputnik ist jetzt doch reichlich lange her. Interessanter sind die Entwicklungen in den Bereichen Biotechnologie und medizinische Forschung in Ru in den letzten Jahren (die ich im Detail nicht beurteilen kann, aber es gibt sie).

Ja, die GroßinvestorInnen suchen zunächst nur das schnelle Geld, was gerade in den 90ern dort auf der Straße lag (Herr Dürr hat damals zugeschlagen). Allerdings bringen sie auch neue Technologien und Methoden mit, von denen Andere im Land u.U. lernen können, von daher kann es durchaus sinnvoll sein *eine begrenzte Menge* intl. Kapitals in so einen Sektor reinzulassen. Russland ist nicht Ghana, in Moskau ist klar, wer politisch die Kontrolle hat.

denkzone8 01.04.2016 | 14:42

bei allem ernst der kapitalisierung von wasser

hätte ich wohl auf den satire-hinweis - für die freunde der bald kommenden zukunft - nicht verzichten dürfen:

um auf der höhe der zeit

lebendige arbeit anzuwenden, braucht es:

kapital im kapitalistischen welt-system.

mit dem aufkratzen der erde ist die markt-reife des produkts nicht getan.

wenn das denkbar mögliche so nah am wirk-lichen läge,

würden alle, die es wollen, morgen in bewässerten wüsten der erde den sozialismus feiern.

denkzone8 01.04.2016 | 15:00

dem aufklärungs-film---> bottled life zufolge müßte nur ein zug-kräftiger name für die markt-gängigkeit eingeführt werden, damit uriges ural-natural zum unverzichtbaren begleiter der zahlungs-kräftigen wellness-fans und status-bewußten avancierte.

das optimierungs-bedürftige bild eines oben-ohne reitenden, das zwar für krawall-freunde taugt, müßte dann gegen eine art marlboro-man/frau ersetzt werden, die das geniessen ohne reue

symbolisiert.

Stine 01.04.2016 | 21:22

Stefan Dürr hat relativ klein angefangen und bringt sich mit dem Komplex Ekosem-Agrar ganz gut ein in die Branche.

Große Monokulturplantagen wären allerdings keine gute Lösung. Wir sehen am Beispiel USA wie große Landfächen ihre Fruchtbarkeit verlieren und Abhängigkeiten zu Agrarkonzernen geschaffen werden.

Die Chinesen haben Interesse in Russland Gemüse anzubauen und auf dem russischen Markt zu verkaufen. Außerdem würden sie gern Sojabohnen aus Russland importieren. Evtl. könnten sich Synergien ergeben, weil in China Mangel an guten Böden besteht und in Russland weniger Menschen geben. Auch hier wären faire Bedingungen auszuhandeln, denn China hat auch Raubbau an der Natur betrieben.

http://www.russland.ru/russland-und-china-grosse-perspektiven-in-der-landwirtschaft/