Elefanten im Treibhaus

Klimakiller China und die USA sind für die Hälfte der jährlichen Treibhausgase verantwortlich. Beide klagen jeweils den anderen an, um nicht selbst aktiv werden zu müssen

Die Konservativen in den USA sind der Ansicht, Amerika solle seinen Kohlendioxid-Ausstoß erst verringern, wenn China und andere Entwicklungsländer sich hierzu bereit erklären. China beharrt im Gegenzug darauf, dass das Problem durch die reichen Länder verursacht wurde – die hätten daher auch die Verantwortung und die Mittel, es wieder in Ordnung zu bringen.
Nachdem die Gespräche über einen internationalen Konsens vor dem Hintergrund der UN-Klimakonferenz im Dezember in Kopenhagen wieder an Fahrt aufgenommen haben, hat China vor kurzem vorgeschlagen, den Teil der chinesischen Emissionen den Ländern anzulasten, die Waren aus China importieren. Schließlich machten diese einen beträchtlichen Anteil an den chinesischen Emissionen aus.

Klimakonsultationen in Peking

Auf den ersten Blick sieht es also so aus, als seien die Fronten nach wie vor verhärtet. Aber hinter den öffentlichen Erklärungen regt sich etwas. Die USA entdecken den Klimaschutz und beanspruchen sogar die Führung. China muss reagieren, wenn es nicht als der alleinige Buhmann übrigbleiben will. Heute werden die beiden Länder von Regierungen geführt, denen es möglich ist, die von der Erderwärmung ausgehende Bedrohung zu verstehen. Zusammen haben sie ein riesiges Potential, die Reduzierung der Treibhausgase im nötigen Ausmaß voranzutreiben.

Die Frage besteht einzig und allein darin, ob die Synergien, die sich aus Chinas Potential zu massenhafter Produktion und Anwendung auf der einen und den innovativen Technologien der Amerikaner auf der anderen ergeben könnten, die Rivalität zwischen der Noch-Supermacht und ihrem größten Herausforderer überwinden können. Die Stimmung nach den Konsultationen des US-Chefunterhändlers für Klimafragen, Todd Stern, vor einer Woche in Peking gibt Anlass zur Hoffnung. Beide Staaten haben viel zu gewinnen. Chinas Führung ist sich sehr wohl der Gefahren des Klimawandels für das eigene Land bewusst, die sich aus dem Anstieg des Meeresspiegels und einem Rückgang der Agrarproduktion ergeben würden. Die Volksrepublik ist besonders von der Wasserverknappung bedroht, die im Norden bereits Gestalt angenommen hat und zu einer hartnäckigen Krise werden könnte, während die schmelzenden Gletscher des Himalaya in Hinblick auf die asiatischen Flüsse und Monsun-Zyklen verheerende Schäden anrichten.

Peking versucht, eine die Umwelt stark belastende Massenproduktion in Richtung auf die Herstellung hochwertiger Technologien zu überwinden. Vielleicht werden die Vorteile, die eine Führungsrolle bei der Produktion hochwertiger Umwelttechnologien mit sich brächten, besser verstanden als in einigen Hauptstädten des Westens. Während GM aufgrund seines Festhaltens am alten Modell gescheitert ist, entwickelt China Elektroautos.

Auf Augenhöhe mit der EU

Beide Seiten wissen, dass die Aussichten, bei der Klimakonferenz in Kopenhagen einen großen Wurf zu landen, der weitreichend genug ist, äußert gering sind. Beide sehen sich im eigenen Land großen Widerständen gegenüber. Nach acht verlorenen Jahren unter George Bush könnten auch Obamas Absichten, die weltweite Führung in Sachen Klimaschutz zu übernehmen, am Widerstand der Öl- und Kohlelobby scheitern. Auch die Zentralreigerung in Peking muss mit mächtigen Regionalverwaltungen verhandeln, die in erster Linie Arbeitsplätze und Wachstum im Auge haben.

Doch China nimmt bei den Investitionen in erneuerbare Energien bereits heute eine Führungsrolle ein. Jetzt soll das Ziel des Anteils erneuerbarer Energien für das Jahr 2020 von 15 auf 20 Prozent erhöht werden. Damit befindet sich das Land bereits auf Augenhöhe mit der EU. In Anbetracht des enormen Energiebedarfs, werden technologische Innovationen und Energieeffizienz dabei eine wesentliche Rolle spielen.

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Übersetzung: Holger Hutt
Geschrieben von

Isabel Hilton, The Guardian | The Guardian

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