Wie Patrick ein Action-Star wurde

Stars Patrick Swayzes Performance als surfender Gangster Bodhi in dem Film "Point Break" machte aus ihm einen richtigen Filmstar

Im Film Ghost – Nachricht von Sam gibt es eine Szene, in der der verblüffte Geist des von Patrick Swayze dargestellten Charakters über dem toten Patrick Swayze schwebt. Damals schrieb ich, der ich nie allzu beeindruckt vom schauspielerischen Können des einstigen Tänzers war, die Vorstellung von zwei Patrick Swayzes auf ein und demselben Planeten sei beinahe zuviel für den menschlichen Geist. Damals schien mir das eine amüsante Witzelei. Doch heute wünschen ich und Millionen mit mir aufrichtig, es gäbe einen zweiten Patrick Swayze, um denjenigen zu ersetzen, der vor zwei Tagen starb. Heute sind wir seiner beraubt.

Irgendwann wurde Swayze wie John Wayne zu einem jener Stars, deren Fähigkeiten als Schauspieler irrelevant für ihre Anziehungskraft wurden. Wie Wayne hat er viele Filme gemacht, an die niemand sich erinnert und eine Handvoll, die niemand je vergessen wird. Für die meisten Menschen wird diese Liste von dem herzergreifenden Dirty Dancing angeführt, andere sehen Ghost an der Spitze – die Geschichte einer Liebe, die sowohl den Tod, als auch Whoopie Goldberg transzendiert . Doch für mich und viele andere wird der Film, der Patrick Swayze zu einem geliebten Filmstar und einer wahrhaften Kultfigur machten, immer Point Break sein. Mir persönlich gefällt Point Break besser als The Big Lebowski. Und ich liebe The Big Lebowski.

In dem 1991er-Film von Kathryn Bigelow, in dem Keanu Reeves einen sagenhaft gut aussehenden, allerdings nicht besonders intelligenten Undercover-Polizisten spielt, geht es um eine Bande surfender Bankräuber, die von dem entwaffnend philosophierenden Swayze angeführt wird. Allein schon die Idee, einen Film über surfende, philosophierende Gangster mit Swayze an der Spitze zu machen, die Reeves der Gerechtigkeit zuzuführen gelobt, zeigt einmal mehr, warum Amerika so ein großartiges Land ist. Jeder kann Filme über scheiternde Liebe machen. Jeder kann Filme über die Leben der anderen machen. Aber wir können Filme über surfende Bankräuber machen, die Undercover-Cops namens Johnny Utah mit buddhistischen Weißheiten zutexten. Und wir sind so schlau, sie mit Patrick Swayze zu besetzen.

Surfende Bankräuber

Unsere Lieblingsfilme sind nie die, die außerhalb des Wettbewerbs in Cannes gezeigt werden. Es sind die Filme, bei denen man es nicht erwarten kann, dass die Kinder alt genug sind, sie zu sehen. Es sind diejenigen, die man immer empfiehlt, wenn eine Freundin anruft und fragt, welchen Film sie sich angucken sollte, um sich ein wenig aufzuheitern und bei denen man dann einfach absolut nicht glauben, kann, dass ihr Johnny Utah und Bodhi noch nie untergekommen sind. Es sind diejenigen, bei denen man sofort eine Freundschaft aufkündigt, wenn jemand einem sagt, dass er noch nie verstehen konnte, was alle an diesem Streifen finden. Es sind diejenigen, die einem das Gefühl geben, die Stars auf dem Bildschirm würden immer jung sein und immer im DVD-Regal, wenn man sie braucht.

Während Swayze im Lauf der zurückliegenden zwei Jahre immer mehr dahinschwand, wurde der Welt klar, dass es keine weiteren Road Houses und keine weiteren Steel Dawns mehr geben würde. Und Filmliebhabern wurde allmählich bewusst, was sie verloren. „Du gehst unter, Bodhi“, sagt Keanu Reeves gegen Ende von gefährliche Brandung. Und, ach, Bodhi ist untergegangen. Zu schade, dass es keinen Geist gibt, ihn zu ersetzen.




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Übersetzung: Zilla Hofman
Geschrieben von

Joe Queenan, The Guardian | The Guardian

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