Nur retten, nicht fahren

Opel Die Politik feilscht um die Zukunft einer Autofirma, deren Produkte im Fuhrpark des Bundes immer weniger nachgefragt werden. Dahinter verbirgt sich eine tiefere Wahrheit

Wenn Politiker ihre Verbundenheit mit einem einheimischen Autokonzern demonstrieren wollen, fahren sie gern in der entsprechende Marke vor. Voraussetzung im Fall von Regierungsmitgliedern ist, dass das Unternehmen ein Automobil im Angebot hat, das im weitesten Sinne die Anforderungen an eine Staatskarosse erfüllt.

Das könnte zumindest die Frage beantworten, warum man die Kanzlerin bisher noch nicht aus einem Porsche oder VW Polo hat steigen sehen. Eine Erklärung dafür, dass unter den insgesamt rund 300 Dienstwagen der Ministerien derzeit nicht einmal eine Handvoll Opel zu finden sind, ist es nicht.

Wie eine parlamentarische Anfrage jetzt ergeben hat, hat der Bund seine Bestellungen bei dem umkämpften Autobauer in den vergangenen Jahren immer weiter zurückgefahren: Während 2006 noch 56,6 Millionen Euro für Dienstfahrzeuge der Marke ausgegeben wurden, waren es 2007 lediglich 31,5 Millionen Euro und im vergangenen Jahr gar nur noch 14,7 Millionen Euro. Wenn der Staat etwas anschafft, dann eher Mercedes oder Ford. Für den Rüsselsheimer Konzern bleibt nur ein Platz unter ferner liefen. Den Werbespruch „Entdecke Opel!“ haben die Einkaufsabteilungen der Ministerien offenbar noch kaum gehört.

Oder sind die Sitze unbequem? Gefällt das Design nicht? Kosten die Fahrzeuge aus Rüsselsheim zu viel? Die Kluft zwischen Rettungsbemühungen und Kaufbereitschaft ist schon augenfällig. Man kann das „zynisch“ nennen, wie es gerade ein FDP-Politiker getan hat. Aber wenn man den Zusammenhang zwischen Notkrediten und Abwrackprämie auf der einen sowie politischen Investitionsentscheidungen auf der anderen zu Ende denkt, stößt man schnell an Grenzen. Soll denn die Bundesregierung den in Not geratenen Werften dadurch unter die Arme greifen, dass sie sich einen Fuhrpark aus Schiffen zulegt, die vor dem Reichstag auf der Spree ankern? Eben.

Abgesehen davon: Selbst wenn die Bundesregierung und alle Ministerien plus die Bundeswehr demnächst komplett auf Opel umsteigen sollten, es würde den Autobauer wiederum nur für eine Übergangsfrist aus der Krise befreien. Da geht es Opel wie anderen Firmen: Die Überkapazitäten und das absehbare Ende der fossilen Individualmobilität lassen sich nicht dadurch aus der Welt schaffen, dass man die Nachfrage nach falschen Produkten noch ein letztes oder vorletztes Mal künstlich erhöht. Die Abwrackprämie mag vorübergehend das Schlimmste verhindert haben, die strukturelle Absatzkrise ist durch den milliardenteuren Wahlkampfschlager bloß verschoben worden.

Wenn es eine Zukunft für die deutschlandweit rund 25.000 Opelaner und ihre Kollegen in Europa geben soll, dann eine jenseits von Autos, für die sogar die Politik nur gebremste Begeisterung übrig hat. Auf ihre Weise hatte diese Wahrheit längst ihren öffentlichen Ort – auf dem Ministeriumsparkplatz, in einer Welt ohne Opel.

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Geschrieben von

Tom Strohschneider

vom "Blauen" zum "Roten" geworden

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