Tom Strohschneider
01.01.2011 | 10:57 152

Schmids Stöckchen: Die Südwest-Wahlen, SPD und Linke – und die DDR

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Tom Strohschneider

Als die DDR an sich selbst scheiterte, war Nils Schmid 16 Jahre alt. Jetzt hat der baden-württembergische SPD-Landeschef der Linken eine Bedingung gestellt: Die Partei müsse sich von der SED-Vergangenheit distanzieren – und zwar schwarz auf weiß. „Eine solche schriftliche Erklärung gibt es nicht, und solange die Linke das nicht macht“, sagte Schmid gegenüber dem Focus, „ist sie für mich kein Ansprechpartner für Sondierungsgespräche.“

Nun existieren in Wahrheit nicht nur eine, sondern dutzende Erklärungen aus den Reihen der früheren PDS und der fusionierten Linken, die sich kritisch oder distanzierend mit der DDR-Geschichte und der Verantwortung der autoritären Staatspartei auseinandersetzen. (An der Tatsache, dass es auch andere Meinungen, politisch fragwürdige darunter, ebenfalls in der Partei gibt, würde keine Erklärung der Welt etwas ändern.) Die Forderung nach notarieller Niederlegung eines solchen Bekenntnisses ist also eine Rauchbombe. Zumal es im Falle des Falles ja nicht um geschichtspolitische Fragen geht, wie das Scheitern der rot-rot-grünen Sondierung in Thüringen 2009 zeigte, wo eine schriftliche Erklärung zur DDR-Geschichte vorlag. Oder SPD und Grünen die Distanzierung von der SED-Vergangenheit nicht gefällt, wie in Nordrhein-Westfalen, wo im vergangenen Jahr das Scheitern der Sondierung seitens SPD und Grünen unter anderem damit erklärt wurde, dass die Linke die DDR zwar eine Diktatur aber nicht einen Unrechtsstaat nennen wollte.

Nils Schmid wird sich auch fragen lassen müssen, warum er drei Monate vor der Wahl eine Diskussion anregt, die mit den politischen Realitäten im Südwesten nichts zu tun hat. Weder gibt es irgendeinen die DDR betreffenden Nachholebedarf bei den linken Landespolitikern, die vor allem aus SPD und Gewerkschaften stammen, mithin Organisationen, von denen man nie verlangen würde, sie sollten sich für die SED entschuldigen. Noch haben die zur Wahl stehenden gesellschaftlichen Probleme – von Stuttgart 21 über die Bildung bis zur öffentlichen Daseinsvorsorge – irgendetwas mit der DDR zu schaffen.

Die SPD versucht hier also entweder, der Linken eine Geschichtsdebatte überzuhelfen – in der Hoffnung, die so Angesprochenen würden sich derlei verbeten und irgendjemand würde etwas sagen, das beim Wähler in Baden-Württemberg eine negative Wirkung erzielt. Oder aber Schmid ist über ein journalistisches Stöckchen gesprungen, das noch überall der SPD hingehalten wurde: Darf man mit der Nachfolge-Nachfolgepartei überhaupt reden? Statt einmal das Naheliegendste zu antworten, dass nämlich die Probleme eines westlichen Bundeslandes und die einer etwaigen rot-rot-grünen Kooperation, von mir aus auch die der Linkspartei, überall liegen, aber am wenigsten in der Vergangenheit der DDR, hat sich der promovierte Rechtsanwalt Schmid als üblicher Sozialdemokrat erwiesen. Wenn man seinem Neujahrsvorstoß dann doch noch etwas abgewinnen will, ist es die ihm innewohnende Erkenntnis, dass es am Wahlabend im März vielleicht doch nicht für Rot-Grün allein reichen könnte. Sonst bräuchte man der Linken ja keine Bedingungen stellen.

auch erschienen auf lafontaines-linke.de

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (152)

Dennis82 01.01.2011 | 14:29

Ich beobachte schon länger, dass die schizophrene DDR-/SED-Distanzierungsparanoia im Westen erheblich ausgeprägter ist als im Osten. Dort sitzen inzwischen laut Systempresse ja die pragmatischen "Realos" (meist noch genügend Altkader mit SED-Parteibuch), während im Westen die realitätsfremden, zerstrittenen, chaotischen "Fundis" sitzen, denen man regelmäßig im Wahn vorwirft, diese Kommunisten wollten wieder eine Mauer aufbauen, zumindest wollen diese ja partout nicht über jedes Stöckchen springen, welches man Ihnen hin hält. Wie dämlich ist das bitte? Wir leben seit über 20 Jahren in einem vereinten Deutschland und von linken westdeutschen Kommunal- oder Landespolitikern, die überwiegend aus dem Umfeld enttäuschter Sozialdemokraten oder der Gewerkschaftsszene stammen, wird von neoliberalen Bubis, die bei der Wiedervereinigung nicht mal volljährig waren gefordert, sie sollen der seit über 20 Jahre toten DDR abschwören und notariell beglaubigen lassen, dass sie nie mehr eine Mauer aufbauen werden...!? Der selbe Schwachsinn spielte sich hier vor den letzten Stadtratswahlen ab, da wurden westdeutsche Linke hingestellt, als hätten sie damals an der Grenze auf Republikflüchtlinge geschossen.

Es zeichnet das gesamte Elend deutscher Politik aus, dass man mit dämlichen absolut sinnfreien und nicht näher definierten Begriffen wie "Unrechtstaat" (was betreiben die USA eigentlich im Irak, Afghanistan, Guantanamo? Was bedeutet die systematische gesetzliche Missachtung von Artikel 1 GG in D, wie wir es erst jetzt wieder hinsichtlich des Hartz-Urteils des BVerfG erleben?) hantieren kann, ohne dafür ausgelacht und in der Wahlkabine wegen offenbarer Volksverdummung bestraft zu werden. Im Gegenteil; der neoliberale Einheitsblock muss der DDR für Ihre Existenz im höchsten Maße dankbar sein...

sauweib 01.01.2011 | 14:33

Das ist doch mal wieder ein echter Tom Strohschneider, anstatt das rauschen zu ignorieren, wird es als Signal aufgebauscht. Leute, es ist Wahlkampf im Ländle, da denken alle an sich und SPD und Grüne unterbieten sich, wer von beiden mit dem dicken Mappus S21 tieferlegen darf und ein Häusle dafür kriegt. Der einzige, der da einen Strich durch die Rechnung ohne den Wirt machen kann ist die Linke. Daher gilt diffamieren um jeden Preis, sei er auch noch so lächerlich, damit die Linke bloß nicht in den Landtag kommt. Da die Kandidaten lokal bekannt und akzeptiert sind, muss man eben die Demagogie bemühen um sie trotz Kompetenz und Glaubwürdigkeit zu beschädigen. Nichts weiter als das versucht Schmid, die einzige adäquate Reaktion darauf ist, ihn als Demagogen mappusschen Ausmaßes zu demaskieren, nicht auch noch einen inhaltlichen Approach zu versuchen. Nur eine öffentliche Dekonstruktion der Demagogie vereitelt ihre Intention. Nur daran scheint Tom Strohschneider am wenigsten gelegen zu sein.Fragt sich warum sein Blog Lafontaines-Linke heißt, Links geht ganz klar anders!

Tom Strohschneider 01.01.2011 | 14:49

@sauweib Zwischen ihren Forderungen, das Rauschen einerseits zu ignorieren und andererseits Schmid zu demaskieren, scheint mir ein gewisser Widerspruch zu liegen. Nun gut. Meinen Kritik an seiner geschichtspolitischen Rauchbombe halten Sie für ungenügend, mehr wohl noch für kompromisslerisch oder sonstwie. Das ist ok. Aber wie würde Ihre "öffentliche Dekonstruktion" denn stattdessen aussehen? Schließlich: Das Blog heißt wie das Buch, das sich mit der Fusion von PDS und WASG beschäftigt. Und nun bin ich gespannt, wie "Links ganz klar geht". Schönes neues Jahr.

claudia 01.01.2011 | 15:43

Eine exakte Wiederholung des NRW-Wahlkrampfes vor einem Jahr. Vielleicht wird die Wahl auch so ausgehen wie in Nordrhein-Westfalen.

BRD und DDR waren Produkte des "Kalten Krieges". Die Angst vor dem Kryptokommunisten in der BRD als Wahlkampfmunition hat Dieter Süverkrüp schon 1965 persifliert:
www.youtube.com/watch?v=d_m7_qMyX4A

Heute, nachdem die BRD die DDR übernommen hat, hat man eben nur noch den Kryptokommunisten und die BRD-eigene DDR als Bürgerschreck für Wahlreklame und einzige Rechtfertigung dieses ansonsten innen hohlen "Staates".

Eine nordrheinwestfälische DDR war der Vorwand, von der Linken in der "Sondiernung" zu verlangen, sie solle dem Stellenabbau im öffentlichen Dienst und der Privatisierung der WestLB ohne Diskussion zustimmen.
Eine schwäbische DDR ist eben der Vorwand für ein paar BW-Schweinereien, den die Linke zuzustimmen hätte.
S21 und vielleicht auch, dass die gelungene Integration von Öttingers Geschäftsfreunden nicht hinterfragt werden darf?
www.badische-zeitung.de/suedwest-1/waschsalon-germania--6314469.html

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uwejuergenness 01.01.2011 | 21:13

@ebertus ad 01.01.2011 um 13:08

Stimmt, das wäre eine überaus innovative Idee, wenn sich die CDU einmal mit dem Nazi-Personal in den eigenen Reihen beschäftigte. Das wurde auch endlich einmal untersucht, selbstredend natürlich nicht von der CDU selbst initiiert:
Carlo Klepsch: Nahtloser Übergang in neue Führungspositionen - Alte Nazis in den nordrhein-westfälischen Landtagsfraktionen von CDU und FDP. In: Rüdiger Sagel {Hrsg.]: 60 Jahre Landtag Nordrhein-Westfalen, Das vergessene braune Erbe (pdf) bit.ly/gMhuBY

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uwejuergenness 01.01.2011 | 21:15

@claudia ad 01.01.2011 um 14:43

"Eine exakte Wiederholung des NRW-Wahlkrampfes vor einem Jahr. Vielleicht wird die Wahl auch so ausgehen wie in Nordrhein-Westfalen."
Sie weisen mit Recht auf die Analogien hin, welche sich zwischen NRW und BaWü zu ergeben scheinen, denn auch in BaWü sieht es in den meisten Umfragen so aus, dass es für Rot-Grün nicht reichen wird, wenn DIE LINKE in den Landtag kommt.
Zu der ganzen, vor allem von Volker Beck inszenierten Schmierenkomödie ist vor allem zu empfehlen Rüdiger Sagel: Der Mauerbau zu Düsseldorf unter www.sagel.info/meldung.php?meldung=227=

sauweib 02.01.2011 | 10:15

Auch Tom Strohschneider natürlich verspätet ein schönes neues Jahr. Linke Dekonstruktion der Schmidschen Demagogie wäre für mich wie schon von Dennis82 angesprochen eine Auseinandersetzung mit der Realpolitik der SPD oder ihrer noch nicht vollendeten Vergangenheit. Da findet man den Dreck am Stecken, von dem die SPD gerne ablenken möchte. Natürlich wird die SPD sich nie von ihrer schon zur Halbzeit des Mindesthaltbarkeitsdatums abgelaufenen Agenda 2010 distanzieren, natürlich inszeniert die SPD gemeinsam mit Thilo Sarrazin lieber einen Scheinkonflikt, als den großdeutschen Großsprecher Gerhard schnöder aus der SPD auszuschließen und mit seiner verfassungswidrigen Politik abzurechnen. Natürlich ist es abwegig, der Südwestlinken eine DDR-Vergangenheit anzudichten, natürlich ist es auch da wo es mal eine DDR gab, und auch jetzt noch aktive Politiker auch dort gelebt haben, allein aus dieser Vergangenheit einen Vorwurf zu konstruieren. Es ist völliger Unfug sich heuer um die Länge von Walter Ulbrichts Bart oder die Zeit zwischen Filbingers Todesurteilen und dem Ende des Rechts mit dem er sie begründete, zu streiten. Dieser Streit soll bewusst von der Gegenwart ablenken, in der die SPD das gestörteste Verhältnis zur Demokratie hat, er soll von der personellen und programmatischen Armut der SPD im Ländle ablenken. Dabei ist genau diese diskussionswürdig. Die SPD ist in Südwest so profillos, dass selbst für die CDU als Koalitionspartner nicht mehr in Frage kommt, weil nicht erkennbar ist, welche Interessengruppen sie eigentlich vertritt und bindet. Natürlich sollten in einer Landtagswahl Landesthemen dominieren, aber gerade daran hat die SPD am allerwenigsten Interesse, hat doch Schröder mit seiner Steuerreform von der Öffentlichkeit unbemerkt die Bundesrepublik, einen föderalistischen Staat, in einen zentralistisch gesteuerten Staat umgebaut, also die Verfassung auf den kopf gestellt. Wenn heuer alles ob der Grünen im Saarland, die ihre Zustimmung zu der Hartzreform zu Markte tragen, heult, sollte nicht vergessen werden das der Erfinder, solcher gekauften Mehrheiten Gerhard Schröder heisst. Natürlich ist das eine Missachtung, wenn nicht Verhöhnung des Bundesrats und der Verfassung, aber wohl Vorsatz, wenn man sieht, wie durch die Senkung der Einkommens und Ertragssteuern Länder und Kommunen an den Bettelstab getrieben werden, während sich der Bund bei der Mehrwertsteuer üppig bedient. Natürlich wird mit der verfassungsmäßig bewusst nicht gewollten Zentralisierung Deutschlands, genau das nachvollzogen, was wir in der demokratisch nicht legitimierten EU Kommission seit langen vollzogen wird, lokale demokratische Rechte werden kassiert zu Gunsten einer abstrakten, kapitalhörigen Zentralregierung. Das hineinregieren in Ländersachen durch Einsatz von Bundes- oder EU-Mitteln wird gerade in Baden Württemberg an S21 besonders deutlich. Wenn man sich jetzt die augenblickliche Diskussion in der Linken ansieht, hat man den Eindruck, das im Osten so manch einer der durch den Untergang der DDR verlorenen Souveränität nachtrauert. Diese regionale Souveränität stünde allen Ländern gut zu Gesicht, aber genau das fürchtet die SPD, deshalb versucht sie die Linke als eine Regionalpartei mit unrühmlicher Vergangenheit zu diffamieren. Dabei setzt sie gerade auf den regionalen Bezug und die abstrakte Angst vor dem bösen Osten um die regionale Linke, die sich überwiegend aus der Gewerkschaftsbewegung und ehemaligen Anhängern der SPD und der Grünen rekrutiert, zu schwächen, weil diese Kräfte nämlich erkannt haben, das die Schröderschen Eingriffe in die Tarifautonomie ursächlich sind, für die Probleme derer, die die SPD zu vertreten vorgibt. Für ein Fortbestehen der in Südwest besonders desolaten SPD ist eine wirkliche parlamentarische Linke, die auch von der CDU noch als solche wahrgenommen und respektiert würde, der SuperGAU, der muss Notfalls auch mit Demagogie verhindert werden.

sauweib 02.01.2011 | 10:24

Interessant, bei den Parallelen zwischen NRW und BW finde ich die unterschiedlichen Positionen der Parteien, was in NRW Volker Beck von den Grünen war ist in BW Niels Schmid von der SPD. Merke immer die farbloseste Oppositionspartei fürchtet die Linke. Aber anders als in NRW fürchten beide in BW wohl nicht um eine Rot/Grüne Mehrheit, sondern die SPD um Blässe in der Opposition gegen eine Schwarz/Grüne Regierung.

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krem-browning 02.01.2011 | 11:14

@Redaktion

Darf ich Sie fragen, inwiefern ist es auf dieser Plattform akzeptabel, die Menschen als Ballast zu bezeichnen? Inwiefern sind solche Lösungen mit der deutschen Verfassung (z.B. § 1, Abs. 1) konform?

@Liebling

Ich werde gleich nach dem Abschicken meines Kommentars Ihr Kommentar melden! Sollte die Redaktion nicht reagieren, werde ich eine Strafanzeige erstatten.

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liebling 02.01.2011 | 11:27

Darf ich Sie fragen, inwiefern ist es auf dieser Plattform akzeptabel, die Menschen als Ballast zu bezeichnen? Inwiefern sind solche Lösungen mit der deutschen Verfassung (z.B. § 1, Abs. 1) konform?

Wie für Sie typisch haben Sie wieder Entscheidenes vergessen!
Diesmal haben Sie haben das Wort "kostenmäßig" vor dem Wort "Ballast" vergessen!
Dann stimmt der Kontext wieder!

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liebling 02.01.2011 | 11:40

Krem-Browning

Noch einmal für Sie persönlich zum verinnerlichen und zur korrekten Weitergabe an die Redaktion etc.:

Es geht hier im Land vornehmlich um eine Politik für die 40 mio. sozialversicherungspflichtig Beschäftigten!

Vornehmlich für die in der Einkommenschichtung "oberen" 20 mio. Bürger, die mehr Steuern bezahlen als sie an Transfers erhalten.

Die restliche Gesellschaft ist kostenmäßig betrachtet eher Ballast!

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krem-browning 02.01.2011 | 11:41

Es ist für aktuelle politische Ereignisse völlig irrelevant, ob DDR mal ein Unrechtsstaat war oder nicht. Wichtig ist, dass BRD HEUTE, hier und jetzt ein Unrechtsstaat ist. Das weiß jeder, der wenigstens ab und zu in Verbindung mit dem Rechts- bzw. Unrechtssystem kommt. Und ein professioneller Jurist wie Herr Schmid weiß es sowieso. Trotzdem instrumentalisiert er DDR, die es seit zwanzig Jahren nicht mehr gibt, für seine Ziele und tut so, als gäbe es kein größeres Problem als das, was mal irgendwann in einem kleinem Teil von Deutschland stattgefunden hat. Und damit will er neues Vertrauen schaffen und ein echter Wechsel für Baden-Württemberg bringen, wie es auf seiner Homepage behauptet wird? Das Unrechtssystem in der BRD haben nicht SED und nicht sowjetische Kommunisten aufgebaut... das haben hiesige Demokraten und Kämpfer-für-Menschenrechte-woanders zur Stande gebracht. Und jetzt wird davon bewusst und gezielt abgelenkt... die Bürger bleiben diesem Unrechtssystem ausgeliefert. Dabei wird den Wahlschäffchen suggeriert, wie glücklich sie sich schätzen sollten, dass sie hier in Demokratie leben und nicht in böser DDR. Die einzige offene Frage bleibt: Für wie blöd halten die moderne und ach so demokratische Politiker die Leute bzw. wie blöd denn sind sie selbst?

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krem-browning 02.01.2011 | 11:46

Kostenmäßig? M.E wurden die Menschen KOSTENMÄßIG Nazi-KZ und im GULAG betrachtet! Und irgendwo habe ich die Gerüchte aufgeschnappt, dass diese Zeit vorbei sein sollte... oder war es nur ein Kaffekränzchen-Klatsch?

Wenn Sie behaupten, dass es für mich TYPISCH ist, Entscheidendes zu vergessen, dann können Sie diese Aussage sicherlich belegen?

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krem-browning 02.01.2011 | 12:07

Es stinkt doch bis zum Himmel... in BRD gibt es so viele Probleme und so viel zu tun... stattdessen wird über DDR diskutiert, die es so gar nicht gibt! Warum dann nicht über den Römischen Reich... ach nee, Quatsch, über den Römischen Reich Herr Westerwelle seine epochale Äußerungen schon abgegeben... und diskutiert wurde darüber genug. Nun gut, dann muss man aber konsequent sein und sich direkt mit den Dinosaurier-Herden beschäftigen... mal ganz ehrlich: Wir waren alle irgendwann dabei... nä? Und was für ein Unrechtssystem in diesen Herden herrschte! Und jetzt laufen wir mit diesem Unrechtssystem in unseren Genen herum! Also ich verlange, dass ab sofort jeder Politiker sich schriftlich davon distanziert... und Kabinettsmitglieder als besonders belastete Verantwortungsträger sollten sich die entsprechende Gene amputieren lassen, wenn sie im Amt bleiben wollen...

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liebling 02.01.2011 | 12:14

Krem-Browning
Es stinkt doch bis zum Himmel... in BRD gibt es so viele Probleme und so viel zu tun... stattdessen wird über DDR diskutiert, die es so gar nicht gibt! Warum dann nicht über den Römischen Reich...

Sie können Ihre Aufzählung noch beliebig fortsetzen.
Eine durchgänge Gerechtigkeit für alle wird es nie geben!

Bestenfalls eine realitive Gerechtigkeit für möglichst viele Bürger.

Gegen Ungerechtigkeiten hilft unsere Justiz trotzdem sehr viel besser, als die Justiz in der Ex-DDR oder im Römischen Reich seinerzeit half.

khad 02.01.2011 | 12:26

@liebling
"Zoff unter Linken/Sozialisten ist immer etwas Gutes für die Republik!"
Einigkeit unter den Rechten dazu, dann kann alles nur besser werde.

Danke auch für den Spinner, meine Existenz bestreite ich heute noch aus eigener Leistung, werde aber vielleicht zum Ballast. Würde mich dann freuen, wenn Sie dann noch eine gutbezahlte Arbeit hätten um mich Schnorrer dann mit durch
zu ziehen.

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liebling 02.01.2011 | 12:43

Krem-Browning schrieb am 02.01.2011 um 11:24
"Gegen Ungerechtigkeiten hilft unsere Justiz trotzdem sehr viel besser, als die Justiz in der Ex-DDR"

Das stimmt NICHT!

Darüber sollten Sie mal mit einem Kollegen mir diskutieren.
Er wurde in Ungarn wegen Republikfklucht verhaftet und ins Gefängnis nach Bautzen gebracht.
Seine Familie wurde natürlich zwangsweise zurück nach Dresden gebracht und danach ständig sanktioniert.
Nach ca. 9 Monaten hat der "Unrechtsstaat BRD" den Kollegen plus Familie vom "Rechtsstaat DDR" freigekauft. ;-)

Den Erlös hat dann der "Rechtsstaat DDR" wahrscheinlich in neue Zäune, Mauern und Minen investiert!
Naja, ein befreundeter Kripo-Kommissar mit Westgrundstück in Berlin konnte von dieser Entwicklung auch profitieren.
Er bekam gelegentlich gratis Kaninchenteile durch die Tretminen auf dem Todesstreifen in seinem Garten serviert.
Den Kaninchen geschah es ganz recht!
Schließlich wollten die vielleicht auch Republikflucht begehen! ;-)

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krem-browning 02.01.2011 | 12:55

Diese ganze Geschichte hat nicht mit der Gerechtigkeit, sondern mit politischen Spielen zu tun! Man hilft ach so demonstrativ den Unterdrückten in den Unrechtsstaaten... d.h. in den Unrechtsstaaten, die als solche auch öffentlich bezeichnet werden... und was man hier "zu hause" macht, das wird verschwiegen, verlogen oder ausgeblendet! Zum Glück gibt es immer weniger Menschen, bei denen diese Politik der Verschwiegenheit, der Verlogenheit und des Ausblenden funktioniert. Ich könnte Ihnen nicht weniger atemberaubende juristische Geschichte erzählen, die allerdings in BRD stattfinden... aber, erstens, passen sie in ein Kommentar nicht, weil es in diesem Rechtsstaat die Ungerechtigkeiten ein bisschen länger dauern als sonst wo, und, zweitens, wer wissen will, der weiß ja auch... und wer nicht will, mit dem hat es ja kein Sinn zu reden.

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liebling 02.01.2011 | 13:32

Uwe Theel schrieb am 02.01.2011 um 12:13
In der DDR haben Leute wie Du, "Liebling" alias "Sozenschreck", niemals die kleine "große" Schnauze aufgemacht, allenfalls gewisse Körperöffnungen anderer aufgesuchtI

Herr von und zu Ufo (gewiss auch ziemlich lieb! ;-)), aber vielleicht andere als Du denkst!
Z. B. die eine von der berühmten Eiskunstläuferin (ich komme gerade nicht auf ihren Namen).
Die hätte mir schon gefallen!

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krem-browning 02.01.2011 | 13:42

@liebling schrieb am 02.01.2011 um 12:32

"Z. B. die eine von der berühmten Eiskunstläuferin (ich komme gerade nicht auf ihren Namen).
Die hätte mir schon gefallen!"

*************************

Klar, so eine Konstellation hatten wir schon mal in einem anderen Kommentarstrag... Liebling fühlt sich angetan, es bleibt nur übrig, die Frau zu überzeugen.

Manohman, ich kann blonde Männer nicht ausstehen... die sind echt ein Ballst im Evolutionsprozess.

Und jetzt reicht's mir, ich gehe frühstücken...

Z4ph0d 02.01.2011 | 14:27

Wenn man Menschen als einen Kostenfaktor betrachtet, stimmt Ihre Argumentation.
Nur sind Menschen keine reinen Wirtschaftsobjekte sondern Menschen.

Ihre Sichtweise ist beispielhaft für den Totalitarismus (neoliberalen) ökonomischen Denkens. Dieser besteht daraus ALLES um sich herum in Geldwerten zu bemessen (Zeit, Arbeit, Bildung, ... Menschenwürde).

Wenn Menschen allein nach ihrer ökonomischen Leistung bewertet werden, ist es zum Faschismus nicht mehr weit. Dieser bewertet Menschen auch ausschließlich nach einem Kriterium, dem der "Rassenzugehörigkeit".

Das Wirtschaftslogik und Faschismus wunderbar harmonieren können hat man ja im dritten Reich gesehen.

Für Menschen gelten die Kriterien der Menschenrechte, nicht die der Wirtschaft, die sind unmenschlich.

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liebling 02.01.2011 | 14:51

Z4ph0d schrieb am 02.01.2011 um 13:27
Wenn man Menschen als einen Kostenfaktor betrachtet, stimmt Ihre Argumentation.
Nur sind Menschen keine reinen Wirtschaftsobjekte sondern Menschen.
Ihre Sichtweise ist beispielhaft für den Totalitarismus (neoliberalen) ökonomischen Denkens. Dieser besteht daraus ALLES um sich herum in Geldwerten zu bemessen (Zeit, Arbeit, Bildung, ... Menschenwürde).

Es ist Ihre (falsche) Einschätzung, dass ich Menschen nur als Kostenfaktor betrachte.
Im H4-Zusammenhang sind die Kosten aber äußerst wichtig, vor allem für die Netto-Steuerzahler.
H4ler brauchen aber selbstverständlich deshalb nicht zwangsläufig auf die anderen Dinge verzichten, welche Menschen ausmachen.
Das geht Ihnen sicher genau so wir mir.
Geld ist nicht alles!

Das Wirtschaftslogik und Faschismus wunderbar harmonieren können hat man ja im dritten Reich gesehen.
Für Menschen gelten die Kriterien der Menschenrechte, nicht die der Wirtschaft, die sind unmenschlich.

Den Kommunismus unter Stalin, Honecker und Kim Jong II so wie alle anderen Diktaturen bitte nicht vergessen!

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uwejuergenness 02.01.2011 | 16:25

@sauweib ad 02.01.2011 um 09:24

Liebes Sauweib,
das Thema der Anrede - zumal unter den erschwerten Bedingungen des Duzens - hatten wir ja schon einmal. Zunächst: Meine besten Wünsche für das Neue Jahr. Das gilt natürlich auch für Tom Strohschneider und die andern im Blog.

Die Gefahr, dass die GRÜNEN aus dem wie sich auch immer definierenden "linken Lager" ausscheren und eine schwarz-grüne Regierung eingehen könnten, war zwar auch im innerparteilich als "links" geltenden grünen Landesverband NRW gegeben – schließlich ging auch dieser OHNE Koalitionsaussage in den Wahlkampf - aber in BaWü ist diese "Gefahr" natürlich viel grösser. Wobei ich das inzwischen von linker Warte aus nicht mehr als Gefahr ansehe, sondern mich im Gegenteil über die Demaskierung der GRÜNEN im Rahmen einer Koalition mit der CDU, insbesondere zu Stuttgart21 und mit Atom-Mappus, freuen würde.
Seit fast 20 Jahren diskutieren die GRÜNEN im Ländle auf Grund der strukturellen Schwäche der SPD, die einfach nicht aus ihrem 25-Prozent-Loch herauskommt, diese Option. Und es erhebt auch dagegen schon seit zig Jahren keiner mehr groß Protest in der Partei. Insofern wird das Gequatsche von Kretschmann, Özdemir und Co. zu bürgerlichen Mehrheiten irgendwann zur Self-fulfilling Prophecy (Vgl. a. Blogpost zu "Stuttgart 21" unter tinyurl.com/36v5z4c ) Daran ändert auch die derzeitige Verstimmung im schwarz-grünen Lager nichts grundsätzlich.
Bislang wurden GRÜNE von der CDU wegen der relativen Stärke der FDP zwar nicht gebraucht, aber diese ist ja vorerst einmal dahin. DIE GRÜNEN BaWü werden sich eine Machtbeteiligung, die sie so lange wie kein anderer Landesverband angestrebt haben, schlussendlich nicht wegen einer "sperrigen" grünen Position zu Stuttgart 21 verhageln lassen. Deshalb versuchen sie sich zwar als Widerstandspartei zu gerieren, gleichzeitig aber die Erwartung zu Stuttgart 21 nicht zu hoch zu schrauben. Sie machen das, was sie am besten können: Sie spalten soziale Bewegungen, auf deren Protestwelle sie zuvor in Parlamente und Regierungen gesurft waren.

Uwe Theel 02.01.2011 | 16:38

@ Redaktion:

lt. AGB des Freitag, dort

2.1 Die für die Registrierung erforderlichen Informationen sind wahrheitsgemäß und vollständig anzugeben. Mehrfachanmeldungen sind nicht gestattet und können zur dauerhaften Löschung / Sperrung des Nutzers führen.

bitte ich zu überprüfen, ob der User "Liebling" identisch ist mit dem gesperrten/deaktivierten Nutzer "Sozenschreck" und entsprechend zu handeln.

Tenor, Sprachausdruck, Kommunikationsstrategien und Themenwahl der Beiträge scheinen mir bei beiden Nicks identisch, sodaß ich von Personenidentität ausgehe.

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liebling 02.01.2011 | 17:28

Krem-Browning schrieb am 02.01.2011 um 16:20
Und nun gehe ich weiter frühstücken...

Dz dz dz, immer noch Frühstücken.
Ganz schönen Appetit die Dame?! ;-)

So so, Sozenschreck war auch blond!

Da muß ich mal das liebe Ufo zitieren:

Tenor, Sprachausdruck, Kommunikationsstrategien und Themenwahl der Beiträge scheinen mir bei beiden Nicks identisch, sodaß ich von Personenidentität ausgehe.

Die Haarfarbe hat er vergessen.
Trotzdem, wenn das seine Meinung ist, und sie zutrifft, dann muß der Sozenschreck jedenfalls ein sehr guter Mann sein!

Sind Sie auch blond?

Uwe Theel 02.01.2011 | 17:38

@ liebling am 02.01.2011 um 16:04

Wer lesen kann, ist durchaus im Vorteil:

Ich habe der Redaktion die Reaktion vollkommen freigestellt, habe nur um einen Prüfung gebeten.

Außerdem: Meinungsfreiheit ist wie alle Freiheit in der Demokratie an die Person gebunden und kann von einer Person nicht mehrfach per Mehrfachnick wahrgenommen werden. Das wäre ständische, vorbürgerliche Freiheit. Aber soviel Bildung kann ich von Ihnen wohl nicht erwarten.

Jede Bürgerliche Freiheit aber auch für Sie, speziell von mir :-)

Schließlich: Was reiten Sie eigentlich immer so auf Ihren blonden Haren herum? Ist das Eitelkeit oder Rassismus (wg. Evolution und so)?

Fro 02.01.2011 | 19:14

Zurück zum Thema:

Solche Leute wie Nils Schmid kegeln sich und ihre Partei doch selbst ins Abseits. Eine Steilvorlage für dieLinke – da würde ich mich freuen, wenn ein politischer Konkurrent so einen Schwachsinn verbreitet. Oben wurden ja schon Anregungen gegeben, wie man darauf reagieren könnte.
M.E. macht es keinen Sinn mit einer Partei zu koalieren, die sich nicht glaubhaft von ihrer neoliberalen Verelendungspolitik der Vergangenheit, der Professionellen Vernetzung mit den Lobbyverbänden der Groß-und Finanzindustrie und dem Afghanistankrieg distanziert.
Bisher habe ich noch nicht gesehen, dass die SPD das auch nur in Ansätzen gemacht hat. Wenn die Basis der SPD nicht bald mal aufwacht und den Verdrängungskurs und die freiwillige Unterwerfung unter erfundene Sachzwänge und absurde Wahlkampfstrategien auflöst, kann man die Partei vergessen – die FDP sollte ihr eine Warnung sein.

claudia 02.01.2011 | 20:27

>>Im "Rechtststaat DDR" säße ich (wegen zu großer Schnauze) vermutlich in Bautzen!
Da sassen Ausrufezeichenschreiber wie Sie im Politbüro.

Wolga mit Chauffeur und statt Red Label öfter Wodka.

1989 wäre Ihnen der Allerwerteste auf Grundeis gegangen.
Am 03.10.1990 wären Sie erleichert gewesen, dass Ihr Bruder im Geiste Helmut Kohl Sie vor der üblen Demokratiebewegung errettet hat. :-)

claudia 02.01.2011 | 20:39

CDU/CSU/SPD/FDPGrün unterscheiden sich so wenig, dass es auf eins mehr oder weniger nicht ankommt:
Sie bekommen Geld von den gleichen Konzernen, ihre Abgeordneten haben Beraterverträge mit im Grossen Ganzen den gleichen Firmen, sie vertreten alle die gleichen Interessen...

In Stuttgart ragt vielleicht des Öttingers Integrationsprogramm für die Ndrangheta etwas heraus, aber die anderen Politgauner sind den Geldwäschern auch aufgeschlossen.
...pecunia non olet...

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mandelbrot 03.01.2011 | 11:11

@ Krem-Browning

"Wichtig ist, dass BRD HEUTE, hier und jetzt ein Unrechtsstaat ist. "

Sie spinnen. Solch eine Aussage zu tätigen ist pietätslos und unfassbar anmaßend gegenüber den Millionen Opfern in der DDR- von denen einige diesen Staat nichtmal überlebt haben.
Mit welchen Beispielen wollen sie das denn belegen? Das Hartzer nen paar Euros zu wenig kriegen? Oder das es zuviele Leute gibt die in ihrem Job zuwenig Geld verdienen?

Und das wollen sie dann gleichstellen mit einem Staat der seine Bürger bis in den letzten Winkel ausspioniert und Flüchtende erschossen hat?

Bei ihnen muss einiges schief gelaufen sein!

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mandelbrot 03.01.2011 | 11:16

Nunja, Liebling das ist natürlich eine falsche Sicht der Dinge. Beispielsweise haben rund 20 Millionen Rentner Ansprüche erworben, durch ihre Einzahlungen in die Rentenkasse.
Rein betriebswirtschaftlich mögen sie Ballast sein, aber man kann eine Volkswirtschaft nicht mit betriebswirtschaftlichen Kriterien messen. Und man kann beispielsweise auch diesen 20 Millionen nicht ihre Existenzberechtigung absprechen wenn sie vorher jahrzehntelang eingezahlt haben.

Das gilt auch für die restlichen 20 Millionen. Es gibt gute Gründe Kinder zu unterstützen und auch ein angessender Sozialstaat ist einer Volkswirtschaft durchaus nützlich- er darf nur nicht ausufern.

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krem-browning 03.01.2011 | 11:20

Entweder haben Sie nicht die leiseste Ahnung, was in DIESEM Staat läuft, weil Sie z.B. zu jung sind und von gut situierten Eltern immer gehütet wurden... oder Sie haben sehr wohl Ahnung und instrumentaliesen die Verletzungen von Menschenrechten für sich... was natürlich voraussetzt, dass diese Verletzungen erst mal verleugnet werden oder sogar als Fortschritt dargestellt.

Wie auch immer: Mir gefällt nicht, in welchem Ton Sie mit mir reden, und ich werde mit Ihnen nicht diskutieren. Auf so einem Niveau können Sie mit Ihrer Frau in Ihrer Küche reden... falls es in Ihrem Leben eine Frau gibt, die so eine Behandlung zulässt.

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mandelbrot 03.01.2011 | 12:15

Hier wurden ja einige Beispiele dafür herangezogen, das die DDR-Vergangenheit der Linken kein Problem sei, weil die anderen Parteien nach dem Krieg ja auch diverse NSDAP-Parteimitglieder aufgenommen hatten.
Und das die SPD und Co erstmal selber reinen Tisch machen sollte, bevor sie solche weltfremde Forderungen erheben.

Nun das leugnet aber einen wichtigen Fakt: Die Linke ist die offizielle Nachfolgepartei der SED. Die SED ist die Partei die auf unschuldige Flüchtende schießen ließ. Die Linke ist damit die Partei der Mauermörder.
Es gab keine Nachfolgepartei der NSDAP- weder CDU/CSU, noch SPD oder FDP waren dies. Und damit gab es in diesen Parteien zwar teilweise eine personelle Kontinuität, aber keine inhaltliche oder ideologische Fortsetzung. Bei der Linken gab es diesen Bruch nicht, eben weil die SED leider nicht verboten wurde.
Und deshalb muss sich die Linke nicht wundern wenn man sie mit Argwohn beäugt, besonders wenn in regelmäigen Abständen verherrlichende Äußerungen zur DDR aus den eigenen Reihen zu hören sind. Lustigerweise überwiegend aus dem West-Teil der Linken, also von Leuten die nie in diesem verbrecherischen Unrechtsstaat gelebt hatten.

Uwe Theel 03.01.2011 | 13:16

@ Fro schrieb am 02.01.2011 um 20:28

Die Parteien müssen auf allgemeinwohldienlichen Kurs gebracht werden – dieLinke natürlich auch.

Lieber Fo,

wahrscheinlich bist Du zu jung, aber mit ein wenig (viel) Recherche und Quellenstudium könntest Du Dir ja einmal überlegen, wie es kommt, dass Du die Linke jetzt genauso behandelst, wie die Grünen Mitte der 1970er bis mindestens 1985 von bürgerlicher Seite aus behandelt wurden, die jetzt plötzlich stattstragend sind.

Selbst wenn wir annähmen, dass sich auch die Linke irgendwann "verbürgerlicht", dann wäre es jetzt, gerade angesichts des Beispiels der - leider inzwische nur noch historischen - Verdienste der Grünen, die Linke nicht über einen Leisten mit dem restlichen Bürgerblocks CDU/CSU/FDP/SPD/GRÜNE zu schlagen.

Im übrigen vermisse ich bei Deinen regelmäßigen Spitzen gegen die Linke, die Dir offensichtlich als Aufmunterung für diese Partei erscheinen sowohl Konkretionen in Kritik, als auch in Aufmunterung, sehe ich bei letzterer von Deinem, mir mehr "romantisch" erscheinenden Modell der "Bürgerbeteiligung" ab, das eben nicht links sondernallenfalls sozialdemokratisch daherkommt.

mfg
ut

Uwe Theel 03.01.2011 | 13:33

@ Mandelbrot am 03.01.2011 um 11:15

Entschuldigen sie Mandelbrot,

aber die Klitterung dieses Threads, die Sie hier betreiben ist nur schwer erträglich.

Niemand hat hier versucht, eine behauptete Kontinuität von NSDAP zu CDU/CSU, allenfalls noch FDP - die SPD in diesem Zusammenhang muß gegen Sie in Schutz genommen werden -, bzw. deren Nichtbewältigung als Grund für eine Nichtauseinandersetzung über eine mögliche Kontinuität SED - PDS - DIE LINKE anzuführen.

Auf der anderen Seite gibt es sowohl die historische und damit inhaltliche Kontinuität von NSDAP zu CDU... (Globke, Filbinger, nur als Hausnummern) damit vom III.Reich zur BRD, (übrigens durchaus auch Problematisches hier im Falle der DDR), wie es nachgewiesenermaßen eine Auseiandersetzung innerhalb der Linken mit ihrer historischen Tradition gibt, die sogar flankiert wird von einer - wenn auch nicht immer unbezweifelbaren - bundesrepublikanischen Jurisdiktion, die für den von Ihnen angeführten Parallelfall allenfalls in Fritz Baur einen unbezweifelbaren Repräsentanten in der alten BRD fand.

Wenn Sie nicht mehr als solche Hohlphrasen oder Popanze zu bieten haben mandelbrot, sollten Sie besser schweigen.

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mandelbrot 03.01.2011 | 13:56

Ja so explizit wurde das nicht gesagt, aber mehrfach angedeutet... hier in diesem Thread! Zwei Beispiele...:

"apatit schrieb am 01.01.2011 um 12:28
...oder als die Nazi-Generale Adolf Heusinger und Hans Speidel am 12.11.1955 vom ersten Verteidigungsminister Blank in die Ämter als Bundeswehr - Kommandeure eingeführt wurden...wird das auch behandelt, wenigstens am Rande der DDR / BRD Geschichtsbetrachtung!"

"UweJuergenNess schrieb am 01.01.2011 um 20:13
Stimmt, das wäre eine überaus innovative Idee, wenn sich die CDU einmal mit dem Nazi-Personal in den eigenen Reihen beschäftigte. Das wurde auch endlich einmal untersucht, selbstredend natürlich nicht von der CDU selbst initiiert:
Carlo Klepsch: Nahtloser Übergang in neue Führungspositionen - Alte Nazis in den nordrhein-westfälischen Landtagsfraktionen von CDU und FDP. In: Rüdiger Sagel {Hrsg.]: 60 Jahre Landtag Nordrhein-Westfalen, Das vergessene braune Erbe (pdf) bit.ly/gMhuBY"

Auf die SED-und Stasi-Vergangenheit wird ja häufig mit "ja dann soll die CDU etc erstmal ihre eigene Wäsche waschen" gekontert, das ist aber wie ich in meinem Beitrag dargestellt habe unzulässig.

Nicht nur weil man eine falsche Handlungsweise nicht mit einer anderen aufwiegen kann, sondern auch weil es eben keine NSDAP-Nachfolgepartei gab- sondern nur einzelne Parteimitglieder die in anderen Parteien Unterschlupf fanden.
Solange Mitglieder der Linken munter die DDR verharmlosen und verherrlichen, solange ständig neue Stasi-Mitglieder in ihren Reihen entdeckt werden, solange muss sich die Linke auch nicht wundern.

Zurück zum eigentlichen Thema: Ich werde mich jederzeit zur Freiheitliche demokratische Grundordnung bekennen und die DDR und andere Diktaturen ablehnen und verurteilen. Wenn man damit ein Problem hat und diese Werte nicht so klar vertritt- wie die Linke halt- macht man das halt nicht. Und das man dann damit ein Problem hat ist doch schon ziemlich bezeichnend. Ehrlich, wenn für mich die DDR eine Diktatur war, kann das doch 100 Seiten hintereinander in der Präambel eines Koalitionsvertrages stehen. So what? Warum regt man sich darüber auf? Doch wohl nur wenn man das nicht so sieht.

Was würde dagegen sprechen in einer eindeutigen Erklärung die alle Landesverbände unterschreiben und entsprechend medienwirksam inzenieren, die DDR in all ihren Facetten zu verurteilen? Warum macht man das nicht?
Nun weil die Mentalität, die den Befehl gab auf unschuldige Flüchtende in der DDR zu schießen noch sehr verbreitet in dieser Partei ist. Deshalb bekennt man sich auch nicht zu Demokratie und Rechtstaat. Mitglieder der Linkspartei haben das Gewehr geistig noch auf dem Rücken, mit dem sie unschuldige Menschen in den Rücken schießen würden. Sie warten nur auf die Gelegenheit die Waffe wieder anzulegen. Wir sollten sie ihnen nicht geben.

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Ehemaliger Nutzer 03.01.2011 | 14:02

@ Mandelbrot schrieb am 03.01.2011 um 11:15

>>>Hier wurden ja einige Beispiele dafür herangezogen, das die DDR-Vergangenheit der Linken kein Problem sei

So etwas kann ich im Thread nicht lesen. Die Linke als Partei stellt sich ihrer Verantwortung. Ob Ihnen das so genügt - darüber können Sie natürlich posten. Vielleicht bringen Sie Vorschläge, welche Form für Sie überzeugend wäre.

>>>Und damit gab es in diesen Parteien zwar teilweise eine personelle Kontinuität, aber keine inhaltliche oder ideologische Fortsetzung.

Pensionen für SS-Angehörige, keine Enteignung Familie Piech/ Porsche, keine Enteignung Deutsche Bank, keine Enteignung Allianz, keine Bodenreform, Auslandsspionage gegen die Sowjetunion durch das Amt Gehlen,....

Mal abgesehen davon, dass der von Ihnen vorgenommene Vergleich der DDR mit Hitlerdeutschland eine Frechheit und Dummheit sondergleichen ist: Es ist doch offensichtlich so, dass die Diskussion nicht geführt wird, um etwas zu lernen, der Linken die Chance zu geben ihre Lernfortschritte zu dokumentieren, um selbstkritisch sich auch in der SPD, CDU zu betrachten.

Es geht ausschließlich darum, den Kalten Krieg wieder zu beschwören um die eintrainierten Reflexe einer Wahlforschern in ihrer Größe bekannten Zielgruppe abzurufen. Leider ist diese Zielgruppe weiterhin so groß, dass diese Strategie funktioniert. Nur deshalb zieht die SPD in BaWü diese Nummer durch.

Das ist es, was die Diskussion um die Vergangenheit so fruchtlos macht. Gegen dieses geschwätz kann man sich nur mit Sarkasmus wehren oder, und das ist schade, in dem man das Thema einfach ignoriert.

>>>Die Linke ist damit die Partei der Mauermörder

Aber mit jemandem, der so einen Satz formuliert, lohnt ohnehin keine Diskussion. Oder?

Uwe Theel 03.01.2011 | 14:13

Ihre Argumentation steht auf tönernen Füßen:

Wenn Sie dem gewöhnlichen DDR-Bürger mit SED-Hintergrund immer noch ein Gewehr aufschnallen mit dem er heute noch Menschenrechtsverletzungen begehen würde, wenn ..., dann ist das kein politisches Argument, sondern ideologischer Scheibenkleister.

Zu behaupten, weil die NSDAP juristisch verboten wurde, gäbe es keine Kontinuität zur CDU..., da die SED dies nicht wurde aber im Falle der LINKEN ist abenteuerlich, da es hier um Kontinuitäten gibt, die niemals per Jursidiktion gesteuert werden könnten. Ansonsten müssten sie jedem CDU-Wähler und CDU-Mitglied auch den blanken Antikommunismus der finstersten Adenauer, bzw. Nazizeit mit allen Konsequenzen weiter auf den Rücken schnallen und damit wären Sie für die CDU da, wo sie glauben für die Linke zu sein.

Sorry, so geht`s nicht.

P.S.: Ihre FDGO-Treue wurde übrigens hier nirgends angezweifelt und ein Redeverbot, wurde durch meinen Vorschlag nur fundiert über etwas zu sprechen auch nicht gegen sie verhängt.

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mandelbrot 03.01.2011 | 15:08

@ Uwe Theel

Ist mir schon klar das damals auch nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen war, aber: Es ist nun mal ein großer Unterschied ob wie nach dem Krieg ein Neuanfang gemacht wurde, der in Teilen- wegen diversen NSDAP-Leuten in Führungspositionen- misslungen war, oder ob man das wie im Fall SED/PDS/Linke gar nicht erst versucht hat.
Und so gilt weiterhin: Die Linke ist rechtlich und geistig die Nachfolgepartei der SED und das kann man in keinster Weise mit dem vergleichen was nach dem Krieg passiert ist (sicher kann man auch nicht die Greuel vergleichen; aber es geht jetzt nur um diesen Fakt).
Und solange die Linke rechtlich gesehen die Nachfolgepartei der SED ist- einer Partei die für massenhaft Unrecht verantwortlich ist- steht sie unter besonderer Beobachtung.
Das ganze hätte sie einfach verhindern können, wenn sie damals nicht mit der WASG fusioniert wäre, sondern sich vorher selbst aufgelöst hätte.
Aber einen Strich unter die DDR Vergangenheit zu machen, dazu war man nicht bereit- also scheint man damit wohl doch nicht ganz abgeschlossen zu haben.

@ Rapanui
"Die Linke ist damit die Partei der Mauermörder"
Nur weil er ihnen nicht passt, wird er deshalb nicht unwahr. Die Linke ist die Nachfolgepartei der SED und die SED war für das was in der DDR passierte verantwortlich.
Haben sie auch so aufgeschrieen als irgendeiner dieser linken Spinner nach der BP-Wahl von einer Wahl zwischen Hitler und Stalin faselte? Vermutlich nicht.

"Es ist doch offensichtlich so, dass die Diskussion nicht geführt wird, um etwas zu lernen, der Linken die Chance zu geben ihre Lernfortschritte zu dokumentieren, um selbstkritisch sich auch in der SPD, CDU zu betrachten."

Die Linke macht sich doch selber das Leben schwer, wenn andauernd irgendwelche absurden Statements zur DDR an die Öffentlichkeit kommen, wie letztes Jahr aus NRW. Anschließend kommen zu dem Thema nur halbherzige Dementis nachgeschoben.
Zudem muss man keine Lernfortschritte fordern, wo es nichts mehr zu lernen gibt. Die Nazi-Kader sind inzwischen alle tot. Etwas lernen, heißt etwas besser machen aber was soll die SPD oder CDU besser machen? Sie hat dazu keine Gelegenheit mehr, sie könnte nur Vergangenheitsbewältigung betreiben.
Bei der Linken hingegen, gibt es immer noch genug Leute die in dem Unrechtsregime aktiv verstrikt waren. Deshalb besteht dort Handlungsbedarf, im Gegensatz zu den übrigen Parteien.

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Ehemaliger Nutzer 03.01.2011 | 15:25

@ Mandelbrot schrieb am 03.01.2011 um 12:56

Ein anderer Ansatz über die "Mauer" zu diskutieren könnte der folgende sein. Die "Mauer" ist ein Resultat der Teilung Deutschlands nach der Zerschlagung Hitlerdeutschlands durch die Alliierten im Gefolge der Konferenzen Teheran/ Jalta/ Potsdam. Die Teilung Deutschlands ist ursächlich die Schuld der deutschen Eliten und ihrer willfährigen Untertanen.

Die Teilung Deutschlands widerspiegelt aber auch die Teilung der Welt in die zwei Machtblöcke Warschauer Vertrag und NATO. Die Teilung Deutschlands ist eine Strafe für die durch die Deutschen begangenen unsäglichen Verbrechen. Alle Alliierten haben die "Mauer" 1961 politisch akzeptiert, weil Ihnen nichts besseres einfiel und auch nicht einfallen wollte. Das kann und muss man verstehen.

Keiner der westlichen Alliierten hat alternative Vorschläge zur Deeskalierung der wirtschaftlichen Probleme der DDR unterbreitet, sondern diese Probleme als Waffe gegen die Sowjetunion benutzt. Gezielt wurden die schuldigen deutschen Eliten im Westen wirtschaftlich gepusht, um diese für den Kampf gegen den Kommunismus einzusetzen. Davon profitierte die westdeutsche Bevölkerung.

Auch die Sowjetunion hat keine politischen und wirtschaftlichen Maßnahmen gegen die Flucht der Ostdeutschen eingeleitet, außer dass die politische Repression etwas verringert wurde und die wirtschaftliche Organisation der DDR etwas liberaler wurde. Die Reparationen der DDR an die Sowjetunion liefen in vollem Umfang weiter, während die westdeutsche Bevölkerung sich der materiellen Verantwortung für die durch Sie begangenen Kriegsverbrechen entziehen durfte. Davon zu profitieren war 3 Mio nach dem Westen geflohenen Ostdeutschen ganz praktisch gesehen nicht zu verdenken, für die Charakterbildung war es schlecht. Das merkt man bis heute an ahistorischen und selbstgefälligen Betrachtungen: wie z.B. "Wirtschaftswunder".

Die "Mauer" war eine schlechte Lösung der DDR-Führung für ein großes politisches Problem. Sie hat viel Leid verursacht. Deshalb ist es gut, dass Sie 1989 fiel. Die politischen und wirtschaftlichen Probleme haben sich in anderer aber nicht weniger dramatischer Form fortgesetzt, wie sie 1961 zeitweilig endeten - man betrachte die bis heute anhaltende Flucht der ostdeutschen Bevölkerung.

Eine rein juristische Klärung der Schuld ist nicht die geeignete Form. Sie muss ergänzt werden um Formen einer politischen Klärung, politischen Verantwortung und vorallem Vergebung, so wie es beispielsweise in Südafrika, Argentinien oder Chile passiert.

Damit wäre die "Mauer" ein Problem, das sich nicht mehr für eine billige Wahlargumentation benutzen ließe. Die Westdeutschen müssten sich einer Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit stellen, die viele Legenden zerstören würde. Damit wäre dann aber ein Wahlstimmenakkumulator erster Klasse stillgelegt. Wollen das aber SPD, CDU, FDP, Grüne? Blöde Frage!

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Ehemaliger Nutzer 03.01.2011 | 15:49

@ Mandelbrot schrieb am 03.01.2011 um 14:29

Wussten Sie das die Amerikaner bis zum 31.07.1945 große Teile Sachsens und Thüringens besetzt hatten? Wussten Sie, dass es im Erzgebirge (Schwarzenberg) eine weder durch die US-Army noch die Rote Armee besetzte Zone gab. Kennen Sie die Geheimabkommen zwischen Churchill und Stalin über die Verteilung der Einflusssphären in Osteuropa. Wissen Sie etwas über Teheran, Jalta und Potsdam? Wissen Sie etwas über Trumans Kalkulation des US-Atombombenabwurfs auf Hiroshima während der Potsdamer Konferenz? Wissen Sie etwas über den Status Westberlins vor 1961? Haben Sie schon einmal davon gehört, dass der wirtschaftliche Schaden für die DDR bei offener Grenze vor 1961 bei 100...200 Mrd DM lag, ganz abgesehen von den riesigen Verlusten durch die Flucht von 3 Mio in der Regel gut qualifizierten Menschen?

Wahrscheinlich nicht. Woher haben Sie dann Ihre Weisheiten über die "Mauer"?

Uwe Theel 03.01.2011 | 15:58

Mandelbrot am 03.01.2011 um 14:29

Damit sind sie bundesrepublikanisch in Kohlland geboren, mit Schröder und einem DGB sozialdemokratisch reformistisch umgeben politisch großgeworden. Allenfalls Verdi, GEW und GdP verdienten in diesem Umfeld damals noch und heute das Rubrum "links", wenn überhaupt.

Da wollte ich schon mal Genaueres hören, was Sie da unter "links" verstehen, was vom rechten bürgerlichen Flügel der SPD bis zu deren bürgerlichen Mainstream (links ist nicht mehr) nicht gedeckt würde.

Ihre, Mandelbrots, Liberalität sei nicht die Pseudoausgabe der FDP von heute, die Linksliberalität einer K.-H.-Flach-FDP sicher auch nicht. - Was denn dann?

Ihren Texten in der FC kann ich da auch nichts entnehmen. Fazit: Nicht links erscheinen Sie mir, sondern wie der von der CDU (Angela Merkel) gewünschte "Wähler der Mitte", bzw. übriggeblieben der von Schröders "Neuer Mitte". Wenn Fortschritt immer auch heißt links, dann wäre da kein Fortschritt.

Was Sie jedenfalls hier an DDR-Kritik formulieren, das haben die CDU und Co. schon in den 50iger und 60iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts drauf gehabt.

Wo sollte das heute hinführen?

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mandelbrot 03.01.2011 | 16:04

@ Rapunui

Sie scheinen all die menschenverachtenen Argumente und Ansätze zur Verteidigung der DDR rauszuholen, die hier bei anderer Stelle im Forum (z.B. wenn es um die Verteidigung der Handelsrouten durch die BW geht) harsch kritisiert werden.

Ich setze mal bei den so typischen Gutmenschenansätzen an: Die Mauer hätte auch ohne Schießbefehl ihren Zweck erfüllt. Klar wären dann ein paar mehr geflohen, und die Abschreckung wäre nicht so hoch gewesen, aber so what? Nur die wirklich Verzweifelten hätten es auf sich genommen, und nur die wenigsten hätten es auch ohne Schießbefehl über die Mauer geschafft. Warum also der Schießbefehl? Er war die Ausgeburt eines perversen Systems und Teile der damals herschenden Partei sitzen heute wieder im Parlament. Das ist eine Schande.

Es geht zudem nicht um die Mauer. Die Mauer und der Schießbefehl war nur ein Symbol für eine menschenverachtene Diktatur. Ich habe letztens Joachim Gauck Biografie gelesen und ich habe geweint.

Ansonsten wie gesagt, scheinen sie sich hier aus dem Zusammenhang gerissende historische Fakten zu einem seltsamen Weltbild zusammenzureimen. In ihren Augen ist also im Endeffekt der Westen und die BRD an der desolaten Lage der Menschen in der DDR Schuld gewesen (grob zusammengefasst). Aha. Sie sind nicht zufällig Mitglied in der Linkspartei?

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mandelbrot 03.01.2011 | 16:16

@ Uwe Theel

Während die FDP ja nur wirtschafsliberal ist, sehe ich mich eher in der Tradition der linken Liberalen, wie die Liberal Democrats in GB.

Nun was ich unter links für mich selber verstehe sind klassische Werte wie Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit. Natürlich bin ich für einen moderaten Mindestlohn, höhere Steuern für Vermögende und Ähnliches. Nur im Gegensatz zu den Phrasendreschern und Fantasten aus der Linkspartei habe ich da eher das große Ganze im Blick.
Ich glaube da auch nicht an den allmächtigen Staat der das alles schon irgendwie regeln wird, sondern sehe die Eigenverantwortung gefragt.
Für mich kann sich linke Politik auch nicht auf das sinnlose Nachplappern von Forderungen (mehr Hartz 4 etc) oder Phrasen-Drescherei beschränken.

Auch bin ich gegen Atomkraft, daran angelehnt habe ich auch mal einen Blogeintrag verfasst...
www.freitag.de/community/blogs/mandelbrot/friedlich-in-die-katastrophe---eine-wuerdigung

sauweib 03.01.2011 | 16:29

Ja, wo soll das alles noch enden, wenn jetzt schon von Grünen geführte Gewerkschaften wie Verdi oder GEW als „links“ bezeichnet werden. Das Erinnerungsvermögen der Diskutanten hier scheint begrenzt zu sein, deshalb also können Leute wie Nils Schmid oder Guido Westerwelle überhaupt zur Wahl antreten. Nur mal so am Rande, Verdi ist das Ergebnis neoliberaler Gewerkschaftsabwicklung. Links waren Gewerkschaften wie ÖTV, HBV oder DPG. Gewerkschaften, die in den Bereichen in denen Verdi heute Dumpingtarife abschließt, gerechte Löhne, Arbeitsicherheit und Vollbeschäftigung durchgesetzt haben. Mit Grünen wie Bsirske an der Spitze schließt Verdi ja sogar Tarifverträge mit Leihbuden ab. Damit equalpay wirkungsvoll unterlaufen werden kann. Mit Klaus Ernst ist die Linke für heutige Verhältnisse gut aufgestellt, Mit Heinz Klunker, Franz Steinkühler oder Heinz Oskar Vetter wäre Schröder nie Kanznichtler und die Hartz-Reformen nie umgesetzt worden.

Uwe Theel 03.01.2011 | 16:52

@ Mandelbrot am 03.01.2011 um 15:16

Sie werden verstehen, dass die Liberaldemokraten im Vereinigten Königreich mich nicht sehr überzeugen können, wie sie sich gerade von den Konservativen vorführen lassen, bzw. sich selbst zur Kenntlichkeit entstellen.

Es wäre verlockend Ihr Reden von Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit bei Ihen als "Phrasendrescherei" hinzustellen, aber ich würde Ihnen lieber einmal raten sich mit den o.a. näher zu befassen und sie nicht in der ideologischen Gestalt bürgerlicher Theorie nur zu sehen. Die Linkspartei in Ihren Aussagen dazu, wie traditionell linke Theorie überhaupt sind da durchaus inhalts- und substanzreicher, als Sie mit den von Ihnen verwendeten Stammtischparolen glauben belegen , bzw. abwehren zu können.

Wenn Sie glauben, dass Linke Politik die Dinge hieße, nur "alles" "von staatswegen" und nur "irgendwie" regeln zu wollen, über diese "Kritik" nicht hinauskommen, um dann selbst nur den Phrasendreschflegel - man kann es doch nicht anders nennen - in jedem Sinne zu schwingen, dann kann ich nur sagen, da gibt es nicht mehr viel Diskussionsspielraum.

Sie sind nicht zufällig bei der CDU/CSU/SPD/FDP/GRÜNEN-Partei?

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mandelbrot 03.01.2011 | 16:59

@ Uwe Theel

Ja die Liberal Democrats geben gerade keine gute Figur ab. Mir ging es aber eher um die allgemeine Philosophie und nicht das was die seit der Regierungsbeteiligung so verbrochen haben.

Gegen eine Partei mit "utopischen" Ideen und komplett neuen Ansätzen hätte ich gar nichts einzuwenden.
Nur die Linkspartei mit ihren wirren Misch-Masch aus Realos (die teilweise in den Ostbundesländern gut regiert haben), Ewig-Gestrigen, DDR-Verherrlichern, Kommunisten, Sozialisten, enttäuschten SPD-Anhängern, komplett-Abgehobenen und Dilletanten (siehe Abstimmung um den NRW Haushalt) nein das kann mich nicht überzeugen. Und da kann ich auch keine Perspektive oder Vision für das Land erkennen.

Uwe Theel 03.01.2011 | 17:02

@ sauweib am 03.01.2011 um 15:29

Sachte Sauweib, das Kind nicht mit dem Bade ausschütten: Ich habe im Dialog mit Mandelbrot die linke Grenze des bürgerlichen Lagers benannt.

Auch ich kenne noch die Zeiten von ÖTV, HBV oder DPG, stimme Ihrer Einschätzung bezüglich Heinz Klunker, Franz Steinkühler und Heinz Oskar Vetter zu. Auch ich weiß, dass die von mir genannten Einzelgewerkschaften des DGB heute nicht die Speerspitze der Revolution sind. Immerhin kenne ich sie aus meiner beruflichen Arbeit ganz gut, um keinen Grund zu haben, dort nicht Potential zu sehen, das an zu vielen anderen Stellen der gewerkschaftlich organisierten Arbeit längst zerfallen ist. Da brauche ich keine Belehrung.

Auch haben sie von mir kein Wort gegen Klaus Ernst oder die Linke gehört.

sg
ut

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mandelbrot 03.01.2011 | 17:10

@ Claudia

Das ist wieder dieses inhaltsleere bla-blubb- ja Sachzwänge sind was ganz Schlimmes und sie existieren nur in der neoliberalen Welt von Idioten wie mir nicht wahr?
Sachzwänge existieren auch für die Linkspartei wenn sie denn mal am regieren ist, braucht man nur nach Berlin zu schauen wo munter öffentliche Einrichtungen geschlossen und Personal im öffentlichen Dienst abgebaut wurde... alles mit der Linkspartei!

@ Uwe Theel
Ja das ist das Problem von ihnen, Claudia und auch von solchen Leuten wie den Betreibern der Nachdenkseiten. Wir sind nicht mehr in den 70ern und Mittel die damals funktioniert haben, tun das heute überwiegend nicht mehr. Wir leben in einer globaliesierten Welt (uuuuhhhhhh ich höre es schon aufschreien) mit all ihren Vor und Nachteilen.

Uwe Theel 03.01.2011 | 17:16

@ Mandelbrot am 03.01.2011 um 15:59

Gegen eine Partei mit "utopischen" Ideen und komplett neuen Ansätzen hätte ich gar nichts einzuwenden.

Nur zu dann formulieren Sie mal diese "utopischen Ideen und Ansätze".

Dann vergleichen wir sie mal mit dem was das bürgerliche Lager seit jeher anbietet und verwirklicht und mit dem, was als genuin links gelten kann, für die Erkennung von Letzterem sind Sie ja Fachmann.

Danach können Sie entscheiden, wo Sie künftig mindestens mal Ihre Kreuzchen setzen.

Meinen Sie, da gäbe es einen Fortschritt zu erwarten?

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mandelbrot 03.01.2011 | 17:27

@ Uwe Theel

Ich meine damit einen großen Wurf, der über die Tagespolitik hinausgeht. Ein komplett neues Steuersystem beispielsweise, radikal vereinfacht und gerechter.
Oder ein tragfähiges BGE-Modell, auch wenn ich davon nicht unbedingt ein Freund bin.
Oder eine Partei die für eine Neuordnung der demokratischen Strukturen eintritt (wie immer das auch aussehen mag).

Aber jetzt sind wir doch mal ehrlich: Die Linkspartei hat in Flügeln nen paar radikale Ideen die sich im wesentlichen darauf beschränken die Reichen zu enteignen und Konzerne zu verstaatlichen und man munkelt auch es soll eine Mauer geba... aber das ist nicht sicher.
Wenn sie an die Macht komme, gibts nen paar lauwarme Kompromisse (statt 20 € mehr Hartz, vielleicht 50€). Anhebung des Spitzensteuersatzes um nen Prozentpunkt. Das wars. Danach sind ihre Wähler noch frustrierter als vorher.

Brauch man dafür nee extra Partei? Ich glaube nicht.

Uwe Theel 03.01.2011 | 17:27

@ Mandelbrot schrieb am 03.01.2011 um 16:10

Wir leben in einer globaliesierten Welt (uuuuhhhhhh ich höre es schon aufschreien) mit all ihren Vor und Nachteilen.

Ich schreie nicht auf, aber ich kann Ihnen ganz ruhig sagen, dass ich im Gegensatz zu Ihnen weiß, wie "Globalisierung", was nichts weiter ist, als Kapitalakkumulation auf Weltmarktniveau - Marx hatte das nur als Entwicklung vorausgesehen -, funktioniert, bzw. nicht ewig funktionieren wird, während Sie allenfalls hoffen, dass dessen Ende Sie persönlich schon nicht erwischen wird, was sehr systemimmanent, aber eben auch sehr egoistisch gedacht ist, während Sie bis dahin z.B. hier mit Phrasen auftreten, die auch schon in den 70ern (sic!) und davor und wie man sieht immer noch reflexartig zum Vorschein kommen, wenn die geheime Macht des Marktes und dessen politisch-wirtschaftliche Organisation auch nur ansatzweise in Frage gestellt wird.

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mandelbrot 03.01.2011 | 17:33

@ Uwe Theel

Nö, nur wie Liebling muss ich hier auf den Sozialismus verweisen und feststellen: Es gibt keine wirklich guten Alternativen. Zudem wir ja auch beileibe nicht Kapitalismus pur haben, sondern eine soziale Marktwirtschaft mit einer im System enthaltenen enormen Umverteilung von Oben nach Unten.
Dieses System muss man weiter verbessern und austarieren. Es grundsätzlich in Frage zu stellen, macht keinen Sinn wenn man keine vernünftige Alternative hat.

Zur Globaliesierung: Mein Tipp ist, das wir in 20, 30 Jahren sobald das Öl immer knapper und teurer wird, nach und nach eine Umkehr dieses Prozesses erleben werden, dann wird es nämlich zu teuer sein Waren und Güter um die halbe Welt zu schicken.

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Ehemaliger Nutzer 03.01.2011 | 17:45

@ Mandelbrot

>>>Sie sind nicht zufällig Mitglied in der Linkspartei?

Zufällig wäre ich das nicht.

>>>Ansonsten wie gesagt, scheinen sie sich hier aus dem Zusammenhang gerissende historische Fakten zu einem seltsamen Weltbild zusammenzureimen.

Dass Ihnen mein Weltbild seltsam vorkommt, ist lediglich die Feststellung des relativen Abstandes zwischen unseren Positionen. Diese Differenz ist die Basis unserer Diskussion und von mir als selbstverständlich vorausgesetzt. Ihre Position kommt mir genauso seltsam vor. Wozu also Ihre Feststellung? Wollen Sie damit ausdrücken, dass Sie grundsätzlich in einer "richtigen, besseren" Position sind?

Wenn wir nun zu den Argumenten kommen könnten. Da sieht es bei Ihnen leider dürftig aus: >>>menschenverachtenen Argumente und Ansätze, Schande, menschenverachtene Diktatur, Ausgeburt eines perversen Systems, Joachim Gauck Biografie gelesen und ich habe geweint, desolaten Lage der Menschen in der DDR

Auf der Rednertribüne des anstehenden Dreikönigstreffens der FDP könnten Sie vielleicht etwas Beifall von der Hand bekommen, die sich gerade noch den Schaum (Wut oder Bier) von der Oberlippe wischte aber hier nenne ich das einfach einen Schmarren.

Ich lud Sie mit dem Konjunktiv "könnte" zur Diskussion ein. Sie sind mit meinen Argumenten nicht einverstanden, wovon ich ausgehe - sonst brauchte ich nicht mit Ihnen zu diskutieren. Sie könnten nun beispielsweise darstellen, warum Ihrer Meinung nach die "Mauer" gebaut wurde. Außer einigen abgenutzten Emotionalien bieten Sie aber nix.

Ich gebe Ihnen eine Chance: Nehmen wir mal an "menschenverachtend und pervers" seien wirklich Argumente, in dem Sinne dass diese die wesentlichen Voraussetzungen für den Mauerbau wären. Muss ich mir das dann so vorstellen, dass es bei Ulbricht und Honecker einen Ziel/ Status Abgleich gab, ob die "Mauer" ausreichend "pervers und menschenverachtend" ist. Wenn es subjektive Abweichungen gab, dann baute man eben noch eine Selbstschussanlage und ein Minenfeld? "Perversion und Menschenverachtung" als politisches Motiv lautet dann also Ihre Hypothese. Das ist nun wirklich sehr seltsam.

Im Vergleich zu den von mir verwendeten Argumenten der vielfach untersuchten Auswirkungen der Konferenzen in Jalta, Teheran, Potsdam; den Vergleichen zwischen den Reparationszahlungen der DDR und der BRD, den Flüchtlingszahlen, der wirtschaftlichen Schädigung der DDR durch die offenen Grenzen würde ich hier feststellen, dass Sie argumentativ in dieser Runde der Verlierer sind.

Sie sind es so sehr, dass ich mich nicht einmal darüber freuen kann.

claudia 03.01.2011 | 17:58

Die Linke sollte nach der Vorstellung von SPD/Grün die Nichtwähler, die sie in Westdeutschland als Wähler gewinnen konnte, wieder an die Gruppe der Nichtwähler verlieren. Darauf zielte schon der Wahlkrampf in NRW ab, und in Baden-Würrtemberg hat man natürlich das gleiche Ziel: Wenn die Linke unter 5 % liegt, haben die Agenda-2010-Parteien gewonnen. Die Unterwerfungserklärung zu fordern ist eine bewusste Provokation. Und die Anschlusspropaganda ist schon klar: Entweder die Linke ist als politische Kraft überflüssig, wenn sie um der Regierungsbeteiligung willen jeden Quatsch mit macht. Oder die Stuttgarter Mauerschützen und IM's sind böse, weil sie ihere Vergangenheit nicht abschwören. Es braucht nur wenige Dumme, die drauf rein fallen, um die 5 % zu unterschreiten. So das Kalkül.

Etwas anders sieht es wohl im Osten aus. Dort sollte die Linke als Mehrheitsbeschaffer für die SPD verfügbar sein, falls sie keine "GroKo" mit der CDU hinkriegt. In Thüringen hat sich das deutlich gezeigt. Die geforderte und gelieferte Unterwerfungsgeste änderte letztlich nichts daran, dass die SPD doch mit der CDU zusammen ging. Nur dass sich die Linke lächerlich gemacht hat.

Was die Haltung "Regieren um jeden Preis" hevorbringt, zeigt sich in Brandenburg: Im Frühjahr diesen Jahres lästerte Jürgen Trittin in einem TAZ-Interview: "In Brandenburg zeigt sich: Wenn die erst mal an der Regierung beteiligt sind machen sie nichts anders als wir". Dann braucht man sie ja inhaltlich nicht, eben nur als Mehrheitsbeschaffer.
Mitregieren um jeden Preis ist nicht ungefährlich. Die Linke könnte damit den Weg der Grünen gehen...

Die Linke sollte sich nicht davon abhalten lassen, ihre Debatte über den Programmentwurf öffentlich zu führen. Der enthält nämlich durchaus ein paar interessante Punkte.

Wer nimmt über dem ganzen inhaltlosen Getöse überhaupt noch zur Kenntnis, dass ein Programmentwurf existiert, den mal näher anzuschauen sich durchaus lohnen würde?

Interne Klärungsprozesse sind bei der Linken sehr nötig, aber das sind eben Dinge, mit denen die Partei selber klar kommen muss. Da kann sie sich nicht von den Agendaparteien und Mandelbrot beraten lassen.

Für wichtig halte ich, wie gesagt, den Programmentwurf und eine öffentliche Diskussion darüber. Denn dort gehts wirklich um die Wurst und nicht um die Pelle...

claudia 03.01.2011 | 18:07

>>Mein Tipp ist, das wir in 20, 30 Jahren sobald das Öl immer knapper und teurer wird, nach und nach eine Umkehr dieses Prozesses erleben werden, dann wird es nämlich zu teuer sein Waren und Güter um die halbe Welt zu schicken.
Eine Tunnelblickperspektive: "Machen wir einfach mal so weiter, bis das Öl sehr knapp und teuer geworden ist. Dann reguliert sich das schon ein.
Dass dann Öl nicht nur als Treibstoff, sondern auch als Heizöl und Chemierohstoff sehr teuer sein wird, damit setzen wir uns mal lieber nicht auseinander."

Immer nur ein Teilaspekt, so wie's gerade bequem ins Weltbild passt...

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mandelbrot 03.01.2011 | 18:14

@ Rapanui

Von der Fraktion der linken Gutmenschen höre ich doch auch ständig diese Begriffe zu Hartz 4. Da isses dann aber erlaubt oder wie? *rolleyes*
Ihre Argumentationslinie geht in etwa so "um die DDR vpr dem völligen Kollaps zu bewahren, musste die Mauer gebaut werden, um den Abfluss von Menschen zu stoppen."
So das sehen sie also als legitim an?

In Griechenland soll doch auch gerade eine Mauer gebaut werden, um den Zustrom von Wirtschaftsflüchtlingen zu stoppen. Ich gehe jede Wette ein, das sie dort so eine Maßnahme natürlich inhuman und menschenverachtend finden.

Die Stasi war dann natürlich auch nötig um den Laden irgendwie am laufen zu halten? Und der Schießbefehl war dann auch nur konsequent?

Wie sehen sie das mit der Judenvernichtung, die war für sie doch in der damaligen Lage von Deutschland vermutlich auch alternativlos?

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Ehemaliger Nutzer 03.01.2011 | 18:50

@ Mandelbrot schrieb am 03.01.2011 um 17:14

>>>Ihre Argumentationslinie geht in etwa so "um die DDR vor dem völligen Kollaps zu bewahren, musste die Mauer gebaut werden, um den Abfluss von Menschen zu stoppen."

Das ist insofern richtig als dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen der massenhaften Flucht von gut qualifizierten Menschen aus der DDR und den wirtschaftlichen Schwierigkeiten in der DDR gab.

Es insofern falsch, als dass es diesen Zusammenhang aus dem weltpolitischen und historischen Zusammenhang herausreißt. Die Nachkriegsordnung in Europa brauchte ein politisch stabiles Deutschland. Dies wurde durch die Flucht massiv gefährdet. Ein politisch instabiles Deutschland wäre eine permanente Kriegsgefahr gewesen. Das wollten alle Alliierten nicht.

Während die Haltung der Sowjetunion recht eindeutig war: Sie fand die Lösung "Mauer" im Konkreten äußerst fragwürdig, musste aber diese Entscheidung der DDR-Führung politisch unterstützen, zumal die positiven Auswirkungen auf die wirtschaftliche Lage der DDR sofort positiv waren, war die Haltung der westlichen Alliierten ambivalent.

Einerseits wussten sie, dass damit der Konkurrent Deutschland (vor allem für F und GB) niedergehalten wird und es keinen Krieg gibt, der ja ohne den Einsatz von Kernwaffen zur Besetzung Westeuropas durch sowjetische Truppen geführt hätte und mit KW zur Zerstörung Europas. Andererseits wussten Sie, dass dies die politische Bankrotterklärung der DDR-Führung war und arbeiteten vor allem propagandistisch und strategisch gegen die "Mauer". Die wirtschaftlichen Vorteile der "Mauer" nutzen Unternehmen wie IKEA, Quelle, Salamander, Moksel weiterhin gnadenlos aus und hielten sich DDR-Betriebe zu Mindestlöhnen. Erst als die Sowjetunion geschwächt war und die Nachkriegsordnung in Europa aus Gründen der Machtverschiebung neu geordnet werden konnte, wurde aus der Porpaganda ernst - was ja dann auch die westdeutsche Elite völlig überforderte.

Diese verifizierbare Analyse steht im Gegensatz zu Ihren Emotionalien. Es steht Ihnen frei, sich über die praktischen Folgen zu empören und wir sind auf dieser Ebene vielleicht gar nicht so weit voneinander entfernt, nur eben mit ganz unterschiedlicher Meinung zu den Ursachen und zu den Schlussfolgerungen. Oder bemerken Sie, dass ich die DDR "verherrliche"?

Nur Ihre Unterstellungen wie: >>>Die Stasi war dann natürlich auch nötig um den Laden irgendwie am laufen zu halten? Und der Schießbefehl war dann auch nur konsequent? oder Wie sehen sie das mit der Judenvernichtung, die war für sie doch in der damaligen Lage von Deutschland vermutlich auch alternativlos? zeugen davon, dass Sie keine sachlichen Argumente sondern ausschließlich Emotionen einsetzen.

Die meisten der deutschen Intellektuellen, die nach dem Krieg aus der Emigration nach Deutschland zurückkehrten gingen aus ihrer historischen Erfahrung heraus nicht nach Westdeutschland sondern nach Ostdeutschland. Leider erzählen Sie die Geschichte nur rückwärts, aus der Perspektive des für alle bekannten Ergebnisses. Da Sie sich diese Erzählung nicht selbst erarbeitet haben, ist es für mich die Perspektive des Besserwissers.

Aber Geschichte geht vorwärts, ist irreversibel. Damit sind wir wieder beim Ausgangspunkt des Blogs. Die "Distanzierung von der DDR" hat keinen politischen Sinn nach hinten, sondern nur nach vorn. Dieser Sinn erschließt sich schlicht und einfach: Ausschaltung des politischen Konkurrenten.

Uwe Theel 03.01.2011 | 19:08

@ Mandelbrot schrieb am 03.01.2011 um 17:02

"Welche interesanten Punkte soll denn die Programmdebatte enthalten? Die Diskussion darüber ob die neue Mauer 5 oder 8 Meter hoch sein soll? Ob die Stasi 2.0 dann auch Vorratsdatenspeicherung benutzen darf oder doch lieber auf die gute alte Wanze zurückgreift?"

Mit solchen Sätzen etlarven Sie sich endgültig als zwar nicht alter, sondern schlimmer, junger Kalter Krieger und mich dauert es, versucht zu haben, mit Ihnen in eine wirkliche Diskussion zu kommen.

Rapanui ist beizupflichten, Sie zielen nur auf Emotionen ab. Ich fasse es noch schärfer: Sie provozieren in destruktiver Absicht. In der politischen Geschichte nennt man solche Leute agents provocateurs

finis causa

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mandelbrot 03.01.2011 | 19:19

@ Rapanui

Warum Ausschaltung des politischen Gegners? Jetzt mal abseits aller Polemik: Die SPD stürzt sich doch nur drauf, weil sie weiß das sie damit die Linkspartei vor sich hertreiben kann.
Denn in der Linken gibt es halt schon Leute die haben keinen Bock drauf andauernd zu betonen, wie schlimm doch die DDR war- warum wohl?

Für einen echten Demokraten sollte es doch gar kein Problem sein sich zur FDGO zu bekennen? Die Linke könnte dem ganzen einfach den Wind aus den Segeln nehmen, indem sie sagt: "Ja die DDR war kacke." und fertig. So what? Schwächt sich die Linke damit? Ich glaube nicht das ein Großteil ihrer Wähler die DDR wiederhaben will. Die Linke schwächt sich eher damit, das sie dieses Bekenntnis in dieser Form nicht abgibt und immer wieder seltsamte Äußerungen abgibt das die DDR ja eigentlich ganz prima gewesen sei.

Zu ihren historischen Ausführungen: Nun, ich werde den Eindruck nicht los das sie die Geschichte zu ihren Gunsten auslegen. Mit derselben strigenten Argumentationsstruktur könnte man auch den Vietnam, den Golf und den Afghanistankrieg rechtfertigen, aber da wäre sie dann wiederum anderer Meinung. Es gibt in der Form keine historische Unausweichbarkeit von Ereignissen. Es gibt immer Menschen die sich in den Dienst des Systems stellen und ihm willig dienen und andere die sich ihm mutig widersetzen. Die ihm willig gedient haben, sitzen heute in der Linken und lachen sich ins Fäustchen. Widerlich.

Fro 03.01.2011 | 19:54

Hallo Uwe

Ich schrieb:

„Die Parteien müssen auf allgemeinwohldienlichen Kurs gebracht werden – dieLinke natürlich auch.“

DieLinke bringt sich gerade durch ihre Programmdebatte auf Kurs – und ich finde es sehr begrüßenswert, dass die gesamten Partei daran beteiligt ist – und die Diskussion öffentlich geführt wird. Interessant auch, dass hier das Verfahren der „Liquid Democracy“ angewandt wird. Das Programm wird am Ende eine Gemeinschaftsleistung der Partei sein. Ich bin gespannt auf das Ergebnis.

DieLinke praktiziert übrigens hier genau das, was ich als Bürger (Citoyen) in vielen Beiträgen hier seit einem Jahr von allen Parteien verlange. Innerparteiliche Demokratie und eine Öffnung nach Außen..

Deine Unterstellungen bezüglich meiner politischen Vorstellungen finde ich einfach absurd und vorsätzlich unfair – wäre mir sehr angenehm, wenn du dies in Zukunft einfach mal sein lassen könntest.

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Ehemaliger Nutzer 03.01.2011 | 20:03

@ Mandelbrot

>>>Nun, ich werde den Eindruck nicht los das sie die Geschichte zu ihren Gunsten auslegen

Was sind denn meine Gunsten?

Ich stelle Ihnen eine Alternative vor, die nicht die Gunsten der westdeutschen Parteien, westdeutschen Eliten und gesamtdeutschen Wiederkäuer berücksichtigt.

Meine Geschichte hat unbestreitbar den Vorteil, dass Sie neue Erkenntnisse und Fortschritt ermöglicht. Fortschritt aus einer Diskussion, die ihre Zeit hatte aber nun einer neuen weichen muss.

>>>Es gibt immer Menschen die sich in den Dienst des Systems stellen und ihm willig dienen und andere die sich ihm mutig widersetzen. Die ihm willig gedient haben, sitzen heute in der Linken und lachen sich ins Fäustchen. Widerlich.

Meinen Sie solche Beispiele: Tribüne zum 1. Mai 1989 in unserer Kreisstadt. Da steht der Vorsitzende der CDU des Kreises (damals und bis vor wenigen Jahren) und winkt gemeinsam mit dem ersten Sekretär der SED-Kreisleitung. Der diente willig und sitzt heute nicht in der Linken, sondern war der CDU-Landrat. Oder meinen Sie dieses Beispiel: Der Politoffizier der heute Gebietsdirektor einer großen deutschen Versicherung ist? Ist das widerlich?

Das ist gar nicht widerlich, das ist die Entscheidung und der Lernprozess von erwachsenen Menschen. Genauso wie bei der Linken. Sie aber sind ein Betonkopf. Sie verhalten sich genauso borniert, wie der Parteifunktionär, der dem Kind des Architekten, den Zugang zur EOS (für Sie: Gymnasium) verwehrte, weil sein Kind ein "bürgerliches" sei und prinzipiell lernunfähig.

Dieser Sozialkitsch, den Sie hier verbeiten, hat dann z.B. die Konsequenz, dass von 39 Richtern am OLG Thüringen in Jena nur ein genuin Ostdeutscher ist. 20 Jahre nach der Wende! Der Ossi ist prinzipiell kommunistisch infiziert. Das macht sich gut beim Kampf um die Posten. Geht aber genauso beim Kampf um die Landtagssitze in BaWü.

Halloween in Ostberlin



Halloween in Ostberlin

Komp. Silly
Text: Tamara Danz

Der Osten ist ne Reise wert,
den sollten sie besuchen.
Hier gibts noch ´n Stück
vom neuen deutschen Kuchen.
Die Rosinen sind schon weg,
das macht ihn etwas trocken.
Doch in mancher Treu-Hinter-Hand
klebt noch ein fetter Brocken.

Die Ossis, die sind lall und mall
vom Plunder und vom Fusel,
wenn die mal aus dem Koma sind,
kommt das kalte Gruseln.
Sie schlagen sich die Schädel ein
mit ihren Stasi-Akten,
derweil wir mitten auf dem Platz
die letzten Ferkel schlachten.

Halloween in Ostberlin,
hier schwofen die Gespenster.
Halloween in Ostberlin -
hier füllt man sich die Wänster.
Halloween in Ostberlin -
die schaurigsten Gestalten.
Halloween in Ostberlin -
gut drauf und wohlbehalten,
die Neuen und die Alten.

Dann räumen sie von ganz allein
die Buden und die Posten.
Und wir ziehn weiter mit Geheul
zum nächsten Fest gen Osten.
Da tobt auch schon die Klopperei
und wir, die guten Geister,
zieh denen auch das Hemd vom Arsch
nur flinker noch, und dreister.

Der Osten ist ´ne Reise wert,
den sollten sie besuchen.
Kein schöner Land hier weit und breit
zum zocken und zum spuken.

Halloween in Ostberlin ..........
Achtermann 03.01.2011 | 21:03

@ Mandelbrot

Aber darüber hinaus war die Verwendung des Wortes [Machtübernahme] nur ein unglücklicher Zufall!

Das ist eine billige Ausrede für die Weltöffentlichkeit. Dieser Begriff ist historisch und politisch derart eindeutig, dass es sich nicht um einen unglücklichen Unfall handeln kann, sondern ein Zeugnis eigener politischer Haltung darstellt. Ich rate Dir, mal reflektieren zu gehen, und zwar ausführlich. Vielleicht hilft's.

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Ehemaliger Nutzer 03.01.2011 | 21:21

@Uwe Theel schrieb am 03.01.2011 um 20:10

Das hört sich ja so an, als ob @ut dem Taxifahrer die eigene Adresse dann nicht mehr selbst transparent, verständlich machen kann.

Das geht mir nur bei meinem Lieblingsgriechen so, da gibt's schon zu begin Ouzo, zwischendurch Demestika weiss und dann nochmals Ouzo.

Aber in Berlin komme ich da auch ohne die mittlerweile auf vier Linien total eingestellte S-Bahn nach Hause, laufe "danach" gern und auch gerade (jetzt) in der Kälte. Da wird's im Kopf wieder etwas luftiger.

Uwe Theel 03.01.2011 | 22:53

@ Fro am 03.01.2011 um 18:54

Lieber Fro,

ich arbeite nicht mit dem Mittel der unbegründeten Unterstellung, wenn ich Dir vorhalte, dass ich nicht einverstanden bin, mit dem was Du schreibst.

Es ist nur etwas schwierig an Deine zugrundeliegenden Positionen heranzukommen:

Entweder Du listest Tugenden und Einstellungen auf, denen als solchen schlicht nicht zu widersprechen wäre, bleibst aber jeden Praxiszusammenhang im Jetzt schuldig, außer, wenn Du einen Politiker o.ä. dabei erwischst, dass er nicht entsprechend tugendhaft sei. Dann ist Deine Empörung als Citoyen groß, die Tiefe Deiner Analyse, wenn Du Sie dann überhaupt noch versuchst entspricht der Höhe Deiner Empörung aber praktisch nie.

Statt dessen bietest Du jede Menge formale Vorschläge - subsummiert unter dem Begriff liquid democracy, denen auch niemand widersprechen würde, alleine wie sie praktisch, mit welchen Inhalten umzusetzen wären, welche revolutionären Umbauten in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft nötig wären, davon redest Du auch nicht ansatzweise. Deine Forderungen stehen als moralische im Raum. Aus der form heraus entstehen aber nicht recht eigentlich Inhalte. Es ist eher umgekehrt: Gewisse Inhalte, die in ihren realen bedingungen erkannt sein müssen, verlangen bestimmte Formen ihrer Verwiklichung, bzw. Umwälzung.

So stellt sich mir Dein Ansatz, Deine Methode dar und da bleibt vieles diffus, wo ich meinte mehr Klarheit wäre möglich. Bis dahin kann ich Dich als romantischen Linken - ist nicht böse gemeint - begreifen, spreche aber ehrlicher von einer sozildemokratischen Position der bürgerlichen Art. Als solche kritisiere ich sie.

Es fällt einfach auf, dass Du DIE LINKE formal lobst, - hier z.B. für ihr Verfahren, das neue Programm zu erarbeiten - bisher aber nie Anlaß gefunden hast, Forderungen oder Analysen DER LINKEN zuzustimmen, die dort längst in analoger Weise gewonnen wurden. Das kann mich nicht davon überzeugen, dass Du DER LINKEN wirklich zugeneigt bist, hast Du doch das Gegenteil zu oft schon mehr oder weniger offen ausgesprochen.

lg
ut

Uwe Theel 04.01.2011 | 02:36

@ Fro am 04.01.2011 um 00:19

Na, dass mein Text an Dich gerichtet war, meine Einschätzung Deiner Arbeit in der FC wiedergab, das wirst Du doch wohl erkannt haben?

Wenn Du meinst, dass die nicht zutrifft, ist Dir das unbenommen, allerdings, wirst Du verstehen, dass ich die begründetet Idee haben kann, dass jemand mit vorgeblich konkreten politischen Ideen auch seine Solidarität oder irgendwie geartete Verbundenheit mit einer politischen Partei haben kann; in Deinem Fall tippte ich auf die Piratenpartei. Deine Art, wenn ich es richtig verstanden habe, quasi "neutrale" Kritik und "neutrales" Lob mehr oder weniger gleichmäßig ohne besondere Vorlieben und Abneigungen oder sonstiges Engagement gegenüber Parteien auszustreuen, erscheint mir - vorsichtig ausgedrückt - ungewöhnlich. Zudem, gestatte ich mir zu bemerken, ist schon beobachtbar, dass Du Dein Lob und Tadel bezüglich der Linkspartei z.B. schon recht zu Lasten des Lobes daherkommt, so jedenfalls mein Eindruck.

Versucht man mit Dir linke Politik en detail zu diskutieren, dann bleibst du auffällig zurückhaltend, ziehst Dich hinter pauschale Ablehnungsgründe zurück, die eigentlich nie zu diskutieren sind.

Sei`s drum.

mfg
ut

claudia 04.01.2011 | 06:32

Das merkt alleine schon am Schreibstil aber auch an den Positionen die ich vertrete.
>>Welche interesanten Punkte soll denn die Programmdebatte enthalten? Die Diskussion darüber ob die neue Mauer 5 oder 8 Meter hoch sein soll? Ob die Stasi 2.0 dann auch Vorratsdatenspeicherung benutzen darf oder doch lieber auf die gute alte Wanze zurückgreift?
Das ist schon Originalton "liebling", Mandelschreck.

>>Aber nur weil man die Linkspartei nicht feiert ist man ja gleich nen rechter Troll- schon klar.
Und das auch.
Was bedeutet nach Ihrer Auffassung denn "eine Partei feiern"? In Ihrem Kopf stellt es sich wohl so dar, dass vor dem Öffnen der Programmentwurfdateien das kleine Schwarze angelegt wird. Kerzenschein und Champagner?

Es ist schon öfter passiert, dass Sie die Maske des leicht beschränkten, aber ernsthaften Diskutanten fallen liessen und sich als Parolendrescher entpuppten

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mandelbrot 04.01.2011 | 06:59

@ Claudia

Ich bin nicht Sozenschreck oder Liebling oder wer auch immer. Ist mir latte ob sie mir das glauben oder nicht. Gibt halt auch andere Leute die die Linkspartei nicht mögen- auch wenn das anscheinend für sie schwer vorstellbar ist. Und ich vergesse nicht die Schandtaten der DDR, ich vergesse nicht was für Ewiggestrige in dieser Partei sind. Das hat nichts mit kaltem Krieg zu tun. Vernünftige Menschen sollten ihre Linken Ideen nicht von Leute vertreten lassen an deren Händen noch Blut klebt.

Inhaltlich vertrete ich nun auch andere Positionen, zum Beispiel bin ich Freund der SPD und Grünen was man von den oben genannten nicht sagen kann.

"Etwas feiern" ist Slang und heißt soviel wie "gut finden", "unterstützen" oder "auf einer Wellenlinie sein mit XYZ".

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mandelbrot 04.01.2011 | 07:15

@ Rapanui

"Ich stelle Ihnen eine Alternative vor, die nicht die Gunsten der westdeutschen Parteien, westdeutschen Eliten und gesamtdeutschen Wiederkäuer berücksichtigt. "

Nein sie stellen keine Alternative vor, sie stellen nur eine alternative Interpretation der Geschichte vor- das ist der Unterschied. Wir alle wissen das Geschichte von Siegern geschrieben wird, nur in diesem Fall hat mal das Gute über das Böse gesiegt. Sämtliche Interpretationen, Rechtfertigungsversuche und neue Ansätze die Geschichte zu betrachten sind zwar nett, aber wir sollten einfach bei den Fakten bleiben: Die DDR war ein Unrechtsstaat.

"Meinen Sie solche Beispiele: Tribüne zum 1. Mai 1989 in unserer Kreisstadt. Da steht der Vorsitzende der CDU des Kreises (damals und bis vor wenigen Jahren) und winkt gemeinsam mit dem ersten Sekretär der SED-Kreisleitung. Der diente willig und sitzt heute nicht in der Linken, sondern war der CDU-Landrat. Oder meinen Sie dieses Beispiel: Der Politoffizier der heute Gebietsdirektor einer großen deutschen Versicherung ist? Ist das widerlich? "

Natürlich ist das widerlich und man hätte da auch strenger durchgreifen müssen. Nichtsdestotrotz ist es halt eine andere Dimension wenn die Partei die für das enorme Unrecht in der DDR verantwortlich war, heute unter anderen Namen noch existiert. Das ist der Punkt, und alle möglichen Leute reden das gerne klein oder tun so als sei das kein Problem. Doch es ist ein Problem. Und es bleibt es auch.

"Das ist gar nicht widerlich, das ist die Entscheidung und der Lernprozess von erwachsenen Menschen. Genauso wie bei der Linken. Sie aber sind ein Betonkopf. Sie verhalten sich genauso borniert, wie der Parteifunktionär, der dem Kind des Architekten, den Zugang zur EOS (für Sie: Gymnasium) verwehrte, weil sein Kind ein "bürgerliches" sei und prinzipiell lernunfähig. "

Ich kann keinen Lernprozess erkennen, sonst würde die Linke mit Leuten die die DDR verherrlichen kurzen Prozess machen und sie aus der Partei werfen.

claudia 04.01.2011 | 08:25

>>Gibt halt auch andere Leute die die Linkspartei nicht mögen- auch wenn das anscheinend für sie schwer vorstellbar ist.
Da muss ich mir gar nichts vorstellen: Auch die derzeitige Regierung ist für ein paar Leute sehr vorteilhaft und die wären ja bescheuert, wenn sie etwas Anderes anstreben würden.

Welche Interessenlagen Sie vertreten, bringen Sie ja sehr deutlich zum Ausdruck. Dass Sie der Programmentwurf der Linken nicht interessiert, folgt daraus.
Ich frage mich einfach, warum Sie unfähig sind, das einfach so zu sagen und unter dem Zwang stehen, immer gleich auf den BILD-1960-Modus umzuschalten, sobald von der Linken die Rede ist.
Das wird ja Gründe haben...

M.O.I. 04.01.2011 | 09:08

á propos:

es gab so einige oppositionspolitiker von spd und grünen welche sich gegen ein bombodrom (truppenübungsplatz für manöver der bundeswehr/nato in der ruppiner heide) öffentlich ausgesprochen haben. es war wahlkampf. danach, in amt und würden...pustekuchen, dieses projekt wurde durch rot/grün und später schwarz/rot sogar noch offensiv vorangetrieben. das nenne ich mal politik mit rückgrat ;)
www.rbb-online.de/klartext/ueber_den_tag_hinaus/landespolitik_brandenburg/wahlkampfluegen_um.html
dank dem lokalen widerstand und deutscher verwaltungsgerichte hat es dann die mehrheit der deutschen volksvertreter doch irgendwann kapiert und dem vorhaben 2009 endgültig abgeschworen.
rot/grün war es welche deutsche soldaten nach jugoslawien und afghanistan schickte, aufgrund von lügen und/oder "falscher solidarität" (ich will da noch nicht mal von ressourcen reden) soviel zum thema >blut an den händen

schlussendlich bringt aber aufrechnen von opfern denselbigen nichts, ist auch nicht meine intention. es geht mir um das aufzeigen von schwarz-weiss-denkens und blockdenkens. ich kann es menschen nicht verdenken, welche opfer von psychischer oder physischer gewalt in der ddr geworden sind, dass sie nichts von der linkspartei hören wollen, geschweige sie wählen würden. trotzdem war aber objektiv betrachtet die ddr kein unrechtsstaat und die linkspartei ist keine verbrecherorganisation. menschen die anderen menschen unrecht zufügen gab es in der ddr und sie gibt es überall auf der welt. manche, ich denke sogar viel mehr, menschen sind halt böse, vor allem wenn sie über andere autoritär verfügen dürfen. diese menschen haben auch keine ideale bis auf ihr ego und richten ihre nase stets nach dem wind.

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mandelbrot 04.01.2011 | 09:29

@ Claudia

Klar, wer nicht FÜR die wirren Ideen der Linkspartei ist, muss ja zwangsläufig nen neoliberaler Kapitalist sein... ich hab auch nen Zylinder auf und rauche nee Zigarre während ich mit ihnen schreibe... außerdem lass ich meine Mitarbeiter für 4€ die Stunde in einer Zeitarbeitsfirma schuften *rolleyes*

Nein, selbstverständlich kann man auch Wirtschafs- und Gesellschaftsauffassungen jenseits der Phrasendrescherei der Linkspartei haben ohne das man gleich ein Ausbeuter ist und vom jetzigen System profitiert.
Anscheinend fällt ihnen das schwer zu akzeptieren.

Und ich sag ihnen eines: Ich halte sofort meine Klappe wenn die Linkspartei mal überzeugend mit der DDR abschließt und wenn nicht mehr in schöner Regelmäßigkeit Äußerungen zur DDR aus den Reihen kommen die dem 180° entgegenlaufen. Solange das passiert ist die Linke selber schuld.

claudia 04.01.2011 | 10:42

M.O.I.
>>...das nenne ich mal politik mit rückgrat ;)
Eben. Das Rückgrat, das heisst auf poltisch korrekt: Lobby. Und die ist immer die Gleiche.
Man muss ja nur mal schauen, von welchen Konzernen und Wirtschaftsverbänden SPD/CDU/CSU/FDP/Grün-Partei Geld nimmt.
Realisten sagen auch: Korruption.

Immer der Teil dieser Grossen Koaltion, der gerade "Opposition" spielt, mosert pro forma ein bisschen rum. Wenn sie wieder regieren, gehts immer nach dem Prinzip: "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern"
Das war 1969 auch schon so. Damals war ich SPD-Mitglied und weiss das.

@Mandelbrot:
Sie könnten sich, wenn Sie wollten, mal mit der deutschen Geschichte ab 1945 befassen. Dann könnte Einiges etwas klarer werden in Ihrem Kopfe. Mit Geschichtskenntnis kommt man nicht dazu, die DDR über den grünen Klee zu loben, davor müssen Sie keine Angst haben.
Die BRD verliert damit zwar auch an Glanz, aber das schadet nichts. Der Kalte-Kriegs-Staat war nicht für die Ewigkeit gebaut. Das hab ich Anfang der 60er sogar noch in der Schule gelernt: "Die Bundesrepublik Deutschland ist ein Provisorium".

---
Das Modell 'Axel Springers "DDR" (nur echt mit den Gänsefüsschen)' erklärt nichts. Das ist auch ein typisches Produkt des kalten Krieges, dessen "Reichspropagandaministerium" der Springerverlag war.

Aber darum geht es euch gar nicht.
Euer grosses Trauma ist die WASG. Ihr dachtet, die "Agenda 2010" ratzfatz unter Wahrung der Friedhofsruhe durchzuziehen.
Aber Einige machten nicht mit und liessen euren 'Seeheimer Kreis' allzu sichtbar nackt zurück. Plötzlich keine "SPD-Linken" mehr da, hinter denen ihr euch immer so trefflich verstecken konntet: Wie peinlich...
Gerhard Gazprom (geb. Schröder) tobte.

Davon hat sich die SPD bis heute nicht erholt und eiert mehr oder weniger hilflos rum.

Mit der PDS hattet ihr das Problem gar nicht, das ihr heute mit der Linken habt. Das weiss ich ja noch.
Das permanente Herunterbeten der alten Axel-Springer-Parolen habt ihr erst seit der Vereinigung WASG/PDS drauf.
Anders gesagt: Die WASG soll ihrer "DDR"-Vergangenheit abschwören.
Das erklärt die unkonkrete Verschwurbeltheit eurer Unterwerfungsforderungen.

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mandelbrot 04.01.2011 | 10:48

@ Claudia

Bitte hören sie doch auf mit ihrem IHR und WIR-Denken auf. Das nervt und ist einfach Bullshit. Damit werden sie auch mit Sicherheit nichts politisch verändern, jedenfalls nicht solange die Linke nicht 50% bei einer Wahl bekommt- also nie.

Die ehemaligen WASG Mitglieder müssten der DDR-Vergangenheit nicht abschwören wenn nicht wie zuletzt in NRW eben solche Mitglieder entsprechende verherrlichende Äußerungen gemacht hätten- völlig ohne Not niemand hat sie dazu gezwungen. Also so what? Schieben sie die Schuld nicht immer auf die anderen Parteien oder auf die Medien, sind sie wenigstens ab und zu mal selbstkritisch.

apatit 04.01.2011 | 10:55

Mandelbrot: " Ich halte sofort meine Klappe wenn die Linkspartei mal überzeugend mit der DDR abschließt ..."
Was bilden sie sich denn überhaupt ein, wer sind sie? Ein neuer " Rechthaber ", gut gelernt, besser nachgeplappert. Wollen sie den im Osten absprechen, dass man in der DDR auch eine Lebensleistung hatte, Freude, geliebt hat - auch eine super Kindheit, Eltern, die eben mit wenig auch ihre Kinder groß bekommen haben mit Liebe. Sind alle die auf DDR Uni`s, FH, Meisterschulen wahren - verblödet? Sie unterstellen, die so empfunden haben ( Feinde ) der FDGO zu sein? Wahrscheinlich können sie nicht anders mit 26 Jahren, wenn man einseitig liest bzw. "Freunde" hat und sich nur das rauspickt für die Sudelkanonade. Auch Sie können nicht festlegen, dass die Zeitrechnung 1989 beginnt. Die Menschen sind nicht so dumm, zu werten und zu verstehen. UND die bösen Frauen und Männer vom MfS waren eben nicht mit beim GV neben den Bett oder was man noch so den Leuten so einredet, ohne einzugestehen, dass es auch in dieser "Firma" Arschlöscher und Perverse gab! Hist. Gegebenheiten wollen sie nicht zur Kenntnis nehmen, wie Theel, Claudia, Rapanui usw. es versucht hat. Franz Josef Strauß kannte nur den "Fall Rot"... wie ist das bei ihnen?

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Ehemaliger Nutzer 04.01.2011 | 11:21

@ Mandelbrot

>>>Nein sie stellen keine Alternative vor, sie stellen nur eine alternative Interpretation der Geschichte vor- das ist der Unterschied.

Wortklauberei, das ist gar kein Unterschied. Von meiner Interpretation aus, wäre so eine Posse, wie die von Schmid politisch wirkungslos.

>>>Natürlich ist das widerlich und man hätte da auch strenger durchgreifen müssen.

Wer ist "man"? Hätte die Ost-CDU genau so einen politischen Druck wie seinerzeit die PDS bekommen, hätte der Kohl im März 1990 die Wahl nicht gewonnen. Ich versuche mir vorzustellen, was passiert wäre, wenn überall 1989/90 die CDU-Kreis-Vorsitzenden zurückgetreten wären. Es geht nicht darum, ob das gut oder schlecht ist, es geht um eine politische Analyse.

Nicht nur, dass es an den Hochschulen im Osten nur sehr wenige Professoren aus dem Osten gibt (unter 10%), genau das gleiche auf der Ebene der Gerichtsbarkeit, des gehobenen Dienstes in der öffentlichen Verwaltung - der Herr Mandelbrot geht jetzt auch ganz radikal gegen die Gebietsdirektoren der Versicherungen vor. Auf welcher Rechtsgrundlage Herr Mandelbrot?

>>>Ich kann keinen Lernprozess erkennen, sonst würde die Linke mit Leuten die die DDR verherrlichen kurzen Prozess machen und sie aus der Partei werfen

Die Linke betreibt genau so Zielgruppenmarketing wie die SPD. So wie die SPD versucht trotz einer immer konservativeren politischen Linie des Vorstandes das traditionelle linksreformerische Lager zu halten, so bemüht sich die Linke um das "konservative Ost Klientel". Oder auf der rechten Seite des politischen Spektrums versucht die CSU auch immer das "Rechtsradikale" Lager zu binden.

Solange die Kandidaten der Linken nicht in einem strafrechtlichen Verfahren die bürgerlichen Rechte aberkannt bekommen werden Sie daran nichts ändern können Und so hoffe ich, darin sind wir uns einig. Denn sonst würde ich Ihre fundamentalistischen Bemerkungen vom "strenger Durchgreifen" und "kurzen Prozess machen" als rechtsradikale politische Auffassungen jenseits der Demokratie kennzeichnen.

Während Sie hier dauernd mit Ihrer Argumenation die Ebene der analytischen politischen Diskussion in Richtung Wahlpropaganda verlassen und die Linke außerhalb des Rechtes stellen wollen, habe ich mich einer solchen negativen oder positiven Propaganda in Richtung einer Partei enthalten.

Jenseits dieser politischen Analyse können Sie sich doch entscheiden, wie Sie wollen - da wird Ihnen keiner reinreden. Das aber interessiert im Rahmen dieser Diskussion niemanden.

claudia 04.01.2011 | 12:11

>>...und hielten sich DDR-Betriebe zu Mindestlöhnen.
Wobei der "Dicounteffekt" in hohem Masse durch den unrealistischen Wechselkurs 1:5 zustande kam.
700 Mdn/Monat = 140 DM, und das mit gut ausgebildeten Facharbeitern: Das konnte kein westeuropäischer Staat unterbieten. Die Gewinnmargen waren enorm.
Das kann eventuell auch die "Alternativlosigkeit" der Agenda 2010 erklären: Die Rückkehr ins Paradies der Billigproduktion.

claudia 04.01.2011 | 13:28

>>Bitte hören sie doch auf mit ihrem IHR und WIR-Denken auf.
Die Grenze haben Sie gezogen, Mandelbrot. Mit ihren Äusserungen über "wirtschftliche Notwendigkeiten". Damit haben Sie klargestellt, dass ich seit der Kündigung durch den Insolvlnzverwalter der EMTEC Magnetics GmbH aus Ihrer Perspektive eben der Bimbo bin. Meine Qualifkation nur noch, wenn überhaupt, für ein paar lächerliche € verkaufen muss, für die diejenigen, denen Sie ihren Honig ums Maul schmieren, nicht mal den kleinen Finger krumm machen würden. Und dass es unabdingbar und für völlig ok ist, dass meine Rentenerwartung trotz 36 Beitragsjahren um 330 € gekürzt wurde, sodass Ihresgleichen mich bis zum Exitus als Billigzuverdienerin verfügbar hat.
Alles alternativlos dafür, dass es Ihnen und Ihresgleichen gut geht.
Es ist nicht meine Grenze, sondern Ihre Grenze.

@apatit:

1. Zustimmung

2. Von Strauss fällt mir noch ein anderer Spruch ein, der hier auch sehr gut passt:
"Rechts von uns darf es nur die Wand geben!"

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mandelbrot 04.01.2011 | 13:45

@ Claudia

Hab ich irgendwo gesagt das ich das okay finde? Selbstverständlich sollten Leute die lange Jahre Beiträge gezahlt haben bei Arbeitslosen und Rentenversicherung besser dastehen, als die die das nicht getan haben. Genauso wie es immer noch ein riesiger Skandal ist, das das zeugen von Kindern sich sowenig in der Rentenversicherung wiederspiegelt, bzw die Leute die das tun am Ende wesentlich schlechter darstehen als die Kinderlosen.

Zu der Firmeninsolvenz kann ich nichts sagen, ich kenne den konkreten Fall nicht. Unabhängig von ihrem Fall kann ich nur sagen: Firmeninsolvenzen gehören zu einer Marktwirtschaft dazu. Zu ihrem Fall kann ich allesdings wie gesagt nichts sagen.

Wem schmiere ich denn Honig ums Maul? Hab ich ich irgendwo gesagt das ich Ausbeuter und Banken unterstütze?

Nur weil man eben nicht an die reichlich naiven marktwirtschaftlichen Vorstellungen der Linken glaubt, heißt es noch lange nicht das man "neoliberal" ist und marktradikale Positionen vertritt. Es gibt auch noch eine ganze Menge Standpunkte dazwischen. Sie hingegen verfallen wie viele hier nur in dieses Blockdenken. Ja ich weiß mag jetzt lächerlich sein, das gerade ich das schreibe nach meinen Anfeindungen gegen die Linkspartei. Das Ding ist aber, und jeder weiß das auch, das meine Mauerbau und Stasi 2.0 Witze selbstverständlich nicht ernst gemeint sind. Ich habe eine durchaus differenzierte Wahrnehmung.
Bei ihnen kann man aber beispielhaft beobachten wie alles was die Linke sagt und macht reflexhaft abgenickt wird, und der Rest sind nur die bösen Hartz-Parteien "rolleyes". So werden sie auch keine politischen Ziele erreichen.

Die Grünen die ja auch von ihnen so stiefmütterlich behandelt werden (so soll die Linke nie werden, so hört man es immer wieder), haben nee Menge von ihren Kernforderungen erreicht und umgesetzt- so wie die Linke sich aufführt, wird sie das aber nie.

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Ehemaliger Nutzer 04.01.2011 | 14:25

@claudia: Ihre Verbitterung über die sozialen Folgen der Insolvent ihres Arbeitgebers ist menschlich verständlich. Aber es waren DDR-Bürger 1989/90 die diese Gesellschafts-Alternative "demokratisch" gewählt haben. Und wir Linke damals, in und außerhalb der SED/PDS, die davor damals schon gewarnt haben, haben es damals nicht verhindern können.
Aber verbitterung ist kein guter Begleiter in solchen Diskussionen.

claudia 04.01.2011 | 16:00

>>Hab ich irgendwo gesagt das ich das okay finde?
Schauen Sie sich Ihre "wirtschaftspolitischen" Kommentare an, Mandelbrot: Ihr Credo für die Agenda 2010 ist durchgängig.
Erst vorgestern schrieben Sie wieder mal, es sei schon klar, dass die Ausweitung der Leiharbeit zur Lohndrückerei führt, aber das müsse man eben in Kauf nehmen. Es geht schliesslich um "höhere Interessen", die Sie verteidigen.

Es geht letztlich nicht nur um die Agenda 2010, sondern um den die Heiligkeit des unbegrenzten Renditewachstums, für das die besitzende Klasse völlig zu Recht immer höhere Opfer von den Nichtbesitzenden fordere.

Lesen Sie mal Artikel 14 GG. Vielleicht sehen Sie dann, welche Grundlage für handfeste, bürgerkompatible Gesetze wir haben. Darauf können wir eine nachhaltige Verbesserung der Lebensqualität im Lande bauen. Wer das will, muss halt mal auf Grosspenden für die Partei verzichten und ein bisschen Hetze der Machtverteidigungspresse aushalten, so einfach ist das.

Dass Sie dem jeweiligen Gespächspartner Honig ums Maul zu schmieren versuchen, ändert nicht daran, dass Sie gleich danach wieder die Agendakeule rausholen. Ihrer Karriere wird das guttun, aber Sie können nicht erwarten, dass Sie diejenigen, die entweder selber betroffen sind oder bei Menschen, die etwas weiter denken können als Sie als Freunde gewinnen. Das haben Ihnen Andere auch schon gesagt.

Und dass Sie, um zum Thema dieses Blogs zurückzukehren blindlings gegen eine lobbyunabhängige Partei hetzen, ohne jemals irgendwelche Inhalte benennen zu können: Das schlägt ins gleiche Fach.
Wenn Sie Argumente hätten, dann wäre genau das Thema dieses Blogs die Gelegenheit gewesen, sie anzubringen. Sich jetzt auf einen Scherz hinauszureden, ist allzu billig. Ausser diesen "Scherzen" ist Ihnen ja bislang noch nichts eingefallen.

Selbstverständlich werbe ich in der Linken dafür, sich nicht zum willenlosen Werkzeug der Agendaparteien machen zu lassen.
Daran werden Sie mit ihren schnodderigen Parolen nicht ändern.
>>So werden sie auch keine politischen Ziele erreichen.
Die Ziele Lobbyblockflöten SPD/FDP/CDU/Grün/CSU sind bekannt. Sie haben alle schon regiert und gezeigt, was sie drauf haben. Die Ergebnisse sehen und erleben wir.
Hoffen Sie langfristig nicht auf die Depression der Wähler. Es braucht Zeit, Geduld und Mühe, die Resigination des Volkes zu überwinden, aber es ist möglich.

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@ armer Berliner:
Es wäre unredlich, der DDR-Bevölkerung die Schuld für die Verhältnisse in der BRD in die Schuhe zu schieben. Sowas liegt mir fern.
Der Streik in Bischofferode hat ja gezeigt, dass die Leute von Kohls "blühenden Landschaften" völlig unvorbeitet überrollt wurden. Was da zum Blühen kam, wurde der Mehrheit wohl zu spät klar.
Die Agenda 2010 hat direkt den blühenden Kohl angeschlossen: Sie war die Weiterentwicklung und Konsolidierung der Armutspolitik.

Ich war im Herbst 1989 in DDR und habe durchaus mitbekommen, dass das Ziel damals nicht war, die DDR den BRD-Renditejägern in den Rachen zu schmeissen. Ihr habt Euch überrumpeln lassen, aber ich halte Euch zugute, dass ihr die subtilen Verarschungsmethoden der BRD-Obrigkeit nicht gewöhnt wart.

Man kann daraus eine Menge lernen.

liebe Grüsse von einer armen Müncherin

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mandelbrot 04.01.2011 | 16:22

@ Claudia

"Und dass Sie, um zum Thema dieses Blogs zurückzukehren blindlings gegen eine lobbyunabhängige Partei hetzen, ohne jemals irgendwelche Inhalte benennen zu können"

Schwerer Denkfehler, die Linke ist natürlich eine Lobby-Partei und zwar die der Ärmeren und Schlechtverdienenden. Vielleicht ist das moralisch sogar besser, als die Partei der Gutverdienenden wie die FDP zu sein.
Sollte die Linke mal mitregieren, wird es sich aber genauso niederschlagen, es wird Lobbypolitik für diese Gruppe gemacht, zu Lasten von anderen Teilen der Bevölkerung- und da es nach wie vor so etwas wie die von ihnen verteufelten Sachzwänge gibt, wird das hauptsächlich auf Lasten der Mittelschicht gehen, da gibt nämlich mit relativ einfachen Mitteln am meisten zu holen.
Ich gestehe der Linken zu, das in dem großen besseren Gesellschaftsmodell das sie anstrebt, es dann allen besser geht und alles gerecht verteilt ist. Die Massnahmen die sie konkrekt anstrebt, werden aber erstmal reine Lobbypolitik sein- für eine Gruppe zu Lasten einer anderen. In diesem Sinne ist sie nicht besser als jede andere Partei.

"Es geht letztlich nicht nur um die Agenda 2010, sondern um den die Heiligkeit des unbegrenzten Renditewachstums, für das die besitzende Klasse völlig zu Recht immer höhere Opfer von den Nichtbesitzenden fordere. "

Schön, das sind solche vagen Aussagen... unser ganzes Wirtschaftssystem ist nun mal auf Wachstum ausgelegt, selbst die Linke widerspricht dieser Doktrin im wesentlichen nicht... im Gegenteil sie zieht die enormen Produktivitätszuwächse heran, um zu argumentieren das der demografische Wandel kein Problem ist...
Mit solchen vagen Aussagen kann ich nichts anfangen.

"Schauen Sie sich Ihre "wirtschaftspolitischen" Kommentare an, Mandelbrot: Ihr Credo für die Agenda 2010 ist durchgängig.
Erst vorgestern schrieben Sie wieder mal, es sei schon klar, dass die Ausweitung der Leiharbeit zur Lohndrückerei führt, aber das müsse man eben in Kauf nehmen. Es geht schliesslich um "höhere Interessen", die Sie verteidigen."

Nö, ich gehe da ganz pragmatisch ran:

Wir schauen mal: Leiharbeit...
+hat positive Effekte auf dem Arbeitsmarkt gebracht
-hat Stammbelegschaften unter Druck gesetzt und die Löhne gedrückt

In den Worten von Lenin: "Was tun?"

Claudia *geifer* "Leiharbeit verbieten!!!!!!!!!!!!!!!!!" *Schaum vorm Mund*

Mandelbrot: Die negativen Effekte der Leiharbeit beseitigen durch einen Mindestlohn oder Equal pay aber die positiven Effekte die es unbestreitbar gegeben hat, durch nicht zu strenge Regelungen oder gar Verbote nicht unterdrücken.

Welcher Ansatz ist wohl vernünftiger?

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Ehemaliger Nutzer 04.01.2011 | 16:40

Damals haben rd. 11,5 Millionen Ostdeutsche eine
Ich bin gebürtiger Potsdamer und habe damals in berlin gearbeitet und Wahlkampf für die ersten VK-Wahlen gemacht. leider ist es so: Der DDR-Bürger wollte in überwiegender Mehrzahl die BRD 1:1 haben. Sicherlich fehlten ihm die eigenen Erfahrungen über inneren Funktiosnweisen der BRD. Es gab auch damals die Möglichkeit anders zu abzustimmen. So gesehen, sind die Menschen für ihr handeln und das Ergebnis selber verantwortlich gewesen und nicht das Objekt "fremder" Kräfte aus dem Westen.
Je weiter sie von Berlin weg waren, um so deutlicher wurde das Credo der Menschen für die "Allianz für Deutschland". Das belegen die Wahlergebnisse klar und deutlich.
Schon damals ging ein tiefer Riss durch die Ostdeutschen, sogar geografisch nachweisbar: Während in Berlin, wo ein Großteil der ostdeutschen Eliten damals wohnte und arbeitete, fast 2 Drittel der Wähler für SPD (34,9 %) und PDS (30,2 %) stimmten, drehte sich dieses Verhältnis immer weiter, je weiter man sich von Berlin entfernte. Im Süden feierte die CDU-Ost damals triumphale Wahlsiege, mit absoluten Mehrheiten. Die Bezirke Dresden (45%) und Erfurt(56,3%) Gera (48,9 %) und Suhl (50,6 %) waren "Einheitsländer".
Diese Menschen wollten die Wohlstands- und Kosnumgesellschaft haben, auch wenn sie das Ergebnis von "BRD-Renditejägern" war. Und deshalb haben sie auch kein falsches Mitgefühl verdient, sondern den Anspruch, an ihren Verhältnissen selber etwas zu ändern. Dazu haben sie in dieser Gesellschaft weit mehr Gelegenheiten als in der miffigen DDR.

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Ehemaliger Nutzer 04.01.2011 | 16:47

@Mandelbrot:
"die Linke ist natürlich eine Lobby-Partei und zwar die der Ärmeren und Schlechtverdienenden."

Ergänzend aus Berlin kann ich dazu sagen: Es hat sich da tatsächlich ein eigener, sehr gut verdiendender Industriekomplex gebildet: Arbeitsförderbetriebe und Bildungsträger auf dem ÖBS, Dienstleister für Behinderten u.a. Mobilitätseingeschränkte usw usf.

Den Unterschied zur FDP hat mir ein Bundestags-Abgeordneter der Linken mal sehr plastisch beschrieben: Der FDP-Abgeordnete bringt von seinen Lobby-Vorträgen und Auftritten in der Regel eine dicke Spende mit. Der Linke wird in der Regel um Spenden gebeten, wenn er irgendwo auftritt.

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Ehemaliger Nutzer 04.01.2011 | 16:51

@claudia
"Der Streik in Bischofferode hat ja gezeigt, dass die Leute von Kohls "blühenden Landschaften" völlig unvorbeitet überrollt wurden. Was da zum Blühen kam, wurde der Mehrheit wohl zu spät klar."

Ich verstehe den Menschen als selbstbestimmtes Wesen, nicht als ferngesteuert. Auch die Streikenden in Bischofferode wollten den Westen so wie er ist. Aber sie wollten die Arbeitsplatzsicherheit aus der alten DDR noch dazu. Und das geht dann wirklich nicht. Auch für die Streikenden in Bischofferode gilt, dass man sich nicht nur die Rosinen nehmen kann.

claudia 04.01.2011 | 18:33

>>Schwerer Denkfehler, die Linke ist natürlich eine Lobby-Partei und zwar die der Ärmeren und Schlechtverdienenden.
Und jeder Bürger, der seinen Job verloren hat schiebt der Linken dicke Spenden und deren Abgeordneten hochdotierte Beraterverträge rüber. Und weil das mittlerweile einige Millionen Leute sind, kommt da viel mehr zusammen als die anderen Parteien jemals von Allianz AG, BMW AG, Daimler-Bonz AG usw. an Lobbykohle zusammen kratzen können.

So stellt sich klein Mandelbrötchen das vor :-)

Die Realität ist zwar ein bisschen anders, aber darauf kommt es ja nicht an...

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Apropos Geld: Vielleicht hat die Baden-Württemberg-SPD die gleiche Werbeagentur unter Vertrag wie NRW-SPD?
Das könnte doch eventuell die exakte Wiederholung des Wahlkrampfgetöses doch erklären?

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@armer berliner:
>>Ich verstehe den Menschen als selbstbestimmtes Wesen, nicht als ferngesteuert.
Ich auch. Man muss sich das aber bewusst machen und nicht auf Leimruten locken lassen.
>>Man kann daraus eine Menge lernen.
Das meine ich schon so wie es da steht.

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krem-browning 04.01.2011 | 23:22

Wissen Sie was, nehmen Sie sich den ersehnten Punkt und kleben Sie ihn auf Ihr stramm stehenden Schwanz... gel?

Es handelt sich um menschliche Schicksale, um Verzweiflung, um grobe und erbarmungslose Verletzung von Menschenrechten, um Zerstörung von menschlicher Würde... und Sie versuchen hier ein Spielchen durchzuziehen, wer im Streit am besten punktet?

Es leuchtet mir nicht ein, wozu ich mit Ihnen überhaupt diskutieren sollte... bewerben Sie sich beim Parlament, denen geht es auch nur darum, wer sich gegen wen durchsetzt und wer bei welchem Spielchen am besten punktet... und nicht vergessen, den strammen Schwanz mitzunehmen und in jeder Debatte als ausschlaggebenden Argument einzusetzen.

claudia 05.01.2011 | 10:43

Noch mal zurück zum Thema.
Der Rummel um "Linke=DDR 2.0" vor Wahlen erinnert sehr an die Kampagnen gegen die Grünen Anfang der 80er Jahre. Und an das CDU-Plakat der 50er: "Alle Wege des Sozialismus führen nach Moskau!"
Beim Letzten war ich noch Kind und konnte die Produkte „CDU“ „HB“ „SPD“ „Coca Cola“ und „FDP“, die auf den Litfasssäulen plakatiert wurden kaum unterscheiden.
Später stellte ich fest: Die Mehrheit der Erwachsenen kann es eigentlich auch nicht. Sie orientieren sich an einem Produktimage, das von den Werbeagenturen generiert wird. In den 50er Jahren war es das Produkt „Wirtschaftswundermann Ludwig Erhard“, das die höchsten Imagewerte erzielte, später war es das Produkt „Willy Brandt“. Und so weiter.
Konkrete Produkteigenschaften herauszustellen hiesse beim Produkt Partei: konkrete Regierungsziele gegeneinander zu stellen. Das wird in „Wahlkämpfen“ sorgfältig vermieden, denn es wäre allzu entlarvend.

Wie kann daraus der „DDR“-Hype akuter Wahlkrämpfe erklärt werden?
SPD/Grün hätte eine gute Chance, an die fette Pfründe (mehr Spenden von Konzernen und Wirtschaftsverbänden und lukrative „Beraterverträge“) des Regierens zurückzukehren, wenn die Linke unter 5 % bliebe. Das war schon das erklärte Ziel vor der NRW-Wahl und das gleiche Ziel haben sie auch in Baden Württemberg.
Deswegen versuchen sie, der Linken das Produktimage „DDR 2.0“ anzuhängen.
Im Grunde ist es ein Aufruf an die Wähler der Linken, wieder zur Partei der Nichtwähler zurückzukehren.

Gehen wir mal zurück zum Ergebnis der hessischen Landtagswahl 2009:
Der Versuch, eine Koalition SPD/Grün/Linke auf den Weg zu bringen, wurde vom Bundesvorstand der SPD aus torpediert. Man hat lieber die Landesvorsitzende geopfert als die Koalition zuzulassen.
Seitdem ist das Parteilinie.
Es war nicht die Linke, die die Grenze gezogen hat. Und es war nicht die Linke, die den "Crossover"-Versuch und das „Institut Sozialistische Moderne“ für tot erklärte.

Man kann weiter zurückgehen in der Geschichte der SPD: In den späten 60er Jahren der Kampf des Parteivorstandes gegen den SDS. In den frühen 70er Jahren der parteiinterne Kampf gegen die Juso. Es gab immer Einige, die anpassten und die Parteikarriere in den Vordergrund stellten, wie z.B. das damalige Juso-Mitglied Gerhard Schröder. Andere versuchten, ausserhalb der SPD weiter zu machen.
Man könnte auch bis 1919 oder bis 1914 zurückgehen. Es ist eine durchgängige Linie erkennbar.

Uwe Theel 05.01.2011 | 13:57

@ claudia am 05.01.2011 um 09:11

Sehr schön Claudia,

für den Anfang würde es schon reichen, wenn Leute wie Mandelbrot nur einmal diese Passage aus dem Lötzsch-Aufsatzes läsen,

Wenn Kommunismus das Gemeinschaftliche betont und der Liberalismus den einzelnen, dann wollte Rosa Luxemburg beides zugleich – höchstmögliche Gemeinschaftlichkeit bei der Kontrolle darüber, daß Eigentum und Macht im Interesse aller gebraucht werden, und größtmögliche Freiheit individueller Entfaltung, radikaler Kritik und Öffentlichkeit. Eine Gesellschaft ohne Freiheit wäre für sie nur ein neues Gefängnis gewesen, so wie ihr eine Gesellschaft ohne Gleichheit immer nur eine Ausbeutergesellschaft war. Sie forderte die Herrschaft des Volkes über Wirtschaft und Gesellschaft genauso ein wie die Freiheit des Andersdenkenden. Sie war radikale demokratische Sozialistin und konsequente sozialistische Demokratin. Deswegen konnte der sowjetische Parteikommunismus sich am Ende genausowenig mit ihr versöhnen wie der bürgerliche Liberalismus. Beide wurden durch sie provoziert und lehnten sie letztlich ab. Und genau deswegen ist sie für die Partei Die Linke eine der wichtigsten Bezugspersonen in der Geschichte der Arbeiterbewegung.

je wenn, ja wenn Sie denn guten Willens wären, den Andersdenkenden zu verstehen und nicht nur ignorante agents provocateurs ("ich würde ja gerne, aber ....") der durchschaubarsten Art tatsächlich wären.