Vom Maidan ins Mittelalter

Massenpanik In der Ukraine wehren sich aufgebrachte Bürger mit Straßenblockaden gegen die Unterbringung von aus China Evakuierten, bei denen es keine Symptome des Coronavirus gibt
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In diesen Tagen wird in der Ukraine das 6. Jubiläum des Maidan, der "Revolutionder Würde", gefeiert. Aber die Mitmenschlichkeit ist seit dieser Revolution weniger geworden.
Es ist kaum zu fassen: In westukrainischen Gebiet Ternopil und im zentralukrainischen Gebiet Poltawa gibt es Straßenblockaden von aufgebrachten Ukrainern, die nicht wollen, dass aus China ausgeflogene Ukrainer ohne Symptome des Coronavirus in Sanatorien zur Quarantäne untergebracht werden.
Im Ternopil-Gebiet wurden - wie zu Maidan-Zeiten - Autoreifen auf Straßen aufgeschichtet. Im Poltawa-Gebiet, wo die aus China Evakuierten in einem Sanatorium der Nationalgarde untergebracht werden sollen, kämpft die Polizei jetzt die Straße gegen Blockierer frei. Auch gepanzerte Polizei-Transporter sind im Einsatz (Fotos).
Der ukrainische Journalist, Andriy Manchuk, erinnert sich, dass es nach der Tschernobyl-Katastrophe noch anders war. "Meine Großmutter hat auf dem KiewerBahnhof zufällig eine Frau kennengelernt, die ihr angeboten hat, unsere ganze Familie - außer meinem Vater, der bei der Beseitigung der Katastrophe arbeitete - im Ort Noviy Buh aufzunehmen.
Die kollektiven sozialen Bindungen" - so schreibt Manschuk im linken, ukrainischen Internet-Portal Liva.com.ua - "sind in den letzten 30 Jahren zerbrochen. Und das Wort "Solidarität" riecht für die Ukrainer verdächtig nach den offiziell verbotenen "Sowka" (sowjetische Alltags-Sitten, U.H.). Jeder kümmert sich jetzt nur noch um sich selbst und die eigenen Landsleute werden für die Patrioten zu Feinden, gegen die man mit allen Mitteln kämpfen kann, bis hin zu Straßenbarrikaden. Am Anfang waren es Menschen im Donbass, die man als rückständig bezeichnet hat, jetzt sind es die aus China Evakuierten und Morgen kann die Aggression sich gegen jeden Anderen richten, wenn eine vor Angst verrückte Masse Jemanden aus irgendwelchen Gründen für einen gefährlichen Fremden hält."

19:47 20.02.2020
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