High sein heißt frei sein

Hanf Der Bundestag hat Cannabis als Medikament freigegeben. Dass dieser Schritt so lange gedauert hat, ist auch der verfehlten deutschen Drogenpolitik geschuldet
Ausgabe 04/2017
Bald auch aus staatlich kontrolliertem Anbau
Bald auch aus staatlich kontrolliertem Anbau

Foto: David McNew/Getty Images

Cannabis wirkt entzündungshemmend, lindert Schmerzen und entspannt. Therapeutisch wird es bei unterschiedlichsten Indikationen eingesetzt, weil es ähnlich wie Opiate chronische Schmerzzustände mildert, aber weniger Nebenwirkungen hat. Doch obwohl die Hanfpflanze seit Jahrtausenden als Heilmittel geschätzt und heutzutage in vielen Ländern medizinisch angewendet wird, hat es in Deutschland Jahrzehnte gedauert, bis sie überhaupt als Schmerzmittel anerkannt worden ist. Nun beschloss der Bundestag vergangene Woche, dass das Medikament, das sich bislang nur Wohlhabende leisten konnten, allen Patienten zur Verfügung stehen soll, wenn andere Mittel versagen. Die Krankenkassen müssen hierfür künftig die Kosten übernehmen. Eine staatliche Cannabis-Agentur soll den Anbau und Vertrieb des Medizinhanfs koordinieren und kontrollieren.

Damit ist einer der vielen Skandale, die die Zweiklassenmedizin hervorbringt, endlich beendet. Patienten, für die Cannabis nicht erschwinglich war und die die Pflanze in Eigenregie produziert oder konsumiert haben wie beispielsweise der dafür strafrechtlich belangte Andreas Butzmann, müssen sich nun nicht mehr strafbar machen. Zwar ist der Eigenanbau auch weiterhin verboten, doch Ärzte können Cannabis nun in Form von Tabletten oder Tropfen und ohne Sondergenehmigung verschreiben.

Dass überhaupt so viele Patienten so lange leiden und ihre Ersparnisse aufbrauchen mussten oder gar in der Zone der Illegalität gelandet sind, ist Folge einer rigiden und verfehlten Drogenpolitik, die mittels Strafrecht versucht, der Sucht Herr zu werden. Deshalb bestand hierzulande auch wenig Interesse an der Erforschung von Cannabis. Dabei, darauf hat der ehemalige Präsident der Berliner Ärztekammer Ellis Huber schon vor über 30 Jahren aufmerksam gemacht, „ist der kultivierte Umgang mit Suchtstoffen eine Bildungsaufgabe“, die nicht mit Polizeiknüppeln vermittelt werden kann.

Doch dieser Bildungsaufgabe will sich auch die aktuelle Bundesregierung nicht stellen. Marlene Mortler, ihre bestellte Drogenbeauftragte, machte unmissverständlich klar, dass die Zulassung von Cannabis als Therapie nicht als Einstieg in die Legalisierung von Marihuana oder anderen weichen Drogen zu verstehen sei.

Mit dem Freitag durchs Jahr!

12 Monate lesen, nur 9 bezahlen

Geschrieben von

Ulrike Baureithel

Redakteurin „Politik“ (Freie Mitarbeiterin)

Ulrike Baureithel studierte nach ihrer Berufsausbildung Literaturwissenschaft, Geschichte und Soziologie und arbeitete während des Studiums bereits journalistisch. 1990 kam sie nach Berlin zur Volkszeitung, war im November 1990 Mitbegründerin des Freitag und langjährige Redakteurin in verschiedenen Ressorts. Seit 2009 schreibt sie dort als thematische Allrounderin, zuletzt vor allem zuständig für das Pandemiegeschehen. Sie ist außerdem Buchautorin, Lektorin und seit 1997 Lehrbeauftragte am Institut für deutsche Literatur der Humboldt Universität zu Berlin.

Ulrike Baureithel

Wissen, wie sich die Welt verändert. Testen Sie den Freitag in Ihrem bevorzugten Format — kostenlos.

Print

Die wichtigsten Seiten zum Weltgeschehen auf Papier: Holen Sie sich den Freitag jede Woche nach Hause.

Jetzt sichern

Digital

Ohne Limits auf dem Gerät Ihrer Wahl: Entdecken Sie Freitag+ auf unserer Website und lesen Sie jede Ausgabe als E-Paper.

Jetzt sichern

Dieser Artikel ist für Sie kostenlos. Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag abonnieren und dabei mithelfen, eine vielfältige Medienlandschaft zu erhalten. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Jetzt kostenlos testen

Was ist Ihre Meinung?
Diskutieren Sie mit.

Kommentare einblenden