Ulrike Baureithel
Ausgabe 3914 | 29.09.2014 | 06:00 41

Lebensschützer und Dreikindfamilien

Frauensache Seit dem Erfolg bei den Landtagswahlen wird klar: Homophobe Tendenzen und erzkonservative Ansichten in der Familienpolitik werden immer mehr zum Leitbild in der AfD

Lebensschützer und Dreikindfamilien

Illustration: Otto für der Freitag

Spätestens seit Frauke Petry im sächsischen Wahlkampf die Dreikindfamilie als Leitbild ausgerufen hat, ist klar geworden, in welcher Ecke sich die AfD im familienpolitischen Spektrum positioniert. Zwar präsentiert sich die Anti-Euro-Partei nicht offen frauen- und schwulenfeindlich, doch die Invektive gegen „gesellschaftspolitische Umerziehungsmaßnahmen wie Gender Mainstreaming“, die Positionierung gegen die Frauenquote und die Ablehnung sexualpolitischer Aufklärungskampagnen zeigen, wohin die Reise geht. Die homophobe Tendenz wird unterstrichen durch abfällige Bemerkungen über das Coming-out von Fußballspielern oder die Disziplinierung einzelner, sich eher schwulenfreundlich gebender Landesverbände. „Homosexualität darf kein Leitbild sein für eine Gesellschaft, die Bestand und Zukunft haben will“, postuliert der hessische AfD-Promi Wolfgang Hübner.

Der Soziologe Andreas Kemper hat im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung die geschlechterpolitischen Positionen der AfD bereits anlässlich der Europawahlen untersucht. Nach der Analyse der Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg, die die inhaltlichen Gewichte verschoben haben, sieht sich Kemper nun in seinen Befürchtungen bestätigt. In Sachen Abtreibungsrecht verbündet sich die AfD mittlerweile mit den ultrakonservativen Christen, die am vergangenen Samstag ihren alljährlichen „Marsch für das Leben“ veranstalteten. Und die erzkonservative EU-Parlamentarierin Beatrix von Storch organisiert Kampagnen für den Familienschutz mit dem Ziel, die EU-Genderpolitik zu sabotieren.

Die Kritik am „Genderismus“ könnte, sagt Kemper, zu einem Markenzeichen der Partei avancieren. Und sie liefert der feministischen und genderaktivistischen Bewegung ein neues Feindbild, wie auf einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin im Vorfeld des „Marsches“ deutlich wurde. Es ist, als ob die alten Lager des Abtreibungsstreits der 70er Jahre wieder auferstehen würden.

Doch die Welt ist komplizierter geworden, das Recht auf selbstbestimmte Abtreibung wird beispielsweise konterkariert vom eingeklagten Konsumentenrecht auf alles, was der Reproduktionsmarkt hergibt. Dazu gilt es kritische Positionen zu entwickeln – und diese können einen unversehens ins Lager der „Lebensschützer“ katapultieren. Differenzierte Aufklärung ist ein schwieriges Unternehmen, schwieriger jedenfalls, als eine Gegendemo zu organisieren und in die Falle zu tappen, die die AfD aufstellt.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 39/14.

Kommentare (41)

Magda 29.09.2014 | 10:52

Schade, ich war bei der FES-Veranstaltung verhindert. Es ist im Moment - nicht nur bei der AfD - sondern über fast europaweit ein Anti-Gender-Gehampel, dass einem Angst und Bange werden kann.

Differenzierte Aufklärung ist ein schwieriges Unternehmen, schwieriger jedenfalls, als eine Gegendemo zu organisieren und in die Falle zu tappen, die die AfD aufstellt.

Das ist mir nicht ganz klar. Aufklärung ja, aber wieso tappt eine Gegendemo in die Falle der AfD?

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Ehemaliger Nutzer 29.09.2014 | 13:36

Manche Sachen kommen mir arg verquer vor.

Wer sich mit der AfD ernsthaft politisch auseinandersetzen will, soll das aus meiner Sicht anhand offizieller Programme und Aussagen der AfD aber auch der von Einzelpersonen ruhig tun, denunzieren und dämonisieren hilft dabei nicht, wie Ernst Hillebrand in seinem Artikel Populismus: Die Irrtümer der Linken herausarbeitete.

Frauke Petry hat eine recht kurze DDR-Sozialisation, stammt aus gutem Elternhaus und hat eine beachtenswerte eigene Lebensleistung [Diplomchemikerin, Unternehmerin, Mutter von 4 Kindern]. Man muss ihre politischen Einstellungen nicht teilen. Sie persönlich herabzusetzen ist schäbig.

Wer in der alten Bundesreppublik in den 1950-70ern in einer Arbeiter-/Angestelltenfamilie geboren wurde und aufwuchs, hat vielfach mehrere Geschwister. Die Dreikindfamilie war da eher der Durschnitt. Wo ist also das Problem? In der überwiegenden Anzahl lebte man übrigens auch in einer Familie mit Vater und Mutter. Ebenso kein Problem.

Vielleicht sind die angeblichen Probleme eher ein Ergebnis einer arg eingeschränkten Wahrnehmung der tatsächlich vorliegenden gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland und einer ideologischen Verranntheit.

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Ehemaliger Nutzer 29.09.2014 | 16:29

Ich fand den Anti-Feminismus der AfD toll, doch es scheinen sich mittlerweile auch ein paar Konservative und Religiöse dort zu tummeln.

Ich kann nur warnen, solche Typen sind noch schlimmer als Feministen in ihrer Ideologie. Die AfD rutscht so langsam tatsächlich da wo die Medien sie seit einem Jahr schreiben. Selbsterfüllende Prophezeiung?

karamasoff 29.09.2014 | 19:26

Die Methoden der braunen Gesinnung werden auch immer perfider. Kommen getarnt als aufgeklärter Demokrat daher gegen schädlichen Konservatismus und Religion oder ganz klassisch gegen Linke, Fremde und andersGEARTETE (analog zum Terroristen, der alte Sammelcontainerbegriff ), und verfolgen doch seit ewigen Zeiten das gleiche rassenvölkisch-nationale und antisemitische Ziel.

Die Agenda sowie das Klientel der AfD unterscheidet sich in nichts von dem der damaligen Alternative fürs Volk. Bröckchenweise dar gereicht, nicht als ganze Wurst. Eine braune Wurst mit demokratischen Gesicht.

Ratatörskr 30.09.2014 | 09:37

Frauke Petry hat eine recht kurze DDR-Sozialisation, stammt aus gutem Elternhaus und hat eine beachtenswerte eigene Lebensleistung [Diplomchemikerin, Unternehmerin, Mutter von 4 Kindern]. Man muss ihre politischen Einstellungen nicht teilen. Sie persönlich herabzusetzen ist schäbig.

Warum ist die sachliche Anmerkung einer Tatsache eine "schäbige persönliche Herabsetzung" ?

Es ist absolut unerheblich, für wieviele Kinder oder keine sich diese Frau oder sonst jemand entscheidet. Man kann bei genauerem Hinsehen allerdings auf den Gedanken kommen, dass dies heute, und zwar schon lange so verstanden werden kann, "der Wirtschaft ein Kind"! So kann die Frau wieder in KKK zurückkehren, billige, weil genug überflüssige Arbeitskräfte sind dann vorhanden. Dann passt der Antifeminismus doch optimal ins Konzept.

Wer über die Familienpolitik der 5oer Jahre schreibt, sollte sich auch informieren, wie und warum die damalige Familienpolitik in der BRD so funktionierte, so schlecht wie sie funktionierte! Sie war alles andere als gut. Bildung für alle ? Das soll es damals in der DDR schon gegeben haben.

Wer gegen selbstbestimmte Familienplanung und damit selbstverständlich auch den damit verbundenen Feminismus plädiert, zeigt deutlicher als jede gehübschte Wahlrede, wes Geistes Kind da spricht!

Antifeminismus ist Antihumanismus!

Wo ist Ihr Problem, um weiter zu denken und zu erkennen, was eine braune Frauen- u. Familienweltsicht ausmacht, bewirkte und bewirken soll?

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Ehemaliger Nutzer 30.09.2014 | 17:00

Ja, es ist tatsächlich mein Ernst.

Wie ich sehe habe ich Ihre Weltsicht angegriffen, wie unfein von mir. Aber sowas mache ich öfter, die meisten reagieren auch etwas gelassener. Nur Religiöse und Feministen, das ja auch irgendwie eine Religion zu sein scheint, reagieren aggressiv. Wie kann jemand die Brillianz ihre Philosophie nicht erkennen.....

Ich sehe dass Sie Antifeminismus als Antihumanismus bezeichnen. "Überraschenderweise" behaupte ich das Gegenteil. Im Jahre 2014 ist es inhuman die feministische Weltsicht zu akzeptieren.

Die feministische Philosophie war ja schon immer absurd, jedoch nützte es der Gesellschaft um ein paar Misstände auszuräumen. Doch jetzt ist der Feminismus nur noch eine negative Influenz für unsere Gesellschaft.

LuiRebell 30.09.2014 | 17:16

Frauen sind die besseren Menschen.

Frauen aller Länder vereinigt euch. Errichtet das Matriarchat und bessert das gesellschaftliche Leben und die Beziehungen untereinander. Die Männer haben euch Jahrtausende unterdrückt und die Gesellschaft zu ihrem Vorteil organisiert.

Historisch seit ihr jetzt an der Reihe eure humanistische Überlegenheit in Machtausübung umzusetzen.

L.R.

Ratatörskr 30.09.2014 | 19:20

Und ich lese, dass Sie gar nicht wissen, was Sie schreiben, sonst wäre Ihnen aufgefallen, welchen Unsinn Sie hier servieren!

Intelligenter formuliert, könnte das eine Kabarett-Nr. werden, statt nur Ihre Verschnupfung. Eine feministische Philosophie findet nur in Machismo-Köpfen statt. Deswegen bin ich gar nicht überrascht, wenn Sie den Antifeminismus als Humanismus bezeichnen und glauben, dass SIE das verstehen.

Feminstinnen sind Realistinnen mit Humor. Ich habe herzlich gelacht.

Ulrike Baureithel 30.09.2014 | 19:47

Weil man sich das, was die zweifellos antifeministischen "Lebensschützer" - was ist das überhaupt für ein Begriff, sollten wir das nicht alle sein? - auf ihren Transparenten tragen, genauer anschauen sollte; sie setzen sich auch gegen assistierten Suizid, PID ect. ein, wie viele Feministinnen, die das natürlich aus ganz anderen Gründen tun. Das müsste aufgehellt werden, statt sich wie weiland in den (west)siebziger Jahren als Antagonisten auf der Straße die Köpfe einzuschlagen.

Ratatörskr 01.10.2014 | 09:42

Ja, das sind neue Themen, die unbedingt aufgehellt werden müssen, die in den 7oer Jahren noch "schlummerten". Dazu zählen auch die Babyklappen, die in erster Linie die Lebensrechte von Mutter und Kind verletzen und gesetzlich sanktionierter Schutz für die Täter sind, die Mutter und Kind die Hilfe verweigern und sie statt dessen in die Ausweglosigkeit treiben, und zwar vom ersten Augenblick der Schwangerschaft an! Die Strafe auf "unterlassene Hilfeleistung", der die Tat der Kindesaussetzung und dem Elternrecht der Mutter in vollem Umfang entspricht, ist Makulatur. Ca. 200 Kinder sind spurlos verschwunden und jede Frau, die ihr Kind spurlos weggeben musste, kann sich fragen, ob es ihr Kind war! Menschenwürde ist Frauen- und Kindeswürde.

Für die Abschaffung der Bestrafung (§ 218) wg. des verbotenen Schwangerschaftsabbruchs haben Feministinnen Jahrzehnte gekämpft und dann übersehen, dass gerade der Gesetzgeber dieser Unmenschlichkeit zum Zwang der Kindesaustragung die Kindesaussetzung der Forderung der Bischöfe entsprechend straffrei entgegensetzten.

Selbsternannte sg. Lebens"schützer" verweigern den Lebensschutz bereits Mutter u. Kind während der Schwangerschaft. 2/3 der Anrufe bei den Klappenbetreibern stammen von männlichen "Lebensschützern". Wie es den betroffenen Frauen und Kindern geht, interessiert niemanden in diesem "Beschützerkreis".

Das ist zuerst Frauensache. Wir haben so weitreichende Hilfen für Mütter in Not, dass die Klappenbetreiber bis jetzt keinen neuen hilfreichen weiterführenden Wunsch vortragen konnten. Die Betonung liegt auf "spurlose" Entsorgung der Kinder. Und konservative Familienpolitik der Bischöfe war die Einstellung der kath. Schwangerschaftskonflikt-Beratungen und im Gegenzug die Forderung nach der mittelalterlichen Hilfe für Mütter im Elend!

Frank Linnhoff 01.10.2014 | 10:47

Zum Glück sind wir schon vor 35 Jahren nach Frankreich ausgewandert, da war unser 1. Kind gerade geboren. Es folgten in den Jahren darauf noch 2 Kinder. Da waren wir eine 3-Kinderfamilie. Ich erinnere mich noch an das Entsetzen meiner deutschen Mutter und deutschen Freunde, als das 3. Kind "unterwegs" war und an die ausschließlich positiven Reaktionen der französischen Eltern meiner Frau und unserer französischen Freunde. Warum nur, sehr geehrte Frau Baureihtel, ist eine 3-Kinderfamilie ein familienpolitisches Modell aus der erzkonservativen rechten Ecke? So habe ich jedenfalls Ihre Aussage verstanden. Da kann ich nur erzkonservativ sein, weil ich es zuliess, dass die Mutter unserer gemeinsamen Kinder keiner bezahlten Erwerbstätigkeit nachging. Ach, in Wahrheit ist alles noch viel, viel schlimmer; denn am liebsten wäre auch ich keiner bezahlten Erwerbstätigkeit nachgegangen.

Ulrike Baureithel 01.10.2014 | 13:16

Ja, das sind neue Themen, die unbedingt aufgehellt werden müssen, die in den 7oer Jahren noch "schlummerten". Dazu zählen auch die Babyklappen, die in erster Linie die Lebensrechte von Mutter und Kind verletzen und gesetzlich sanktionierter Schutz für die Täter sind, die Mutter und Kind die Hilfe verweigern und sie statt dessen in die Ausweglosigkeit treiben, und zwar vom ersten Augenblick der Schwangerschaft an!

Ja, das stimmt. Ist aber auch ein extrem schwieriges Terrain. Ich kenne aus meiner Recherchearbeit Fälle, wo Frauen wirklich "aufgefangen" wurden. Und andererseits bin ich unbedingt der Meinung, dass das nicht der richtige Weg ist.

Ratatörskr 01.10.2014 | 13:21

Familienpolitik ist doch etwas anderes als Kinderzählen.

Gibt es in Frankreich auch Babyklappen statt Toleranz und Kindergartenplätze?

In unserer wirtschaftskonformen Demokratie ist auch die Familienpolitik wirtschaftskonform! D.h. für Familien wirtschaftskonforme Lebensplanung und die Erkenntnis, dass unserem Staat nicht mehr alle Kinder gleich viel wert sind. Akademiker-Kinder können eine Mami und eine Nanni zu Hause haben bis zu 18oo € Elterngeld (vom Wohlfahrtsamt) machts möglich und andere Kinder brauchen keinen Kindergartenplatz, weil ihre Mama ja nicht auf ein existenzsicherndes Einkommen verzichtet, da sie ohnehin keins zum Verzichten hat. Oder sie muss soviel verdienen, dass sie die nicht billige Kita bezahlen kann.

Frank Linnhoff 01.10.2014 | 14:48

Nun ja, jedes Volk hat die Staatsführung und Familienpolitik, welche es verdient (Pastor und Pastorentochter). Bis jetzt haben Mutter und/oder Vater in Frankreich Anrecht auf 3 Jahre vom Staat bezahlten Muter-/Vaterschaftsurlaub (70% des letzten Gehalts oder eine auskömmliche Pauschale). Nun will die jetzige sozialistische Regierung, dass sich Frankreich in Richtung Deutschland bewegt. Man will den Mutterschaftsurlaub auf 1,5 Jahre verkürzenn und Gelder steichen. Das wird zu heftigen Protesten führen und die soialistische Partei Frankreichs kleinschrumpfen, welches eh die geheime Absicht des Präsidenten und seiner Gefolgsleute zu sein scheint. Mein ältester Sohn hat mit seiner Freundin 3 Kinder im Abstand von je 2,5 Jahren in die Welt gesetzt. Stellen Sie sich vor, die Mutter erhält nun schon seit 8 Jahren ein gutes Muttergehalt vom Staat plus Wohngeld plus Kindergeld ohne zu arbeiten (!) und dies, ohne dass sie auch nur ein einziges Mal als Sozialschmarotzerin o.ä. tituliert wurde und noch dazu ohne schchlechtes Gewissen! Kein Wunder, dass in Frankreich jährlich mehr als 200.000 junge Menschen mehr auf den Arbeitsmarkt drängen, als ältere Menschen ihn verlassen. Ach wäre es doch wie in Deutschland seit z.B. 15 Jahren, nämlich genau umgekehrt, läge die Arbeitslosenquote in Frankreich bei nicht einmal 5%. Eine AfD gibt es hier nicht, dafür gibt es den Front National, welcher nichts gegen Vielkindfamilien von echt französischen Franzosen hat und überhaupt nicht gern sieht, dass die Paare mit Migrationshintergrund, hier politisch korrekt als "minorité visible" (sichtbare Minorität, weil sichtlich dunkelhäutiger) bezeichnet, überhaupt Kinder in die Welt setzen.

......ein weites Feld.

Ratatörskr 01.10.2014 | 16:10

Sie haben rundherum Recht. Wo die Politik noch nicht wirtschaftskonform ist, wird sie das gemacht. Wirtschaftspolitik ohne Gesellschaftspolitik, ohne Arbeitsmarkt, ohne Gewerkschaften und alles in nationalistischer u. christlicher Marinade.

Ich habe keine politische Funktion und darf daher schreiben, was ich denke. Und ich denke, dass dies eine rassistische, reaktionäre, faschistische Familienpolitik ist. Gegen das Menschenrecht der Selbstbestimmung sollen Eltern ethnisch u. wirtschaftskonform regierungsgenehme Kinder zeugen. Die soziale Anforderung wird dann über die Wohlfahrtsschiene zu gunsten der Wohlhabenden gesteuert und selektiert! Sie sind dann profitorientiert die bessere Wahl!

Der Arbeitsmarkt läuft dann ungsteuert selbstständig. Billige Arbeitskräfte liefert die Weltpolitik über die rücksichtslose Globalisierung der Armut, in der die Not die Löhne drückt.

Zu wünschen ist, dass Franzosen u. Deutsche sich gemeinsam auf den Weg machen und einen Zusammenschluß der Arbeitnehmer, Gewerkschaften mit der Forderung einer europäischen Sozialcharta formulieren, um endlich dem gegenseitigen Ausspielen der Menschen entgegen zu wirken. Das Elend in den Billigstlohnländern kann man nicht den betroffenen Menschen zur Last legen. Schon gar nicht den Kindern bzgl. Bildungs- u. damit Zukunftschancen.

Frank Linnhoff 01.10.2014 | 18:57

Dient die Politik des "gender mainstreaming", zu welchem sich alle Staaten der EU gegenüber der UN verpflichtet haben, tatsächlich der Gleichberechtigung, so wie sie gehandhabt wird? Sind sich die heutigen Teilnehmer an der "genderaktivistischen Bewegung" (wie viel lieber war mir das Wort "Frauenbefreiungsbewegung" aus meiner Studienzeit) darüber im klaren, dass sie ihre eigene Haut zu Markte tragen? Ich glaube nicht daran, dass von den Gewerkschaften viel zu erwarten ist. Die Angst vor Arbeitsplatzverlusten lähmt sie. Dagegen glaube ich daran, dass es wirkungsvoll ist, sich bewußt dem Prinzip der Wettbewerbsfähigkeit zu entziehen und mit Freude miteinander produktiv tätig zu sein. Immer nach dem Motto Erich Kästners: es gibt nichts Gutes, ausser man tut es.

karamasoff 02.10.2014 | 06:41

"Gegen das Menschenrecht der Selbstbestimmung sollen Eltern ethnisch u. wirtschaftskonform regierungsgenehme Kinder zeugen."

Das nannte sich damals "Lebensborn". Der Gegenentwurf dazu war "Aktion T4" und man köderte den anständigen und fleissig arbeitenden Doitschen schon damals mit der ökonomischen Tour und, wie soll es anders sein, mit Geld.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/thumb/3/32/EuthanasiePropaganda.jpg/250px-EuthanasiePropaganda.jpg

Spätestens mit dem öffentlichen Einverleiben gewisser erzreaktionärer Neoliberaler in die AfD, einhergehend mit entsprechendem medialen Zirkus, dürfte klar sein, wo die Programmatik der AfD beginnt und der politische Widerstand einer funktionierenden Demokratie beginnen sollte. Im eigenen Land nämlich.

Ratatörskr 02.10.2014 | 09:43

Stimmt. Dabei sitzen Demografen, Ökonomen, Kirche und Politik in einem Boot. Sie verklausulieren ihren Ruf "der deutschen Wirtschaft ein Kind"! Und jene, die einerseits die Kinder wollen/fordern, fördern wohlhabende Eltern und fordern gleichzeitig einen billigen Staat!

Von Eltern, Soziologen, Psychologen etc. hört man nichts.

So wollen die subventionierten/geförderten in Wirtschaft und Familie keine Steuern zahlen und die vielen überflüssigen Kinder, künftige Blliglöhner, können keine Steuern zahlen! Hoffentlich ist das nur eine abstrakte Überlegung, dass in 1, 2 Jahrzehnten unsere überflüssigen Billigkinder sich selbst aussortieren und "flüchten". Die Schraube nach unten führt eben nicht nach oben.

karamasoff 02.10.2014 | 10:13

Entsprechend waren auch die berüchtigten Slogans der Konzentrationslager nicht auf die Insassen gerichtet, sondern auf die die ausserhalb lebten.

"Jedem das Seine", "Arbeit macht frei"

http://truthpraiseandhelp.files.wordpress.com/2009/12/arbeit-macht-frei.jpg

"as a kind of mystical declaration that self-sacrifice in the form of endless labour does in itself bring a kind of spiritual freedom."

Arbeit als Rechtfertigung zur Vernichtung von Leben, schleichende Vernichtung oder sofortige, Inland oder Ausland. Wer nicht mitmacht bekommt das Seine: Freiheit oder KZ.

Stine 02.10.2014 | 10:43

Bei meiner Mitarbeit an einem Gender Mainstreaming Projekt, fand ich es sehr erhellend, wirklich in allen Lebensbereichen zu schauen, wie Männer und Frauen spezifisch berücksichtigt werden und werden sollten. Auch die Reflektierung der genderspezifischen Verhaltensmerkmale sind nützlich, um Prozesse besser gestalten zu können. Sei es Unterricht oder die Kommunikation im Betrieb.

Ich finde Familien mit mehrerern Kindern wünschenswert.

Jedoch sollten wir die Augen vor der Realität nicht verschließen. Statistisch gesehen trennen sich Paare häufig. Kinder allein zu betreuen ist aber nicht einfach, gerade auch wenn es mehrere sind.

Die Arbeitsverhältnisse sind leider auch nicht stabil. Häufige Stellenwechsel mit befristeten Arbeitsverhältnissen, Zeitarbeit, unterbrochen von Arbeitslosigkeit und Umzüge wegen eines Arbeitsplatzes bzw. langes Pendeln oder getrennte Haushaltsführung sind keineswegs familienfreundlich.

Ich kann gut verstehen, wenn Familien sich nicht trauen, mehr als ein Kind zu bekommen.

Die Lebensweise von Frau Petry ist insofern kein Maßstab.

Ratatörskr 02.10.2014 | 10:57

"Dient die Politik des "gender mainstreaming", zu welchem sich alle Staaten der EU gegenüber der UN verpflichtet haben, tatsächlich der Gleichberechtigung, so wie sie gehandhabt wird? Sind sich die heutigen Teilnehmer an der "genderaktivistischen Bewegung"..."

NEIN! Ich denke, Ihre Frage ist voll berechtigt. Dabei fürchte ich auch, dass es gewollt ist, mit nur einer kleinen Menschenmenge geläufigen Fremdbegriffen die Mehrheit in die Irre zu führen.

Das Menschenrecht der Gleichberechtigung ist das Recht der Gleichwertigkeit aller Menschen geschlechtsunabhängig. Aber die geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen und Kinder hat eine alte, schlimme Wurzel. Sie ist in versch. Kulturen vielfältig zu erfahren, vom Scheiterhaufen, Zwangsverheiratung, Genitalbeschneidung, Zwangsschwangerschaften, Kindswegnahme, sexuelle Unterordnung etc.

Das zu ändern ist nicht nur Frauensache. Babyklappen zu einer von einem kriminellen Umfeld erzwungenen spurlosen Weggabe eines Kindes, ist für mein Menschenverständnis die schlimmste Gewalt gegen Mutter und Kind. Wie perfide ist diese religiöse Männermacht der Bischöfe, deren Wurzel eine zum Machtinstrument ausgeartete Sexualmoral ist? Unsere Gesellschaft wird so gesteuert, dass sie sich über die den Eltern weggenommene Kinder aufregen darf, aber den heimlichen, subtilen Zwang der Verschwörung gegen die Würde von Mutter und Kind als "großartige Hilfeleistung" wahrnimmt!

Wo werden diese zu Niemandskinder degradierten Neugeborenen registriert? Wer sind die Mütter und ihre Säuglinge? Wer prüft den rechtmäßigen Gan der Adoption? Wer sind die Rädelsführer und warum werden sie zur gesetzlichen Pflicht zur Hilfeleistung nicht herangezogen? u.v.m.

Die Krönung der Verlogenheit ist die "vertrauliche Geburt", die immer schon der ärztlichen Schweigepflicht unterlag, auch bei allen datengeschützten Adoptionen! Die für alle Mütter das letzte Schloss zum Ausschluss jeder Hilfe ist. Das Schweigegebot wirkt gründlich bei der sexuellen Kindesmisshandlung, wie bei der erzwungenen Kindswegnahme. Geschützt werden ausschließlich die Täter. Das Neugeborene kann nicht einmal weinen.

So ist das Menschenrecht der Frauen- und Kindeswürde in das Mittelalter zurückbefördert worden. Und weil das noch nicht viele wissen: Von ca 200 Kindern aus Babyklappen fehlt jede Spur.

Frauensache ist Menschensache.

Ratatörskr 02.10.2014 | 12:15

Werte Frau Baureithel,

da stimmen unsere Erfahrungen wohl weitgehend überein.

In meinem langen Berufsleben sind mir nicht wenige Frauen begegnet, die in großer Not waren und von unserer Gesellschaft aufgefangen wurden! Diese mitelalterlichen Schandklappen gab es noch nicht bzw. nicht mehr.

Die Urväter der Klappenerfinder sind Bischöfe, die ihre bis dahin angebotenen Schwangerenkonfliktberatungen einstellten, in denen speziell kath. Frauen Beratung UND Hilfen erhielten.

Es ist auch das Menschenrecht der Frauen, sich Hilfe am Ort ihres Vertrauens zu suchen. So konnten Frauen im Falle der Adoptionsvermittlung zum Vertrauensschutz Unterkünfte bis zur Geburt in fremdem Umfeld angeboten werden, die ggf. von den SÄ bezahlt wurden. Bereits in den Krankenhäusern wurde die selbstverständlich datengeschützte Adoption von Sozialarbeitern in die Wege geleitet. So wurden die Rechte von Mutter und Kind geschützt. Aber keine mit der Schwangerschaft verbundene Straftat Außenstehender!

Vermutlich hätten diese Frauen, die Ihnen begegneten, auch ohne dieses fragwürdige Klappenangebot Hilfe gesucht und angenommen. Wer eine Kindsaussetzung in einer Babyklappe organisieren kann, ist auch in der Lage, seriöse Hilfen anzunehmen. Die freie "selbstbestimmte Lebensentscheidung" vorausgesetzt!

Ist bekannt, ob es im Rahmen "gender mainstr." ein Projekt gibt oder angedacht ist, das sich mit der Not von Mutter u. Kind aufgrund psysischer u. physischer Gewalt in Familien wg. einer unerwünschten Schwangerschaft befasst? Mir ist bekannt, dass es äußerst schwer ist, Kontakt zu Frauen zu finden, die ein Kind zur Adoption freigaben, und so gut wie gar nicht, zu Frauen, für die die Klappe ein Schlusspunkt sein sollte.

Sie haben Recht. Das ist ein extrem schwieriges und weites Terrain. Aber wir lassen uns auch kein X für ein U vormachen. Diese Art der Gewalt gegen Mutter und Kind ist ein lebenslanger Höllenritt, für beide.

Frank Linnhoff 02.10.2014 | 18:01

Ja, ich gebe Ihnen recht. Die Methode des Gender Mainstreaming kann sehr hilfreich sein bei der Analyse von gesellschaftlichem Zusammenleben, bei dem Erkennen von Manipulation. Jeder Mann, jede Frau sollte in freier Wahl entscheiden, wie er/sie ihr Leben gestalten möchte. Dazu gehört ganz gewiss die Entscheidung für oder gegen die eigene Vater-/Mutterschaft. Niemand anderer hat das Recht, diese individuelle Entscheidung zu werten. Hiervon sind wir in unserer Gesellschaft jedoch sehr weit entfernt. Gerade auf junge Frauen wird von Ideologen verschiedenster Couleur ein unerträglicher Druck ausgeübt.

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Ehemaliger Nutzer 02.10.2014 | 23:55

Noch vor wenigen Jahren hätte ich sofort und bedingungslos der These, daß Frauen immer noch und in allen Belangen benachteiligt sind, zugestimmt. Aber die Konfrontation mit Hardcore-Feministinnen, die Zwangszirkumzision befürworten, weil dadurch (angeblich, medizinisch aber widerlegt) das Gebärmutterhalskrebsrisiko späterer potentieller weiblicher Geschlechtspartner gesenkt würde und es sich ja sowieso nur um einen "harmlosen, kleinen" Schnitt handele, hat mich nachdenklich werden lassen.

Inzwischen sehe ich die Situation so, daß es Bereiche gibt, in denen eher Jungs, Männer und Väter die Benachteiligten sind als Mädchen, Frauen und/oder Mütter.

Echter Humanismus besteht daher m. E. darin, ALLE Menschen als gleichwertig und gleichberechtigt zu betrachten, statt die Opferrollen einfach zu tauschen.

Übertragen auf die AfD heißt das für mich, daß diese anfangs partiell interessant erscheinende, neue Partei (die immerhin direkte Demokratie in ihrem Parteiprogramm hatte/hat?) aufgrund ihrer Entwicklung, beispielsweise in Fragen gesellschaftspolitischer Positionierung, nun zu den NICHT wählbaren gehört: Eine weitere Partei, die hierarchische, religiös geprägte Menschenbilder und Geschlechterrollen festschreiben möchte, brauchen wir hier, wo wir schon mal weiter waren, ganz sicher nicht.

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Ehemaliger Nutzer 03.10.2014 | 00:07

Ergänzung: Eine sinnvolle Familienpolitik bestünde m. E. u. a. in kostenlosen und ab dem vierten Lebensjahr VERPFLICHTENDEN, integrativen Kindergärten mit niedrigem Betreuungsschlüssel und fachlich hoch qualifiertem Personal.

Die Kombination von KOSTENLOS und VERPFLICHTEND würde m. E. viele Integrationsprobleme von vorne herein verhindern und vielen Kindern, die zuhause nicht gefördert werden, bessere Bildungschancen bieten.

Für Eltern, die ihre Kinder nicht gerne ganztags betreut haben möchten, meinetwegen nur bis mittags. Aber grade die Mischung von Kindern unterschiedlichster Herkunftsfamilien, in Verbindung mit WIRKLICHEN Lernangeboten wäre m. E. wichtig für eine zukunftsfähige Gesellschaft und eine zukünftige Generation, die nicht schon von klein auf Kinder in unüberwindbare Schubladen presst.

Das würde natürlich Geld kosten und Bildung ist hierzulande so wenig "wert" wie echte Integration und echte Inklusion, von daher ist die Idee leider unrealistisch. So bleibt halt jedes Kind in der seiner Gesellschaftskaste zugedachten Schublade und in spätestens 15 bis 20 Jahren fliegt uns alles um die Ohren. Schade eigentlich.

Ratatörskr 03.10.2014 | 10:26

"Noch vor wenigen Jahren hätte ich sofort und bedingungslos der These, daß Frauen immer noch und in allen Belangen benachteiligt sind, zugestimmt. Aber die Konfrontation mit Hardcore-Feministinnen, die Zwangszirkumzision befürworten, weil dadurch (angeblich, medizinisch aber widerlegt) das Gebärmutterhalskrebsrisiko späterer potentieller weiblicher Geschlechtspartner gesenkt würde und es sich ja sowieso nur um einen "harmlosen, kleinen" Schnitt handele, hat mich nachdenklich werden lassen."

Ähnliches habe ich bei der Begegnung mit einer liberalen Rabbinerin erfahren und jüdischen Frauen, die sich zwar den Problemen stellten u. zustimmten, aber an ihrer Religion scheiterten, da diese über dem Menschenrecht steht, gleich ob spezifische Geschlechtsprobleme. Eine Frau sagte mir sinngemäß, sie stimmt den Argumenten zu, sie hatte sich intellektuell damit ausenandergesetzt, dennoch würde sie ihren Sohn wieder beschneiden lassen! Andere Frauen, fühlten sich höchstpersönlich "beleidigt".

Die zu stellende Frage ist, was versteht Frau unter ihrem Feminismus? Für mich heißt das uneingeschränkt, das universelle Menschenrecht.

Frauen benötigen einen besonderen Schutz dann, wenn sie Unrecht im Doppelpack erfahren.

Sie werden in Kulturen aus traditionellen und/oder religiösen Motiven vom Gesetzgeber billigend in Kauf genommen, gar geschützt, sexuell missbraucht, vergewaltigt und zusätzlich von der Gesellschaft mit Verachtung bestraft bis zur Hinrichtung.

In unserer Kultur: Frauen/Mädchen werden u. U. vergewaltigt oder im Rahmen der sex. Kindesmisshandlung schwanger. Sie dürfen die so entstandene Schwangerschaft nicht abbrechen, sich aber auch keine Minute auf das Kind einstellen, sondern müssen es schon von ihrem Ich abspalten, weil sie es gar nicht behalten dürfen. Es muss spurlos beseitigt werden.

So in unserer, den Menschenrechten verpflichteten Kultur, in der wir uns aber zu Recht gegen Zwangsverheiratungen wenden! Und damit die Moral von der Geschicht nicht angetastet wird, ist es leichter, die "Pille danach" zu verhindern, Babyklappen de luxe einzurichten und die vertrauliche (anonyme) Geburt zu ermöglichen und gesetzlich zu schützen. Die spurlose und anonyme Schwangerschaft geht ja leider nicht! Babyklappen sind die Metapher der Steinigung von Mutter und Kind in unserer "humanistischen" Gesellschaft?!

In meiner feministischen Vorstellung ist die Weiblichkeit nichts anderes als die Vervollständigung der Gleichwertigkeit der Menschen.

Ratatörskr 03.10.2014 | 10:50

"Das würde natürlich Geld kosten und Bildung ist hierzulande so wenig "wert" wie echte Integration und echte Inklusion, von daher ist die Idee leider unrealistisch. So bleibt halt jedes Kind in der seiner Gesellschaftskaste zugedachten Schublade und in spätestens 15 bis 20 Jahren fliegt uns alles um die Ohren. Schade eigentlich."

Um das Eine zu verhinderen und das Andere zu verwirklichen, muss unsere Kultur der Mitmenschlichkeit restauriert werden. Vorrangig die Erkenntnis, dass Pflege und Hege Mühe und Geld kostet und die Bereitschaft, dieses zu leisten.

Die Menschenwürde ist der kostbarste Diamant der Menschheit.

Ratatörskr 03.10.2014 | 12:22

Sorry, Korrektur:

"Sie werden in Kulturen aus traditionellen und/oder religiösen Motiven vom Gesetzgeber billigend in Kauf genommen, gar geschützt, sexuell missbraucht, vergewaltigt und zusätzlich von der Gesellschaft mit Verachtung bestraft bis zur Hinrichtung."

Das muss lauten:

Gewalt gegen Frauen wird inverschiedenen Kulturen aus traditionellen und/oder religiösen Motiven vom Gesetzgeber billigend in Kauf genommen, gar geschützt. Frauen werden sexuell missbraucht, vergewaltigt und zusätzlich von der Gesellschaft mit Verachtung bestraft, bis zur Hinrichtung.

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Ehemaliger Nutzer 03.10.2014 | 12:51

Das stimmt natürlich zu, LEIDER. - Aber HIER schlägt das Pendel m. E. derzeit in mancher Hinsicht oft ZU sehr in die andere Richtung aus anstatt sich bei WIRKLICHER Gleichberechtigung einzupendeln.

Auch die Politik im Hinblick auf Verhütung, Abtreibung, Schwangerschaft, Geburt und Mutterrolle z. B. kann man m. E. nicht in erster Linie "den" Männern zur Last legen, sondern den religiös-hierarchischen Strukturen, die immer noch in (zu) vielen Köpfen herumspuken sowie in Form von Führungspersönlichkeiten institutionalisierter Glaubensgemeinschaften auch DIREKTE Macht (z. B. via Rundfunkräte und Parteien) ausüben.

"...Die Menschenwürde ist der kostbarste Diamant der Menschheit..." - Darum und um universelle Menschenrechte in dieser Gesellschaft (der einzigen, auf die wir Einfluß nehmen können und sollten) endlich zu verwirklichen, müssen Religionen als Machtfaktor zurückgedrängt werden: Jeder kann glauben und tun, was er möchte, solange er keine Rechte und Freiheiten anderer einschränkt. Da Religionsgemeinschaften aber immer wieder GENAU DAS tun, brauchen wir eine echte Saekularisierung.

Dann kann man Ländern, in denen Frauen-, Kinder-, Homosexuellen- und andere Minderheitenrechte mit Füßen getreten werden, ein Gegenbeispiel vorleben und (wenn sie das wollen!) Hilfen und Beratung auf dem langen Weg zur Verwirklichung der Menschenrechte anbieten. Solange sie aber hier nicht gelebt werden, bleibt das Argument "Menschenrechte" ein heuchlerischer (immer fadenscheiniger werdender) Vorwand für geopolitische Zwecke.

Ratatörskr 03.10.2014 | 14:54

"Auch die Politik im Hinblick auf Verhütung, Abtreibung, Schwangerschaft, Geburt und Mutterrolle z. B. kann man m. E. nicht in erster Linie "den" Männern zur Last legen, sondern den religiös-hierarchischen Strukturen, die immer noch in (zu) vielen Köpfen herumspuken sowie in Form von Führungspersönlichkeiten institutionalisierter Glaubensgemeinschaften auch DIREKTE Macht (z. B. via Rundfunkräte und Parteien) ausüben."

Wir sind nicht weit auseinander. Die von Dir angesprochene Politik ist aber von Männern gemacht und zu verantworten. Bezahlen müssen das IMMER die Frauen. Ich bin der Überzeugung, dass die Schandklappen die brutalste Gewalt gegen Mutter und Kind sind. Sie werden diese Gewalt ein Leben lang NICHT bewältigen können. Wie denn auch ohne jeglichen gesetzlichen Rechtsschutz u.Beweis nach einer sogar anonymen Geburt, die "vertraulich" verbrämt wird und die gesetzliche Rechtlosigkeit von Mutter und Kind manifestiert? Warum klammerst Du dieses in Deiner Aufzählung aus?

Und diese Unvorstellbarkeit, dass der Gesetzgeber diese Rechtlosigkeit legalisierte und sich offenbar keine Fiministinnen im Bundestag outeten und parteiübergreifend zusammenschlosssen, wie damals in der Diskussion um den § 218, um diese Brutalität gegen Mutter und Kind als faschistische Unmenschlichkeit zurückweisen. Es stimmt, das ist "auch Männersache, aber erst recht "auch Frauensache".

Was ist das für eine Diskussion, wenn sich die sexuelle Kindesmisshandlung nur noch um homosexuelle Priester dreht, obwohl allgemein bekannt ist, dass überwiegend Mädchen betroffen sind? Selbstverständlich haben Priester situationsbedingt vorrangig männliche Kinder missbraucht. In den Fällen der sexuellen Misshandlung der Mädchen ist die Situation vielfältiger. Dabei ist man sich offensichtlich bewußt, welche Beschädigungen diese Jungen erfahren haben. Es wurden Verjährungsfristen verlängert und über Entschädigungen diskutiert und verhandelt. Ist das Sarkasmus: Adelt die Priesterhand die Untat? Wenn ja, schließe ich die Frage an, ob jemand weiß, wieviele Priesterkinder in den Schandklappen hinterlegt wurden, die ihr Menschenrecht auf ihre Indendität einklagen möchten. Väter waschen ihre Hände in Unschuld.