Vertrauen in die Eliten auf dem Tiefpunkt

Südkorea: Die Korruptionsaffäre um die vom Parlament abgesetzte Staatspräsidentin wird immer mehr zur Peking-Oper. Auch der ehemalige UNO Generalsekretär Ban Ki-Moon hilft nicht.
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Im Herbst letzten Jahres war die südkoreanische Staatspräsidentin Park Geun-Hye nach massiven Demonstrationen der Bevölkerung vom Parlament ihres Amtes enthoben worden. Während sie auf die Bestätigung der Amtsenthebung durch das oberste Gericht wartet, werden immer neue Details bekannt, die das Vertrauen des Volkes in seine Eliten weiter erschüttern.

Die Affäre um Park hatte damit begonnen, dass ihre Jugendfreundin und Vertraute im Präsidialamt Choi Soon-Sil als graue Eminenz agiert und Firmen dazu gedrängt hatte, Spenden in eine private Stiftung einzuzahlen, aus der sich Choi dann bediente. Wie erinnerlich, ist Park Geun-Hye die Tochter des ehemaligen südkoreanischen Militärdiktators Park Jung-Hee, der 1976 durch seinen eigenen Geheimdienstchef erschossen worden war. Ihre Mutter war bereits 1974 im südkoreanischen Parlament durch einen mutmaßlichen nordkoreanischen Agenten erschossen worden. Choi Soon-Sil ist die Tochter des Sektenführers Choi Tae-Min, der seinerzeit großen Einfluss auf Park Chung-Hee ausgeübt hatte.

Auch gegen Lee Jae-Yong, den Juniorchef von Samsung, wird in Südkorea ermittelt. Täglich erwartete die Presse seine Verhaftung. Samsung soll 35 Millionen Dollar in die Stiftung von Choi Soon-Sil eingezahlt haben. Im Gegenzug hatte wohl Park Geun-Hyes Gesundheitsminister Moon Hyung (auf Anweisung von Park Geun-Hye?) der Fusion zweier Firmen unter Kontrolle von Samsung zugestimmt, obwohl der Investment Fond Elliott sowie der staatliche Pensionsfond gegen die Fusion protestierten, weil eine der beiden Firmen, an denen die Fonds beteiligt sind, unter Wert an Samsung ging. Gestern hat aber die Staatsanwaltschaft eine strafbare Handlung bezüglich der Fusion verneint und eine zivilrechtliche Auseinandersetzung nach dem Aktienrecht angeregt.

Samsung soll Chung Yu-Ra, der 20-jährigen Tochter von Choi Soon-Sil, auf Druck der Mutter das Dressurpferd Vitana für umgerechnet 860.000 Franken gekauft haben. Chung Yu-Ra sitzt derzeit in Dänemark in Auslieferungshaft. Ihr wird Geldwäsche im Zusammenhang mit einer Scheinfirma in Deutschland vorgeworfen. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt in diesem Fall. Mit dem Geld sollen in Deutschland Grundstücke und Immobilien erworben worden sein, damit Chung Yu-Ra mit ihrem Pferd für Wettkämpfe trainieren konnte.

Choi Soon-Sil hatte ihrer Tochter auch ein Studium an der renommierten Ewha Frauenuniversität in Seoul ermöglicht, obwohl sie die Aufnahmeprüfung nicht geschafft hat. Die Rektorin der Universität wurde deshalb kürzlich gefeuert.

Nun hat sich ein Mann gemeldet, der behauptet, er sei der Sohn der vierten Frau von Choi Tae-Min. Der Sektenmann soll insgesamt fünf Frauen gehabt haben. Der Sohn der vierten Frau behauptet, nach der Ermordung Park Jung-Hees sei Park Geun-Hye die Geliebte von Choi Tae-Min gewesen. Choi habe das Vermögen der Parks verwaltet, das großenteils illegal erworben worden sei und in die Milliarden gehe. Chois fünfte Frau habe nach dem mysteriösen Tod Choi Tae-Mins 1994 die Vermögensverwaltung an sich gerissen. Als es einmal wegen des Vermögens zu Differenzen zwischen der fünften Frau und Park Geun-Hye gekommen sei, habe die Frau 30 kräftige Männer vor der Wohnung Park Geun-Hyes als Drohgebärde versammelt. Der Sohn verlangt, dass die Leiche von Choi Tae-Min exhumiert wird um zu klären, ob dieser eines natürlichen Todes gestorben ist oder ob er von seiner fünften Frau ermordet wurde. Was an den Vorwürfen dran ist, ist schwer zu beurteilen. Es kann natürlich auch sein, dass er seine Stiefmutter nur deshalb hasst, weil sie an die Stelle seiner Mutter getreten ist.

Gemunkelt wird, Park Geun-Hye sei 2012 in der von Männern dominierten politischen Landschaft Südkoreas nur deshalb von ihrer Saenuri Partei als Spitzenkandidatin aufgestellt und anschließend vom Volk zur ersten Präsidentin des Landes gewählt worden, weil sie die dubiosen Milliarden ihres Vaters für den Wahlkampf im Rücken hatte.

Während das Land darauf wartet, ob die Amtsenthebung von Park Geun-Hye bestätigt wird, so dass ein neuer Präsident gewählt werden kann, schien es eine glückliche Fügung zu sein, dass gerade Ban Ki-Moon nach Südkorea zurückgekehrt ist, der bis Ende 2016 UNO Generalsekretär war. Ban schien in dieser Situation ein idealer Kandidat für die Präsidentschaft zu sein, ohne Fehl und Tadel sowie mit außenpolitischer Reputation.

Nun hat die südkoreanische Presse aber herausgefunden, dass Bans Bruder in Myanmar ein lukratives Projekt der UNO an sich gezogen hat. Jetzt wird gerätselt, ob das etwas mit Protektion durch seinen Bruder zu tun haben könnte. Gleichzeitig offenbart Ban Ki-Moon, dass ihn die zehn Jahre seines Auslandsaufenthalts von der koreanischen Kultur entfremdet haben. Zwar besuchte er sogleich das Grab seiner Eltern und machte den landestypischen tiefen Kotau vor dem Grab. Dann aber trank er selbst den mitgebrachten Reiswein, den er eigentlich über das Grab hätte ausschütten müssen, damit seine Ahnen etwas davon haben. Dann besuchte er ein Pflegeheim und half bei der Pflege einer alten Frau, trug dabei aber demonstrativ ein Lätzchen, um sich seinen Anzug nicht schmutzig zu machen.

Solche Kleinigkeiten werden von der Presse sehr genau beobachtet und berichtet. Hinzu kommt, dass Ban keiner Partei angehört und seine Wahlkampfkosten selber bestreiten muss. Er hat bereits ein kleines Büro auf eigene Kosten eingerichtet und einen Wagen mit Chauffeur auf private Kosten angemietet.

Während die Bevölkerung sich angewidert immer mehr von den Eliten abwendet, regt sich aus Parks politischer Heimatregion, der Provinz Gyeongsang-Bukdo im Osten Südkoreas, Widerstand gegen die Absetzung Parks und gegen die öffentliche Demontage der Konzernspitze von Samsung, der wichtigsten Firma des Landes. Der Beamte aus dem Präsidialbüro, der die Korruptionsaffaire um Park Geun-Hye und Choi Soon-Sil öffentlich gemacht hatte, soll am 25.Januar vor der Staatsanwaltschaft aussagen. Er ist aber untergetaucht, vermutlich weil er um sein Leben fürchtet.

Das Land befindet sich im politischen Chaos, während beim wichtigsten Verbündeten USA Donald Trump Präsident wird. Auch Südkorea gehört zu den Ländern, die gegenüber den USA einen Exportüberschuss haben. Und es kursieren bereits in mehreren Zeitungen Gerüchte, Donald Trump plane, den bizarren nordkoreanischen Jungdiktator Kim Jong-Un durch ein Spezialkommando unschädlich machen zu lassen, so wie es unter Obama mit Osama Bin Laden geschah. Das Opfer so einer Schnapsidee wäre zweifellos Südkorea. Aber welcher südkoreanische Politiker sollte ihm das derzeit ausreden?

17:23 18.01.2017
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Geschrieben von

Querlenker

Zu den Problemen unserer Zeit stelle ich funktionierende Lösungen vor, die aber aus Gründen der Konvention, der Moral oder Faulheit niemand anpackt.
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