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Nachbetrachtung zur WM Die deutsche Mannschaft ist mit ihrer pomadigen Spielweise zu Recht in der Vorrunde als Letzter ihrer Gruppe zusammen mit Südkorea bei der WM in Russland ausgeschieden.
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Ein Rückfall in den überwunden geglaubten deutschen Rumpelfußball. Die Südkoreaner konnten ihr Glück kaum fassen, dass sie den „Weltmeister“ mit 2 : 0 geschlagen hatten. Entsprechend groß war kurz nach dem Spiel der Jubel in der Heimat in Südkorea.

Allerdings lassen sich die südkoreanischen Fans kein X für ein U vormachen. Seit 1972 sind sie nämlich auch Fans der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Kleine südkoreanische Jungs konnten 1974, als ich erstmals in Südkorea war, den Namen „Beckenbauer“ bereits akzentfrei aussprechen. Immer wieder haben sich die Südkoreaner an der deutschen Mannschaft bei Weltmeisterschaften abgearbeitet und den Kürzeren gezogen. Wer erinnert sich nicht an die Notbremse von Michael Ballack im Halbfinale der WM 2002 in Südkorea, mit der er ein mögliches Tor der Südkoreaner verhinderte und deshalb im Finale gesperrt war?
Bis vor kurzem war sogar der ehemalige Gladbacher Fußballprofi Uli Stielike südkoreanischer Nationatrainer.

Allerdings haben die Südkoreaner ein feines Gespür für die wahren Verhältnisse. Sie wissen, dass Südkorea nicht gegen die Deutschen gewonnen hat, weil ihre Mannschaft so gut war, sondern weil die Deutschen so grottenschlecht und uninspiriert gespielt haben. Entsprechend wurde die südkoreanische Mannschaft bei ihrer Rückkehr auf dem internationalen Flughafen von Seoul von den südkoreanischen Fans mit Eiern beworfen. Der Benchmark für Südkorea ist nämlich nicht der Weltmeister, sondern Japan! Während Japan mit viel Glück – punktgleich mit dem Senegal - ins Achtelfinale gekommen ist, mussten die Südkoreaner zusammen mit den Deutschen vorzeitig abreisen. Das hat es in der WM Geschichte noch nicht gegeben, dass Japan weiter gekommen ist, als Südkorea! Dass es diesmal anders war, ist vergleichbar damit, wenn Schalke gegen Dortmund verliert. Da können die Schalker gegen andere Mannschaften noch so glänzen, so etwas darf einfach nicht passieren!

Die südkoreanischen Fans sind unzufrieden mit ihrem südkoreanischen Trainer Shin Tae-Yong. Sie fordern bereits, dass Uli Stielike wieder als südkoreanischer Nationaltrainer zurückgeholt werden soll! Also ist der Glaube an die Magie des deutschen Fußballs in Südkorea weiterhin lebendig. Wenn das kein Trost ist?

18:36 30.06.2018
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Geschrieben von

Querlenker

Zu den Problemen unserer Zeit stelle ich funktionierende Lösungen vor, die aber aus Gründen der Konvention, der Moral oder Faulheit niemand anpackt.
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