Nobelpreis für Andi 3

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Manche Geheimnisse sind in diesen vorweihnachtlichen Zeiten an den Tag gekommen. Wir wissen jetzt, dass bestimmte deutsche Militäreliten wieder "vernichten" dürfen. Auch dass Guttenberg mehr Informationen hatte, als er zugab, ist nun bekannt. Nicht bekannt ist, dass es einen Nobelpreis für geheimdienstliche Prosa und Poesie gibt, kurz und knapp SINAL genannt (Secret Intelligence Nobel Award for Literature) genannt. Überhaupt nicht bekannt sind die bisherigen Preisträger, was ja auch in der Natur der Sache liegt. Dem Spiel des Zufalls verdanke ich die Zusendung der Begründung der Geheimen Jury, den diesjährigen SINAL uns, den Deutschen, zuzusprechen. Lesen Sie:

Die Secret Jury freut sich, den diesjährigen Nobelpreis für geheimdienstliche Prosa und Poesie der Redaktion des Verfassungsschutzes NRW zuzuteilen, und zwar für das herausragende Werk "Andi 3". Wir haben es mit einem literaturhistorisch einmaligen Narrativ zu tun, das in seinen starken Momenten an die großen Abenteuerromane erinnert: an Mobby Dick, Tom Sawyer, aber auch an Célines Reise ans Ende der Nacht. Klar ist die Problemstellung, schonunglos wird die Realität heutiger Jugendlicher dargestellt. Die Konflikttiefe wiederum erinnert an Musil oder gar Wedekind.

Der Comic erzählt in hinreißenden Bildern die Geschichte Andis und seines Freundes Ben, die vor allem Ben, dessen jugendliches Revoltieren gegen die Gesellschaft schon an der Kleidung und der violetten Haarfarbe sichtbar wird, ins Fahrwasser linker Chaoten bringt. Hervorragend treffen die Autoren dabei die Erwachsenen unverständliche Jugendspeech: "Mucke" für Musik, "Alter" für Freund und "alte Socke" für "alter Freund". Immer mehr verfällt Ben - und ein wenig auch Andi - den Klängen der linken Sirenen: "Solidarität mit dem Befreiungskampf" (herrlich wird hier die Syntaxunfähigkeit der Radikalen persifliert!), "Faschobullen" (wir müssen diese Beleidigungen wohl aushalten), "Unterdrückung". Wir kennen die Schlagwörter. Infam wird vorgegeben, gegen die Nazis zu sein. Sogar eine hübsche Rothaarige wird als Agitatorin in Szene gesetzt. Wer von uns denkt da nicht an Luxemburg oder Wagenknecht.

So geht alles seinen Weg. Die Autoren haben den Mut, sogar kriminelle Akte, etwa Sprayen und - als Klimax - einen Steinwurf gegen ... den Kiosk eines braven ausländischen Mitbürgers zu zeigen. Sehr schön die Reue Bens nach der notwendigen Strafe, so dass er wieder beim Streetbasketball mitspielen darf.

Die Jury war vor allem von der gelungenen Verbindung von Bildern, Sprechblasen und theoretischen Erklärungen überzeugt. So sind wir überzeugt von der Aussage: " Beim Sozialismus handelt es sich um eine Gegenbewegung vor allem zum historischen Kapitalismus des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, der tatsächlich durch krasse Formen der Ausbeutung gekennzeichnet war." Die Jury fand es erfreulich, dass hier die historische Perspektive dargestellt wird: Sozialismus ist heute gar nicht mehr nötig! Schön auch, dass hier das Jugendwort "krass" binnenpoetisch wieder aufgenommen wird. Rezeptionspraktisch haben wir viele positive Feedbacks, auch von der Lehrergewerkschaft GEW NRW. Auch ein Gütezeichen.

Wir gratulieren der Redaktion und den Innenminister NRWs, der sich traut, als Comicfigur in das künstlerisch hochstehende Werk einzuführen, zum sekretalen Nobelpreis.

Soweit die Begründung der Jury. Wir haben also zwei Nobelpreisträger für Literatur (mindestens). Übrigens finden wir auf der letzten Seite dieTelefonnummern der entsprechenden Dienste, so dass wir uns auf den nächsten Comic freuen können. Titel:

Andi 4. Andi als IM.












17:33 14.12.2009
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