Anna Fastabend
11.12.2012 | 15:07 14

Middletons Recht auf den eigenen Körper

Frauensache Spätestens mit ihrer Schwangerschaft hat Kate Middleton die Verfügungsmacht über ihren Körper verloren. Die ganze Welt weiß nun, was gut für sie ist und was nicht

Middletons Recht auf den eigenen Körper

Illustration: Otto

Da ist er also wieder – der Traum von weißer Heirat, privatem Glück und zwangsläufig dann einem dicken Bauch. Die ganze Welt hat nur darauf gewartet, dass es passiert. Jetzt ist das britische Königshaus endlich schwanger, und wenn alles gut geht, gibt es bald wieder etwas zu feiern mit Kate und William.

Menschen lieben Happy-End-Geschichten, besonders, wenn eine Prinzessin und ein Prinz darin vorkommen. Leider sind die meisten dieser Geschichten aber frei erfunden. Außer in den europäischen Königshäusern. Hier ist das Leben natürlich noch in Ordnung, hier werden Märchen gelebt. Zumindest versucht man, eine richtige Familie mit der richtigen, weil althergebrachten Rollenverteilung abzubilden. In die Rolle der Prinzessin schlüpfte die bürgerliche Kate Middleton, als sie Prinz William heiratete. Königskind trifft Bürgertochter.

Selbst wenn man nicht vom Adels­hype infiziert ist, lässt einen die ganze Berichterstattung als junge Frau um die 30 doch nicht kalt – vor allem nicht die Reduzierung der Prinzengattin auf ihre Pflichterfüllung, einen Thronfolger zu gebären. Sofort springt einen selbst die ewige Frage an, ob man Kinder oder Karriere will. Trifft man auf den vermeintlich Richtigen, kann das mit den Kindern ja schnell passieren. Zu verlockend die Vorstellung vom Angekommensein, von Geborgenheit. Fehlt nur noch ein süßes Kind, und man ist auf ewig mit dem Liebsten verbunden...
Dabei rufen Kate Middletons Erfahrungen auch in Erinnerung, dass man als Frau mit der Schwangerschaft allzu oft das Verfügungsrecht über den eigenen Körper einschränkt. Nicht nur, dass man ihn mit einem Untermieter teilen muss. Vielmehr entpuppen sich auf einmal noch so entfernte Bekannte als Schwangerschaftsexperten, geben Tipps, schauen sorgenvoll und tätscheln den Bauch bei jeder Gelegenheit.

In allen Details ausgeleuchtet

Die Realität ist da eher wie eine Telenovela. Denn im Gegensatz zum Märchen, das aufhört, wenn es am schönsten ist, fängt der Spaß hier erst richtig an. So ist es auch bei Kate Middleton, der ihr Körper schon seit der Heirat nicht mehr wirklich allein gehört. Erst wurde sie zum Sexsymbol degradiert, dessen Brüste man auch gegen ihren ausdrücklichen Willen in der Boulevardzeitung zeigen kann. Und dann fieberte ein ganzes Land nur auf ihre Schwangerschaft hin. Jetzt wird bei ihr das, was bei Normalsterblichen nur im Bekanntenkreis verhandelt wird, zusätzlich noch von den Medien in allen Details ausgeleuchtet.

Und so muss sie es über sich ergehen lassen, dass die Darstellerin einer MTV-Reality-Show Middleton den Tipp gibt, sie solle „die Zeit zu Hause mit dem Baby genießen“. Ein Zürcher Gynäkologe vermutet, ihre Schwangerschaftsübelkeit rühre von einer angeblichen Bulimie her. Und der deutsche Nachrichtensender N-TV spekuliert, ob sich Kate „auf allen Vieren vor der Toilette kniend“ übergeben würde oder ob es für solche Fälle im Schloss „goldene Spuckschüsseln“ gäbe.

Eine Frage, die sich nicht stellt

An dieser Stelle kommt William ins Spiel, der versucht, ein echter Prinz zu sein. Er stellt sich schützend vor seine Frau, droht allzu aufdringlichen Jour­nalisten mit rechtlichen Konsequenzen. Was für ein liebevoller Ehemann, denkt man sich.

Doch richtig bitter wird es wohl erst, wenn das Kleine da ist. Dann stellt sich im Königshaus – so wie in immer noch allzu vielen Familien – die Frage überhaupt nicht, wer zu­hause bleibt.

So spinnt man sich als Frau immer weiter im goldenen Kokon ein. Und je länger man diesen Zustand freiwillig aufrecht erhält, desto schwieriger wird es, da herauszukommen. Man kann Kate nur wünschen, dass sie fortan nicht nur noch als Mutter wahrgenommen wird.

Kommentare (14)

Achtermann 11.12.2012 | 21:02

Ja, der Hochadel. Er fasziniert hauptsächlich Frauen. Diese bunten Prinzessinnen-Heftchen, in denen zwischen den Bildern ein paar Textzeilen versteckt sind, haben doch nur weibliches Zielpublikum. Die Ausnahme bin ich. Wenn ich mal beim Arzt bin, greife ich mir diese Blätter. (Riecht nach Ausrede, so, als sein ich heimlicher Abonnent.) Wie hier im Freitag werden auch dort die Königlichen bewundert und bedauert. Das schafft Nähe und Sympathie, also Mitleidsfähigkeit.  Und so weiß ich nach dem Lesen des obigen Artikels: Diese charmante royalistische Gattin ist also arm dran. So wie Diana, das Vorgängermodell. Gebärt dem Prinzen der Kinder zweie, leidet aber im goldenen Käfig. Ich leide mit…

eulen nach athen 11.12.2012 | 21:16

"Und so muss sie es über sich ergehen lassen, dass ..."

 

das funktioniert doch nur, weil frauen sich dieses verhalten ihrer umwelt gefallen lassen bzw. selbst praktizieren.

also nicht lamentieren, sondern:

 

1. selbst keine tipps geben oder schwangere begrapschen

2. sich tipps, begrapschen u.ä. entschieden verbitten

3. eigene oder fremde körperlichkeiten als privatangelegenheit respektieren

StrandAnders 07.01.2013 | 09:28

Ach daher hatte Morrissey das mit der Bulemie, von einem Züricher Gynekologen sogar. Ich hatte gedacht, der hätte einfach keine Ahnung. So wie ich keine Ahnung von homosexuellen Sexpraktiken hatte, und dafür, dass ich Oralverkehr als das Letzte  fand, wofür man ja nur gezwungen werden kann, von seinen homosexuellen Fans unglaubliche Unverschämtheiten hören musste. Ich hatte ja keine Ahnung, dass es Menschen gibt, die für ein Recht darauf kämpfen... wäre mir nie in den Sinn gekommen. So, nun fand ich seine Kritik an der Königsfamilie immer etwas übertrieben, denn im Land laufen ja noch ganz andere Sachen schief. BIS Kate Middleton und ihre Familie da so unglaublich stolz und überheblich auf sich aus dem Krankenhaus kamen bzw. hingingen. Und ich dachte "? Die könnten etwas weniger deutlich zeigen, dass sie jetzt in die britische Geschichte eingehen, weil sie irgendwas mit dem zukünftigen Thronfolger - oder der Thronfolgerin - zu tun haben." Und dann musste ich kräftig überlegen, ob ich das nun verzerrt wahrnahm und andere zukünftige Eltern vielleicht genau so stolz darauf sind, wenn sie Nachricht über eine Schwangerschaft erhalten. Keine Ahnung, aber wieso steht jetzt schon fest, dass dieses Kind einmal Thronfolger werden wird, während die meisten anderen Kinder, welche zur selben Zeit geboren werden, eine eher ungewissere Zukunft vor sich haben werden? Besonders Kinder aus armen Familien haben es in GB ja nicht leichter als hier Harz IV Kinder, deren Eltern man klar zu verstehen gibt, sie wären am besten erst gar nicht schwanger geworden.