Jan Pfaff
03.01.2013 | 09:00 16

Zlatanieren und steinbrücken

Alltagskommentar Die Schweden nehmen "zlatanieren" zu Ehren von Zlatan Ibrahimovic in ihren Wortschatz auf. Welche Namensverben fehlen uns noch im Deutschen?

Zlatanieren und steinbrücken

Hat jetzt sein eigenes Verb: Schwedens Fußballstar Zlatan Ibrahimovic

Foto: Guiseppe Cacace/AFP

Die schwedische Sprache, die für deutsche Ohren nicht wenige eigentümliche Laute und Worte aufweist, ist seit vergangener Woche um ein Verb reicher. Zu Ehren des Fußballstars Zlatan Ibrahimovic wurde „zlatanera“, auf Deutsch wohl „zlatanieren“, ins Wörterbuch aufgenommen. Es stehe für „etwas mit Kraft dominieren“, teilte die schwedische Sprachakademie mit. Einspruch gab es keinen. Spätestens seit seinem 30-Meter-Fallrückzieher-Treffer gegen England im November, den Sportjournalisten als Jahrhunderttor feierten, genießt Ibrahimovic in Schweden einen gottgleichen Status – und wie, bitte, soll man seine Dominanz anders ausdrücken, als durch ein eigenes Wort?

Die Tradition, aus einem Namen ein neues Verb zu bilden, hat aber nicht immer zu positiv besetzten Begriffen geführt. Der Arzt Joseph-Ignace Guillotine fällt einem ein. Er wollte während der Französischen Revolution Hinrichtungen „humanisieren“ und propagierte ein Gerät, an dessen Weiterentwicklung er beteiligt war, das er aber nicht erfand. Dass das „Guillotinieren“ das Töten beschleunigte, führte allerdings nicht gerade zum zurückhaltenden Einsatz der Todesstrafe. Guillotine selbst litt unter der Verwendung seines Namens für Hinrichtungen, seine Nachfahren änderten ihren Nachnamen.

Die doppelte Bedeutung von "hartzen"

Nicht ganz so tragisch, aber ebenfalls negativ belegt sind viele Wortschöpfungen, die im deutschen Sprachraum Namen zu Verben machen. Vor allem Agenda-2010-Protagonisten liegen hier vokabeltechnisch vorn. Walter Riester schenkte der Versicherungsbranche das „Riestern“. Peter Hartz lieh seinen Nachnamen durchnummerierten Reformen. Heute findet man im Duden unter „hartzen“ die Bedeutung „von Hartz IV leben“, allerdings auch den Hinweis, dass das Wort im übertragenen Sinne bedeuten könne, nichts gebacken zu kriegen. (Duden-Beispiel: „Gestern Abend war ich nur am Hartzen.“)

Die Gesellschaft für deutsche Sprache bemerkt, dass mit Politikernamen bisher ausschließlich Negatives bezeichnet wird und nennt: „guttbergen“ fürs Plagiieren, „schrödern“ für rüpelhaftes Auftreten und „merkeln“ für besonders zögerliches Verhalten. So lange kein deutscher Fußballer ein Jahrhunderttor schießt, wird sich an diesem Negativdrall wohl auch nichts ändern. Welches Verb 2013 den deutschen Wortschatz bereichern wird? Eine nicht ganz so gewagte Prognose lautet: Wir werden bald von „steinbrücken“ sprechen, wenn wir jemandem begegnen, der immer wieder laut darüber klagt, dass er einfach zu wenig verdient.

Kommentare (16)

die Realistin 03.01.2013 | 14:34

Ich würde für Deutschland  folgende neue Worte für unsere arg anglizismusgebeutelte Sprache vorschlagen:

steinbrückeln als Synonym für geldgierig

merkeln - schönreden

brodern - für dumm daherreden...

Wenn´s sein muß, fallen mir sicher noch viele andere schöne Worte ein, war schließlich mal in meinen früheren Leben in Unfreiheit und Hunger, eingemauert und total bespitzelt Übersetzerin un Dolmetscherin.

Klemperer 03.01.2013 | 20:25

Die schwedische Sprache ist wunderschön, wenn man die üblichen Scherzlein beiseite lässt ("Läderlappen" für Batman, weil das auf schwedisch "Fledermaus" bedeutet). Eine  Sprachmelodie, die man nur allen empfehlen kann, die nur chinesisch und italienisch sprechen können. (Jag skojar bara).

Ungewöhnlich klingt das für Deutsche meiner Meinung nach gar nicht - ungewöhnlich klingt nur tyska-svenska, die überharte deutsche Art, wenn man nicht ein bißchen übt, schwedisch zu sprechen. "SKULL" oder "SKALL!!" oder "SKOLL!" statt Skål, um bei den Klischees zu bleiben.

Ich finde, die deutsche Sprache, die auch wunderschön ist, hat schon viel zuviele Floskeln im Stile von "riestern" oder "zuguttenbergen". "Sich neu erfinden" etwa wird meist von der Werbung eingesetzt, mal abgesehen von Kulturszenen, um alles unverändert zu lassen, höchstens noch spießiger zu werden.

Mich interessiert viel mehr, warum "ein Stück weit" ständig kritisiert wurde, aber "sich neu erfinden" oder "dass issn andra beat", oder "Gutmensch" immer weiter, kritiklos und hohl, gebraucht wird.

"zlatanera" dagegen ist klasse! Ich hoffe ja, im Mai wird Ibrahimovic drei Tore gegen Deutschland schießen. Dann hieße eine völlig unerwartete Niederlage  "löwen",  wozu der Arme wenig könnte, er ist nur immer so bieder-ernst...(seine Nivea und Fliegerei-Werbung...ei ei ei) -  und den Schweden dürfte dann für irgendein Superlativ "ibrahimovica" einfallen^^. 

 

Wolfram Heinrich 06.01.2013 | 13:39

Ich darf das hochgeschätzte Publikum daran erinnern, daß das Wort "müllern" zeitweilig Eingang in den deutschen Sprachschatz gefunden hat, inzwischen aber wieder vergessen ist. In der Qualifikationsrunde für die Fußball-WM 1970 in Mexiko hatte Gerd Müller vier von fünf Toren geschossen. Das verleitete die BILD-Zeitung zur legendären Schlagzeile: "Müller müllert uns nach Mexiko".

Ja, liebe Kinder, euer Opa hat wieder mal über die alten Zeiten geplaudert. Und wenn ihr brav seid und den Spinat eßt, erzähl ich euch, wie man damals ohne Computer ins Internet kam.

 

Ciao

Wolfram