Klaus Raab
13.02.2013 | 15:30 15

Sexismus ohne Rosenblatt

TV-Kritik Nicht die Show ist frauenfeindlich, sondern das Weltbild, das sie entlarvt: Über Christian Ulmens neues Format "Who wants to fuck my girlfriend?"

Sexismus ohne Rosenblatt

Na sowas! war eine ZDF-Show, in der Thomas Gottschalk den „Wahnsinn des Alltags“ präsentierte. Mal trat ein Hund auf, von dem sein Herrchen behauptete, er könne „Mama“ sagen, mal ein 14-jähriger Informatiklehrer. Das neue Tele-5-Format Who wants to fuck my girlfriend? mit Moderator Uwe Wöllner, einer Kunstfigur, hinter der der Fernsehliebhaber Christian Ulmen steckt, hat die Titelmelodie von Na sowas! übernommen. In diesem Verweis steckt die zweite Frechheit nach dem Sendungstitel: In Who wants to fuck ... stehen ja nicht sprechende Hunde, sondern Frauen im Zentrum.

Von der ersten Sekunde an ist das neue Format, dessen Konzeption Wöllner untergejubelt wird, einer Figur, die sich ihr Weltbild von Reality-TV-Formaten wie Der Bachelor und Girlscamp zurichten ließ, eine Irritation: Es gewinnt jener von zwei (realen) Kandidaten, dessen (reale) Freundin öfter im Imbiss angestarrt wird, auf dem Straßen-strich den höheren Preis heraushandelt oder Männer im Sexshop zu mehr schlüpfrigen Komplimenten verleitet. Das ist, eins zu eins gelesen, bodenlos, und kaum war die Show angekündigt, gab es starke Proteste; „sexistische Kackscheiße“ sei sie, produziert von „Arschlöchern“.

Wenn man aber drei Folgen vorab gesehen hat, wird man das Gefühl nicht los, dass sich die verfrühte Kritik selbst ins Bein geschossen hat. Die Show handelt nicht davon, dass Frauen wie Ware behandelt werden sollen. Sie leuchtet vielmehr mit den Mitteln der Reality-Gameshow aus, wie weit verbreitet dieses Frauenbild ist. Sexismus wird hier nicht mit Rosenbädern und Candle-Light kaschiert, wie im Bachelor, einer Sendung, die zwar nicht so heißt, aber tatsächlich davon handelt, dass Frauen von einem reichen Kerl flachgelegt werden wollen, sondern durch Überaffirmation entlarvt. Uwe Wöllner repräsentiert den der Realität abgeschauten Typus des Trampeltiers, das verbal toleriert („Bist du auch Veganerin und sowas, oder bist du nur lesbisch?“, fragt Wöllner in der ersten Folge, dem Spezial Who wants to fuck my lesbian girlfriend?), aber unfähig ist, sich selbst in einer anderen Position als jener des „Normalen“ zu verstehen.

Valide Kritikpunkte gibt es trotzdem. Eine Bloggerin der Mädchenmannschaft warf der Produktion vor: „Sexismus ist auch nicht gut, wenn er am Ende enttarnt wird“, was stimmt. Nur ist enttarnter Sexismus, von dem man als Zuschauer regelrecht Bauchschmerzen kriegt, nicht mehr derselbe wie ein nicht so benannter. Man kann die Aktivisten von den Yes Men als Vergleichsgröße heranziehen: Wenn die auf einer Wirtschaftskonferenz, verkleidet als Vertreter der Welthandelsorganisation, vorschlagen, Wählerstimmen zu versteigern und die Konferenzteilnehmer diesen Irrsinn beklatschen – sind dann die Yes Men undemokratisch?

Würde man Who wants to fuck…? in einem Theater spielen, würde niemand jene Flachgeistigkeit vermuten, die der Sendung unterstellt wird, weil sie auf einem Privatsender läuft. Man würde über eine medienkritische Performance faseln, sie würde aber niemandem weh tun und verpuffen. Es ist im Rahmen des Denkbaren, dass Who wants to fuck my girlfriend? im kommenden Jahr eine Grimme-Preis-Nominierung bekommt. Gründe gäbe es.

Kommentare (15)

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Ehemaliger Nutzer 13.02.2013 | 17:19

Ich persönlich gucke grundsätzlich keine privaten Sender zu viel Sozialrassimus, keine gescheiten Aussagen nur einseitige Werbung und ein einseitiges feudalistisches, schlichtes Meinungsbild was uns alle noch teuer zu stehen kommen wird. Aufklärung ist eine Sache und finde ich auch ganz gut, wegen meiner kann man auch lockere Sprüche machen über die man lachen kann und jeder Mensch hat auch eine dunkle Seite aber muss die unbedingt verstärkt werden. Kann man über eine solche Sendungen lachen oder wer lacht darüber? Oder was hat das mit Aufklärung zu tun wenn nur Menschen mit niedrigen Instinkten angesprochen werden und das noch für allgemeingültig erklärt wird als ob alle Menschen so wären. Bzw. das eine als lustig bezeichnet wird und im nächsten Moment als Sexismus. Was mit dieser Sendung angewandt wird ist Propaganda hin zum totalitären Prinzip indem moralische, zivilisatorische Grundsätze verwischt werden und somit das Recht und die Einschätzung in Zukunft nach Belieben von den jeweiligen Machthabern bestimmt werden.

Ich denke nicht das Aussagen „wie bist du auch Veganerin oder nur lesbisch“ aufklärende Wirkungen haben. Im Gegenteil ich halte das für Sozialrassimus oder Stigmatisierung und neoliberaler Propaganda. Warum werden gerade diese Beispiele genommen? Ich denke nicht, dass zum Teil engagierte Menschen die Veganer sind  sich in solchen antisozialen Schablonen aufhalten und oder automatisch lesbisch sind und daher ist es ungehörig diese Verbindung zu konstruieren. Für mich kommt es einem billigen Rufmord gleich mit dem Zweck Druck auf die Betroffenen auszuüben indem diese vor Angst sich nicht mehr trauen ihre Lebensart zu leben. Und der Hintergrund ist auch schnell gefunden denn Konzerne die Massenproduktion produzieren haben kein Interesse an Ökologie. Konzerne wie Monsanto möchten sich gerne alle Lebensmittel aneignen durch Patentierung von Lebensmitteln die haben an Öko kein Interesse und ich wette auch nicht am Sexismus eher als Unterhaltung siehe BungaBunga, es sei denn sie können ihre Gegner als solche bezeichnen und somit betreiben sie Lobbyarbeit. Das Privatfernsehen ist reines Lobbyfernsehen das sollte man wissen.

Aufklärung sollte dort stattfinden wo sexistische Übergriffe vorkommen und wo diese stattfinden, hautsächlich dort wo sich die Menschen nicht wehren können, Abhängige. Alles andere ist erst mal für mich kein Sexismus. Durch den Sozialabbau können sich Menschen immer weniger wehren und auch Kinder weil man ihre Rechte einschränkt und Angst produziert. Entrechtete Angstmenschen sind Opfer auch Sexopfer!! Wenn wir uns das Ende der Sozialentrechtung durch die Politik anschauen wollen und Sexismus live, haben wir genug Anschauungsmaterialien beim Sextourismus und BungaBunga! Und was sehen wir Sexismus hat nichts mit der Mehrheit des Menschen zu tun sondern ausschließlich etwas mit Minderheitenmachtmissbrauch und ist daher klar feudalistisch geprägt oder Neoliberal. Der Überlebenswille des Menschen macht es möglich, es hängt sich eben nicht jeder auf wenn er gedemütigt wird!! Ich sehe nicht, dass die Realität etwa bei dieser Sendung durch das Vulgärvokabular herausgearbeitet wird? Ich sage nein wird eher verschleiert und unliebsame zu Tätern erklärt.

J.Taylor 13.02.2013 | 20:03

Der Herr Ulmen hat eben Humor! Wie er aber darauf kommt, dass Deutsche diesen Humor verstehen, ist mir völlig schleierhaft. Die pädogogische Großtat und ein Schritt in die Zukunft wäre doch schon, dass das dem Sexismus verfallene Publikum ob der eigenen Peinlichkeit zumindest schmunzelt, statt bierernst am Thema vorbei zu diskutieren.

Kcolk Netsrot 13.02.2013 | 20:48

Hallo,

habe bisher noch nie etwas über Ulmens neue Show gesehen und gelesen.

Allerdings bin ich mir ziemlich sicher dass es-zumindest für mich(wenn ich dazu komme zu schauen- ein Brüller werden wird.

Ulmen ist einer der besten Zeitgenossen wenn es darum geht der Allgemeinheit-mich eingeschlossen- den sprichwörtlichen Spiegel vor die Nase zu halten.

Allein schon die Frage:"„Bist du auch Veganerin und sowas, oder bist du nur lesbisch?“ finde ich zum brüllen.

Das sich auch ein paar "Überkorrekte" über den "Sexismus" darin aufregen werden ist (leider)normal.

Bin  auf jeden Fall mal gespannt.

Angenehmen Abend

Robert.W. 13.02.2013 | 22:01

Haben sie sich schon etwas von der Sendung angesehen?

Auch ich war bei der Ankündigung der Sendung skeptisch wie die Sendung funktioniert und wie die Rolle von Christian Ulmen verkörpert wird.

Ich halte die Moderation für außerordentlich gelungen. Ebenso kann ich die Einschätzung nur teilen, dass die Sendung zumindest eine Sichtweise entlarvt, die viele Menschen in einer unterschiedlicher Ausprägung besitzen. Dafür kann man sicherlich viele Belege finden, wenn man sich dann die Sendung (auch im Internet möglich) anschaut.

Gerade der Satz „Bist du auch Veganerin und sowas, oder bist du nur lesbisch?" wirkt dabei besonders entlarvend.

urageme 15.02.2013 | 15:16

@NinoSchneider:

Ihr Beitrag ist ein Musterbeispiel für ein sog. "Clusterfuck"-Kommentar und somit ein totaler geistiger Fail. Jeder Satz verfehlt es den sozialkritischen Ansatz der Sendung zu erkennen. Ihre gedankengänge und meinungen verfehlen es den Kontext, der dem ganzen Phänomen erst seinen Sinn verleiht, miteinzubeziehen. Das Format ist eine reine Parodie, welches der Gesellschaft einen Spiegel vorhält!!! Das hat ja schon die vorauseilende Empörung deutlich gemacht...ein gelungener PR-Stunt...BRAVO!

Es ist ja eine sache, den Humor nicht zu erkenne, wenn Uwe eine ABSURDE Verbindung zwischen Lesbisch sein und Vegetarier sein konstruiert. Aber ihre Gedankenkette von "Für mich kommt es einem billigen Rufmord gleich mit dem Zweck Druck auf die Betroffenen auszuüben indem diese vor Angst sich nicht mehr trauen ihre Lebensart zu leben" über "Konzerne die Massenproduktion produzieren  haben kein Interesse an Ökologie" nach "Monsanto" und "BungaBunga" bis hin zur "Lobbyarbeit" ist ein erstaunlicher geistiger dünndrift...WOW! Das topt Uwes Kausalitätsketten bei weitem...sie sollten die Show moderieren!  :D

 

TobiB07 16.02.2013 | 12:22

Ahja, der Autor vermutet also eine getarnte Kritik an sexistischen Verhältnissen in der Gesellschaft, besonders der - mal wieder - "Blick" der Männer, der natürlich pöhse ist.

Jetzt hieß die erste Folge aber, "Who wants to fuck my

lesbian

Girlfriend", was der Autor konsequent unterschlägt, aus taktischen Kalkül, denn hier ziehen Lesben los, um Frauen aufzureißen und zu verführen. Wird damit jetzt der sexistische Blick der Frauen entlarvt, oder wie jetzt? Nee, "lesbian" streichen wir mal ganz schnell, erwähnen es nicht, sonst geht das Konzept nicht auf, die Sendung als Gesellschaftskritik zu preisen (wobei angeblich Männer entlarvt werden, und natürlich nur Männer, so will es der Feminist).

Nach dem feministischen Shitstorm habe ich mich ja ordentlich mit Cola und Chips eingedeckt, aber dann die Enttäuschung: Die ganze Aufregung war's net wert. Ganz nette Unterhaltung, am besten war die Marktforschung ("Erregt es Sie, wenn Sie an meine Vagina denken?") und dass die eine, Perriehaar, oder wie die hieß, am Ende tatsächlich eine abschleppen konnte, die auf das Angebot, mit einer Frau zu schlafen mit einem lebensresignierten "Warum eigentlich nicht?" (oder so) einwilligte. Das fand ich traurig.

Jetzt bin ich auf das Männerformat gespannt.

Nein, diese Sendung ist keine Gesellschaftskritik, man erlaubt sich einfach nur einen Spaß mit sexuellen Inhalten, und genau das ist es, was die FeministInnen auf die Palme bringt: Sex.

Sex! Sex! Sex! Sex! Sex! Sex! Sex! Sex! Sex! Sex! Sex! Sex!

TobiB07 16.02.2013 | 13:23

Darf ich interpretieren? Der ganze Artikel handelt davon, dass dieses Format angeblich Sexismus in der Gesellschaft entlarvt. Indem man die erste Sendung aber auf lesbisch lief, wurde diese Kritik gekonnt ausgehebelt. Denn jetzt stellen sich Fragen, wie etwa: Sind jetzt Frauen/Lesben die Sexistinnen, die einen überall grassierenden Sexismus befördern, oder sind wir da jetzt mal ganz still? Keine Anklagen gegen die weiblichen "Ekelpakete", alles roger? Ja, alles Roger. Warum? Weil's Frauen sind!

Dieser Artkikel entlarvt tatsächlich den dem Feminismus ganz eigenen Sexismus, die Anklage entfällt, weil es das andere Geschlecht ist, welches sich den Anklagepunkten schuldig macht. Sexismus: Anlegen unterschiedlicher Maßstäbe je nach Geschlecht.

Wer hier durch diese erste Folge vorgeführt wird, dass sind die FeministInnen. Grandios!

TobiB07 16.02.2013 | 13:43

Nachtrag:

Indem es Frauen sind, wird noch etwas gezeigt. Nämlich: Es ist in Ordnung Fremde anzusprechen und anzumachen. Die ganze Hysterie der Brüderle-Sexismus-Debatte: Wenn's Frauen machen, wird klar: Das geht in Ordnung, ist nicht schlimm, ist erlaubt. Im Café, in der Bar: Man darf/kann/soll zu Fremden und sie (auch ungeschickt) anquatschen, indem die Rollen getauscht sind, wird überdeutlich, der ganze #Aufschrei: Unberechtigt, eine falsche Anklage gegen Männer, falsch deswegen, weil gut zu sehen ist, wenn es eine Frau macht, die baggert, gibt es nichts daran auszusetzen, wir sind erwachsene Menschen, und das heißt auch die krassest mögliche Ansprache ist erlaubt: "Hallo, willst Du mit mir schlafen?"

Ich bin mehr und mehr begeistert von dieser Sendung. Ich schreib jetzt Fanpost an Ulmen/Tele5.

Das Männerformat werde ich mir aber nicht mehr anschauen. Keine Lust, zuzusehen, wie da arme Typen vorgeführt werden, denen etwas passiert, was keinem Mann je passiert: Eine Frau, die einen anspricht und Sex von einem will. Aber nur zum Schein. Merke: Wenn dich eine Frau anspricht, steht irgendwo eine Kamera.