Dürfen Islamisten die Schlosskuppel sponsern?

Schlossfreiheit .... fordert archinaut:
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Erstaunliche Volten schlägt das bürgerliche Gewissen im Berliner Tagesspiegel zwischen dem 25.05.2011 und dem 26.05.2011:

Schlossplaner stöhnen über Auflagen titelt das Bürgerblatt zunächst hämisch, ein Artikel von Ralf Schönball führt drastisch das zu erwartende Umfeld der Berliner Schlossrekonstruktion vor Augen: Mehrere hundert Edelstahlbügel für Fahrräder, ein Wald von Hinweisschildern, eine kahle Schneise rund um den Neubau und als Sahnehäubchen die urinöse Fassadenanmutung. Am Schloss wird der Baustoff sandsteingelb erscheinen. Sichtbeton ist ein preiswerter Baustoff, dessen leicht poröse Oberfläche anfällig für Umwelteinflüsse wie vom Dach ablaufendes Wasser oder Schmutzpartikel ist.

Sichtbeton? Richtig gelesen, leider anfällig für Umwelteinflüsse...... vielleicht nehmt’s lieber a bisserl Waschbeton? Aber nein, die Kommunikationsgewaltigen der Stiftung haben eine neue Bezeichnung kreiert: Architekturbeton! Da mag man doch gerne Souverän sein, kein Revolutionär wird es wagen, ein Schloss aus Architekturbeton zu sprengen!

Im Gespräch, aber nicht im Budget ist auch ein Dachrestaurant mit Platz für 200 Besucher. Die Kosten in Höhe von 3,3 Millionen Euro können durch den Betrieb eingespielt werden. Jeder Gastronom wird diese Zahl Hände reibend bestätigen, solange die Bank den Zaster vorschießt. Zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit sollte man auch Windkraftanlagen und Photovoltaik-Schirme auf dem Dach in’s Gespräch bringen, schmückten sich auch die vordemokratisch feudalen Landnehmer stets mit dem dernier cri zeitgenössischer Hochtechnologie.

Fünfzig Leserkommentare am ersten Tag finden wenig gute Haare in der alten Suppe... vielleicht schiebt man deswegen einen zweiten Artikel nach?

Christina Tilmann wird jetzt neben Ralf Schönball als Autorin genannt, unter dem rätselhaften Titel Ornament der Masse werden Einblicke in die brillante Gedankenwelt des bundesbestallten Stiftungspersonals gewährt.

In den Berliner Schulen will Stiftungschef Rettig das Schloss vorstellen: Weil dort die Nutzer sind, die bei Fertigstellung volljährig sein werden! Wie rührend: Dann können sich die Lehrer daran erinnern, wie zu ihrer Zeit für den Palast der Republik gesammelt wurde! Ja, so freut man sich auf die Identität und das Gedächtnis der Stadt(O-Ton Architekt Stella)! Über fünfhundert Jahre Widerstand seit dem Berliner Unwillen, jetzt wird Bürgertum und Stadtgeschichte endlich interkulturell und überdisziplinär als Unterrichtsstoff erschlossen!

Der Planungsstand wird im voll besetzten Audimax der Humboldt-Universität präsentiert, der Artikel würdigt auch die Stimmungslage des Publikums: Viele von ihnen, auch das wurde an diesem Mittwoch Abend deutlich, würden sich noch mehr Rekonstruktionen, auch im Inneren des Gebäudes wünschen. Und weiter noch: Buhrufe, Pfiffe und „Aufhören“-Rufe ertönten erst beim Einwurf der Berliner Grünen-Abgeordneten und Stadtplanungsexpertin Franziska Eichstädt-Bohlig, ob die Fassade nicht etwas mehr „zeitgenössisches Spiel“ vertragen würde und nicht auch Anklänge an den abgerissenen Palast der Republik erforderlich seien. Diese Berliner wollen ihr Schloss zurück.

Ja, das Schloss war mal Eigentum der Berliner.... Diesen in der Debatte weitestgehend ausgeblendeten Teil der Geschichte des Schlossplatzes berücksichtigen jetzt Pläne, die einst für das Foyer des Palastes geschaffene „Gläserne Blume“ an einem „zentralen Ort“ des Forums wieder aufzustellen. Zudem soll an der Stelle, an der das große Palastrestaurant seinen Platz hatte, im Neubau ein Restaurant entstehen. So dass „Paare, die seinerzeit im Palast der Republik ihre Hochzeit gefeiert haben, nun dort ihre Goldene Hochzeit feiern könnten“, wie Rettig für eine neues „Haus des Volkes“ wirbt, ist in der Märkischen Oderzeitung zu lesen, was der Tagesspiegel seinen Lesern schamhaft verschweigt.

„Ein anonymer Spender hat Portal 5 komplett übernommen.“ wird Rettig zitiert, „die erste Million ist schon überwiesen!“ Er verrät nicht ob die Spendenbescheinigung schon an den Spender übergeben wurde. Unterliegt die Stiftung dem bundesdeutschen Geldwäschegesetz? Ab einem Betrag von 15.000,-Euro ist jeder Einzahler zu identifizieren..... man möchte doch wissen, woher das Geld kommt! Erbschaft, Lottogewinn, legale Geschäfte, steuerflüchtige Griechen, Gazprom oder Narco-Business? Ist Hasso Plattner wieder dabei? Will Carsten Maschmeyer einziehen? Messingplatte für den Spender inklusive...

Für die Finanzierung der Rekonstruktion ist ein weitläufiger Spendensumpf zu erwarten, wo gewiss auch die eine oder andere toxische Fracht eingebracht werden darf: Die Sammlung des rührigen Fördervereins hat in achtzehn Jahren nach eigenen Angaben bis Ende des Jahrs 2010 knapp 15 Millionen Euro erreicht, das entspricht zweikommasieben Prozent (2,7 %) der geschätzten Baukosten, die seit Jahren unverändert mit 552 Millionen Euro geheuchelt werden. 440 Millionen werden vom Bund „herbeigesteuert“, 32 Millionen aus der Berliner Landeskasse gepresst und 80 Millionen will der Förderverein beschaffen. Hat er für das Einsammeln von 15 Millionen bisher 18 Jahre benötigt, sind wohl in 100 Jahren die restlichen Milliönchen aufgetrieben oder aufgerieben.... Zur maximalen Transparenz und Effektivität der privaten Schloss-Initiativen hat die Bundesregierung im Jahr 2009 die gemeinnützige "Stiftung Berliner Schloss - Humboldtforum" errichtet (Selbstdarstellung auf der Website), deren Vorstandssprecher Manfred Rettig ist.

Bei der Kuppel rechnet Rettig gar mit einem Wettbewerb unter den Namen, die „sich als Großspender damit in Verbindung bringen können,“ schreiben Tilmann/Schönball im Tagesspiegel.Denkt der Sprecher der Stiftung an die allzeit potenten Energieversorger? Vielleicht gar an ein absolut sicheres Demonstrationsatomblockheizkraftwerk unter der klassischen Wölbung? Damit nicht nur die Äuglein strahlen angesichts der neuen Wunderwerke, die der Deutsche Michel in seiner Hauptstadt des jungen Jahrtausends rühmen soll?

Franziska Eichstädt-Bohlig fragt an, ob Architekt Stella den islamischen Sammlungen der Museen Preußischer Kulturbesitz genug Raum geben wird, möglicherweise ist die feudal maskierte Rumpelkammer viel zu klein!

Aber Vorsicht: jeder Spenden-Euro eines deutschen Steuerzahlers geht dem hungernden Fiskus des Bundes und der Länder verloren, das ist ja der süße Lohn beim Spenden für einen gemeinnützigen Zweck!

Neue Finanzquellen sind zu erschließen damit die die Spendensammler nicht vor der Fertigstellung in’s Gras beißen! Schauen wir in die Vergangenheit: Haben unsere Altvorderen nach einem Krieg nicht zuerst die Kanonen des besiegten Feindes zum Siegesmal gegossen?

Osama bin Laden ist endlich erlegt, der böse Gottseibeiuns des Islamismus, der die wildwestliche Welt in einen Krieg gegen den Terror gezwungen hat, in die Aufrüstung der Flughäfen und Sicherheitskräfte in allen Staaten der nordatlantischen Bündnisse, in neue Waffen und Aufklärungssysteme, zur Einrichtung von CIA-Geheimgefängnissen.... wer weiß, ob nicht auch die Bankenkrise auf seine Konto geht (kann man das so schreiben, widersinnig irgendwie, na egal, weiter im Text..)..... ist es nicht an der Zeit, dass seine Gefolgsleute, seine Glaubensgenossen, seine Erben und seine Unterstützer jetzt Reparationen an den Westen zahlen?

Aber nicht mit Gewalt, nein: Gebt ihnen die Schlosskuppel! Verlangt ihre fähigsten Baumeister, deren Lehrer schon die Süleymaniye-Moschee, die Hagia Sophia oder das Taj Mahal in die Himmel schickten, und natürlich muss die Kuppel von Hand mit Blattgold belegt werden!

Erst durch eine Schlosskuppel wird der grässliche Kasten (O-Ton meiner Mutter, sie kannte noch das Original) zum Schloss geadelt. Die Kuppel ist nicht nur unverzichtbar, sie ist der geheime Motor für die gesamte Anstrengung der Rekonstruktion, das Ziel der letzten Sehnsucht.... sie steht für Harmonie, Frieden, ewig stillende Milchbrust, und wenn der Muezzin aus der Laterne zum Gebet ruft (natürlich nur für die Touristen ;-)): dann kann ein friedliches neues Jahrtausend in Berlin beginnen!

Hier endet der 169. Eintrag: Dieser Blog mischt Fiktion und Realität. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig und in der historischen Überlieferung nicht verbürgt. Ich bin nur der Navigator, mein Name sei NEMO:

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23:55 27.05.2011
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Geschrieben von

archinaut

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