Vom Organ der Gewohnheit

Raumforscher Über die Poetik des Raumes
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Dieser Blog kommt aus dem Raum:

Doch über die Erinnerungen hinaus ist das Elternhaus physisch in uns eingezeichnet. Es besteht aus einer Gruppe von organischen Gewohnheiten. Aus einem Abstand von zwanzig Jahren, allen anonymen späteren Treppen zum Trotz, würden wir noch die Reflexe jener „frühesten Treppe“ wiedererkennen, über eine bestimmte, etwas zu hohe Stufe würden wir nicht stolpern. Das ganze Sein des Hauses würde sich entfalten, unserem eigenen Sein treu geblieben. Wir würden die Tür aufstoßen, die noch das gleiche Knarren hat, ohne Licht würden wir in den entlegenen Speicher gehen. Das Gefühl der kleinsten Klinke ist noch in unserer Hand.

Zweifellos haben die Häuser, die wir später eines nach dem andern bewohnten, unsere Gesten banalisiert. Aber wir sind sehr überrascht, wenn wir in das alte Haus zurückkehren, nach den Dekaden einer Odyssee, dass die leisesten Gesten, die frühesten Gesten plötzlich wieder aufleben, vollkommen wie immer.

Gaston Bachelard

Poetik des Raumes

Aus dem Französischen übersetzt von Kurt Leonhard

Fischer Taschenbuch Verlag

Hier endet der 276. Eintrag: Dieser Blog mischt Fiktion und Realität. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig und in der historischen Überlieferung nicht verbürgt. Ich bin nur der Navigator, mein Name sei NEMO:

Ich schreibe um unser Leben. Bitte bleib dran.

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Dieser Blog mischt Fiktion und Realität. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig und in der historischen Überlieferung nicht verbürgt. Ich bin nur der Navigator, mein Name sei NEMO:

Ich schreibe um unser Leben. Bitte bleib dran.

23:31 04.03.2012
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Geschrieben von

archinaut

Ein Blick weitet den Horizont: Dieser Blog zieht um die deutschen Häuser
archinaut

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