asansörpress35
15.03.2014 | 12:52 32

Grüne, habt ihr sie noch alle?

Redeverbot Es heißt die Grünen seien erwachsen geworden. Eine Grüne will Ex-Kanzler Redeverbot erteilen. Eine andere begibt sich mittels Fotomontage auf niedriges Niveau.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied asansörpress35

Grüne, habt ihr sie noch alle?

Foto: Philipp Guelland / AFP / Getty Images

Hol mir mal 'ne Flasche Bier! Oder vielleicht doch gleich 'ne Pulle Wodka? Was ist nur aus manchen Grünen geworden? Ich schreibe in Erinnerung einer vom großen Theatermann George Tabori erzählten Anekdote aus dessen Leben, bewusst "manchen", denn die Grünen gibt es nicht. George Tabori kam einst als Kind von der Schule nach Hause und sagte seinem Vater, etwas, das er in der Schule aufgeschnappt hatte. Nämlich: "Alle Rumänen sind schwul." Darob erhielt er vom Vater eine Ohrfeige, welcher die Worte "Merk dir, die gibt es nicht!" Und so ist es eben auch bei den Bündnisgrünen. Bestätigen Ausnahmen die Regel?

Für den Frieden traten die Grünen damals ehrlich und kampfentschlossen auf

Komische Vögel waren Grüne ja schon von Beginn ihrer Existenz an. Aber gegen harsche Kritik, die ihnen entegegenschlug, verteidigte ich sie. Grüne Frauen strickten auf Parteitagen oder stillten ihre Kinder. Warum nicht? Auch grüne Männer kamen unangepasst daher. Frauen und Männer vereinte, dass sie die verkrusteten Strukuren der alten Bundesrepublik aufbrechen, den Muff unter den Talaren ordentlich auslüften wollten. Und nicht zu vergessen: Für den Frieden traten die Grünen damals ehrlich und kampfentschlossen auf. Dafür bekamen sie ordentlich Prügel von den Konservativen. Und auch die Medien wollten mit diesen vermeintlichen Schmuddelkindern nicht spielen.

Heute sind die Grünen "erwachsen"

Heute aber, liest und hört man, die Grünen seien erwachsen geworden. An was machen dies die Schreiber und Sprecher solcher Texte fest? Nun, vielleicht daran: Grüne Frauen sieht man so gut wie gar nicht mehr stricken. Und auch den Frieden definieren die Bündnisgrünen heute anders als dazumal. Unter Rot-grün taten sie gar beim ersten deutschen Kriegseinsatz nach 1945 ordentlich mit. Das (völkerrechtswidrige) Bombardieren Serbiens fand die Grünen-Spitze überhaupt nicht anrüchig. Ganz im Gegenteil. Es geschah ja aus "humanitären" Gründen. Ergo: Für den Frieden. Und dafür waren ja die Grünen (einst) einmal.

Bekanntlich war der vorgebliche Sozialdemokrat Gerhard Schröder damals Bundeskanzler.

Gerhard Schröder zur Causa Ukraine/Krim

Nun äußerte sich Schröder auf einer Matinee der „Zeit“ über die Spitze der EU-Kommission in Brüssel zur Causa Ukraine. Und kritisierte „man habe nicht im Entferntesten kapiert (…), dass das ein kulturell gespaltenes Land ist und dass man mit einem solchen Land so nicht umgehen kann”. Weiter fügte Schröder hinzu: „Ich frage mich, ob es richtig war, ein kulturell gespaltenes Land wie die Ukraine vor so eine Alternative zu stellen: Assoziierung mit der EU oder Zollabkommen mit Russland“. Vielmehr hätte die EU “beide Richtungen” möglich machen sollen.

Der "Genosse der Bosse" bekannte schließlich noch ehrlich, damals selbst das Völkerrecht missachtet zu haben: „Natürlich ist das, was auf der Krim geschieht, ein Verstoß gegen das Völkerrecht“. Als Bundeskanzler habe er beim Jugoslawien-Konflikt ebenfalls gegen das Völkerrecht verstoßen. “Da haben wir unsere Flugzeuge (…) nach Serbien geschickt, und die haben zusammen mit der Nato einen souveränen Staat gebombt – ohne dass es einen Sicherheitsratsbeschluss gegeben hätte.” Schröder riet eingedenk dessen dazu, mit dem erhobenen Zeigefinger vorsichtig zu sein.

Rebecca Harms (Grüne) wollte Gerhard Schröder Redeverbot verpassen - Häh?

Die Äußerungen brachten die Grünen - ihnen voran - Rebecca Harms auf die Palme. Von was Harms auch immer geritten wurde, bleibt schleierhaft. Jedenfalls verfasste sie gemeinsam mit den Konservativen im Europäischen Parlament einen Anhang zu einer Resolution zur Krimkrise, welcher Gerhard Schröder nebenbei einen Maulkorb verpassen sollte.

Unter Punkt 25a sollte dort eingefügt werden:

Das Europaparlament bedauert die Äußerungen des ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder über die Krise in der Ukraine, betont, dass er keine öffentlichen Aussagen zu Themen machen sollte, die Russland betreffen, da er sich aufgrund seiner Beziehungen zu dem Unternehmen Gazprom, das eines der bedeutendsten außenpolitischen Instrumente Russlands darstellt, in einem eindeutigen Interessenkonflikt befindet

Häh? Hol mir mal Glas voll Wodka! Eine Grüne, die erst jüngst zur Spitzenkandidatin für die kommende Europa-Wahl nominiert worden ist, will einem ehemaligen Politiker Redeverbot erteilen?!

Merkwürdiges Verständnis von Demokratie

Was ist das denn für ein Verständnis von Demokratie? Wo doch die Meinungs- und Redefreiheit eine hohes Gut in der Demokratie ist! Gewiss: manches Mal hätte man ja Gerhard Schröder allzu gern zugerufen: Halt doch die Klappe, basta! Aber dies trifft für viele andere Politikerinnen und Politiker ebenfalls zu.

Also zurück zur Demokratie: Wir müssen sie ertragen, die Meinungen unserer Politiker und seien sie auch noch so dumm oder krude. Schließlich können wir ebenfalls unsere Meinung sagen oder schreiben. Zur von Schröder geäußerten Meinung ist nebenbei zu sagen: Diesbezüglich ist ihm m. E. durchaus recht zu geben.

Harms scheiterte

Jedenfalls kam das Harm'sche Redeverbot für Gerhard Schröder nicht durch. Der österreichische Sozialdemokrat und Chef der Fraktion der Europäischen Sozialistischen Partei, Hannes Swoboda, sprach sich gegen diesen merkwürdigen Vorschlag aus. Es ginge nicht an, so Swoboda, dass ausgerechnet das Europäische Parlament einem ehemaligen Politiker den Mund verbieten wolle. Dem ist zuzustimmen. Was erlauben, Harms?

Verwirrte Grüne

Ich möchte den Grünen ja nicht zu nahe treten. Jedoch: wenn ihnen inzwischen auch von konservativen bürgerlichen Politikern und Medien zugestanden wird, sie seien "erwachsen" geworden, könnte es sein, dass die Grünen auch diese Schwelle bereits überschritten haben? Einige der Grüne wirken zumindest verwirrt. Marieluise Beck (MdB. Bündnis 90/Grüne) und Ralf Fücks, Vorstand der Böll-Stiftung, düsen nach Kiew und finden die neue, nicht legitmierte Regierung der Ukraine ganz toll. Den Einfluss der Faschisten in der Ukraine reden sie dagegen klein.

Kathrin Göring-Eckardt auf niedrigem Niveau

Und Kathrin Dagmar Göring-Eckhardt vom Vorstand der Bündnisgrünen ist von was geritten gewesen, als sie ein Foto, das offenbar russische Bewaffnete und daneben Sahra Wagenknecht; hineingephotoshopt; abbildet, auf ihre Facebook-Seite gepostet hat. Die Aufschrift auf dem Foto: JETZT NEU: LINKSPARTEI ERSTMALS FÜR AUSLANDSEINSÄTZE. Göring-Eckhard entblödet sich nicht, eien solchen Schwachsinn zu posten. Wie tief kann man als Grüne sinken, um auf ein niedriges Niveau zu rutschen? Gehörte diese Fotomontage nicht verboten? Nein! Sie ist von der im Grundgesetz garantierten Meinungsfreiheit gedeckt. Wir müssen sie ertragen. Es soll bereits ein Shiststorm gegen diese Abbildung eingesetzt haben. Eine mögliche Reaktion von vielen anden.

Fazit

Früher strickten die Grünen, auch Männer, auf Parteitagen. Und grüne Frauen stillten ihre Kinder. Und Grüne, Frauen und Männer, traten für den Frieden ein. Das gefiel mir besser. Ich verteidigte sie gegen üble Kritik. Was ist nur heute aus manchen Grünen geworden? Hilfe! Hol mir mal 'ne Flasche Bier! Und wenn das nicht reicht, 'ne Pulle Wodka noch dazu. Einen Schluck nehmend, rufe ich einigen Grünen zu: Habt ihr sie noch alle?

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (32)

poor on ruhr 15.03.2014 | 13:51

Finde das mit dem Redeverbot auch ein Hammer. Ich bin wirklich alles Andere als ein Fan von Gerhard Schröder, aber eine solche Forderung ist abwegig , dumm und gegen jedes demokratische Grundverständnis. Ich stehe zwar dazu, dass es mir auch heute noch oft schwer fällt, ihm zuzuhören, aber selbst sein ehrliches Bekenntnis zu dem vollzogenen Völkerrechtsbruch , den er natürlich infolge eines übergeordneten humanitären Notstands im damaligen Jugoslawien als gerechtfertigt empfindet, ist gegen das hier beschriebene verlogene grüne Geschwätz wirklich noch Gold!

Auch wenn es mir oft bis eigentlich immer schwer, fällt Schröder zuzuhören bei dem was er sagt und wie er es sagt, würde auch ich wie in dem Sprichwort dieses Franzosen (Moliere?) kämpfen, dass er das sagen darf , auch wenn es beim Schreiben dieses Satzes innerlich "Urghs" in mir macht , ist er trotzdem ehrlich.

In einer bedeutendne politischen Rolle innerhalb der BRD lehne ich ihn abe rentschiedne ab und hoffe, dass sich da die deutsche Demokratie nie mehr für ihn entscheidet. Er hat genügend Unheil angerichtet.

janto ban 15.03.2014 | 14:45

|| Gewiss: manches Mal hätte man ja Gerhard Schröder allzu gern zugerufen: Halt doch die Klappe, basta! ||

Jupp. Stimme zu. Querfront mit Gaz-Promi-Schröder in dieser Sache hin oder her. Was er da sagt, ist dialektisch und alles andere als einseitig oder gar extrem. Wer mit Schröders Aussagen zur Ukraine-Krise verfährt, als sei der Leibhaftige entfesselt, ihm (Schröder) früher aber an den Lippen gehangen hat, egal, um welche Lobby getriebene Untat es gerade ging, tut mir einfach nur noch leid.

Wie aufgebracht Marieluise Beck ist, kann man hier nachhören. Und die Göring-Eckhardt wird wohl so schnell nicht kapieren, dass die GRÜNEN bei der BT-Wahl nicht an ihrem Steuerkonzept ersoffen sind, sondern an der Tatsache, dass sie sich die Deutungshoheit darüber aus den Händen haben nehmen lassen. Und an der Pädophilie-Debatte natürlich.

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Ehemaliger Nutzer 15.03.2014 | 15:09

{Wie tief kann man als Grüne sinken, um auf ein niedriges Niveau zu rutschen?}

Der Rutsch ist ja nur ein solcher, wenn man DIE GRÜNEN zuvor überschätzt hat.

Nachdem sich die Spießerfraktion der Realos in der Partei durchgesetzt hatte, näherte sich das polit-ökonomische Verständnis von Kapitalismus/Imperialismus Schritt für Schritt der selbstgewählten Parteifarbe GRÜN dermaßen rasant an, dass ich mich als beobachtender Zeitgenosse heute frage:

"Wie war es nur möglich, dass ich diese Partei so überschätzen konnte?"

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Ehemaliger Nutzer 15.03.2014 | 22:31

Tarnen und täuschen gehört zum politischen Geschäft und nachdem die Grünen von sozialliberal nach neoliberal gewechselt haben, sollten wir das Grün als Aushängeschild eines nostalgischen Traditionalistenvereins betrachten, der inzwischen vergessen hat, was die Tradition eigentlich einmal war.

gelse 16.03.2014 | 04:51

>>Der Rutsch ist ja nur ein solcher, wenn man DIE GRÜNEN zuvor überschätzt hat.<<
Ja.
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Natürlich spricht der Gazprom-Aufsichtsrat Schröder nicht exakt das Gleiche wie der deutsche Exportindustriekanzler Schröder. Es hängt einfach davon ab, woher er gerade sein Fressi bekommt.
Das ist in einer marktkonformen Demokratur ganz normal und gilt nicht nur für Schröder.

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Ehemaliger Nutzer 16.03.2014 | 10:23

Die Grünen sind den Weg aller Parteien gegangen, die Unbequemen haben sich angepasst und professionalisiert oder sind längst frustriert ausgetreten.

Fast wie bei den Piraten, bei denen ging das, passend zum digitalen, beschleunigten Zeitalter, allerdings wesentlich schneller. Die sind schon alt und unattraktiv geworden, bevor sie überhaupt ins Parlament ziehen konnten.

Das erkennt man auch an der Denke "wir gegen das dumme Volk". An der Macht, war den Grünen die direkte Demokratie plötzlich so gar nicht mehr wichtig. Eben noch wütend und ausgegrenzt, plötzlich Zwangsbeglücker. Macht korrumpiert.

Das verstärkt sich übrigens eher noch. Erst kürzlich wurde mit auch mit den Stimmen der Grünen, über einen Trick, das Informationsfreiheitsgesetz geändert. Nicht mitbekommen? Tja, Ukraine ist wichtiger.

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Ehemaliger Nutzer 16.03.2014 | 10:49

Schlußsatz des Sternartikels:

«So ist es nun mal beim Wettbewerb: Fehlverhalten wird bestraft. Erst recht sollte das beim Umgang mit Steuergeldern gelten. Das gehört zu einer offenen Gesellschaft dazu, so funktioniert Demokratie

... und so stellen wir hier öffentlich fest, daß trotz anderslautender Behauptungen in dieser Bananenrepublik immer noch keine Demokratie verwirklicht ist und der Selbstbedienungsladen für Beamte und Politiker weiterhin bestehen bleibt.

Verwendungszweck 16.03.2014 | 11:58

Es ist oft schwer, den einfachen konservativen "Wahrheiten" zu widerstehen. Es ist mühsam, sich gegen die Kraft der tiefen Wurzeln der Tradition aufzulehnen. Es ist kräftezehrend, nicht vom Mainstream mitgerissen zu werden. Ich habe Mitgefühl für die Wortverbieter.

Bei Hartz IV oder der Eurokrise oder jetzt der Krimkrise steht Deutschland bis Unterkante Oberlippe in neoliberal-konservativer Propaganda. Damals während der Kosovokrise hätte es die Grünen fast zerrissen, bis Joschka Fischer aufs Podium stieg und seine aufgescheuchten Schäfchen mit einer wohldosierten Mischung aus Weißer-Ritter-Romantik und Macht-Kalkül einfing und am rhetorischen Nasenring in das von ihm und Schröder errichtete Koalitionsgatter zurückführte. Eine fraktionelle Meisterleistung.

Er wusste, dass viele Grüne nicht die Kraft haben, alleine gegen die einfachen konservativen "Wahrheiten" zu bestehen. Er kannte die passenden Einladungsworte jener, die müden waren, sich an den tief sitzenden Wurzeln der Tradition abzumühen, er lockte jene mit Ritterehren, die ansonsten den Hurra-Mainstream meiden. Das war sehr gekonnt.

Da sind die Grünen gar nicht ungewöhnlich anfällig. Viele Auflehner, Selberdenker und Mainstream-Verweigerer sind nicht durchgängig so gut konstituiert, dass sie alle und auf alle Zeiten den vielen Erleichterungen der "Erwachsenenwelt", des Mainstreams und der einfachen konservativen "Lösungen" widerstehen können. Den einen SPDler erwischt's füher, den anderen Grünen etwas später. Wieder andere gehen zu den Linken und widerstehen dort aufs Neue.

Sozial bewegt zu sein, ist kraftzehrend und der Weg in die bessere Zukunft ist voller Schlaglöcher, mit vielen Anstiegen, wenigen Talfahrten, voller ablenkender Verlockungen wie Einladungen zu Erwachsenengruppen und vergiftetem Lob derer mit sehr eigennützigen Interessen. Inzwischen ist es in Deutschland Konsens, dass es den Kindern nicht mehr besser gehen wird wie ihren Eltern. Die Neoliberalen wirken nach wie vor und es wird wieder Jahre brauchen, bis es die guten Menschen merken.

Es wird immer wieder einen und eine geben, die erwachsen werden, die ins Schwabenalter kommen, die es einsehen und ihren Widerstand aufgeben. Andere versuchen es weiter. Dass Schröder so locker von der Leber weg plaudert, hat natürlich mit der Ferne seiner jetzigen Existenz von politischen Sachzwängen zu tun. Unabhängigkeit hin oder her, er wird vermutlich nie eingestehen, dass Hartz IV Deutschlands Lohnarbeitern mehr schadet als nützt und Euro-Europas Weg in die Eigennutz-Krise wesentlich abgekürzt hat.

Richard Zietz 16.03.2014 | 11:58

Dass die neoliberalen Menschenrechtsimperialisten von den Grünen den vormaligen Rot-Grün-Kanzler Schröder rechts überholen, ist nun kein Fakt, der wirklich verblüfft. Der moralingesättigte, heuchlerische, durch und durch verlogene »Stil« passt ebenfalls – ähnlich wie nichtssagende Larifari-Sonnenblumenklecker auf die grüne Grundierungsfarbe. Verblüffend an dem Vorfall ist vielmehr, dass der Exekutator der neoliberalen Wende nunmehr aus dem Mainstream der, in Anführungszeichen, »völkerrechtsbesorgten« Anti-Russland-Kriegshetzer ausschert und die Verlogenheit der aktuellen Kampagne beim Namen benennt.

Fazit: Verblüffend an der Angelegenheit ist allenfalls, dass man – widerwillig zwar, aber in der Sache eindeutig – konstatieren muss, dass Exkanzler Schröder in diesem einen Punkt den Nagel auf den Kopf trifft. Dass die Grünen mit den Wölfen heulen – und ihre Gegner dabei gern via Foul ins Abseits befördern – ist man gewohnt. Überraschend gewesen wäre eher, wenn Harms Schröder nicht ausgeladen und die Grünen den Dialog gesucht hätten mit ihrem vormaligen Renommierkanzler.

apatit 16.03.2014 | 16:00

"Die Swoboda habe von “Russensäuen” und “Judenschweinen” geredet, auf die die Ukrainer die Gewehr richten sollen. Es sei ein Skandal, dass die EU sich eine solche Regierung als Partner ausgesucht habe, sagte Gysi." Stimmt! Und was Frau Katrin Göring-Eckardt darauf zu sagen hatte - war peinlich! Das ist nicht Grün liebe Leute! ( Siehe Bundestagsrede )

mcmac 16.03.2014 | 16:23

"[...]Der damalige Grüne Bundesaußenminister Joschka Fischer lehnte sich 1999 wegen des Tabubruchs in seiner Partei besonders aus dem Fenster, um diesen illegalen Angriffskrieg zu rechtfertigen: "Wir haben immer gesagt: 'Nie wieder Krieg!' Aber wir haben auch immer gesagt: 'Nie wieder Auschwitz!' " Stand Auschwitz Jahrzehnte in Deutschland für eine bedingungslose Ablehnung von Krieg und Gewalt, so diente das bekannteste deutsche Konzentrationslager nun plötzlich zur Rechtfertigung für einen Krieg.

Im Krieg stirbt die Wahrheit immer zuerst

Dass Vergleiche wie von Fischer nicht nur absurd sind, sondern auch gefährlich, weil sie die Vernichtung von Juden, Sinti und Roma … im Nazi-Faschismus verharmlosen, steht auf einem anderen Blatt. Aber wie in jedem Krieg starb auch im Kosovo die Wahrheit zuerst und nun waren ehemalige Spontis und Alt-Linke daran beteiligt. So erinnere man sich daran, dass auch der Krieg im Kosovo mit einer Lüge begann. Es war die Erfindung eines serbischen Massakers in Račak am 15. Januar 1999, der Auslöser für die "humanitäre Intervention" war (Konstruktion von Medienrealität im Kosovo-Krieg). Doch wie ein von der EU-Kommission und der OSZE in Auftrag gegebenen gerichtsmedizinischen Untersuchung ergab, dass es in Račak wohl nie ein Massaker gegeben hat, auch wenn mit einem kurzen Auszug daraus so getan wurde, als sei ein Massaker nicht auszuschließen. Dieser kurze Auszug wurde natürlich kurz vor Beginn der Bombardierungen veröffentlicht.[...]"

(Quelle)

Das Problem, welches die Grünen mit Schröder haben, ist, dass dieser sie als das desavouiert, was sie inzwischen sind: Eine Kriegs-Partei.

"Erwachsen geworden" heißt insofern und bezüglich militärischer Gewalt als Mittel der Politik: Nicht mehr "Dagegen-" sondern "Dafür-Partei".

Folgerichtig repressiv und antidemokratisch versucht man nun, einem 'Whistleblower' wie Schröder einen Maulkorb zu verpassen.

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Ehemaliger Nutzer 16.03.2014 | 18:34

"Irgendwie merk befreit: wie kann man einen Diskurs zu etwas führen, das es gar nicht gibt, nämlich die Grünen..."

Vielleicht gibt es ja auch den Genossen IRGENDWIE LINKS irgendwie nicht. Ebenso wie die Merkel, den Gabriel, die Helene Fischer oder gar das Australien. Wer weiß das denn schon so genau?!

Doch im Ernst:

Wenn eine grüne Fraktionsvorsitzende soetwas postet und eine grüne Spitzenkandidatin solcherlei Verbote erteilen möchte, so muss man den beiden für ihre ostentative Dummheit eigentlich ehrlich dankbar sein.

Bedarf es dank solcher Aktionen doch schon einer extrem ausgeprägten Form von Naivität, so man nicht erkennen will, wo die Grünen sich heute positionieren - nämlich rechts.

Außenpolitisch als willfährige Helfer der US-Hardliner und innenpoltisch anti-freiheitlich und ant-individualistisch.

Die Partei hat eine in der Geschichte wirklich atemberaubende Kehrtwende vollzogen.

Dass viele gutgläubige Mitglieder der Grünen (darunter viele wirklich großartige Leute) das noch immer nicht begriffen haben, spricht nicht gerade für deren Verstand.

Das muss leider gesagt werden.

Irgendwie links 16.03.2014 | 19:33

das Plakat stammt nicht von Katrin Göring-Eckardt, sondern von "Reinhard Bütikofer, Ko-Vorsitzender der Europäischen Grünen und Sprecher der Europagruppe Grüne im Europäischen Parlament, der sich genötigt sah, ebenfalls einzugreifen. Mit einer Aktion, die jetzt nicht nur ihm, sondern auch der Grünen-Bundesspitze gehörig auf die Füße fällt. Bütikofer verbreitete über Twitter ein Plakatmotiv, das Wagenknecht vor mit Kalaschnikows bewaffneten Soldaten zeigt. Darunter steht der Spruch: „Jetzt neu: Linkspartei erstmals für Auslandseinsätze.“

Voraus gegangen war eine Äußerung Wagenknechts, in der sie den Grünen Blindheit für das Rechtsextremisten-Problem in der Ukraine vorgeworfen hatte.

Oder anders gesagt: hier werden gerne aus Mücken Elefanten gemacht, die heilige Sahra und ihre Anhänger scheinen spaßbefreit zu sein.

anwaltgk 16.03.2014 | 23:58

Wider die Polemik gegen die Grüne Wagenknecht-Karrikatur: als polemische Politsatire in zugespitzter (aber politisch ernster) Sache ist das Plakat gut VERTRETBAR! Denn: Angesichts des polit. Frühlings in der Ukraine kommt es zu OFFENBARUNGSEID:
die "Linke": allen voran die neostalinist. Frau Wagenknecht lobt u verteidigt den russ. Potentaten Putin u seine militarist. Interventionen zB auf der KRIM mit viel Einfühlung und noch mehr Verständnis: die GRÜNEN verteidigen das demokrat. Recht der Ukrainer auf dem Maydan u das Selbstbestimmungsrecht:
Wagenknecht ist parteiliche neostalinist. IDEOLOGIN mit Rechtfertigungen für Putin, wie im kalten Krieg, als Russland 1953 den Arbeiteraufstand zum 17 juni in der DDR oder 1956 dasselbe in Ungarn und 1968 in der CSSR den Prager Frühling mit Truppen, Panzern und Geheimagenten niederschlagen ließ - auch damals war die Rechtfertigung die angebl. Bekämpfung des "Faschismus"...die Linke taumelt ideologisch ab in eine alte, grausliche Stalin-Macht-Denke!
Nicht umsonst sind Bündnis/ 90-GRÜNE Leute , deren Ost-Vorgänger Flügel Bündnis 90 durch "Schwerter zu Pfugscharen usw den Fall der DDR/Mauer mitbewirkt und mit Lebensrisiko für Fheit u Demokratie gestritten hatten, auch jetzt die entschiedensten Vedrteidiger der ukrain. DemokratieBewegung (Maydan usw) und lassen nicht zu, das mit dieser widerlichen Faschimus-Lüge-Propaganda Putins u Wagenknechts eine kleine 7 % Minderheit namens "Svoboda" als wahrer Kern der ukrainischen Demokratiebewegung zwecks Diffamierung u Unterdrückung propagandamäßig hochstilisiert wird! Es lebe Demokratie u Selbstbestimmung in der Ukraine (gegen alte Faschisten u neue Stalinisten).

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Ehemaliger Nutzer 17.03.2014 | 00:45

"...eine kleine 7 % Minderheit namens "Svoboda"

erhält 3 Ministerposten (u.A. das Verteidigungsministerium).

Interessant wäre noch zu erfahren, woher Sie die Zahl (7 %) haben. Haben Sie auf dem Maydan selbst nachgezählt?

Ihre Rhetorik -sagenhaft!- die habe ich zuletzt zu Kalten-Kriegs-Zeiten (in grauer Vorzeit) von ganz rechten Kommunistenfressern gehört.

Sind Sie einer dieser Alten oder reden die Grünen heute wirklich so über politische Konkurrenten?

Wäre interessant mal Auskunft zu erfahren. Man ist ja neugierig.

mcmac 17.03.2014 | 00:47

Angesichts des polit. Frühlings in der Ukraine

Ist das Naivität?..

gegen alte Faschisten u neue Stalinisten

Aber das ist Verharmlosung.

...die Linke taumelt ideologisch ab in eine alte, grausliche Stalin-Macht-Denke!

Genau!!! Und das kann man sich hier gleich mal ganz frisch anschauen und anhören:

als polemische Politsatire in zugespitzter (aber politisch ernster) Sache ist das Plakat gut VERTRETBAR!

http://ubuntuone.com/4blyfUHq9E7R9FYkWKLRqJ

Stimmt :)

Grundgütiger 17.03.2014 | 10:19

Bei welchen Themen ist auch nur im Ansatz eine irgentwie grüne Handschrift zu erkennen?

Mit was, und wo positionieren sich im Moment Grüne in der allgemeinen Politik?

Gibt es auch nur ein(1) grünes Projekt?

Das sie nicht mehr wählbar sind, und auch nicht mehr gewählt werden, tut offenbar so weh, das man den letzten Schwachsinn verbreitet, Hauptsache Göring-Eckart steht in der Zeitung.

Opposition geht anders.

Dietmar Wiening 17.03.2014 | 15:49

Was mich sehr befremdet, ist die Tatsache, dass sich die Grünen so sehr von ihren eigenen Zielen entfernt haben

Auch die pauschale Schelte in diesem Land gegen die Partei die Linke, zeigt mir doch nur, wie einseitige Propaganda in diesem Land gewirkt hat und noch immer wirkt.

Ich wünschte mir jedenfalls mehr Sachverstand, als Polemik in dieser Debatte. Fakt ist, wir brauchen in diesem Land eine andere Politik, aber dafür wäre wohl eine Revulution nötig, die die Herrschenden und ihre Anhänger wohl mit Gewalt zu verhindern wissen. Viele haben nämlich noch immer nicht begriffen, dass Deutschland schon lange keine Demokratie mehr ist.