Wie fast immer war der Mörder ein Mann

Las Vegas Das Massaker ist ein weiterer trauriger Anlass dafür, dass sich Männer endlich mit Männlichkeitsbildern, Gewalt und Aggression befassen sollten
Ausgabe 41/2017
Bemerkenswert häufig wurde der Täter des Las-Vegas-Massakers als „einsamer Wolf“ charakterisiert
Bemerkenswert häufig wurde der Täter des Las-Vegas-Massakers als „einsamer Wolf“ charakterisiert

Foto: Drew Angerer/Getty Images

Bei den erschreckenden Zahlen des Massakers von Las Vegas gibt es eine weitere, die in diesem Zusammenhang wichtig ist: Bei 88 der 91 „mass shootings“, die das US Magazin Mother Jones seit 1982 gezählt hat, waren die Täter Männer.

Debattiert wurde vor allem über strengere Waffengesetze, was in den USA so notwendig wie ritualisiert ist. Die Tatsache hingegen, dass der Täter ein Mann war, fand zwar Erwähnung, jedoch nur geringe Beachtung. Wie wiederkehrend das Motiv des männlichen Täters ist, darauf hat Margarete Stokowski einmal in ihrer Spiegel-Kolumne hingewiesen: „Wir reden nicht über Männlichkeit, obwohl wir umgeben sind von Gewalt, die von Männern ausgeht.“ Männlichkeit an sich erkläre die vielen Gewalttaten zwar nicht, aber man könne sie bei der Frage, wie weitere Taten verhindert werden können, nicht außer Acht lassen.

Die wenig ausgeprägte Sensibilität für diesen Umstand ließ sich auch rund um das Las-Vegas-Massaker beobachten. Bemerkenswert häufig wurde der Täter als „einsamer Wolf“ charakterisiert. Dies sollte wohl sein isoliertes Handeln hervorheben. Doch was dabei auch mitschwingt: Dass der Mann eben ein Raubtier, sein Gewaltausbruch zwar grauenvoll, aber irgendwie auch natürlich gewesen sei. Würden wir auch von einer einsamen Wölfin lesen?

Eher nicht, und genau das geht Hand in Hand mit einem gesamtgesellschaftlichen Verständnis, das Jungen noch immer dazu anhält, sich über ihre Körperlichkeit, ihre Kraft zu definieren und demzufolge Härte vor Gefühle geht. So ist das Bild des Mannes, der sich notfalls mit Gewalt das holt, was er will, weit davon entfernt zu verschwinden. Darunter haben diejenigen zu leiden, die Ziel der Aggression, der Gewalt werden – Frauen und Männer. Männern tut dieses Männerbild nicht gut. Einerseits, weil längst nicht jeder diese Rolle will und ihr entspricht. Andererseits, weil man als Mann jederzeit als Bedrohung wahrgenommen werden kann.

Es ist nicht schön, sich damit auseinanderzusetzen, dass die eigene Anwesenheit in einer spärlich besetzten U-Bahn bedrohlich wirken könnte. Aber genau das sollte man als Mann. Dies ist kein „In-die-Opferrolle-Begeben“. Es ist nur ein weiteres Argument dafür, dass sich auch Männer mit Männlichkeitsbildern befassen und wie Gewalt und Aggression mit ihnen zusammen hängen. Dies im Lichte der Ereignisse von Las Vegas zu tun, mag unangebracht wirken. Doch da wird das Problem offensichtlich – und die Möglichkeit zur Veränderung.

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Geschrieben von

Benjamin Knödler

Product Owner Digital, Redakteur

Benjamin Knödler studierte Philosophie und Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU). Neben seinem Studium arbeitete er als Chefredakteur der Studierendenzeitung UnAufgefordert, als freier Journalist, bei Correctiv und beim Freitag. Am Hegelplatz ist er schließlich geblieben, war dort Community- und Online-Redakteur. Inzwischen überlegt er sich als Product Owner Digital, was der Freitag braucht, um auch im Netz viele Leser:innen zu begeistern. Daneben schreibt er auch weiterhin Texte – über Mieten, Stadtentwicklung und Podcasts. Er ist außerdem Co-Autor zweier Jugendbücher: Young Rebels (2020) und Whistleblower Rebels (2024) sind im Hanser Verlag erschienen.

Benjamin Knödler

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