Masern-Impflicht ist da

Gesundheitspolitik Ohne Impfung kein Schulbesuch, die Politik greift nun durch. Ein richtiger Schritt
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Die Spritzen stehen bereit - die Impfpflicht kommt - eine gute Idee?
Die Spritzen stehen bereit - die Impfpflicht kommt - eine gute Idee?

Foto: Flickr/Tim Reckmann (CC 2.0)

In den letzten Monaten wurde viel über die Impfpflicht für Masern diskutiert. Dies liegt daran, dass Masern tödlich sein und speziell für ältere Menschen oder Personen mit einem schwachen Immunsystem gefährlich sein können. In Deutschland werden jedes Jahr eine Großzahl an Fällen mit Masern aufgedeckt. Bei gefährdeten Personen können Masern zu Hirnhautentzündungen oder Lungenentzündungen führen und im dramatischsten Fall tödlich enden. Während in anderen Ländern die Diagnose für Masern in den letzten Jahren gestiegen ist, gab es in Deutschland keine großen Veränderungen. In den letzten drei Jahre blieb die Anzahl an registrierten Fällen von Masern bei unter 1000 in dem Land. Obwohl die Anzahl an erkrankten Personen in Ländern in Osteuropa oder auch in den USA stiegen, blieb sie in Deutschland konstant, weil viele Personen in Deutschland sich gegen die Krankheit impfen lassen.

Das Gesetz, das in Zukunft eine Pflicht für die Impfung vorschreibt, sorgt für viel Aufsehen und wird in der Öffentlichkeit stark diskutiert. Allerdings gibt es auch in anderen Ländern, wie beispielsweise in den USA, eine Pflicht zur Immunisierung gegen Masern. Die Menschen, die das Gesetz kritisieren, sollten bedenken, dass die Krankheit große Auswirkungen haben kann und sogar bis hin zum Tod führen kann. Zuletzt ist es dennoch so, da eine Person, die sich nicht gegen die Masern impfen lässt, eine Gefahr für die Gesellschaft darstellt. Deshalb steht momentan im Raum, dass Menschen, die sich nicht gegen die Masern impfen lassen wollen, dazu gezwungen werden sollen, sich zu impfen.

Dies wird aber momentan von einem Teil der Bevölkerung kritisiert. Eine Verfassungsklage wurde bereits von den Gegnern der Impfpflicht angekündigt. Wenn die Klage abgesetzt wird, müssten Richter darüber entscheiden, ob das Gesetz rechtens ist und ob sich in Zukunft wirklich alle Menschen impfen lassen möchten. Dennoch sollen die Gründe der Impfung und die Vorteile nach der Impfung der Bevölkerung besser erklärt werden. Kritik des Gesetzes schlagen hingegen vor, anstatt einer Pflicht für die Impfung lieber eine Erinnerung einzuführen, die die Menschen erinnert, wann sie das letzte Mal geimpft worden sind. Darüber hinaus sollte es, laut Gegnern des Gesetzes, eine Möglichkeit geben zu prüfen, ob man bereits geimpft worden ist.

Dennoch hat eine große Anzahl der Bevölkerung registriert, dass die Impfung gegen Masern hilft. Deutlich mehr als 90 % der Kinder, die zur Schule gehen, sind heutzutage gegen die Infektionskrankheit geimpft. Studien bestätigen, dass der Anteil an Personen, die sich gegen Masern impfen lassen, seit Jahren konstant ansteigt. Zum 01.03. tritt nun ein Gesetz in Kraft, das besagt, dass Kinder und Jugendliche, die in den Kindergarten oder in die Schule gehen, gegen Masern immunisiert sein müssen. Das Gesetz, das von dem Gesundheitsminister Jens Spahn vorgeschlagen wurde, definiert, dass Eltern von schul- oder kindergartenpflichtigen Kindern einen Nachweis erbringen müssen, dass ihre Kinder die Impfung durchgeführt haben. Dabei kommt es für Familien kaum zu Mehrkosten für etwaige zusätzliche Impfungen, die meisten Krankenversicherungen decken die Impfkosten zu 100% ab oder leisten Beihilfe. Mehr als Zweidrittel der Abgeordneten im Bundestag, die bei dem Gesetz abstimmten, sprachen sich für eine Impfpflicht aus.

Auch Mitarbeiter der Kindergarteneinrichtungen, Lehrer in der Schule, die nach 1970 geboren wurden, müssen einen Nachweis erbringen, dass sie sich impfen gelassen haben. Bis zum Ende des 2021 ist es vorgeschrieben, dass die Impfung durchgeführt werden muss. Die Masern sind eine gefährliche Krankheit. Sie werden durch den Masernvirus verursacht und führen zu roten Hautflecken und hohem Fieber. In besonders schweren Fällen rufen sie Lungen- und Hirnhautentzündungen hervor, die tödlich enden. Daher gehören die Masern in den meisten Ländern zu den meldepflichtigen Krankheiten. Besonders Kinder und Menschen mit schwachem Immunsystem sind gefährdet. Auch bei ausgestandener Krankheit ist die betroffene Person wochenlang geschwächt und muss ihre Abwehrkräfte mühsam wieder aufbauen. Hat man die Masern jedoch ausgestanden, ist man sein Leben lang immun gegen den Erreger.

Die Fälle von Masernerkrankungen sind in Deutschland jedoch nicht sehr zahlreich: 325 Erkrankungen wurden 2016 registriert, 927 im Jahr 2017 und 543 Fälle im Jahr 2018. Ein Anstieg der Infektionen ist in Deutschland nicht zu sehen, im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern oder den USA. Das liegt am sogenannten Herdenschutz: in Deutschland sind die meisten Menschen gegen Masern geimpft. Zudem verzeichnet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine zurückgehende Zahl der Impfgegner.

Trotzdem ist eine Impfpflicht ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte und nach Angabe einiger Ärzte keine notwendige Maßnahme. Ob das Gesetz zur Impfpflicht verfassungsrechtlich ist oder nicht, werden künftig die Bundesrichter entscheiden müssen, da der Verein Ärzte für individuelle Impfentscheidung mit einer Klage gedroht hat. Bis es soweit ist, kann auf beiden Seiten nur gesunder Menschenverstand die Debatte entspannen: Eine Epidemie durch Masern ist nicht zu befürchten, ebenso wenig wie tödliche Folgen aufgrund einer Impfung mit einem weltweit eingesetzten Impfstoff.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Charlotte Balgheim

Als waschechte Hanseatin in Bremen geboren und aufgewachsen interessieren mich gesellschaftliche Themen weltweit.
Charlotte Balgheim

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