Geld fürs Klima?

Klimawandel I Ende 2015 gelobten sich die Nationen dieser Welt, gegen den Klimawandel einige Trinkgelder zu investieren. 100 Milliarden Dollar pro Jahr ab 2020 werden nicht reichen
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Geld fürs Klima?
Fürs Klima gibt es nur Trinkgeld

Bild: Sean Gallup/Getty Images

Harte Währung für das Klima?

We are drowning in information, while starving for wisdom. (E.O.Wilson, The Unity of Knowledge ) (Wir ertrinken in Informationen, während wir an Weisheit darben)

Wie spürt man einen ungesunden Trend?

Der menschengemachte Klimawandel hat ein bisschen was gemeinsam mit den Zivilisationskrankheiten. Ein hoher Blutzucker oder Bluthochdruck schmerzen sehr lange nicht. Was man weder spürt, riecht, sieht oder – wegen zu großer kognitiver Dissonanz – intellektuell nicht annehmen kann, das existiert nicht, bis ein Geschwür am Unterschenkel oder Fuß wächst, ein Herzinfarkt oder Schlaganfall eintritt.

Klimaexperten wie Hans von Storch warnen lieber vor Alarmismus. Sie glauben an Anpassung und Gewöhnung. Fritz Vahrenholt behauptet notorisch, hauptsächlich natürliche, erdgeschichtliche Phänomene, die sich zufällig zu unseren Lebzeiten und naturnotwendig abspielten, seien wirksam. Sehr groß ist der Glaube an die großtechnische Rettung, einschließlich der CO-2 Speicherung (CCS) unter Tage.

Derweil tauchen bei uns wärmeliebende Insekten auf, die vorher nicht beobachtet werden konnten. Die grüne Vegetationsperiode streckte sich um mehrere Wochen im Vergleich zur Mitte des Vorjahrhunderts. Der herbstliche Blattfall setzt verspätet ein. Momentan regnet es katastrophisch Flutwellen vom Himmel und bald schon wird es wieder schlagartig zu trocken. Woanders brennt der Wald.

Mindestens wöchentlich zeigt eine TV-Anstalt Dokumentationen zum Gletscherschwund. Die letzten Eisbären der Arktis auf treibender Scholle werden zum Motiv unzähliger Medien und der Touristen, die die Tiere noch ablichten wollen, bevor sie aussterben oder zu ihren braunen Vettern umziehen, um eine neue Mischbärenart zu begründen.

Im gesamten pazifischen Raum und am indischen Ozean verschwindet kontinuierlich eine Menge Land im Wasser, oder es wird vom Meer versalzt. Jede neue Taifun-Saison vernichtet dort mehr unter- oder nichtversicherte, daher statistisch gar nicht zählende Besitztümer und erzeugt mehr Elend, auch wenn die Zahlen der direkten Menschenopfer durch die besseren Vorwarnsysteme und entsprechende Fluchtbewegungen gesunken sind.

Die Geschwindigkeit, mit der sich der Klimawandel vollzieht – nämlich in Jahrzehnten, statt in Jahrhunderten und Jahrtausenden – spricht eindeutig gegen natürliche Phänomene. Nach dem bisher beobachteten Gang der Erdgeschichte stünde eine Eiseit an, jedoch keine weitere Erwärmung. Es gibt heute keinen Flecken der Erde, vom Himmalaya bis zum Ozean, der nicht betroffen ist.

Die angeblichen Gegentrends

Die zyklische Sonnenaktivität (max. 1/10 Schwankung in 11- 12 jährigen Zyklen, die mit der Sonnenfleckenaktivität korrelieren) scheidet als maßgeblicher Treiber definitiv aus. Ebenso die Theorie, Höhenwolken hielten den Prozess auf, limitierten die Induktion des Klimawandels. Sie ist mittlerweile eindeutig widerlegt!

Hinfällig ist auch die These, Dunstschleier aus der Industrie und dem Verkehr der aufstrebenden Weltwirtschaften in Asien (China und Indien) wirkten wie eine Barriere der Sonneneinstrahlung, analog einer anhaltenden Serie großer, pyroklastischer Vulkanausbrüche.

Es wurde versäumt, die Wärmespeicherfähigkeit der Asche- und Staubpartikel, sowie der austretenden Schwefelgase ausreichend zu beachten. Zwar absorbieren die mittlerweile um die ganze Erde treibenden Schleierwolken Strahlung, die nun nicht zum Erdboden gelangt, um diesen direkt aufzuheizen oder von ihm rückreflektiert zu werden, jedoch transportieren sie selbst große Mengen Wärmeenergie.

Die warme und zugleich verschmutzte Dunstglockenluft staut sich an den Wetterseiten der großen asiatischen Gebirge und mit dem warmen Starkregen oder dem Schneefall gelangen Asche und Staub auf das noch vorhandene Gletschereis. An klaren Tagen absorbiert der Grauschleier auf dem Eis zusätzlich deutlich mehr Wärme. Tauprozesse setzen früher und stärker ein. Das vergletscherte Wasserreservoir des Himmalya-Gebirges schmilzt und läuft in tieferen Lagen als Flutwasser ab. Eher schwemmt es Ackerland und Siedlungen weg, statt noch als Quelle aus den Bergen ganzjährig und kontinuierlich zur Bewässerung beizutragen.

Aktuell bestätigt sich, dass auch die Ölschiefer-Ausbeutung Kanadas mit ihren gigantischen Mengen schwefelhaltigen Staubes zur Klimaerwärmung beiträgt. Diese Stäube sind nicht nur direkt gesundheitsschädlich, sondern die Aerosole speichern während ihrer Atmosphären-Drift besonders viel Wärmeenergie aus der Sonneneinstrahlung.

Die Pariser Klimakonferenz-Trinkgeld fürs Klima

Ende 2015 mühte sich die Pariser Klimakonferenz zu einer umfangreichen – allerdings die Nationalstaaten nicht bindenden – freiwilligen Entscheidung. Die Politiker setzen vor allem darauf, Geld zur Verfügung zu stellen, um die Klimaschutzanstrengungen der ärmsten Länder und der Schwellenländer zu verbessern. Ab 2020, sollen jährlich 100 Milliarden Dollar aus privaten (?) und öffentlichen Quellen zur Verfügung stehen.

Wie Nicholas Stern vom Grantham Institute und dem ESRC- Centre for Climate Change Economics and Policy an der London School of Economics schon vor der Pariser Konferenz feststellte, ist die vereinbarte Summe allenfalls als „Katalysator“ für andere Investments aus der staatlichen Entwicklungshilfe, den Fonds der Weltwirtschaftsorganisationen sowie der Weltbank sinnvoll. Seiner Ansicht nach müssten ca. 3000 Milliarden Dollar allein im nächsten Jahrzehnt aufgebracht werden.

Des „Welt-Klimaökonomen“ (Stern-Report, 2006) Einblick in die langjährige Kongress-Geschichte zeigt, dass schon 2009, also vor sieben Jahren, auf der Kopenhagener Klimakonferenz, um die 100 Milliarden gestritten wurde. Der Fortschritt ist eine Schnecke.

Angesichts eines Welthandelsvolumens von derzeit ca. 18 Billionen* Dollar/Jahr (18.000.000.000.000 $/ y, NB: Die Staatsverschuldung der USA entspricht etwa diesem Jahres- Welthandelsvolumen), eines Weltexportvolumens von ca. 4,9 Billionen Dollar; angesichts eines Vermögens der aktuell ca. 13,5 Millionen Multimillionäre und -Milliardäre der Erde, von ca. 55- 60 Billionen Dollar und weltweiter Militärausgaben von ca. 1,7 Billionen Dollar/ Jahr, davon alleine für die USA, von ca. 610 Milliarden, wirken die ausgehandelten Summen eher lächerlich klein.

100 Milliarden Dollar entspechen ca. 1/ 700 bis maximal 1/ 550, - je nach Berechnungsgrundlage-, des jährlichen Weltwirtschaftsproduktes von 55- 70 Billionen Dollar.

Die klägliche Zahlungsmoral vieler UN-Mitglieder an die Unterorganisationen der Weltgemeinschaft belegt, wie unsicher die Absichtserklärungen der reichsten Staaten, für die Krisen- und Konfliktbewältigung diverser Regionen (Afghanistan) bleiben.

Zuletzt: Wem soll man die wenigen Milliarden harter Währungen überweisen, wenn es an regulativen Mechanismen fehlt, um zu verhindern, dass das Kapital schnell wieder in die USA oder die EU zirkuliert? Die nationalen Eliten der Empfängerländer bringen regelmäßig einen gewaltigen Anteil vor eventuellen Steuerforderungen, gar überhaupt nur vor fremden Einblicken in ihre Gewinn-Abschöpfungen, an den Weltfinanzplätzen in Sicherheit, während arbeitende Landsleute in der globalen Diaspora regelmäßig große Teile ihrer Löhne von dort überweisen. Die Perversion: Jeder Entwicklungshilfe-Euro spült zwei Wirtschafts-Euro zu uns zurück. Das ist als Geschäft organisiert, obwohl es so nicht gedacht war.

Die Vereinigten Staaten hatten sich vorsorglich dafür entschieden, ihre Zustimmung zum Klimagipfelpapier nur zu geben, weil es keine rechtswirksame Bindung entfaltet. Da schlossen sich Russland, China und Indien gerne an. In Afrika und Südamerika nimmt man es mit längerfristigen Selbstverpflichtungen sowieso nicht so genau, weil oft schon die effiziente, durchsetzungsstarke und von den zahlreichen politischen Wechseln und ökonomischen Pressure groups unabhängigen Verwaltungen fehlen. Posten werden dort als meritokratisches Verdienst der Eliten betrachtet, und Investoren können sehr leicht Bürokratien und Politiker korrumpieren. Der elende politische, ökonomische und ökologische Niedergang Brasiliens und anderer Amazonas-Anrainer zeigt derzeit nichts anderes an.

Die Bodenschätze und Agarressourcen dieser Länder erzeugen vor allem fern der Bewohner Reichtum und Wohlstand.

Christoph Leusch

*Die Zählweise wurde unseren Gepflogenheiten angepasst. In den USA steht für Billion, Trillion.

PS:

Dieses Blog ist Auftakt zu einer kleinen Serie von insgesamt drei Beiträgen zum Thema Klimawandel.

Teil II beschäftigt sich mit den wesentlichen Veränderungen von Böden und Meeren, durch den Klimawandel.

Das dritte und letzte Blog, erklärt die Bedeutung der Böden, die bedroht sind und berichtet zu möglichen Gegenmaßnahmen: CO-2- Speicherung durch Terra Preta und Biochar/Biokohle.

13:24 07.06.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Columbus

Profil nicht mehr nötig.Alles Gute, der dFC und dem dF.
Columbus

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