15 Minuten Ruhm: "Rösler du bist ein A..."

Netztreiben Der Zwischenrufer Helmut W. vom Dreikönigstreffen rühmt sich auf Facebook mit einer Fanpage. Die Gegenseite hat sich nun in Stellung gebracht
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Sonntag. Heilige Drei Könige. Und natürlich wie jedes Jahr Treffen der Liberalen in Stuttgart. Philipp Rösler (FDP) ist seit geraumer Zeit unter Druck. Viele Liberale fordern, ihn als Parteichef abzulösen. Nun kommt es auf seine Rede an. Kann er das Ruder noch einmal herumreißen?

Rösler spricht über Freiheit, vor allem die Freiheit vom staatlicher Gängelung. Dann ist es passiert. Ein Störer ruft unvermittelt und für Fernsehzuschauer von Phoenix gut vernehmbar, "Rösler, du bist ein Arschloch." Ein Zuschauer entgegnet ihm, "Halt das Maul". Der Störer wiederum lässt sich davon nicht beeindrucken und legt nach, "du bist ein Volksverräter".

Im vordigitalen Zeitalter wäre jetzt schluss gewesen

Das Intermezzo endet. Rösler kommentiert dies mit der Bitte nach mehr Höflichkeit im Jahr 2013, trinkt einen Schluck Wasser und fährt fort. Im vordigitalen Zeitalter hätte wohl kaum einer erfahren, wer der junge Mann gewesen ist, der hier vor allem mit dem Wort "Volksverräter" eine rassistische Intonation eingeschlagen hat.

Anders ist dies aber im Web 2.0. Hier hat Helmut W. längst einen Hashtag bei Twitter und eine eigene Facebook-Fanpage. Die Kritiker haben auch schon eine Gegenhomepage aufgemacht. Letztere erfreut sich mehr Zulauf wird am Ende um Längen vorne liegen.

Der Störer heißt also Helmut W. ist 19 Jahre alt und Mitglied bei den Sozialdemokraten. In diesem Blog steht er Rede und Antwort gibt seinen vollen Klarnamen bekannt und sagt, er könne jetzt wieder ruhiger schlafen, hätte die Wut abgelassen.

Andy Warhols 15 Minuten Ruhm werden virtuell verlängert

Helmut W. ist nicht zimperlich und legt auf Facebook mit einer Fotomontage von sich und Rösler nach. Es zeigt das Fotomotiv des südvietnamesichen General und Polizeichef von Saigon während des Vietnamkriegs Nguyễn Ngọc Loan, der gerade einen Widerstandskämpfer der VietcongNguyễn Văn Lém erschießt. Dieses Foto wird berühmt und der Fotograf Eddie Adams erhält 1968 den Pulitzer-Preis.

Schon das Wort "Volksverräter" aber erst recht diese Fotomontage haben Grenzen überschritten. Die Gegner verlangen zu recht, dass Helmut W. seine Handlungen einstellt. "Er müsse aus der SPD geworfen werden", hallt es aus den sozialen Medien.

Virtuell werden Andy Warhols 15 Minuten Ruhm immer weiter verlängert. Mitten im niedersächischen Wahlkampf ist die Stimmung besonders aufgeheizt. Das Internet wird jetzt wieder einmal Plattform eines modernen Hexenkessels.

Helmut W. sollte seine Fanpage von Facebook nehmen tagelang offline gehen und über seinen rassistischen Ausfälle nachdenken. Alle wahlkämpfenden Gegner wiederum zu den Sachthemen zurückkehren.

Update:

Mittlerweile hat Helmut W. seine Facebook-Fanpage gelöscht. Der Blog bei fernsehkritik.tv wurde offline genommen.

Update 2:

Stellungnahme von Helmut W.

Update 3: Die Gegenhomepage wurde gelöscht. Die 15 Minuten sind zu Ende.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Daniel Martienssen

Enttarnung durch Analyse: ein privates Blog zu Demokratie und Rechtsstaat, Soziales und ein bisschen Kultur.
Daniel Martienssen

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