Verjüngungskur im Zweiten

Fernsehen Live is life? Das ZDF hat sein Magazin „Aspekte“ renoviert
Verjüngungskur im Zweiten
Motiviert: Tobias Schlegl, Katty Salie und Jo Schüch

Foto: imago/ Metodi Popow

Zu den problematischen Zonen des öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramms zählt die Berichterstattung über die Künste, ob es sich nun um die Literatur, die Musik, den Film oder die bildende Kunst handelt. Sie ist unter dem Druck der privaten Konkurrenz längst an den Programmrand gewandert oder auf Kanäle wie Arte oder 3sat ausgelagert worden, wo ihr aber auch nicht immer eine glückliche Existenz beschieden ist, wie derzeit die Abwicklung des Senders ZDF-Kultur demonstriert. Als Überbleibsel eines ehedem umfangreichen Anspruchs auf kulturelle Berichterstattung fristen die in den sechziger Jahren gegründe-ten Kulturmagazine wie Titel Thesen Temperamente (ARD) oder Aspekte (ZDF) am späten Abend ihre Existenz und stehen dennoch unter permanentem Reformdruck. Nirgendwo wird mehr ausprobiert, herumgebastelt, neu arrangiert als an ihnen. Auf dass populär werde, was zu weiten Teilen bewusst auf Popularität verzichtet.

Nun hat es wieder Aspekte erwischt. Die Renovierung bot sich an, erreicht doch die Heute-Show, die vor dem Magazin ausgestrahlt wird, ein deutlich jüngeres Publikum als der Rest des ZDF-Programms. Warum also Aspekte nicht dergestalt umbauen, dass es bei dieser Klientel mehr Interesse findet? Dazu wurde das Magazin um 15 Minuten verlängert und in ein Studio mit Zuschauern ausgelagert. Es wird live produziert, und in jeder Ausgabe soll es Auftritte von Bands und Musikern geben. In der ersten Sendung am vergangenen Freitag war das die britische Band Maxïmo Park. Und ja, das alles wirkte wirklich belebend. Das Studio erinnerte ein wenig an einen Kellerraum, in dem Jazzgruppen oder Rockbands das erste Mal auftreten. Und die Moderatoren Katty Salié, Tobias Schlegl und Jo Schück wirkten bei weitem nicht so präpotent wie etwa Wolfgang Herles, der das Magazin 2011 moderiert und geleitet hatte.

Eitelkeit ersetzt Kompetenz

Hätte man das Magazin nur auch sonst konsequent vom Mief befreit: Das beginnt mit der Stimmung im Studio; hier muss vor Beginn ein Mitarbeiter die Zuschauer auf frenetische Zustimmung eingeschworen haben, mit der die Moderatoren begrüßt und für jede Kleinigkeit beklatscht wurden. Das erinnerte eher an Wetten, dass..? oder an andere Lanz-Shows als an eine moderne Kultursendung für jüngere Zuschauer. Ähnlich verhielt es sich mit den obligatorischen Veranstaltungshinweisen, die neckisch in Form eines Wetterberichts präsentiert wurden. Das setzte sich bei den Berichten fort, die ihre Themen nicht immer ernst nahmen. Tobias Schlegl war in seinem Bericht von der Berlinale länger im Bild zu sehen als die Ausschnitte jener Filme, über die er berichten wollte. Eitelkeit ersetzt Kompetenz, so könnte man dieses Prinzip bezeichnen.

Gut hingegen war der Schlagabtausch von Schlegl mit Berlinale-Chef Dieter Kosslick. Auf solche Momente kann und muss die Redaktion aufbauen. Die Moderatoren sollten sich vom Druck befreien, irgendwie auch noch komisch oder witzig sein zu wollen oder das Studiopublikum weiter in einer hysterischen Begeisterung halten zu müssen. Und die Themen? Waren in dieser Ausgabe natürlich von der Berlinale bestimmt. Ein Wunsch also für die nächste: Avancierte Populärkultur entsteht nur im engen Zusammenhang mit den elaborierten Künsten, die also ebenso und gleichberechtigt von Aspekte behandelt werden müssen.

06:00 14.02.2014
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