Kleiner Einsatz, große Wirkung

Mitmachen Städte, Unis und Schulen setzen ein Zeichen für mehr fairen Handel
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Der Kaffeebauer verdient kaum Geld, Kinder schuften auf Baumwollplantagen, die Arbeiter in den Goldminen werden ohne Schutzkleidung krank. Das Bewusstsein dafür, dass Menschen in Afrika, Lateinamerika und Asien harte Arbeit leisten, um uns den morgendlichen Kaffee zu ermöglichen oder uns modisch zu kleiden, wächst beständig. Genauso wie die Nachfrage nach ökologisch und sozial nachhaltig hergestellten Produkten. Dies nicht zuletzt wegen der Vielzahl von Aktivitäten und Kampagnen.

Rund 100.000 Menschen setzen sich in Deutschland für einen Fairen Handel ein. Kirchengemeinden, die Weltläden oder auch Entwicklungs- und Hilfsorganisationen nehmen seit Jahren an Fairtrade-Kampagnen teil, informieren Verbraucher wie Unternehmen. Doch der Einsatz für den Fairen Handel ist längst keine Sache mehr, die in der Nische passiert.

Immer mehr Städte wollen ein Zeichen für Fairtrade setzen. 2009 wurde Saarbrücken zur ersten Fairtrade-Town Deutschlands ernannt. Über 340 Städte bundesweit haben sich seither angeschlossen. Um den Titel können sich nicht nur Städte, sondern auch Gemeinden, Bezirke, Regionen oder auch Inseln bewerben. Sie alle müssen nachweisen, dass der Faire Handel in dem Gebiet keine bloße Worthülse ist, sondern gezielt gefördert und umgesetzt wird. Die Auszeichnung wird für zwei Jahre vergeben. Dann wird geprüft, ob alle Kriterien auch weiterhin erfüllt werden.

Der Faire Handel lässt sich mit vielen kommunalen Anlässen verbinden: Auf dem Stadtfest, dem Weihnachtsmarkt oder auf offiziellen Empfängen werden fair gehandelter Kaffee, Süßigkeiten, Obst aufgetischt. Beim nächsten Turnier wird nur mit Fußbällen gegeneinander angetreten, die fair produziert wurden. Selbst der Karnevalsverein macht mit: mit „fairen Kamelle“. Woher kommt die Banane? Wie leben die Kakaobauern in Südamerika? Was für Erwachsene simpel klingt, eröffnet Kindern ganz neue Welten. Die Schule ist der beste Ort, um Fairtrade auch schon den Jüngsten nahezubringen. Der Weg der Kakaobohne vom Feld bis zum Schokoladen-Regal im Supermarkt ist Thema im Unterricht. Wenn die Schüler dann den fairen Schoko-Riegel an der Kasse der Schul-Cafeteria entdecken, schließt sich der Kreis. Bundesweit ist an zahlreichen Schulen Fairtrade kein Fremdwort mehr.

Was an der Schule beginnt, setzt sich an den Universitäten fort. Seit Sommer 2014 können sich die Hochschulen für den Titel „Fairtrade-University“ bewerben. Mit gutem Beispiel gingen die Universität des Saarlandes und die Universität Rostock voran. Hier gibt es nicht nur fairen Kaffee in der Mensa, sondern auch regelmäßig Informationsveranstaltungen zum Fairen Handel. Ganz gleich ob Kommune, Schule oder Uni, Fairtrade funktioniert dann, wenn fair gehandelte Produkte fester Bestandteil im Alltag werden. Die eigene Entscheidung für nachhaltigen Konsum ist schließlich das beste Beispiel. Selbst der kleinste Einsatz hat große Wirkung.

Dieser Beitrag ist Teil des Freitag-Extra in Zusammenarbeit mit TransFair e.V.

06:00 19.09.2015
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Fairtrade

Der Faire Handel in Deutschland. Was ist Fairer Handel, wer produziert, wer handelt fair und wie kann ich mich für den Fairen Handel engagieren?
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