Tischtennis im Museum.

Amateursport Tausende SpielerInnen in den untersten Ligen des deutschen Tischtennis müssen sich mit Sportstätten zufrieden geben, die ihresgleichen suchen. Zu Besuch in Oberhausen.
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„Sie haben Ihr Ziel erreicht“, erklärt das Navi, das meinem Mitspieler Michael und mir den Weg durch den Ruhrpott gebahnt hat. Von Duisburg über Mülheim an der Ruhr nach Oberhausen zu einem weiteren Auswärtsspiel in der 3.Kreisklasse. Wir spielen hier Tischtennis. Heute hier beim Post SV Oberhausen.
Am Schulhof geparkt gehen wir entschlossen auf die Tür zu die nach Halleneingang aussieht. Und geschlossen ist.

Aber wir sind hier schon richtig?
Ja, sind wir.
Wie heißt diese Schule hier?
„Schule am Froschenteich“
Aha. Okay, das ist sie tatsächlich.

Wir überzeugen uns durch einen Rundgang um das Objekt der Begierde davon, dass tatsächlich kein weiterer Zugang zu diesem existiert. Mit den ersten Gastgebern betreten wir eine Stunde vor Spielbeginn dann die Halle.

Ach, du Scheisse.

Wir folgen den Einheimischen den kühlen Gang entlang, die Augen über die Türen schweifend, die wir passieren.

„Umkleideraum Knaben“.
„Umkleideraum Lehrer.“
„Umkleideraum Mädchen.“

In diese drei gehen wir nicht. Ich weiss aber nicht mehr in welche wir dann gingen. Die drei genannten waren aber mit Sicherheit nicht besser. Holzbänke auf denen mein Vater als Grundschüler hätte sihttp://imageshack.com/a/img910/7177/bGaIuP.jpgtzen können. Es ist kühl und eng. Und es hängt etwas an der Wand: Ein elektrisches Gerät unter das sich stellen kann wer nasse Haare hat - insofern man nicht zu groß ist. Also sowas wie ein Föhn. Nur fest installiert. Ich denke über den Tod durch Strom nach, der einem droht wenn dieses Gerät ernsthaft mit nassen Haaren benutzt würde. Da betritt eine weitere Gastmannschaft diese Museumshalle. Sie sehen uns und merken, dass wir nach dem Spiel recht viele Duschen benötigen werden, spielen doch gleich offensichtlich 24 Männer in diesem Museum Tischtennis.

„Wer seid ihr?“, fragen die weiteren Gäste vom TTC Meiderich 47.
„TTS Duisburg“, sagen wir.
„Ah. Also letztes Mal haben hier nur zwei Duschen funktioniert. Kalt.“
„Aha…toll.“


Ich betrete den Innenbereich der Museumshalle, dort wo für gewöhnlich Sport betrieben wird. Oberlicht-Fenster mit zerstörten Jalousien, Papierkrempel an der Holzwand. Es wird gerade aufgebaut. In diese Museumshallen werden vier Tische gequetscht und mittig diese multifunktionalen Holzbänke positioniert, sodass sitzend Blick auf je zwei Tische besteht. Zwischen Banden, die die Spielbox und die Bänke trennen, ist kaum Platz. In der Spielbox auch nicht. Deshalb werden zwischen zwei Tischen auch keine Banden aufgestellt. Ich ahne Spielunterbrechungen in Millionenhöhe, wenn hier gleich an vier Tischen parallel gekämpft wird. Ferner bin ich froh kein Abwehrspieler zu sein. In der Bundesliga steht auf einer Hallenfläche wie dieser ein Tisch. Einer. Hier stehen Vier. Zuzüglich Bänken, Banden und 24 Spielern plus Zuschauern, die durch unsere Sporttaschen trampeln müssen.

Ich fange an zu spielen und rutsche weg. Nein, wir spielen nicht in der Halle der Krefeld Pinguine. Trotzdem ist der Hallenboden so alt und beschissen, so unermesslich ungeeignet für Tischtennis wie ein Hallenboden nur sein kann. In ähnlich desaströsen Hallen liegt dann ein feuchter Lappen am Rand der Spielbox um den Schuhsohlen durch Anfeuchten für kurze Zeit eine gewisse Griffigkeit zu verleihen. Hier nicht.

Wir werden irgendwie warm, bedanken uns für die Aufnahme in dieser Museumshalle und merken, dass der Gegner Post SV Oberhausen IV nur mit fünf statt sechs Spielern antritt. Uns wird also ein Doppel geschenkt. Zum Glück. Denn in den anderen beiden holen wir keinen einzigen Satz. Die ersten Einzel beginnen. Und es sieht besser aus.

Nach den ersten Sätzen steht es 1:1 und 1:2 für Post SV. Doch dann kommen die Herren aus der Umkleide von vorhin ins Spiel: Parallel wird an den anderen beiden Tischen das Match Post SV versus TTC Meiderich 47 ausgetragen. Und zwar verbal. Es gibt Diskussionen, dann Rudelbildung, wildes Durcheinander. An beiden Tischen wird das Spiel unterbrochen. Dann auch bei uns.
Unsere Gegner als auch wir begeben uns in die Nähe des Rudels und fordern lautstark Ruhe. Im Fußball läge jetzt einer am Boden. Es wird langsam ruhiger. Einige von Meiderich und Post SV verlassen die Halle. Wo kein Schiedsrichter ist, gelten andere Methoden der Klärung. Hier in den untersten Ligen des deutschen Tischtennis zum Beispiel. Es kann weiter gehen.

Der Rudelbildung folgt Minuten später der nächste Aufschrei. Diesmal bei uns. Unsere Nr. 2 weigert sich weiterzuspielen und den vierten Satz anzutreten. Wieder wird das Spiel an unseren Tischen unterbrochen. Unser Kapitän nimmt sich unseren Mann bei Seite. Ein paar klärende Worte. Dann geht es weiter. Ja, wir können ihn verstehen. Der Zähler von Post SV unterhält sich während des Ballwechsels mit seinem spielenden Mannschaftskollegen. Wir sind hier aber eben nicht beim Fußball.

Beide ersten Einzel gehen an Post SV. Ebenso die nächsten beiden in der Mitte. Im unteren Paarkreuz bekommen wir einen Punkt zugeschrieben. Post SV ist ja nur zu fünft. Und so verlieren wir auch die nächsten Einzel ehe es 9:2 für Post SV steht und wir spielerisch ganze vier Sätze gewinnen konnten. Nicht ein einziges Spiel kam in den Entscheidungssatz. Die katastrophalste Leistung der laufenden Saison ist perfekt.

Scheisse. Das Spiel. Die Atmosphäre. Der Boden. Die Halle.
Wir lassen das mit der Dusche und ergreifen erschüttert und frustriert die Flucht. Ab zur Bude.

Dieser Bericht ist Teil 3 meiner Serie über Auswärtsspiele in der 3.Kreisklasse, der untersten Liga des deutschen Tischtennis. Den zweiten Teil können Sie hier nachlesen. Die genauen Daten zum Spiel finden sich auf Click-TT unter Bezirk Düsseldorf, Kreis Rhein-Ruhr, 3KK, Gruppe 2.

20:41 25.10.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Felix

Student der Politikwissenschaft. Tischtennisspieler in der 3. Kreisklasse.
Felix

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