Nicht ohne meinen Anzug!

Mode Der Deutsche-Welle-Moderator Gerhard Elfers zeigt mit seiner "Dresscode"-Serie Männern weltweit, dass Anzüge doch eine Stilfrage sind
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Nicht ohne meinen Anzug!
Gerhard Elfers

Foto: DW

Auf Youtube findet man Gerhard Elfers, wenn man sich über Anzüge informieren möchte. Der Moderator der Deutschen Welle (DW) zeigt Männern in seinen pointierten Videos, wie man sich mit einfachen Mitteln stilvoll kleiden kann. Die bilingual prodzierten Beiträge werden auch in weitere Sprachen übersetzt und haben einen weltweiten Zuschauerkreis. Das Format ist preisgekrönt. Daher ist es Zeit, diesen Menschen, der scheinbar im Anzug nachts schlafen geht, zu treffen. In der Kantine des Senders im Berliner Wedding, steht Elfers Rede und Antwort. Natürlich im Anzug.

Wann wird der Anzug zum Aufzug?
Manchmal habe ich selber das Gefühl, dass, wenn ich morgens nicht genau hinschaue, ich auch daneben langen könnte. Da ich aber stets weiße oder blaue Hemden trage und Anzüge in grau oder navy, kann nicht viel passieren. Dazu geht erstmal alles. Wenn es aber nur darum geht, Aufmerksamkeit zu erregen,dann wird es schnell peinlich.

Selbst die konservative Investmentbank Goldman Sachs lockert den Dresscode. Ist Ihr Glaube an ein stilvolles Kleiden nun gänzlich zerstört?
In einer Episode von Dresscode befasse ich mich ausführlich mit der Lockerung des Dresscodes bei Goldman Sachs. Zunächst war ich konsterniert. Ist es das jetzt wirklich deren Ernst? Aber dann wurde mir klar, dass das ein Neuanfang sein kann! Wenn sich der lockerere Dresscode im Banking durchsetzt, dann rennen die Banker bald rum wie Durchschnittshipster und der Anzug verliert das Stigma als Uniform der Finanzbranche. Wer weiß, vielleicht kann man schon bald wieder gefahrlos Nadelstreifen tragen!


Werden wir in zwanzig Jahren herrlich über karierte Anzüge lachen?
Nein, denn karierte Anzüge gibt es seit vielen, vielen Jahren und sie sind mal mehr, mal weniger aktuell, aber sie sind immer da. Wie ostentativ lässt man das Karo werden? Es gibt karierte Anzüge, die ich sensationell finde, aber nie anziehen würde.

Ist ein Markenzeichen zu haben, nicht gut?
Nein. Denn du musst selber eine Marke sein und darfst nicht auf ein scheinbares Markenzeichen reduziert werden. Das wird schnell Attitüde.

Die Devise scheint zu sein: viel Haut und noch mehr Haar“


Prinz Charles hat den Zweireiher seit den Siebzigern nicht ausgezogen.
Richtig, er hat ihn stoisch getragen, obgleich gerade der Zweireiher in den letzten Jahrzehnten so unglaublich „tot“ war. Das ist eben auch Stil, wenn der Tragende sich wider jede Mode treu bleibt. Man muss sich in einem Anzug wohl fühlen, muss ihn gerne tragen. Erst dann kann er wirken.

Viele Männer würden sagen, dass man sich in Anzügen nie wohlfühlt.
Ja, es ist ein Graus, egal wohin man schaut, die Leute laufen rum wie sonstwas. Wie furchtbar! Wenn man bei der Arbeit morgens keinen Blaumann anziehen muss und über 35 ist, sollte man einen Anzug tragen. Gerade im Journalismus. Ich kenne Kollegen, die laufen im Sommer mit Shorts und Flipflops bei Terminen auf. Die Devise scheint zu sein, auch als Mann, ganz viel Haut und noch mehr Behaarung zeigen zu wollen.

Wer kann der kann?
Nein, sorry, das geht wirklich nicht. Also doch, es geht und wird ja goutiert. Aber ist das schön?

Eingebetteter Medieninhalt

Erst wenn man die Regeln kennt, kann man entscheiden“


Ist das strenge Einhalten von Regeln nicht auch sinnloses Dogma?
Ja, ist es. Und ich halte nichts von Dogmen. Das erkläre ich auch in einer eigenen Dresscode-Folge. Der britische Designer und Herrenschneider Hardy Amieshat schon in den 1950ern gesagt: “Style rules are written in pencil, not in ink.“ Aber es hilft halt, sich erstmal ein paar Regeln zu Gemüte zu führen und dann selber zu entscheiden. Dann wird es nämlich spannend. In der Dresscode-Facebook-Gruppe sehe ich dann immer, wie sich die Männer plötzlich trauen, Farbe zu tragen. Denn als Mann hast du nur Farbe, Farbe, Farbe um dich hervorzuheben. Und Muster.

Aber nicht zu viel?
Die Krawatte darf immer knallen. Wenn man sich danach fühlt, nur dann. Zum Anzug kannst du alles regulieren. Wenn du auffallen willst, dann her mit der Farbe. Einstecktuch, Krawatte und Socken. Ansonsten gilt: in nichts sieht ein durchschnittlicher Mann so gut aus wie in einem gut sitzenden Anzug.

Haben dann die meisten Ihrer Kollegen bei der Deutschen Welleein Problem mit Ihrem Sendeformat Dresscode?
Nein, die haben das Problem, dass der Anzug diskreditiert ist. Gerade in Berliner Kreisen ist der Anzug als Bankerdressverschrien. Ich trage oft auch abends Anzüge zum Ausgehen. Als ich frisch nach Berlin kam, war ich in meinem Stammlokal erstmal als „derBörsianer“ verschrien – nur wegen meines Anzugs. Wie fantasielos sind die Leute? Erst im Verlauf des Kennenlernens legten sich diese Vorurteile. Auch als Journalist, Ingenieur oder Mathematikerkann man sich anständig kleiden.

Aus als Journalist kann man sich anständig kleiden“

Ich kenne Menschen, die sehr schöne Anzüge tragen,aber als Person enttäuschen.
Klar, die gibt es. Ein gescheiter Anzug rettet keinen Charakter, aber der Wunsch gut angezogen zu sein, sagt auch etwas über den Charakter. Ein Anzug ist ein Zeichen für Seriosität, für Ernsthaftigkeit den Dingen gegenüber, dem eigenen Tun gegenüber. Aber klar, auch Menschen, die uns in die Finanzkrise steuerten, trugen schöne Anzüge. Das ist das Dilemma des Anzugträgers.

Menschen trauen mir in der Öffentlichkeit mehr, wenn ich Anzüge trage.
Ja, das ist so. Den Anzug umschwebt immer noch eine Magie, ein Statement. Er chiffriert moderate Maskulinität und Vertrauenswürdigkeit. Warum sollten sonst Gebrauchtwagenverkäufer Anzüge tragen? Ich merke, auch im Alltag, wie Menschen, die mich nicht näherkennen, mich anders behandeln. Es ist eine gewisse Distanz da. Das kann ganz gesund sein.

Grenzen Sie sich durch Kleidung ab?
Aber selbstverständlich!

Gern und bewusst?
Ja, denn in der Medienbranche bist du ja gleich Nonkonformist, wenn du Anzug und Krawatte trägst. So sehr ist dieses Kleidungsstück hier out. Der Anzug ist heute das, was in den Sechzigern die Jeans waren. Er schreit heraus: Es geht auch ohne Funktionskleidung. Aber der Anzug ist natürlich für mich im Nachrichtenstudio auch Notwendigkeit und Berufskleidung.

Im Anzug ist man heute schon Nonkonformist“

Ich trage auf Reisen gerne legere Kleidung. Bin ich bemitleidenswert?
Nein. Denn nochmal: Man muss sich wohlfühlen. Dass dies die meisten Menschen nun eben nicht in einem Anzug empfinden, ist eine Zeitgeistgeschichte. Die wird sich auch wieder ändern. Ich fühle mich im Anzug einfach immer wohl, das ist keine Attitüde. Mit einem schlichten navy-blauen Anzug bist du immer passend angezogen. Vom Staatsempfang bis zur Kneipe im Wedding.

Götz Alsmann, bekennender Anzugträger, zog sich zur Geburt seines Sohnes extra noch schnell einen Anzug an, weil er auf den Fotos nicht im Schlabberlook zu sehen sein wollte. Er meinte, ein Anzug, wie auch eine Krawatte, müssten nicht unbequem sitzen. Wieso?
Mein Anzug ist bequem, er sitzt, ich trage Hosenträger, keine Gürtel. Weil viele Menschen den Anzug nur widerwillig und kenntnisfrei kaufen, zieht das nach sich, dass der dann schrecklich sitzt. Es ist eine Spirale. An deren Ende steht dann, dass der Anzug nur noch für Familienfeiern vorgeholt wird.

Karl Lagerfeld sagte, er urteile nicht über andere Stile, weil die Leute sich vielleicht in dem Moment des Kaufs sehr wohlgefühlt hatten. Schwingt bei Ihren Dresscode-Clips auch nicht immer eine gewisse überhebliche Komponente mit?
Ich sage nicht, was nicht anzuziehen ist, sondern: Zieht einen Anzug an! Ich bin ein Anzug-Fundamentalist (lacht). Ich finde, Männer sind dumm, wenn sie Anzüge verschmähen. Die Lebensdauer ist lange, die tägliche Auswahl ist einfach und der Verwendungszweck ist beinahe unbegrenzt

Wir werden so auch unserem Sendeauftrag gerecht“

Gibt es Mode und Stil?
Ich benutze die Begriffe sehr ungern, sie sind zu einfach, und umgreifen gleichzeitig zu viel. Ich mißtraue einfachen Begriffen.Es geht nicht um Männermode in meiner Videokolumne Dresscode. Es geht um den gelungenen Auftritt im Berufsleben für Männer über 35. Viel Zuspruch bekomme ich für meine Videos aus dem Ausland. Junge Männer aus Pakistan oder Keniabeispielsweise, die Bilder von sich posten, wie sie neue Kombinationen probieren. Da merke ich auch, dass wir da auf eine entspannte Weise unserem Sendeauftrag gerecht werden.

Dann gibt es aber noch die Kids, die Anzüge plakativ schwülstig tragen. Die junge FPD-Garde in gelecktem Anzuglook...
Ja, das ist in der Tat dann wiederum schwierig, geradezu verkehrte Welt. Männer in den Zwanzigern kann ich in Anzügen meistens nicht ernstnehmen. Das ist oft aufgesetzt und unauthentisch. Wenn dann noch eine Zigarre im Mundwinkel hängt, werde ich wütend.

Wann überzieht man stilistisch?
Mit Uhren! Viele Männer tragen grässliche, klotzige Armbanduhren. Sie meinen, mit so einer Uhr etwas Besonderes auszudrücken. Dazu noch Krawattenklammern oder bestimmte Siegelringe. Entsetzlich!

Der Anzug geht auch mit begrenzten Mitteln“

Wen grenzen Kleidungsregel aus?
Klar, können Kleiderregeln ausgrenzen. Aber, und das sollen meine Videos auch immer wieder zeigen, es hängt eben nichtvom Geld ab, sich gescheit zu kleiden! Sowohl in meiner Zeit im Londoner Osten, als auch hier im Berliner Wedding, erlebe ich immer wieder ältere Herren, die einen Anzug mit Krawatte tragen.Der Anzug ist alt, sitzt nicht mehr richtig, aber sie haben einen an. Es ist ihr Selbstwertgefühl, dass sie nicht schlampig rausgehen, auch wenn es „nur“ zum Arzt ist.


Kommen wir zur Krawatte: Wo ist der Sinn, sich einen Strick umzulegen, wenn noch keine Hinrichtung ansteht?
(lacht laut) Gar keiner, denn eine Krawatte ist ein Ornament. Es ist die einzige Möglichkeit des Mannes, farblich richtig zuzulangen. Ich habe wunderschöne Seidenkrawatten, deren Farbspiele mich immer wieder begeistern.

Aber, die engen doch ein!
Nein, die sind doch nicht einengend. Wenn das Hemd die richtige Kragenweite hat, kann man eine Krawatte gar nicht zu eng binden, ohne sich Gewalt anzutun.

Bin ich ein schlechterer Mensch ohne Krawatte?
Nein, nur schlechter angezogen. (lacht)

Ich werf´ sie über die Schulter“

Wolfgang Kubicki sagte, die letzte Nudel ruiniere immer die Krawatte. Ich gestehe, sie mir zum Essen ins Hemd zu stecken.
Wenn ich in die Kantine gehe, lege ich sie über die Schulter. Wenig elegant, aber hey:Jeder wie er will! Und abends im Restaurant mache ich das natürlich nicht.

Gibt einem die Kleidung Sicherheit?
Sie gibt Selbstsicherheit, ja. Wenn das Ganze sitzt und man sich darin wohlfühlt, dann ist man natürlich selbstsicherer.

Wenn man sich in Deutschland Männer zwischen 20 und 50 anschaut, scheint es ein Verlust von Selbstwert zu sein, sich nur noch wie ein Putzlappen zu kleiden.
Ich bin erschüttert, wie selbstlos im negativen Sinne Männer herumlaufen! Schlussendlich ist es sicher nicht entscheidend, was man trägt. Denn es zählt natürlich, was im Kopf und im Herzen ist. Dennoch, so ein wenig mehr Interesse für sich selbst, das würde ich mir wünschen. Dazu muss man nicht reich sein. Ich kaufe alle meine Sachen nur im Schlussverkauf und achte sehr auf den Preis!

Und wenn Sie diesen Satz hören: „Da muss ich erst noch meine Frau fragen“?
Halte ich für gar nicht so verkehrt, denn die Frauen wissen oft besser Bescheid und haben oft ein feineres Gespür für ästhetische Dinge. Außerdem sind sie ja oft auch die Zielgruppe.

Aber was für eine Selbstaufgabe!
Ja, das stand aber für viele Jahre nicht zu Debatte. Männer wussten nicht mehr genau, wie man sich kleidet, Schuhe putzt oder welche Muster man kombinieren kann. Die jungen Männer, die Dresscode mögen, sind ja oft entweder ohne Väter aufgewachsen oder mit solchen, die selber nie Anzug getragen haben.

Ich trage Jogginghosen mit Leidenschaft“

Wann trägt Gerhard Elfers Jogginghosen?
Zuhause, mit Leidenschaft! Wenn ich koche oder Brot backe, brauche ich keinen Anzug. Meine verstorbene Mutter hat mir eine sehr schöne Schürze genäht, dennoch möchte ich es nicht riskieren. Träumen tue ich von einem seidenen Morgenmantel, der fehlt noch. (lacht)

Ist ein Anzug für 1500 Euro zu teuer?
Nunja, da muss man schon deutlich über 100.000 Euro im Jahr verdienen, um sich das leisten zu können. Ich bin der Auffassung, dass das nicht sein muss. Mein teuerster Anzug hat circa 600 Pfund gekostet. Ich besitze knapp zwanzig Anzüge und im Schnitt gebe ich für einen 200-250 Pfund aus. Einmal pro Jahr. Der Trick ist eben der Schlussverkauf und Lagerverkäufe, denn diese Anzüge kosten sonst um die 1000 Pfund. Die Margen im Bekleidungssektor sind pervers.

Eingebetteter Medieninhalt

Sie geben Tipps, die man sich durchaus leisten kann.
Ja, auf jeden Fall. Meine Mission ist es, dass Männer begreifen, dass es nicht am Geld liegt, sondern an der Kombination und Ausgestaltung. Einen billigen Anzug kann man mit akzentuierten Knöpfen ziemlich preiswert aufpeppen. Das wichtigste ist, dass ein Anzug richtig passt und gut sitzt. Wenn die Schulterbreite stimmt, sollte man Ärmellänge und Taillenweite vom Schneider anpasssen lassen. Das ist nicht teuer, macht aber ein Riesenunterschied.

Sie wurden auch nicht so stilsicher geboren. Ich sah ein Youtube-Video von 2010 und dachte mir: Ein gutes Beratungsobjekt für Gerhard Elfers, doch...
...es war Gerhard Elfers selbst (lacht). Das Internet vergiss nichts...

Das Alter und die Anzüge

Genau, was ist in neun Jahren mit Ihrem Stil passiert?
Ich habe viel gelernt und bin erwachsen geworden. Es dauerte lange, bis ich begriff, was mir steht und woher man die Sachen zu passenden Preisen bekommt. Natürlich greift man auch mal daneben und scheitert. Erst seit knapp zehn Jahren trage ich Anzüge sehr gerne.

Wie kam dieser Umschwung?
Das ist ein langer Prozess, bei jedem. Als meine Haare immer weißer wurden, so mit Anfang vierzig, wurde mir klar, ich muss mich langsam mal altersgemäß kleiden. Allerdings habe ich auch schon in der Schule gern Hemd und Sakko getragen – und ich war nicht mal in der Jungen Union! (lacht) Es fing bei mir also auch spät an, für viele Menschen besteht also noch Hoffnung. Die Rückmeldungen waren so positiv, dass ich merkte, dass es gut funktioniert.

Welche Fehlgriffe gab es beim Einkauf?
Ich habe mal für sehr viel Geld einen Anzug gekauft, den ich sieben oder achtmal angezogen habe, der einfach nicht saß. Was da mit mir los war, kann ich nicht sagen. Aber wenn Sie mich beim Lagerverkauf sehen...

Kaufgier frisst Hirn?
Ich beim Lagerverkauf? Auf jeden Fall!

Gier frisst Hirn“

Was tragen Sie weiter, obwohl es nicht mehr geht?
Ich habe einen blauen Nadelstreifen, der leider etwas von Motten angegriffen wurde. Er kommt aus Londons ältester Schneiderwerkstatt und ist so zeitlos elegant, den kann ich tragen, bis er mir vom Leib fällt!

Wann muss ein Anzug in den Müll?
Sichtbare Löcher oder Flecken, und wenn er anfängt, speckig zu glänzen.

Wie oft reinigen?
Lüften und bürsten. Reinigung nur wenn es sein muss. Zu Flecken gilt: never touch them! Durch ein Tuch aufsaugen, trocknen lassen. Ausbürsten, erstaunlich viel geht da raus. Erst dann in die Reinigung.

Gibt es Kollegen, die Sie wegen Ihres Stils nicht gut finden?
Ja klar, es wird gelästert. Kollegen geben mir auch Spitzen, wenn ich mal nicht so gut angezogen bin. Was durchaus passiert. Ich habe notorisch zu kurze Socken und man sieht mein blankes Männerbein. Eigentlich eine Todsünde! Das ist für die Kollegen oft ein gefundenes Fressen. Dass das eine Todsünde ist, wissen sie aber wiederum von mir. (lacht)

Wann kauften Sie sich Ihren ersten Anzug?
Den ersten Anzug habe ich mir zum Bundespresseball 1989 gekauft. Ich war dort Assistent eines Kameramanns und man musste einen dunklen Anzug tragen. Das ist heute auch nicht mehr so.

Kleide dich für den Job, den du anstrebst, nicht für den, den du hast“, heißt es.
Ein Klischee, aber nicht dumm.

Die Banker und ihr Anzug

Kann der Anzug ein Zeichen für Asozialität sein?
Ja, kann er. Insbesondere wenn Männer auf dicke Hose machen, ist es widerlich und das sorgt für den Verruf. Die Banker in den Londoner Clubs im breiten Nadelstreifen, die sich mit 500-Pfund-Noten die Zigarren anzündeten – furchtbar. Das trug wesentlich zum heutigen Verruf des Anzugs bei.

Dieter Zetsche ist Vorreiter. Er setzte mit legerer Businesskleidung einen Trend bei DAX-Unternehmen.
Ja, furchtbar. Der Mann ist ein DAX-CEO und rennt ernsthaft mit Turnschuhen herum. Mit Turnschuhen! Ich finde das so unauthentisch. Dieses Anbiedern an den Zeitgeist auf Kosten des eigenen Stils, das finde ich erschütternd.

Wann ist Gerhard Elfers kleidungstechnisch am ehrlichsten?
Wenn ich Anzug und Krawatte trage, bin ich immer authentisch.

Gerhard Elfers, 52, geboren und aufgewachsen im ländlichen Westfalen., arbeitete zuerst als Kameramann, inzwischen als Moderator und Korrespondent. Seit 2015 arbeitet er für die Deutsche Welle in Berlin, vorher lebte er als Korrespondent mehrere Jahre in London.

01:49 20.03.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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