"Bitte keinen Frieden!" Rudolf Augstein1990

"Zwei plus Vier" Verkörpert der "Zwei plus Vier-Vertrag" 1990 die deutsch-deutsche Kumpanei seit 1948, die Krise, fern von Aussichten auf Frieden, als Geschäftsmodell festzuschreiben?
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"Bitte keinen Friedensvertrag!", so tönte am 5. März der Aufmacher Rudolf Augsteins im Vorfeld deutsch- deutscher Anbahnung der Einheit am 3. Oktober 1990 schrill in seinem legendären Essay.

Als Geistesleuchte, die 1990 auf dem Weg zur Deutschen Einheit den Frieden sucht und organisiert, ist der Herausgeber DES SPIEGELs, Rudolf Augstein, mit seinem Sturmgeschütz der Demokratie, wie er dieses Meinungsmedium kommunizierte,

"Im Zweifel mit Links den Frieden erschießen!"

nicht in Erscheinung getreten.

Was mag diesen ehemaligen Leutnant der Deutschen Wehrmacht, Rudolf Augstein, dessen größte Leistung im Zweiten Weltkrieg nach eigenem Bekunden, "sündenstolz" seine gelungene Absetzbewegung, Desertion, von seiner Einheit in der Ukraine im nahenden Frühling 1945 Richtung Heimat gewesen sei, genau 45 Jahre später, im Jahr 1990 blinwütig dazu hingerissen haben, jeden Anflug von Frieden im Namen des vereinigten Deutschlands zu fliehen, wie der Teufel das Weihwasser, als handle es sich bei diesem um eine unzumutbar unerträgliche Last?

Rudolf Augstein, 1923 in Hannover geboren, 2002 viel zu früh in Hamburg verstorben, wurde zu Lebzeiten von Freunden wie Gegnern gleichermaßen als blitzgescheite "Edelfeder" mit dem journalistischen Trüffelschwein Spürsinn für ungehobene Schätze gepriesen und gelobhudelt.

Von allen bisherigen Geistern als

"Sturmgeschütz deutscher Demokratie"

verlassen, konnte Rudolf Augstein beim Verfassen seines Essay "Bitte kein Friedensvertrag" am 5. März 1990 wohl kaum gewesen sein.

Waren es genau diese Geister, die ihn trieben?

Geister, denen jeder Anflug von Friedensvertrag seit dem Versailler Friedensvertrag 1919 als das reine Grauen galt?, die ihr Heil, wenn nicht in weiteren Kriegen auf europäischem Boden,, so doch in dauerhaften Krisen als Geschäftsmodell erkoren hatten?

War der Kalte Krieg nicht genau so ein Krisen- Geschäftsmodell unter der Fuchtel der Ost- Westblöcke, dem Damoklesschwert gegenseitiger Abschreckung durch das atomare Potenzial der Vernichtung der gesamten Menschheit?

Waren da nicht regionale Kriege, im Wege der Auflösung des Staates Jugoslawien ab 1992, Slowenien, Serbien, Kroatien, Bosnien- Herzegowina, Montenegro, Mazedonien, 1999 im Kosovo, 2014 in der Ukraine, tauglich, Krisen als Geschäftsmodell neu zu befeuern, wenn ja, warum?

Zusatzfrage:

Ist der russische Präsident Wladimir Putin als deutscher Zauberlehrling mit Sinn für krisen nicht genau, gesucht, gefunden, aufgebaut, der mitagierende Partner, der, wie die Faust aufs Auge, in dieses deutsche Krisen Geschäftsmodell passt?

Hintergrund:

Seit den Verhandlungen auf informeller Ebene von Regierenden, Teheran, Casablanca, 1943, Jalta 1944, Postdam 1945 in und nach dem Zweiten Weltkrieg in den G 7 bis G 8 gar G 20 Runden hat sich auf iternationaler Ebene ein Modus Vivendi unter den Mächtigen unserer Einen Welt etabliert, der, an nationalen Parlamenten vorbei, Fakten anbahnt, wenn er diese nicht schon selber schafft.

Darin lagen jahrzehntelang bisweilen Chancen.

Darin liegen aber auch in vielerlei Hinsicht unselige Verlockungen, über das Protegieren bestimmter Projekte, regierender Parteien in Europa auf Gegenseitigkeit, bis hin zur reinen "Bimbespolitik" Marke Bundeskanzler Helmut Kohl von 1982- 1998, auf jede legitme Forderung, u. a. in Italien, aktuell in Griechenland auf einen betehenden Rechtstitel in Höhe von 28 Millionen € als, materiell unterfüttert, symbolische Entschädigung für erlittenes Leid vieler Griechen während der Besatzungszeit durch die Deutsche Wehrmacht von 1941- 1944, bei politisch "Bimbes" gewogenen Partnern in Regierungen auf Jahre hinaus verhangen, den Schleier der Verdeckung zu legen bis dieser von einer am 25 Januar 2015 neu gewählten Regierungskoliltion in Griechenland, unter Alexis Tsirpas, Yanis Varoufakis, linksrechts gewirkt, zerstoben wird.

Warum hielten Regierungen in Europa während des Kalten Krieges gegenüber Westdeutschland in Fragen von Entschädigung für Zwangsarbeit, Enteignung von Leben und Vermögen ihrer Bürger während des Zweiten Weltkrieges nach dem Londoner Schuldenabkommen 1953 zu Gunsten, Gedeih und Frommen der deutschen Wirtschlaft seit 1948

- Marshall- Plan, westdeutsche Währungsreform/Einführung der DM, Berliner Luftbrücke -

so auffällig still?

Ein Grund mag gewesen sein, es waren rechstkonservative, wenn nicht kolossal kolonial ausgerichtete Regierungen

- Frankreich mit seinem Vichy- Regime, die Niederlande, Belgien, Norwegen mit seiner faschistoiden Quissling Regierung - ,

in den von der Deutschen Wehrmacht als Vollziehender Gewalt besetzten Ländern Europas. die mindestens zur Deckung der Besatzungskosten des NS- Regime, wenn nicht darüber hinaus zum persönlichen Nutzen, ihre eigenen Bürger ausplünderten, vorauseilend kooperativ millionenfach Namenslisten von Personen erstellten, die ausgebürgert, national entrechtet, von 1940- 1945 in die NS- Vernichtungslager in Auschwitz, Treblinka, Sobibor deportiert wurden.

Fragen der Entschädigung von erlittenem Leid unter Deutscher Besatzungszeit von 1939- 1945 sind folglich nicht nur Fragen an Berlin, sondern Fragen an die eigenen Regierungen in Paris, Rom, Athen, Brüssel, Amsterfdam, Warschau, Riga, Talinn, Vilnius, Kiew, Minsk, Belgrad, Prag, Warschau, an den unheilvollen Teil der eigenen Geschichte dieser Länder, weil sich der Holocaust, historisch ergründet, ausgeleuchtet, als gesamteuropäisch verbrecherisches Unternehmen, wenn nicht als der eigentliche Gründungsmythos der Europäischen Union (EU) erweist.

Bis zur Wende in Westdeutschland 1982 von der sozialliberalen zur schwarzgelben Bundesregierung mag diese Schande in Europa unter dem Poltikpersonal der Regirenden noch persönlich verdrängend, verleugnend gewirkt haben. Bei dem nun nachwachsendes Regierungspersonal ohne

"Mea Culpa Gefühle der Kolloboration aus deutscher Besatzungszeit"

wehte da ein anderer Wind, der sich allerdings mutmaßlich durch eine europaweit politische Landschaftspflege unter Parteien in Regierung und Opposition im Stil des Flickkonzerns

- Flick- Partei- Spendenskandal 1984 vom SPIEGEL- Redakteur Hans Leyendecker investigativ aufgedeckt -

zur allseitig korrumpierenden "Bimbesmentalität" eines allzeit dazu aufgelegt sprungbereiten Bundeskanzlers Helmut Kohl hinsichtlich aufflammender Forderungen nach Entschädigungen in Europa nach 1989 dämpfend bis zurückweisend ausweiten ließ.

Ein Bundespräsident Richard von Weizsäcker erwies sich, trotz und wg. seiner berühmten Rede am 8. Mai 1985 im Deutschen Bundestag zum vierzigsten Jahrestag der bedingungslosen Kapitualtion des deutschen Reiches an allen Fronten, bis zum Ende seiner Amtszeit 1994 auch nicht als Geistesleuchte, die den Frieden im deutschen Namen europaweit als "Ewiger Bundespräsident" anzubahnen, geschweige denn zu zu organisieren suchte.

Die Nachfolger im Amt des Bundespräsidenten Roman Herzog, 1994- 1999

- fand zwar das Wort

"Ein Ruck müsse durch Deutschland gehen!", -

in Sachen Friedensvertrag noch Entschädigungsfond war von ihm dagegen sowenig ein Wort zu vernehmen, wie dann von Johannes Rau, 1999- 2004, Horst Köhler 2004- 2010. Christian Wulff 2010- 2012, Joachim Gauck seit 2012 in Amt und Würden, geschweige denn von Kardinal Joseph Ratzinger als deutscher Papst Benedikt XVI 2005- 2013.

Was bis 1997, bis zur Anerkennung von Sammelklagen ehemaliger Zwangsarbeiter unter reichswdeutscher Herrschaft von 1939- 1945 vor US- Gerichten gelang.

Plötzlich fühlten sich deutsche Regierungsvertreter unter verschiedenen politischen Farben, schwarzgelb, rotgrün, rotschwarz mit Hinweis auf den "Zwei plus Vier- Vertrag" 1990 gleichermaßen betrogen, öffentlich zu Unrecht als "Betrüger" vorgeführt.

Was hatten die Deutschen aller politischen Farben denn in Gesellschaft, Politik, Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Wirtschaft seit 1990 verbrochen?, dass sie nun unter dem drängendem Druck Otto Graf Lambsdorffs 1997 einen "Schmalhans" Entschädigungsfond für überlebende Zwangsarbeiter in Europa, sonders in den Ländern der ehemaligen UdSSR auflegen mussten, weil die deutsche Exportwirtschaft weltweit auf einen guten Leumund angewiesen bleibt?

- Selbst die PDS als juristische Nachfolgepartei der SED, dann die Linkspartei aus PDS und WASG hatte sich seit 1990 für einen solchen Entschädigungsfond , geschweige denn einen Friedensvertrag bis dato zu keinem Zeitpunkt stark gemacht.

Willy Brandt sprach nach dem Berliner Mauerfall am 9. November 1989 stimmungsaufhellend wie dunkel in Mysterien

"Jetzt wächst zusammen, was zusamen gehört",

von Friedensvertrag, geschweige denn Entschädigungsfond, der deutschen Gesellschaft und Wirtschaft sprach er so wenig, wie der damalige SPD- Spitzenkandidat der Bundestagswahl 1991 Oskar Lafontaine.

Egon Bahr grummelte zunächst nach 1989 ungläubig in Talkrunden, dann Hellersdorfer Wahn im dunklen Anzug begeistert

"Wenn die die deutsche Einheit so billig machen!"

Von Friedensvertrag noch Entschädigungfond sprach auch Egon Bahr nicht und das bis heute -

Gilt als wahrer Grund der Ausrufung der Agenda2010/Hartz IV- Gesetze im Jahr 2003 im Berliner Dom durch die rotgrüne Bundesregierung, samt begeisterter Zustimmung durch die Oppsosition im Deutschen Bundestag aus CDU/CSU/FDP, ohne die PDS, mit folgendem Bruch der Maastricht Kriterien von 1992, die deutsche Republik, angesichts drohend rechtswirksamer Schuldentitel aus Entschädigungsforderungen gegen die Bundesrepublik Deutschland, diese nicht nur statistisch arm zu rechnen, sondern weite Teile der Bevölkerung unter dem miesen Slogan

"Kein Anschluss unter dieser Rufnummer"

vorrauseilend in die Armut abzudrängen?

Passt in diesen Zusammenhang nicht auch die überstürzt vorzeitige Auflösung des Deutschen Bundestages im Jahr 2005 auf Antrag der rotgrünen Bundesregierung durch den damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler mit dramatischem Hinweis auf einen angeblich nationalen Notstand, der damals öffenlich kaum vermittelbar schien?

Der "Deutsche Frieden" ,

an dem die Welt in Europa genesen "wollte", war doch die Abwesenheit von Frieden, ist doch, spätestens mit dem

"Zwei plus Vier- Vertrag"

1990 neu aufgelegt, die Krise mit der Option auf regional militärische Interventionen als Geschäftsmodell.

Haben wir insofern auch in Kundus/Afghanistan von 2001 nach Nine Eleven bis 2014, wie der einstige SPD- Bundesverteidigungsminister Peter Struck im Brustton reiner Überzeugung hinnaus posaunte, in Deutschland die Krise als Geschäftsmodell verteidigt?

Wenn ja, kommt unseren GROKO- Regierenden jetzt die Griechenland- Krise 2010, überlagert von der Ukraine- Krise 2014, wie gerufen, unser "Deutschland- Modell" Krise als Geschäftsgrundlage weiter anzufetten?, damit es nie, niemals in deutschem Namen, dank Fortsetzung heilloa bewährter "Bimbesmentalität" mit korrumpierend ausgeweiteten Mitteln, in Europa zu einem Frieden kommt?

Warum wohl wurde in den Maastrichter Verträgen 1992 auf EU- Ebene Kritierien für die Staatsverschuldung der Länder festgelegt, u. a. die staatlichen Gesamtschulden dürfen nicht 60 %, die Neuverschuldung nicht 3 % des BIP übersteigen.

Deutschland hat der Schuldenbremse im Bund und Ländern durch mehrheitliche Zustimmung im Deutschen Bundestag, den Landesparlamenten Verfassungsrang eingeräumt.

Warum geschah das im Fall Deutschlands?, womöglich um allen am Zweiten Weltkrieg beteiligten 53 Ländern zu signalisieren, was auch immer diese an Entschädigungsforderungen gegen die Bundesrepublik Deutschland im Fall eines kommenden Friedensvertrages, gemäß "Zwei plus Vier- Vertrag" 1990 vor nationalen oder internationalen Gerichten wg. erliittenem Leid, Zerstörung von Infrastruktur, Entzug von staatlichem, privatem vermögen in den von der Deutschen Wehrmacht 1939- 1945 besetzten Ländern durchzusetzen vermögen, wo nichts ist, hat der "Kaiser" sein Recht verloren. Einem nackten Mann kann man nicht in die Taschen greifen.

Exotische Überlegungen:

Wie ungleich friedensstiftender wäre 1990 im deutschen Namen gewesen, wenn nicht die DDR, gemäß Artikel 23 des Grundgesetzes (GG) dem Geltungsbrereich der Bundesprepublik Deutschland beigetreten wäre, sondern umgekehrt, die Bundesprepublik Deutschland dem Geltungsbereich der Deutschen Gemokratischen Republik (DDR),

- wie dies nicht ohne deutschen Grund der damalige DDR- Staatsratsvorsitzende Erich Honecker 1981 gegenüber Günter Gaus augenzwinkernd durchblicken ließ:

"Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf" "Klopfet an, so wird euch aufgetan" "Es gibt Halleser, Hallenser und Halunken" - ,

beigetreten wäre.

Denn der deutsche Grund ist die historische Tatsache, dass die DDR, anders als die Bundesprepublik Deutschland, bereits 1958 mit allen osteuropäischen Ländern, voran mit der UdSSR, dem nicht paktgebundenen Jugoslawien einen völkerrechtsverbindlichen Friedensvertrag abgeschlossen hatte.

Das Nadelöhr durch das die GROKO, durch das das vereinigte Deutschland sich nun zwängen kann, scheint einzig und allein, die DDR löst sich wieder aus dem Verbund mit der Bundesprepublik Deutschland, gemäß Artikel 23 GG, zumindest für einen Tag, behält den Euro als Währung, damit umgekehrt, die Bundesprepublik Deutschland im historischen Nachgang nun doch noch der Deutschen Demokratischen Republik, mit der Aussicht auf einen europäischen Frieden im deutschen Namen "kostensenkend", hinsichtlich nacheilender Entschädigungsforderungen betrifft, beitreten kann.

JP

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/1990-die-unfaehigkeit-frieden-zu-stiften
JOACHIM PETRICK 27.02.2015 | 02:47 18
1990 Die Unfähigkeit, Frieden zu stiften

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13497030.html
05.03.1990
Bitte keinen Friedensvertrag!
Von Augstein, Rudolf

15:40 12.03.2015
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Geschrieben von

Joachim Petrick

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Joachim Petrick

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