RAF, von wegen Verteidigung der Kindheit

Susanne Albrecht Was hat Martin Walsers Roman "Verteidigung der Kindheit" 1991 mit der RAF, mit Susanne Albrecht zu tun? Das bleibt vorerst im Dunklen der Tat. Gut Ding braucht Weile.
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Julia Albrecht, oder das Drama der begabten kleinen Schwester.

Susanne Albrecht oder die Leere vor der Tat, dem persönlichen Verrat an?

Susanne Albrechts Auslöschung ihres "Inneren Kindes"?

1990 erinnert und erkennt Susanne Albrecht in Ostberliner Haft beim ersten Besuch ihrer kleinen Schwester Julia diese nicht

RAF, von wegen Verteidigung, gar Rettung der Erinnerung an die eigene Kindheit

"Wer will schon in Zeiten, in dar der Weltgeist sich selber aus dem Mündungsfeuer einer Kalaschnikower einer UZI als Todesengel anpreist, als Muttersöhnchen, als Vatertöchterlein gelten, in der Leere vor der Tat, einem persönlichen Verrat an?, Hauptfigur des Dramas eines begabten Kindes werden?

Und das iIn militarisierten Weltgesit Zeiten, in denen Söhne,Töchter von den Folgen von Weltkriegen ergriffen, paternalisiert, frühkindlich emotionalem Missbrauch ausgesetzt, ohne einen Begriff dafür, zu Ammen irher "versehrten" Mütter, Väter werden, zu, früh erwachsen, um ihre Kindheit beraubt, neben die Spur ihres Lebens geraten klugscheißend lärmen, um in Sinn und Geist in jungen Jahren "vorgealtert" für den Rest ihres Lebens zu verstummen?

Martin Walser hat mit seinem Roman "Verteidigung der Kindheit" Suhrkamp Verlag 1991 eine Erzählung über das Vergessen, das Festhalten, ein Leben als Muttersöhnchen, im Hüben und Drüben, das Entschwinden von Idealen, Idolen, der Weltleere, der Weltfülle, Landschaften, Topografien, Gerüchen der Kindheit im seit 1948/49 geteilten, dann 1990 wieder vereinigten Deutschland vorgelegt.

Was hat Martin Walsers Roman "Verteidigung der Kindheit" aus dem jahr 1991 mit der RAF, mit Susanne Albrecht, der Familie Jürgen Ponto zu tun?

Das bleibt vorerst im Dunklen der bösen Tat. Gut Ding braucht Weile zu Erhellung, böse Ding braucht Weile zur Verdunklung.

Gewiss ist aber auch sogleich, dass es bei einer historischen Betrachtung der RAF, der Familiengeschichte jener Pontos, jener Albrechts, die die RAF, so oder so, als Zielgruppe ausbaldowern konnte, auch um das Drama, die Frage der Verteidigung oder die Preisgabe des "Inneren Kindes" einer jeden Person in ihrer Zeit und Generationshorde geht.

RAF, die Liquidierung der Erinnerungen an die eigene Kindheit?
"Vom Keller- zum Wohlstandskind"

Susanne Albrecht

Was emotional zuviel, scheint zuviel für die herangewachsene Susanne Albrecht. Jahrgang 1951. Eben noch, wenn nicht in einer Nachkriegs- Nissenhütte im Hamburger Stadtpark, nicht in Laubenpieper- , Schrebergarten Notquartier Randgebieten, so doch in der Nestwärme einer 1 1/2 Zimmer Wohnung bei ihrer Großmutter väterlicherseits in der Innenstadt, mit Kind und Kegel, Geschwistern, Mama, Papa im ausgebombten Hamburg hausend.

Gerade in die Nachkriegswelt geboren, schon geht auch für Susanne Albrecht die rasante Wirtschaftswundersause infolge der Korea- Kriegsgewinnler- Konjunktur 1951- 1953 in Westdeutschland mit dem kommenden Volkskanzler Professor Ludwig Ehrhard und seiner "Formierten gesellschaft" durch die BIP- Decke.

Der Wohnungsbau überhaupt und sonders der soziale kommt rasant auf Touren. Vertraute Trümmerlandschaften, in denen Kriegskinder, kaum eine Gefahr scheuend, mit vielen zu beklagenden Opfern von explodierenden Blindgängern, spielend groß geworden, werden weggeräumt.

Das Neue wird bejubelt. Das Alte wird fraglos mit der Abrissbirne in die Tonne gedrückt, auch wenn es als Trümmerlandschaft für Kriegskinder identitätsstiftend war.

Es entstehen in Hamburg allerorten neue Gebäude, Hochhäuser, ganze Neubau- Siedlungen der Neuen Heimat, später SAGA, u. a. Baugenossenschaften. Gnadenlos dem Ruf angeblichen Fortschritts folgend, wird mitten durch die Hamburger Altstadt auf Deubel komme heraus und dessen letztes goldnes Haar mit städtbaulich verheerenden Folgen für den Individualverkehr per Automobil eine Ost- West Marginale gebrochen. Historische Gängeviertel werden plattgemacht.

Wovon ist die Rede?, zunächst von der Reise in komfortable Daseins- , Wohlbehagens Verhältnisse der Familie Albrecht in einer Hamburger Stadtvilla mit blitzblank poliertem schwarzen Klavier im Esszimmer, im obligaten Herrenzimmer mit Ledersessel Schlucht- Garnitur Zigaretten in einem silbernen Becher gereicht, möchte man meinen.

Weißes Tafel- Geschirr am Wochenende, Hühnerfrikassee am Sonntag

Unser Vater bekam wahnsinnige Mandate in aller Welt, erläutert Julias Bruder Matthias.

"Andere Sachen als das Geschäft hatte unser Vater abgehakt, er war der Geld- Beschaffer, die Frau war für Domestics zuständig"

War Hans- Christian Albrecht eine Art

"Fliegender Notar"

für Mandanten bei Privat- Schiedsgerichten in exotischen Ländern bei heiklen. gar geheimen Missionen, mit noch exotischeren Geschäftspartnern, im hochdotiertem Auftrag von Konzernen, der Dredner Bank, Bundes- , Landesregierungen u. a. Regierungen weltweit unterwegs?

Dann ist ganz unmerklich die Rede von der Liquidierung der Erinnerung eigener Nachkriegs- Kindheit mit einer RAF- Mords- Gesinnung als verlockendem Vehikel zur rasanten Abwärtssause in die unabdingliche Tat und die explosiv blendende Verheißung der Rettung der Welt durch den bleiernden Tanz alltäglicher Militanz.

"UZI oder Kalaschnikow im Anschlag und durch, koste es an Gesundheit, Leben und sei es das eigene Leben, die eigene Gesundheit, was es wolle!"

"Papa war Landser im Krieg, Mama eine der Nachkriegs- Heldinnen, eine Trümmerfrau. Warum wir denn nicht auch auf unsere andere Art ungestümen Elans?"

Wie hieß es doch in viel gelesenen Landserheften bundsdeutscher Nachkriegszeit so drastisch feist:

"Wo gehobelt wird, fallen Späne".

"Was uns nicht umbringt, macht uns härter"

Nach dem Zweiten Welktkrieg war in Hamburg seit dem Bomber- Unternehmen der britischen Airforce "Gomorrha" am 27 Juli 1943 und danach erfolgenden Bombardierungen nahezu kein Stein auf dem anderen geblieben.

Generationsübergreifend hat dieses Ereignis des Grauens mit über 40 000 Toten, ungezählt Versehrten allein am 27. Juli 1943, zerstörter Infrastruktur sich in das kollektive Gedächtnis aller als vertraute Topografie des Schreckens in Hamburg nach 1945 wohnenden, zurückkehrenden, neu geborenen Gemüter und Hirne eingebrannt.

Hat sich mit der Liquidierung der Erinnerungen an die eigene Nachkriegs- Kindheit durch die RAF- , die 2. Juni Bewegung- , Rote Zelle- , die Untergrund KPD- Mitglieder

- 1956 erfolgte nach jahrelangem Zögern, Ermittlungen seit 1952 das Verbot der KPD in Westdeutschland durch das Bundesverfassungsgericht (BVG) -

ein Prozess vollzogen, der entwicklungspsychologisch kein Gefühl neben einem anderen Gefühl, "Stein" auf "Stein" gelten lassen will, weil die Topografie deren Kindheit eine Trümmerlandschaft war, in der kein Stein auf dem anderen lag?

Krieg ist Krieg. Kindheit ist Kindheit.

"Die Kindheit vergeht. Kriege bleiben bestehen. Der Krieg, die Militanz unter den Völkern bleibt der Vater aller Dinge, die Mutter aller Schlachten, eine feste Burg für Spekulanten?"

- Neben dem Kalten Krieg seit 1948 auf allen fünf Kontinenten, war der heisse Vietnamkrieg der USA seit 1964 unter der US- Präsidentschaft Lyndon B. Johnsons, US- Verteidigungsminister Robert McNamara im vollen Gange. Ab 1966 lag das umgebaute bundesdeutsche Bäderschiff "Helgoland" in uneingeschränkter Solidarität mit den USA im Vietnamkrieg als schwimmendes Larzarett im Hafen von Saigon vor Anker -

Im vorauseilenden Gehorsam, dem militanten Zeitgeist allerorten in der Welt geschuldet

- 1961 wurde Patrice Lumumba , * 2. Juli 1925 in der Provinz Katako-Kombé geboren, der erste frei gewählte Ministerpräsident im Kongo, der ehemaligen belgischen Kronkolonie, unter der "Obhut" der UNO von einer belgischen Soldateska im Bunde mit der CIA am 17. Januar 1961 n der Provinz Katanga ermordet. Sein Leichnam wurde nie gefunden -

weg mit den Erinnerungen an die Kindheit? Weg mit dem "inneren Kind" im Herzen?, die vorweggenommene RAF- Devise Susanne Albrechts?

Das Aufwachsen in wirklichen und gefühlten Trümmerlandschaften, hüben und drüben, in denen kein Stein mehr auf dem anderen war, warum soll das den Erwachsen Gewordenen nicht als Leitbild dienen, das Zertrümmern von Gefühlen, Erinnerungen an die eigene Kindheit Alltag sein, bis weder Gefühle, noch Erinnerungen zu einander passen wollen?

Militanz ist nicht das Ziel solcher katharsischen Beweggründe, Militanz hilft dabei diese "heilen" Gefühls- und Erinnerungswelten aus der Kindheit nachhaltig zu zertrümmern. Aus diesen Ruinen zu machen, um erwachsen geworden, wie Phoenix aus der Asche aufzuerstehen. Die Eltern haben es doch gekonnt, warum dann nicht auch wir?

"Wo ein anschwellender Wirtschaftswunder Wille, sich Bahn bricht, wo sinnlos Wachstums Kräfte walten, jeder neue Tag sich seine Grube gräbt, ist eine Villa, eine Loft nicht weit!"

1973 werden vorwiegend studentische Hausbesetzer, darunter Susanne Albrecht mit Kommilitonen, in der Ekhofstraße Hamburg- Uhlenhorst von der Polizei demonstrativ medienwirksam brutal abgeführt, stundenlang in Gewahrsam genommen, juristisch anlaßlos erkennungsdienstlich behandelt.

Das anlaßlose Feindbild der Hamburger Polizei scheint unter der Ägide Peter Schulz (* 25. April 1930 in Rostock; † 17. Mai 2013 in Hamburg), des damaligen Ersten Bürgermeisters der Freien und Hansestadt Hamburg,.langhaarigen Studenten, der akademischen Jugend in Gänze zu gelten.

Von wegen

"Stell Dir vor, es ist Krieg, keiner geht hin"

war damals, neben den Sprüchen

"Wir sind jene, vor denen unsere Eltern uns immer gewarnt haben"

"Make Love not War"

die studentisch aufmüpfig lockere Vietnam- Antikriegsparole bei

"Sit- Ins", "Go- ins. "Paed- Ins" " .

"Der Berg ruft nicht mehr. Der Berg kommt!"

Die Kriegs- Elterngeneration "Peter Schulz" erklärt ihren eigenen Kindern cora Publikum, cora Medien nicht etwa, wie Frieden geht, sondern den Krieg, der nicht auf die Kids wartet, bis sie selber militant ungestüm aufgelegt daherkommen, sondern militaristisch mit polizeilicher Gewalt unter dem Kommando "Knüppel frei!" über sie kommt

https://www.youtube.com/watch?v=MskW7Glmitkk
Räumung der Ekhofstraße Hamburg 1973

Man wohnt nicht mehr einfach so in drangvoller Enge, wie die meisten Nachkriegsgeborenen ansonsten in Hamburgs Trabantenquartieren, Osdorfer Born, Steilshoop, Lohbrügge, Mümmelmannsberg, Neuwiedenthal. Man ist auf neue Weise wieder wer, man lebt auf einem Anwesen an der Elbe, Alster, Wandse, Bille Geest, Aue Rand mit und ohne Zugehfrau, Gärtner, Kindermädchen, Opel Admiral, Mercedes S- Klasse, BMW- mindestens 5er Klasse, Katze und Hund.

Auch wenn am 17. Juni eines jeden Jahres im staatsfeierlichen Gedenken an den Aufstand in der DDR gegen das SED- Regime 1953, mit der bundesdeutschen schwarzrotgoldenen Flagge auf halbmast an allen öffentlichen Gebäuden und Orten, der Heilige Bimbam der Westberliner Freiheitsglocke des Schöneberger Rahauses im Ohr ertönt, Kerzen nicht nur Weihanchten ins Fenster eines jeden Hauses, einer jeden Wohnung "Wehe nicht!" für die Brüder und Schwestern im abgehängt darbenden Osten Deutschlands gestellt werden, weil es das Hamburger Abendblatt des Axel- Cäsar- Springer Verlages so dringlich patriotisch einfordert, so ist doch von der Zerrissenheit des deutschen Gemüts, deutscher Seligkeit, deutscher Kulturnation, anders als in Kinderseelen, im westlichen Alltag Hamburger Villen Wohn- Quartiere, außer dem Gelächter des Kapitals hinter hohen Hecken, ersten Sicherheitszäunen, nichts zu verspüren, schon gar nicht in Familien des gehoben wundersam großbürgerlich auferstandenen Mittelstandes aus Weltkriegs Zwei Ruinen vor, zu, bei, nach Tische die Rede.

Vonwegen die Rede von und zur deutschen Nachkriegs- Sache, Londoner Schulden Abkommen 1953, Erlass von Abermiliarden Dollar Kriegslast- Schulden für Westdeutschland, samt Maßgabe mit 53 ehemals kriegführenden Staaten aktiv Frieden zu stiften,

Adolf Eichmann Prozess in Tel Aviv 1961,

Am 13. August 1961 wird die Berliner Mauer von Grenztruppen und Bauarbietern der DDR errichtet, weil die Währungs- Unwuchten zwischen Mark Deutscher Noten (MDN) ost und Deutscher Mark (DM) nicht mehr heilbar scheinen.

Auschwitz Prozess Frankfurt/Main 1963, dank des hessischen Generalstaatsanwaltes Fritz Bauer,

Fragen der Entschädigung von Holocaust, reichsdeutsche Kriegsgefangenschaft, Zwangsarbeit- Überlebenden und deren Hinterbliebenen, sondern auf und davon und vor allem Lastenausgleich zu eigenen Gunsten und Anpassung von Besoldungsknicks in Amt und Würden wg. des fragil ephemeren Vorgangs negativer Bewertung durch die Entnazifizierung.

Siehe die erfolgreiche Klage der Witwe des Volkgerichtshofs Präsidenten Roland Freisler (1893- 1945) zur Anhebung ihrer Witwenpensionsbezüge im Jahr 1965.

1967 wird der 1947 zu zwanzig Jahren Festungshaft in der Spandauer Zitadellen verurteilte Kriegsverbrecher, der ehemalige NS- Rüstungsminister, Adolf Hitlers Favorit des Herzens, Albert Speer unter öffentlichem Beifall in Westberlin entlassen.

Am 2. Juni 1967 wird der von mehreren Polizisten festgahalten wehrlose Student Benno Ohnesorge, 1943 geboren, von dem Kriminalkommissar einer Sondereinheit in Zivil, Karl- Heinz Kurras, während der Demonstration gegen den Besuch des Schah von Persien vor der Westberliner Schilleroper an der Bismarckstraße, mit aufgesetzter Walther- Pistole Kaliber 7.56 mm in einem Hinterhof "von Amtswegen" ermordet. Karl- Heinz Kurras wird wiederholt angeklagt, aber jedes Mal wg, angeblicher Notwehrsituation und Pflichterfüllung im Amt freigesprochen. Das polizeiliche Instrument des "Finalen Rettungsschusses" war legslativ noch nicht vom Stapel gelassen worden.

Das geschah erst 1972 im Vorgriff auf die Münchner Olympischen Spiele ? durch den Deutschen Bundestag mit der Mehrheit der sozialliberalen Koalition unter Beifall der Opposition aus CDU/CSU.

1967 wütet in der Provinz Biafra ungebremst, nahezu vergessen, der Bürgerkrieg um Gas- und Erdölvorkommen in Nigeria.

Am 4. April 1968 wird der US- Bürgerrechtler, Baptistenprediger und Friedensnobelpreisträger des Jahres 1964 Martin Luther King, * 15. Januar 1929 in Atlanta, als Michael King jr. geboren, in Memphis, Tennessee ermordet
‎Unvergessen seine Rede 1963 in Alabama "I Have a Dream"

Am Gründonnerstag vor Ostern. am 10. April 1968 wird der Studentenführer Rudi Dutschke von dem rechtsextremistisch militanten Hilfsarbeiter Josef Bachmann in der Nähe des SDS- Büros in Westbelin am Leninplatz abgefangen und mit mehreren Kopfschüss lebensgefährlich verletzt. Rudi Dutschke stirbt am 24. Dezember 1979 in Aarhus/Dänemark an den Spätfolgen seiner Verletzungen.

Am 6. Juni 1968, ein Jahr nach "siegreichen" 6 Tage- Krieg Isreals 1967 im Nahen Osten gegen eine scheiternde arabische Allianz aus Ägypten, Syrien, wird der US- Präsidentschaftskandidat der Demokraten Robert Kennedy, am 20. November 1925 in Brookline, Massachusetts geboren, in Los Angeles, Kalifornien von einem Attentäter mit arabischer Herkunft ermordet.

1972 führt die sozialliberale Bundesregierung unter Führung Bundeskanzler Willy Brandt den

"Radikalenerlass"

ein. Willy Brandt dementiert damit sein 1972er Wort

"Wir wollen mehr Demokratie wagen"

als hohle Phrase zu Lasten engagierter Bürger/innen mit der Folge gebrochener Berufsverläufe.

Hat bisher Jemand in Regierung und Opposition die Frage von Entschädigungen, Wiedergutmachung, Aufstockung von Rentenanwartschaften, in diese Richtung auf die gesellschaftspolitische Agenda gehoben?

Am 9. November 1974, dem 36 Jahrestag der Reichspogromnacht im Deutschen Reich 1938 stirbt das RAF- Mitglied Holger Klaus Meins, geboren am 26. Oktober 1941 in Hamburg-Eimsbüttel; nach wochenlangem Hungerstreik für bessere Haftbedingungen ausgemergelt, entkräftet, dehydriert in der JVA in Wittlich. Kurz vor seinem Hiungertod besucht ihn sein Anwalt Hans- Christian Ströbele und stellt entsetzt fest, dass der JVA- Arzt im Wochenendurlaub nicht erreichbar, ein Vertreter nicht vorgesehen ist. Wurde Holger- Klaus Meins von Amtswegen mit Vorsatz ohne ärzliche Versorgung sich selber überlassen?

Hat Susanne Albrecht, wie Hans- Christian Ströbele bis heute, damals diese Frage auch immer wieder bewegt?, ihr Motiv, sich der RAF- Symathisanten- und Gefangenenhilfe- Szene anzuschließen befeuert?

Von Auseinandersetzungen im Kreise der Familie Albrecht, Ponto, unter Freunden, voran mit dem Patenonkel Julia Albrechts, Jürgen Ponto, zu der Frage, ob dieser die Vorstandssprecher Position der Dresdner Bank annehmen solle, dadurch, ungeachtet der Tatsache, dass die Dresdner Bank als Hausbank der SS, mit ungezählten Leichen, personenbezogene in namenlos umgewandelte Vermögenskonten von Holocaustopfern im Keller, von der Arisierung jüdischen Eigentums 1933- 1945, Raub an jüdischem und Vermögen anderer in deutschbesetzten Gebieten Europas während des Zweiten Weltkrieges, in hervorstechender Weise profitiert habe, unter Bundeskanzler Helmut Schmidt zum Chef der sogenannten Deutschland AG

- Deutschland AG wird das Geflecht der Banken und der Großindustrie bis heute genannt -

des Rhein- Kapitalimus werde, ist in diesem Film mit keinem Wort die Rede

Die Liste der Aufsichtsratsmandate Jürgen Pontos war beeindruckend. Er saß den Kontrollgremien der AEG, des RWE, der Münchner Rück, von Bilfinger und Berger, von Hapag Lloyd und der schon vergessenen Nordwolle vor, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender war er unter anderen bei Krupp und der Allianz.

„Diese Welt ist mit Trümmern übersät worden, weil der Verstand nicht mehr zu Wort kam“, hatte Jürgen Ponto 1972 in Westberlin aus gegebenem Anlass geäußert.

In einer seiner letzten Reden 1977 befasste Jürgen Ponto sich im Einklang mit der soziallibaralen Bundesregierung Helmut Schmidt, Hans- Dietrich Genscher mit gewagten Überlegungen in Richtung einer europäische Währungsunion und mahnte, dass eine solche Währung nur von einer „weitgehend harmonisierten Politik“ getragen werden könne. Welch unerhört prophetischer Zeitgeist in seinen damaligen Worten

Jürgen Ponto wich keinem Ärger aus. Die anstössig beratende Vermittlung eines Pakets Daimler-Aktien aus dem Besitz von Herbert Quandt an das Scheichtum Kuweit, galt manchen Vertretern reinen Rhein- Kapitalismus als Ausverkauf der Bundesrepublik, der Deutschland AG, trieb tatsächlich aber die Globalisierung bundesdeutscher Wirtschaft voran.

Vorstandssprecher Jürgen Ponto macht spektakulär mit Sinn für Medien- Präsenz aus der Dresdner Bank vor der Deutschen Bank, ungeachtet, ob es sich um demokratische oder despotische Staaten beliebiger politischer Farben handelt, den ersten bundesdeutschen Finanzdienstleister Globalplayer mit Dependancen in aller Welt.

Mit Sinn für publikumswirksame Effekte führt Vorstandssprecher Jürgen Ponto, das von ihm favorisierte LOGO der Dresdner Bank, das seitdem legendäre

„Ponto-Auge“

ein, das die im Verlauf der Weltfinanzkrise 2008 von der nahezu staatseigenen Commerzbank nach der Einverleibung der Dresdner Bank übernommen wird, auch wenn das LOGO nun nicht mehr grün schimmernd leuchtet

Jürgen Pontos Führungsstil galt als kollegial, „er hatte ein Grundvertrauen in die Leute“, wurde in den Medien posthum berichtet, „Er brachte eine Leichtigkeit hinein“, meinte der Frankfurter Wirtschaftshistoriker Werner im Jahr 2013.

"Up and away! Thinking to go"

Die "Reemtsma Peter Stuyvesant Generation" der Flakhelfer, der Söhne, Töchter des Zweiten Weltkrieges bläst sich, adrenalin- und drogenerprobt, mehr hüben als drüben, nicht mehr Piff, so aber um so nachdrücklicher Paff, unaufhaltsam qualmend ihren Weg ins Nirgendwo des trügerisch unbekümmert glänzend schimmernden "Kummerlos Dasein" frei" bis es nach Art der RAF und PLO

- Das Attentat eines Palästinenser Kommado auf die isrealische Olympia- Mannchaft während der Münchner Olympischen Spiele 1972 mit einer Tragödie auf dem Bundeswehr- und NATO- Airport Fürstenfeldbruck/Bayern endet -

im bundesdeutschen "Wunderländle" ab 1972 kracht, die GSG- 9 als Mobiles Einsatzkommado (MEK) des Bundes aufgestellt wird.

"Wir sind überrascht"

heißt es damals wie heute von Amtswegen in regierungsnahen Verlautbarungen nach Katastrophen, die zuvor als Gefahrenlage in aller Munde waren.

Auf und davon im "Paternoster" auf Karriereleitern in den Wohlstand West und sei es diesem zum Bilde im Kampf der Systeme im Osten im Etagenadel der Nomenklatur kommoder SED- Diktatur mit Intershops, Interhotels, Exclusivläden, der DM als Pararlellwährung, angefettet mit den gesamtdeutsch grenzüberwindenden Kirchen- Moneten von angeblichen Rechtstiteln aus Altverträgen von 1806, 1919, 1949.

Papa Hans- Christian hat sein juristisches Zweites Staats- Examen 1952 bestanden und beginnt als gutbezahlter Anwalt in einer angesehenen Hamburger Seerechts- Sozietät.

Später als Vater Hans- Christian Albrecht einen Swimmingpool in den Vorgarten der Hamburger Villa installieren lässt, ist es Tochter Susanne unter verhaltener Beipflichtung ihrer Mutter Christa Albrecht zuviel des demonstrierten Habestolz Wohlstandes.

"Der Holocaust ist keine zwanzig Jahre her und wir bauen einen Swimmungpool!"

konstatiert die 14- jahrige Susanne Albrecht 1965, wenn auch vergeblich, so doch um so aufgebrachter mit moralischem Impetus, jugendlichem Elan und emotionalem Ungestüm, soweit es ihre stets eher leise, bisweilen schneidend bestimmende Stimme zulässt.

Mutter Christa:„......ein Swimmingpool im Garten, das kam mir dann doch übertrieben vor“

Dazu kam das Unbehagen der Kinder über die Avancen des Vaters, seinen Sprößlinge das Polo- , Golf-. , Tennis Spiel in weißem Drillich Kleide nahezubringen.

"Die anderen uns Gemäßen tun es doch auch!"

Julias Bruder: „Wir waren nur ein einziges Mal da, so unwohl haben wir uns gefühlt“.

Angst und Bangen des Cousins, der Jugendliebe Susannes, auch nur Fingerabdrücke auf dem glänzend poliert schwarzen Klavier zu hinterlassen: „Nicht locker“ sei es bei den Albrechts zugegangen.

Als Susanne ihren Eltern als das schwierige Kind gilt

- Das psychoanalytische Buch "Das Drama des begabten Kindes" von Alice Miller in der Schweiz war noch nicht geschrieben -

entschied sich Susanne zur "Identifikation mit dem Agressor "Eltern" und stimmte in vorauseilendem Gehorsam ihrer Verbringung in einem angesehenem Internat im niedersächsisch dicht bewaldeten Solling zu.

Gleichwohl bleibt Susanne dem Gefühl innerlich verhaftet, sie sei „ins Internat abgeschoben“.

Wer in dem Filmdokument "Folge der Tat" eine befreiende Abfolge des Abgangs von Lawinen an bislang vergraben, hochgestapelt beschwiegen familiären Begebenheiten reinen Schreckens erwartet, bleibt enttäuscht.

Das leistet dieser Film mitnichten und soll es wohl auch nicht.

Warum will Julia Albrecht diese Familiengeschichte der Öffentlichkeit preisgeben?

Julia Albrecht sieht sich nach der Filmvorführung mit dieser Frage häufig konfrontiert.

Julia Albrechts Antwort:

„Diese schreckliche Familiengeschichte war immer eine schreckliche Familiengeschichte an der Öffentlichkeit. Meine Schwester hat öffentlich, unter ihrem Namen, als Terroristin, den besten Freund unseres Vaters ums Leben gebracht. Und ich habe davon nur öffentlich erfahren und dann jahrelang mit den Fahndungsplakaten gelebt, ohne eine Chance zu haben, im Privaten mit ihr zu sprechen.“

Dass Juila Albrecht dieses ausbleibende Gespräch mit der Abwesenden in diesem Film

„Die Folgen der Tat“

nachholen könnte, kann nur ein Trugschluss sein. Denn dieser Film, wie alle vergeblichen Gesprächsversuche zuvor, von denen die Rede ist, findet nicht "Face to Face" mit der großen Schwester Susanne statt, auch wenn Julia nun in einem "So als ob" Angebot cora großem Publikum dabei denken mag, sie führe, neben ihrer Freundin, der Regisseurin Dagmar Gallenmüller "So als ob" die Regie hin zu einem unsichtbaren "Irgendwie" mit der Schwester Susanne.

Irgendwie greift im Verlauf des 75- minütigen Filmes unausgesprochen der Vorwurf der jüngsten Tochter Christa Albrechts, Julia, Raum,

"Warum habt ihr mir meine "Große Schwester", den Leitststern meiner Kindheit Susanne, bei allem, was mit ihr, durch sie, um sie geschah, mit allem, was euch heilig ist, weder zu bergen, noch zu halten vermocht?"

Die Wut, der Gefühlsstau, die Empörung Julia Albrechts ist in den bebilderten Gesprächs- Szenen mit Händen zu greifen. Sie konfrontiert ihre Mutter mit dem Vorhalt

"Das ist aggressive Naivität, wie ihr über die offensichtlichen Absichten Susannes hinweggesehen habt!"

Die Mutter zögert, räumt ein "Ja!, so kann man das sehen"

Ja!, wird diese geradezu militante Naivität vieler Elternteile der Nachkriegskinder, wenn es um die Wahrnehmung der Wirklichkeit in Gegenwart und Vergangenheit, die Jahre von 1933- 1945 und danach geht, zum verhängnisvollen Bumerang

"Wir haben nichts gewusst. Wir waren ahnungslos. Damit konnten wir doch nicht rechnen. Was nicht sein darf, kann auch nicht sein!",

der sich unversehens seine Opfer in den eigenen Reihen sucht?

Man ist gegen die Wiedereinführung einer Wehrmacht, einer Bundeswehr,

marschiert alle Jahre Ostern womöglich, in solidarischer Eintracht untergehakt. am Kurt- Schumacher Platz vor dem DGB- Haus in Hamburg für den Frieden, die friedliche Nutzung der Atomkraft,

tut aber nichts gegen den Vietnamkrieg,

nichts gegen Terrorregime, Warlords in entkolonialisierten Regionen Afrikas,

begrüßt im Internationalen Frühschuppen Werner Höfer mit fünf Journalisten aus sechs Ländern, die DDR sitzt immer ungeladen am Tisch dabei, vorläufig die Apartheid in Südafrika als kleineres Übel,

toleriert die Militärjunta im Nato- Partnerstaat Griechenland 1967- 1974,

das Pinochet- Regime in Chile nach einem MIlitärputsch gegen den gewählten Präsidenten Salvadore Allende Nine Eleven1973,

toleriert die Militärjunta unter General Jorge Rafael Videla in Argentinien als ein weiteres kleinere Übel auf dem angeblichen Weg in eine bessere Welt, schaut bei der Entführung von Bertriebsräten bei Daimler- Benz, deutscher Studenten, darunter Elisabeth Käsemann, in Buenos Aires und deren Ermordung durch das Videla Terror- Regime mit der sozialliberalen Bundesregierung, voran dem Außenamt unter Führung Hans- Dietrich Genschers, dem Konsulat in Buenos Aires, anders als der spanische König, England, Österreich, schweigend weg, es steht ja die Fussballweltmeisterschaft 1978 in Argentina, dank Unterstützung Westdeutschland, bevor.

Udo Jürgens komponiert für die Argentina WM 1978 wie zum Hohn der Opfer des Videla Regimes eine unvergessene WM- Hymne.

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/wenn-h-d-genscher-seinen-daumen-senkte
JOACHIM PETRICK 06.06.2014 | 03:09 22
Wenn H.- D. Genscher seinen Daumen senkte
E. Käsemann Mord 1974- 1983 Terrorparanoia des Kanzlers Helmut Schmidt, des Außenministers Hans- Dietrich Genscher, der Staatsminister, Klaus von Dohnany, Hildegard Hamm- Brücher?

Christa Albrecht war jene, die längst, anders als die Familie Jürgen Ponto, im vollen Wissen über das Abdriften ihrer Tochter Susanne in die RAF- Szene im Bilde, auf deren tefonisches Verlangen deren Besuch bei den befreundeten Pontos in Oberursel/Frankfiurt/Main für den 30. Juli 1977 telefonisch ankündigt..

Susanne Albrecht hatte die Pontos im Verlauf des Jahres 1977 bereits zweimal ohne Ankündigung über irgendjemand in Oberursel besucht. Warum dann jetzt für den 30. Juli 1977 die eindrückliche Ankündigung ihres Besuchs bei den Pontos über ihre Mutter?

Welcher Hass, welche abgrundtiefen Rachegelüste mögen da aufgrund welcher Motive bei Susanne Albrecht im Spiel gewesen sein, ihre Mutter zum "Todesengel" für Jürgen Ponto zu machen?

Ging es da bei Susanne Albrecht um emotionalen, gar sexuell gefärbten Missbrauch, den ihre Mutter nicht zu verhindern wusste, womöglich gar nicht verhindern wollte?

Am Gründonnerstag vor Ostern am 10. April 1977 war der Generalbundesanwalt Siegfried Buback mit seinem Fahrer von einem RAF- Kommando in Karlsruhe auf offener Szene am hellichten Tage erschossen worden.

Die "RAF- Offensivie 1977" zur Befreiung der in Haft sitzenden RAF- Mitlglieder in Stuttgart- Stamheim war gestartet und endete im bleiernen Herbst mit der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns- Martin Schleyer, der Ermordung seines Fahrers, seiner Sicherheitsbeamten, der Entführung der Lufthansa- Maschine "Landshut" durch ein PLO- Kommando, nach der "Hinrichtung" des Co- Piloten Schmidt erfolgte die Befreiung der Passagiere der Landshut durch ein GSG- 9 Kommando in Mogadischu, folgte der Mord an Hanns- Martin Schleyer, der als Staats- Mord inszenierte Selbstmord von Gudrun Ensslin, Andreas Baader, Jan Carl Raspe im Hochsicherheitstrakt der JVA Stuttgart- Stamheim.

Es ist, als wolle Julia Albrecht mit diesem Film- Paradoxon, das asymmetrisch entglittene Verhältnis zu ihrer Großen Schwester Susanne mit einem ehernen Schlussstein, in Mauern zementiert, gegossen, zur Kathedrale ihrer eigenen irgendwie unerfüllten Lebensvorstellungen. Lebensentwürfe erbauen und zugleich auf ewig begraben.

Als ein Weg zur Gefühlswelt ihrer Schwester Susanne vermag dieser Film wohl kaum taugen. Geht dieser Film doch mit seinem moralisch diffusem Impetus

"Rigorismus im Generations- Dialog"

ohne historisch konkret zu werden, auf Kosten der Gefühlswelt der Mutter Christa, die inzwischen, anders als Schwester Julia, Bruder Matthias, in regelmäßigem Kontakt mit Tochter Susanne steht.

Es ist schwer auszumachen, ringt Mutter Christa, sich selbstbeobachtend, im Gespräch mit ihrer Tochter Julia um Fassung, um die Zuneigung ihrer Julia oder beides?

"Seltsam nicht, dass ich gerade an dieser Stelle das Husten kriege!"

Dabei erscheint dem Zuschauer kaum eine Stelle des Mutter- Tochter- Gesprächs ohne Husten überbrückbar. Es wird sowohl von Julia als auch Christa auffälig wenig im Gespräch gehustet, will mir scheinen..

Wer nun als Zuschauer anfängt, mit messerscharfem Sherlock Holmes Blick und Verstand, Indizien aufzuspüren, tappt grandios in die Falle sich überhebender Selbstgewissheit und Selbstüberschätzung.

In diesem Albrecht Familiensystem, dieser oszillierenden Borderline Melange mit hoher Frequenz aus Empathie und untertemparierter Distanz, muss doch ein Motiv für Susannes Militanz zu finden sein, suggeriert der Film "Folgen der Tat" an etlichen Stellen und scheitert darin notwenidigerweise.

- Susanne Albrecht lebt seit ihrer, dank Kronzeugenregelung, trotz Verurteilung 1991 durch den Stuttgart- Stamheimer Staatsstrafgerichtshof zu zwölf Jahren Haft wg. Beihilfe am Mord an Jürgen Ponto durch die RAF- Mitglieder Christian Klar, Brigitte Mohnhaupt 1977, versuchtem Mord an dem NATO- Oberkommandierenden Alexander Haig 1979, versuchtem Menschenraub, Geiselnahme, vorzeitiger Haftentlassung 1996 inzwischen mit neuer Identität in Bremen als "umstrittene" Grundschullehrerin eines privaten Schulträgers für ausländische Kinder -

Laut Vernehmungsprotokoll 1990 nach der Aufdeckung ihrer falschen identität in der DDR mit einem Wissenschaftler als Mann und gemeinsamen Kind, ihrer Inhaftierung in Ostberlin- Marzahn durch die Volkspolizei, schämt sich Susanne Albrecht ob ihrer wohlhabenden Herkunft. Sie habe diese „Schuld“ mit ihren Taten wiedergutmachen wollen.

Susanne Albrecht selbst gibt sich im Strafrozess miltant naiv und auf anrührende Weise leise arglos. Bei einem Spaziergang habe sie dem RAF-Mitglied Volker Speitel von der Verbindung zu Jürgen Ponto erzählt. Von da an habe es geheißen:

"Du kennst ja den Herrn Ponto."

Susanne Albrecht räumt lt. Gerichts- Protokoll zu: "Ohne das Gespräch wäre man vermutlich nie auf die Person Ponto gekommen ..."

Selbst zu diesem Zeitpunkt der Gerichtsverhandlung 1991 erweist sich Susanne Albrecht, angesichts der Bedeutung Jürgen Pontos 1977 als Vorstandssprecher der Dresdner Bank und gefühlter Chef der Deutschland AG unter deren "Ersten Angestellten", dem Weltökonomen Bundeskanzler Helmut Schmidt als umwerfend ahnungslos.

Gleichzeitig gibt Susanne Albrecht 1991 zu Protokoll, wie sie von der Gruppe missbraucht und gedemütigt wurde. Richter Kurt Breucker bescheinigt ihr: Sie habe sich "schon immer mehr von Emotionen als vom Intellekt" steuern lassen, die abstrusen Thesen der RAF habe sie "unkritisch" übernommen, aber "von Hineinschlittern" könne keine Rede sein. Sie habe damit rechnen müssen, dass Ponto erschossen wird, weil sie wusste, wie wenig Menschenleben für die RAF zählten.

Im Film ist Susanne Albrecht Stimme an keiner Stelle vernehmbar und doch scheint es, als weile sie, wie ein Tiger im Käfig, hin und her wendend, um sich kreisend, mit unstillbar unbändiger Hast im Raum.

Susanne will angeblich nicht mit ihrer "kleinen " Schwester Julia sprechen, beide haben nach wie vor keinen Kontakt, heißt es.

Was im Film entsteht ist das Porträt einer Abwesenden aus dunkel vereinbarter Distanz. Dabei entsteht erwartungsgemäß ein Bild lauernder Tücke in der Lücke. Das Zentrum des Films wird zur Belastungsprobe aller Beteiligten, Mitwirkenden, einschließlich der Zuschauer "Dein Name sei Leerstelle".

Der gebremste Charme, die verzettelte Wut der jüngeren Schwester Julia. Jahrgang 1964, ohne wirklichen Adressaten, die Ohnmachtsscham einer gestandenen Mutter Christa, Jahrgang 1926, der der ganze Bildungskanon der 68er Theodor Adorno, Max Horkheimer, Herbert Marcuse "Repressive Toleranz" , Hannah Arendt, Margarethe und Alexander Mitscherlich "Die Unfähigkeit zu trauern", Wilhelm Reich "Orgon", Elias Canetti "Die Blendung", "Masse und Macht", Ernst Bloch "Prinzip Hoffnung", Erich Fromm "Kunst des Liebens", C. G. Jung, Siegmund Freud"Psychoanalyse", "Traumdeutung" , Hans- Eberhard Richter "Familie und Neurose", "Flüchten und Standhalten", "Gotteskomplex" , Tillmann Moser u. u. als Offizierstochter dem militärischen Widerstand gegen das Hitler- Regime nahestehend, geläufig war und ist, künden in diesem privatim bemüht erzählten Dokumentarfilm seismografisch von unaufgedeckt "unterirdischen" Erschütterungen, Gemütsbewegungen.

Weder Susanne Albrecht, Mutter, Vater, Geschwister noch die Familie Jürgen Ponto mit Mutter Ignes, Tochter Corinna,

- der Sohn Stefan Ponto distanziert sich in einem SPIEGEL- Interview 2014 empört von diesem angemaßten "Harmonie- Projekt der Vergeblichkeitsattitüde"
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-127626398.html
16.06.2014
SPIEGEL-Gespräch
Die wahre Tragödie meines Lebens

Von Oehmke, Philipp - ,

werden durch diesen Film auf der Höhe der Lage, der zeitgeschichtlichen Einbettung des Geschehens 1977 und Heute nachvollziehbar charakterisiert. Wer das erwartet, erwartet zuviel. Der Film spricht für sich als das, was Not tut, das Bemühen.

Trotzdem bleibt die Frage "Bemühen ja!, aber um wen, , für was, um wen nicht, für was nicht?"

Anders als es der Ideologie der RAF bis heute als terroristischer Vereinigung, die Krieg führt, entspricht,

- "Einer für alle, alle für einen"

Tatzuweisung an Einzelne gilt der RAF als Verrat am Status "Kollektiv- Soldat im Krieg gegen scheinbar ohne Unterlaß reproduzierbare Charaktermasken"

"Viel Feind! Viel Ehr!" -

war Susanne Albrecht im Rahmen der Kronzeugenregelung 1991 zu umfänglichen Aussagen über die RAF und dem Geständnis ihrer Taten bereit. Es wird geraunt, Vater Albrecht habe seine Fäden hinter den Kulissen gezogen, dass Susanne Albrecht überhaupt in die Kronzeugenregleung kam und vorzeitig aus der Haft entlassen wurde, während andere RAF- Mitglieder, wie Susanne Albrechts Mittäter beim Mord an Jürgen Ponnto Christian Klar, erst nach 27 Jahren Ende 2008 entlassen ward.

Günter Gaus (1929- 2004) regte Christian Klar, Jahrgang 1952, nachdem er ihn am 22. November 2001 für das Fernsehen interviewt hatte, an, ein Gnadengesuch beim damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau zu stellen. In dem Interview erklärt Klar, gefragt zum Thema „Schuldbewusstsein und Reuegefühle“

„In dem politischen Raum, vor dem Hintergrund von unserem Kampf sind das keine Begriffe.“

„Aber es könnten persönlich doch Begriffe sein, die Bedeutung haben, wegen der Opfer? […]“

„Ich überlasse der anderen Seite ihre Gefühle und respektiere die Gefühle, aber ich mache sie mir nicht zu Eigen. Das sitzt zu tief drin, dass gerade hier in den reichen Ländern zu viele Menschenleben nichts zählen. Vor der Trauer müsste sich sehr viel ändern. Belgrad wird bombardiert. […] In vielen Ländern werden Verhältnisse hergestellt, wo ein Menschenleben nicht mal einen Namen hat.“

In seinem dann folgenden Gnadengesuch an Bundespräsident Johannes Rau schreibt Christian Klar 2003 abweichend:

„Selbstverständlich muss ich eine Schuld anerkennen. Ich verstehe die Gefühle der Opfer und bedauere das Leid dieser Menschen.“
(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Klar#Kontroverse_um_die_Haftentlassung )

In den ideologischen Denkschablonen der RAF gilt Susanne Albrecht deshalb bis heute vielen Ex- RAF- Mitlgiedern, militanten Weggefährten, als besonders verachtenswerte Verräterin an der Sache der Militanz revolutionär angemaßter Kämpfe -
JP

http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/raf-attentat-dokumentarfilm-100.html
Die Folgen der Tat
Dokumentarfilm im Ersten

03:00 29.05.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Joachim Petrick

Aktuelles: Meine sichere Route- Refugee-Airlift - Petition "Luftbrücke für Flüchtlinge in Not" an die MdBs des Bundestages erhofft Debatte
Joachim Petrick

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