Rudolf Augstein zum Neunzigsten Geburtstag

Verschollener Elan "In den Kältebuden DES SPIEGEL, verdichtet in der Person Rudolf Augsteins ging der deutsche Elan, alltäglich mit Fleiß, beflissen, sich seiner gewiss, ein und aus".
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Rudolf Augsteins "Heiliger Elan"

"Die Schafe heil, die Wölfe satt."
(Josef Stalin gegenüber Franklin D. Roosevelt in Teheran 1943 zur angeblichen britischen Auffassung von Politik)

Der Historiker und Publizist, Professor Arnulf Baring hätte auf seine beständig zu erwartende Frage in Talk- Shows leichten Fusses, von Berlin- Westend nach Hamburg an der Brandtstwiete, eine Antwort kriegen können:

"Ich frage mich immer wieder, bisher leider vergeblich, wo ist dieser ansteckend kraftvoll mitreißende Elan der Dreißiger Jahre unter uns Deutschen geblieben?"

Die leichtfüssige Antwort:

"In den Kältebuden DER SPIEGEL- Redaktionsstuben, verdichtet in der Herausgeberpersönlichkeit Rudolf Augsteins ging der deutsche Elan, alltäglich mit Schriftführer Fleiß, beflissentlich, sich seiner gewiss, mit federndem Schritt, polterndem Knobelbecher Triitt, ein und aus".

Hier durfte in den Anfangsjahren DES SPIEGELs der Elan nicht nur, ungebrochen durch Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges, unverfälscht ab 1947 sein, sondern das Sturmgeschütz der Demokratie großkalibrig munitioniert, in hochdeutscher Sprache, weltweit vernehmlich, auf ungezählte Ziele und sogar darüber hinaus im In- und Ausland, argumentativ erlesen hier, wahllos da, einmal zielgenaues Schießen, das andere Mal ungezielt drauf los Ballern. Es wird schon den Richtigen "Der Nicht!" treffen.

Rudolf Augsteins (1923- 2002) posthum entschlüsselt unheimlich
"Heiliger Schwur":

"Symbolischer Soldat", "Draussen vor der Tür" in schneidigen Begriffswelten,verweilend, befristet auf vorgeschobenen Feldposten "Helm ab!, zum Gebet" in Erwartung neuer "Losung" zu stehen".

"Ich!, Rudolf Augstein werde ein Symbol sein, ein Unterpfand dafür, daß die Bundesrepublik immer im richtigen Lager steht. Ich werde mit meinem Sturmgeschütz der Demokratie "DER SPIEGEL" ein Symbol sein für die Spaltung Deutschlands, wie deren neue Entspannungs- und Ostpolitik Willy Brandts/Egon Bahrs mit dem Streben nach der Deutschen Einheit und ich werde

"Im Zweifel links!"

weder die Sicherheit der einen noch der anderen Politik gewährleisten können und wollen. Denn davor steht mein erworbener Sinn für das Handwerkliche eines kritischen Journalisten".

Rudolf Augstein war, ohne jede Berührungsfurcht, klammheimlich kühner Adept schneidiger Begriffs- und Vorstellungswelten des seit 1945, vorrübergehend, professoral verfemten Staatsrechtlers und politischen Philosophen Carl Schmitt.(* 11. Juli 1888 in Plettenberg; † 7. April 1985 ebenda)
http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Schmitt
http://de.wikipedia.org/wiki/Theorie_des_Partisanen

Rudolf Augstein macht aus seinem Sinn für schneidige Begriffs- und Vorstellungswelten mit unbändigem Elan auf seine ganz persönliche brillante Weise, gar nicht leise, eine wöchentlich, von

"Scheiße im Trompetenrohr"

Getöse begleitete Achterbahnsause "Räuberpistolen in Serie mit umwerfendem Landsercharme" im Ungefähren.

Die andere Seite Rudolf Augsteins tollkühnen Elans ist, er kann sich 1972 vorstellen, aus der F.D.P.- Fraktion im Deutschen Bundestag als deren hervorragendes Mitglied für einen kurzen historischen Moment, diese als Kaderschmiede des "Langen Marsches durch die gesellschaftlichen Institutionen"

für eine "liberalkonservative Revolution von oben" zu rekrutieren, die der Studentenbewegung, jenseits jeder "Schlagenden Verbindung" den letzten öffentlichen Schneid abkauft.

Als intellektueller Typus seiner Zeit heillos über- , wie unterfordert, ohne eigene Ambitionen, noch Zutun, ein solcher zu sein, ist Rudof Augstein nach seinem eiligen Bundestags- Abenteuer 1972/73 als Geistesheros unselig über- , wie unterschätzt, als reine Hausmarke zwischen der Elbchaussee und der Hamburger Brandtstwiete, nahe des Freihafens, unsteti pendelnd, unterwegs.

Aufprall mit der Wirklichkeit, wenn überhaupt, nur als Fronterlebnis?

Rudolf Augstein strebte 1972 auf dem Ticket der Pünktchen Partei F.D.P. in die Politik, vor allem, um ein Bündnis Rainer Barzel, Franz Joseph Strauss, Erich Mendes, ums Verrecken des Porjekts DER SPIEGEL, zu verhindern und, um eine Einsicht dessen zu gewinnen, was man als Politiker kann, was man nicht kann.

Hielt Rudolf Augstein kurz vor der Bundestagswahl 1972 zu Protokoll bei Günter Gaus am 17. September desselben Jahres den Studenten im Ungefähren vor, sie hegen, anders als Seinesgleichen, die jetzt Vierzig- bis Fünfzigjährigen, höhere Ansprüche an geschlossene Ideologien.

Dabei ist es doch Rudolf Augstein zu Protokoll im uneingestandenen Bunde mit Günter Gaus, der sich ins Ungefähre, ins Wolkige, fern der Realität parlamentarischer Überläufer in Sachen konstruktives Misstrauensvotum "Bundeskanzler Willy Brandt", des Vientamkrieges, der Watergate Äffäre, des Hervorbrechens terroristischer Vereinigungen ganz unterschiedlicher Farben im Nahen Osten, in Europa flüchtet.

Kein klares Wort zu Protokoll der Zeitläufte über den terroristischen Anschlag der PLO auf die israelitische Mannschaft im Münchner Olympiadorf im Sommer 1972, samt umstrittener Fortsetzung der Spiele.

Die Verhaftung Ulrike Meinhofs im Juni 1972, die er später im Nachruf auf Rudi Dutschke im Dezember 1979 eine gemeinsame Freundin nennt, erwähnen Augstein und Gaus mit keinem Wort, auch nicht den terroristischen Bombenanschlag auf das Hamburger Axel- Cäsar Springer Haus im Mai 1972, der, mit RAF- Bekennerschreiben, eindeutig die Handschrift der zu diesem Zeitpunkt, untergetaucht, flüchtigen Ulrike Meinhof gegen "Das Schweinesystem" trägt.

Auf die Frage, wo bei ihm die Fraktionsdsziplin ende, antwortet R. A. wiederum im Ungefähren, wenn von mir Unvernünftiges, gar Unmoralisches verlangt würde.
Nur einmal bricht, hinter der spiegleinglatten Fläche Rudolf Augsteins knabenhafter Gesichtsarchitektur im Gespräch mit Günter Gaus ein Ausbund an unbändiger Lebendigkeit hervor, als Gaus davon spricht:

"Sind wir nicht um geschlossene Theorien, ideen betrogen worden?, waren und sind wir nicht ständig in Gefahr, uns zu Tode zu relatvieren?"
"Aber Nein!, ruft Rudolf Augstein mit Sinn zur Selbstanzeige, wir wurden doch nach 1945 in die geschlossene Idee der Demokratie geworfen!".

Wie das?, Demokratie als geschlossene Idee, als geschossenes System:

"Schütze Asch macht jetzt Opposition.
Sie dahinten! Ja!, genau Sie machen jetzt für vier Jahre gewählt auf Regierung! Nur Mut!, gemeinsam in aller Kameradschaftlichkeit schaffen das schon!" Wir haben doch damals an der Front im Osten, Westen, Norden, Süden in dunkler Zeit ganz andere Sachen geschafft"

Mit dem Histomat Karl Marxens mag R. A. sich nicht anfreunden und deckt in dem, was er zur Frage Gaus, ob Männer oder Klassen Geschichte machten, einer Geschichte, die nach Marx in Klassenkämpfen erfolge, auf, dass er Karl Marx, wenn überhaupt, nur flüchtig gelesen haben kann. wenn er äußert, "Zar Peter I. habe als Mann Geschichte gemacht, Russland dem Westen geöffnet, da war nichts von Klassenkampf.

Mit Beginn des industriellen Zeitalter mag das später anders gewesen sein.

Die Geschichte Europas hätte im 19. Jahrhundert mit Sicherheit ohne Bismarck einen anderen Verlauf genommen. Wer das Genie Bismarcks nicht bewundert, ist ein Trottel."

Der klassentheoretische Trottel scheint hier Rudolf Augstein selber zu sein, der historische Figuren des Formats von Zar Peter I., Otto von Bismarck als freischwebende Radikale definiert, die von Gottes und des Teufels Gnad jeder Klassenzugehörigkeit enthoben scheinen?

Dieser klassenlosen Devise bleibt Rudolf Augstein auch noch mit Blick auf die Deutsche Einheit am 3. Oktober 1990 treu, wenn er in seiner Kolumne:
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13507193.html
23.07.1990
Kein Bismarck, kein Ribbentrop
Von Augstein, Rudolf
ganz unter schreibt:

"Glückwunsch Kanzler!"

statt
"Glückwunsch Deutschland!",

"Glückwunsch Europa°!",

sein unverbrüchlich klassenfern fortbestehendes Verständnis von Geschichte bekundet.

Bundeskanzler Helmut Kohl hat es ihm als gelernter Historiker nicht gedankt. Wie konnte er auch.

"Es sei die Irrationalität der anderen, der Seite der Studenten, die zum Abbruch der Gespräche geführt habe" , erläutert Rudolf Augstein das beredte Schweigen der Lämmer, Wölfe und Elche.

Was meint R. A. damit, wenn er das am 17.09.1972 mit Günter Gaus zu Protokoll gibt?

"War die Scheckbuchpolitik der Hamburger Viererbande, drei als "Symbolische Soldaten" der Demokratie bekannt, Rudolf Augstein, Gerd Bucerius, Sir Henri Nannen, der Dritte im Bunde austauschbar im Dunkeln , von Kühnheim 1973 auch Hamburger Kumpanei in DER ZEIT genannt, mit Manfred Bissinger als Geldkurier vom anderen Stern mit dem monetär heissen Draht zum Studentenkombattaten Peter Schneider, an die Studenten nicht mehr von durchschlagendem Erfolg gegen den Axel- Cäsar Springer Konzern mit seinem staatstragenden Sendebewusstsein in Anführungszeichen "....." auf der Straße gekrönt?

Axel- Cäsar Springer wilderte damals gleichermaßen, aber auf seine leise Weise mit Blumen- und edlen Porzellan- Service Präsenten der feinsten Art mit britischem Gentleman Charme im "Damen- Gehege" Westberliner 68er- Studentinnen als ewig junger Galan und Womanizer, dem ausgerechnet die Freundin Peter Schneiders, im Momentum vorrübergehender Zuneigung, erlag "Wo gehen wir hin, zu Dir oder mir?"

Flugs schob Rudolf Augstein in etwa folgenden Satz zu Protokoll hinterdrein:
"Gleich, wie alt ich sein werde, ich werde stets zu Gesprächen mit der anderen Seite bereit und fähig bleiben, gleich welche es ist, dessen bin ich gewiss!"

ZEIT- TICKER

Am 19. Mai 1972, am 27. April 1972 war das konstruktive Misstrauensvotum gegen den damaligen Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) gescheitert, erfolgte iquais zum Auftakt des Bundestagswahlkampfes im Herbst 1972 ein erster und letzter Brandanschlag gegen den Springer- Konzern in Hamburg (s. o.).

Giangiacomo Feltrinelli (* 19. Juni 1926 in Mailand; † 14. März 1972 in Segrate), genannt Osvaldo oder Fra Feltrinelli war ein italienischer Verleger, Politiker, MIllionär und Revolutionär.

Nach verschiedenen kleineren Aktionen der GAP wollte Feltrinelli am 14. März 1972 einen Hochspannungsmast bei Mailand sprengen. Nach den Ermittlungen der Polizei ging die Sprengladung vorzeitig los. Er wurde tödlich verletzt. Es ist bis heute nicht geklärt, ob es sich um einen Unfall oder um ein Attentat handelte.
http://de.wikipedia.org/wiki/Giangiacomo_Feltrinelli

Gerade einmal zehn Jahre lag die legendäre SPIEGEL- Affäre" von 1962 "bedingt abwehrbereit" zurück

Die Waterfgate Affäre um US- Präsident Richard Nixon nimmt, von der Washington Post mit Fakten munitioniert, an Fahrt auf.

Bundesrepublik und DDR schließen zwei entscheidende Abkommen, um ihre Beziehungen zu normalisieren: das Transitabkommen und den Grundlagenvertrag. Es sind die beiden wichtigsten Verträge der Neuen Ostpolitik unter Bundeskanzler Willy Brandt.1. Juni: Irak verstaatlicht die gesamte Erdölindustrie
1. Juni: Andreas Baader und andere Mitglieder der Rote Armee Fraktion werden in Frankfurt am Main nach einer Schießerei verhaftet
3. Juni: Das Transitabkommen zwischen den beiden deutschen Staaten Bundesrepublik Deutschland und DDR tritt in Kraft
5. Juni: Eröffnungstag der ersten Weltumweltkonferenz in Stockholm, wird seitdem alljährlich als Weltumwelttag gefeiert
9. Juni: Der Bundestag beschließt die Absenkung des aktiven Wahlalters auf 18 Jahre
5. September: München. Geiselnahme von München: Acht Mitglieder der palästinensischen Terrororganisation „Schwarzer September“ nehmen elf Athleten des Israelischen Olympia-Teams als Geiseln und fordern die Freilassung von 232 Palästinensern. Die Geiselnahme endet mit einer gescheiterten Geiselbefreiung auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck, bei der alle Geiseln, fünf Terroristen und ein Polizist sterben
14. September: Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Polen
Der Club of Rome veröffentlicht seinen Bericht Die Grenzen des Wachstums
Gründung der Universität Gesamthochschule Duisburg
Gründung der Universität Gesamthochschule Essen

Rudi Dutschke kann seit dem Attentat auf ihn am Gründonnerstag vor Ostern 1968 nach einer langen Odyssee als Verfemter über Italien, Dänemark, England, in Westberlin seine Doktorarbeit mit dem Tietel

"Lenin auf die Füsse stellen"

erfolgreich zur Verteidigung vorlegen.


Das alles gechieht.

Während Rudolf Augstein (R.A.), von allem ungerührt und ungefragt durch Günter Gaus, scharf ins Ungefähre zu Protokoll gibt, Wörter mit End- (wohl eine süffisante Offizierscasino Anleihe auf das Unwort "Endlösung") seien ihm höchst suspekt, trotzdem erklärt R. A. sein gegenwärtiges Endziel sei Mitglied des Bundestages zu werden. Auf die Frage Günter Gaus, was denn seine Ziele seien, wenn er denn MdB geworden sei, verlegt sich R. A. einmal mehr aufs Ungefähre", er wolle der Vernunft, Aufklärung, Ratio in der Politik eine Lanze brechen.

„Haben Sie ein Endziel in der Politik, Herr Augstein?“ fragte Gaus.

Augsteins, gedrechselt, zierliche Antwort: „Also, die Worte, die mit ‚End‘ anfangen, gegen die habe ich ein gewisses Mißtrauen. Und im Moment habe ich das Endziel, Abgeordneter des Deutschen Bundestages zu werden.“

Rudolf Augstein wurde es. Über Platz 9 der nordrhein-westfälischen Landesliste im erzkatholischen Wahlkreis Paderborn als Rivale des CDU/CSU kanzlerkandidaten Rainer Barzels, wohin ihn die Parteioberen mit politisch Bremer Wurzeln, an der Parteibasis vorbei, gehievt hatten.

R. A. rückte in den Deutschen Bundestag ein und wurde gerade einmal in den Medienausschuss berufen, wo er doch gerne zumindest F.D.P. Vize- Fraktionsvorsitzeder geworden wäre

Schon 1953 prophezeite der junge Spiegel-Verleger Augstein, dessen Kolumnen unter dem Namen Jens Daniel international einiges Aufsehen erregten:
„Wenn der Spiegel Glück hat, wird er in eine nationale Aufgabe hineinwachsen, wenn er Unglück hat, wird er in Routine und hohler, selbstgefälliger Beschränktheit, in einem pointierten, dürftigen Pharisäertum erstarren und kläglich versanden“

Tatsächlich galt DER SPIEGEL über lange Jahre, mangels wirklicher Opposition im Deutschen Bundestag (SPD unter 30 % einzige Oppositionspartei), als die eigentliche Opposition in Westdeutschland. DER SPIEGEL sah sich damals als den erbarmungslosen Beobachter und Kritiker der Adenauer-Ära mit Alleinstellungsmerkmal und ließ es sich auch nicht nehmen, trotz Kalten Krieges, Eisernen Vorhangs, regierungsamtlich geladen, nach Ostberlin zu Exclusivgesprächen mit dem DDR- Staatsratsvorsitzdenen und Generalsekretär der SED Walter Ulbricht zu reisen.

Das Publikum nahm DEN SPIEGEL als "Gnade seiner späten Geburt" und stilisierte ihn zu einer national verbindlichen Institution.

"Vorne das Sturmgewehr der Demokratie, hinten das geteilte Deutschland".

Doch Rudolf Augstein machte sich selber nichts vor. 1961, als an dem Widerstand von Gerd Bucerius das Projekt einer Fusion DER ZEIT, STERN und SPIEGEL scheiterte, schrieb er seinem Verlegerkollegen:

„Ich bin selbstverständlich der Gefangene meines Systems, das mich zwingt, das Handwerk über die Politik und über die Meinung zu stellen.“

Die so genannte "Spiegel- Affäre 1962" erbrachte vollends die Bestätigung, welchen Rang das Hamburger Nachrichtenorgan in der deutschen Publizistik und in der politischen Landschaft inzwischen errungen hatte. Nach 103 Tagen Haft zog Rudolf Augstein als umworbener Redner, Diskutant und "Wanderprediger" durch bundesdeutsche Universitäten und skandierte in Hörsäälen Opposition.

Auf gelbem "FDP- Papier" wurden seine Worte, von "biblisch" geradezu sakralem Klang, verewigt und im Spiegel, auflagensteigernd, gedruckt. Die Studenten skandierten, wenn Rudi auftrat – bis sie eines Tages mit Rudi nicht mehr Rudi Augstein meinten, sondern Rudi Dutschke.

Der neue Rudi löste den alten Rudi nicht wirklich ab, auch wenn Rudolf Augstein später, mit Sinn für Pointen, so auch zu Protokoll bei Günter Gaus, mit dieser Version erwartungsgemäß kokettiert.

Es war nur so, die Studentenbewegung wählte sich ihre eigenen "Vorsitzenden Sprecher" selber, den irgendwie linksliberalen Zeitungsmacher Rudolf Augstein verachteten sie auch nicht, wie bis heute von seinen etablierten Konkurrenten kolportiert wird.

Sie konnten nur nichts mehr mit ihm wirklich anfangen, auch, wenn sie es gewollt hätten, weil R. A. im zunehmend offenem Einvernehmen mit dem sozialliberalen Establishment der eigentlichen politischen Agenda der Herangewachsenen in Deutschland, Europa, der Welt seine Augenhöhe entzog

. Rudolf Augstein schien diese Entwicklung eher unberührt, blieb ihm doch sein alltäglicher Zynismus aus Leutnants- Wehrmachtstagen lebenslang erhalten, mit dessen gepfefftertem Sarkasmus er sich selbst und anderen auch in scheinbar auswegloser Lage die Verhältnisse erträglich, ja als Genuss- und Kulturmensch, robust fröhlich "Jetzt erst recht!" zu gestalten wusste.

Rudolf Augstein begab sich nach 1973 erfolgreich auf die Spurensuche preußischer Geschichte und in die Exegese der Bibel. Dabei wurde er fündig und so zauberte er mindestens zwei Bestseller "Friedrich der Große" und "Jesus Menschensohn" hervor.

Nachdem Rudolf Augstein den bundesweiten Ausläufern des NS- Nattern- und Otterngezüchts unter dem Jungvolk im eigenen Haus, im Bunde mit europaweit dunklen Mächten auf Regierungsebene, das er allzu naiv an seine Verlger Brust gedrückt, im Wege der SPIEGEL- Affäre 1962 mit Hakenschlagen, Ösenhäkeln, anwaltliche List und Tücke seines Bruders Josef Augstein aus Hannover gegenüber dem damaligen Hamburger Oberstaatsanwalt Siegfried Buback , entronnen war, die aus DEM SPIEGEL eine Art staatsnah domestiziertes Magazin "DIE BUNTE", "QUICK" oder geopolitische Lanserpostille "KRISTALL" als völkischer GEO- Vorläufer aus dem Hause Gruner & Jahr machen wollten, war er wild entschlossen

"So niemals wieder"

und sann darauf, etwas ganz Neues anzufangen. DEN SPIEGEL irgendwie links verankerten Mitarbeiter Gesellschaften anteilig zu überlassen.

Journalistisch gab Rudolf Augstein von nun an seinem erwachsen gewordenen "Kind" DEM SPIEGEL weniger offensiv, denn aus dem Hintergrund Impulse. Der Spiegel erstarb auch nicht, wie Augstein 1953 als Kassandra in eigner Sache, unheilschwanger, schneidig daneben geahnt hatte, in Routine, hohler Beschränktheit und an einer pseudoinformativen Sprache und bleibt doch bis heute eher gefährdet denn "Gefährder" gesellschaftlich etablierter Verhältnisse.

DER SPIEGEL wurde auf der Basis der kleinen aber entscheidenden Mehrheit seiner Mitarbeiter KG seit 1973 mit Höhen und Tiefen, bei hinreichend stabilsierter Auflage, zu einem wahren Mannschaftsspiel.

„Was ist denn Ihr Ziel, außer Abgeordneter zu werden? Was ist denn Ihr Ziel, wenn Sie es sind?“ fragte Gaus ihn in jener Sendung „Zu Protokoll“.

Die Antwort: „Bessere Politik zu machen. Bessere Zustände zu schaffen, Vernunft zu wecken, Vernunft durchzusetzen. Und für mich persönlich Einsicht in das, was man nicht machen kann. Auch das ist Sehr wichtig, gerade für uns Journalisten.“

"So naiv kann Rudolf Augstein nicht gewesen sein, um nicht zu wissen, daß Politik Kleinarbeit, Schwerarbeit, Fronarbeit bedeutet. Er kannte zumindest das Wort Max Webers, das er einmal gebrauchte, um Herbert Wehner zu charakterisieren: „Politik bedeutet ein starkes, langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß.“ So gut hätte Augstein sich nun kennen müssen, um zu wissen, daß ihm dazu die Ausdauer fehlt. Ein Steher ist er nicht."
Schreibt HAUG VON KUENHEIM in DER ZEIT vom 19. Januar 1973
http://www.zeit.de/1973/04/rudolf-augsteins-rueckfall-in-die-chef-etage/komplettansicht
Rudolf Augsteins Rückfall in die Chef-Etage

Wie kann Rudolf Augstein ein Steher sein, wo er doch lebenslang ein "Symbolischer Soldat" ist, der, sobald das richtige Kommando galt, zu jedem Gewaltmarsch aufgelegt, bereit und fähig war?

Rudolf Augstein sieht es anders als der damalige Mainstream. Hätten Willy Brandt und Günter Gaus ihre politischen Ambitionen zurückgestellt, könnte er in aller Ruhe seinen Bonner Pflichten nachkommen.

„Willy Brandt hätte mich wegen Gaus konsultieren müssen“,

meint Rudolf Augstein.

Was früher einmal die „Hamburger Kumpanei“ genannt wurde, strickt an dieser Legende eifrig mit: Der ehrgeizige Gaus ist das Karnickel, so tönt es aus dem STERN, der arme Rudolf das Opfer. Personelle Konstellationen im SPIEGEL erfordern seine Rückkehr, läßt Augstein wissen, Gaus und ihn gleichzeitig könne das Blatt nicht entbehren.

Keiner widerspricht, alle akzeptieren diese Version: die verlassenen Freunde in Paderborn, die Bonner Parteioberen, die alten Kollegen im Spiegel. Sie alle blasen für ihn ultimativ medienwirksam zur Rückkehr. Und sie alle sind offensichtlich froh, daß Augsteins Bonner Experiment abgebrochen wird, bevor es noch richtig begonnen hat. Unkenrufer unter ihnen meinen: Bevor es richtig scheitern konnte.

Rudi über Rudi:
"Ein Geistesheros war er sichtlich nicht. Aber von ihm ging zweierlei aus: eine bezwingende Rednergabe (von allen Lehrern der Zunft als "anti-rhetorisch" gebrandmarkt) und eine Unschuld des Denkens, die unsereinem das Jesus-Kind in seiner bethlehemitischen Reinheit deutlich werden ließ: unkorrupt bis ins Mark."
(Rudolf Augstein in seinem Nachruf auf Rudi Dutschke im Dezember 1979
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-42891085.html
31.12.1979
Wir wollen den richtigen Rudi!
Von Augstein, Rudolf

Aussenpolitik, Ostpolitik, Moralfragen der Parteien, von Kirchen. Klerus keine Rede?

PLO- Terror- Anschlag auf israelische Olympia Mannschaft im Münchner Olympia Dorf 1972 waren offensichtlich nicht gut geschützt (Bundesinnenminister war Hans- Dietrich Genscher)

"Mehr Staat als wir haben, lässt sich nicht aufbieten", gibt Augstein lapidar zu Protokoll.

Am 15. Juni 1972 (Festnahme Ulrike Meinhofs) wurde die Polizei in Langenhagen bei Hannover durch den Lehrer Fritz Rodewald darauf hingewiesen, dass er fürchte, Leute der RAF wollten in seiner Wohnung übernachten. Eine mutmaßliche „Quartiermacherin“ der RAF wollte die Wohnung mieten und suchte eine Unterkunft für Meinhof.

Auf die Frage Gaus, ob denn nicht neue Machtverteilung auch neue Verteilung des vorhandenen Eigentums bedeute, offenbart sich R. A. ungehemmt als frühzeitg neoliberaler Hardliner unter den Wachstumsideologe, wenn er sinngemäß antwortet, das Umverteilen des Bestehenden mache in einem so entwickelten Land, wie Westfeutschland, keinen Sinn, hierzulande könne es, wenn überhaupt, nur um die Umverteilung des Zuwachses gehen,

Winde gehen, Leutnants der geteilten Nation ziehen Leine:

"Symbolischen Soldaten gleich, die toten Kameraden ziehen im Geiste an der Leine mit!".

So tönt 1972 Niemand, lässt Niemand eine Antwort unwidersprochen zu Protokoll durchgehen, wie Rudolf Augstein und Günter Gaus, der die Teilung Deutschlands, Europas, finanziell unterfüttert, außer in Sonntagsreden zum Tag der Deutschen Einheit, den 17. Juni 1953, wirklich aufheben will, geschweige denn, einen Entschädigungsfond für Überlebende des Holocaust, Millionen von Zwangsarbeitern und deren Angehörige persönlich im Sinn und auf seinem publizistischen Bildschirm hat.

Das geschah erst, aufgrund von Sammelklagen in den USA, im Jahre Sieben nach der Deutschen Einheit 1990, im Jahre 1997, dank des tatkräftigen Türeklinkens Otto Graf Lambsdorffs in deutschen Ministerien in Bund und Ländern, Kirchen, Gewerkschaften, Kommunen, Verbänden, Unternehmen, der Wirtschaft insgesamt. Etliche entzogen sich diesem Werben des FDP- Grafen Lambsdorff trotzdem, darunter DIE QUANDTS, FLICKS, SCHEFFLERS u. a..

Dass Rudolf Augstein in diesem Gespräch mit Günter Gaus als berüchtigter "Anti- Kleriker" katholischer Provenience nicht mit einem einzigen Wort den Parteifreund Karl-Hermann Flach (* 17. Oktober 1929 in Königsberg; † 25. August 1973 in Frankfurt am Main) erwähnt, ist insofern erstaunlich, weil der als F.D.P. Generalsekretär damals, innerparteilich angefochten, mit offenem Visier genau das in der Marbuger Resolution72 fordert, was uns bis heute umtreibt, die staatlichen Zuwendungen an die christlichen Kirchen hierzulande auf der Basis von prekären Rechtstiteln aus den Jahren 1806, 1919. 1949, 1990 im deutsch- deutschen Einheitsvertrag und noch einmal 1998 dynamisiert erneuert, zu beenden. http://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Hermann_Flach

Rudolf Augstein, von Kopf bis Fuss scheitellos alles andere als ein Antisemit, vermochte doch der Versuchung nicht zu widerstehen, in seinem Spiegel Artikel 1997 zum 200 Geburtstag Heinrich Heines diesem "spielerisch" folgende kleine unnachahmliche Anleihe des alltäglichen Antisemiten als Appendix ins "Stammbuch" zu schreiben:
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-8841869.html
01.12.1997

"Ich bin ein Wolf geblieben..."

Rudolf Augstein zum 200. Geburtstag Heinrich Heines
"Ich bin ein Wolf geblieben"

"Sechsundzwanzig Jahre lang bemühte sich der deutsche Dichter Heinrich Heine, verborgen zu halten, daß er ein Jude war. Das gelang ihm in erstaunlichem Maße, obwohl natürlich nicht ganz."

Adrenalingesteuert in die Tasten der Schreibmaschine hauen, ins Diktiergerät bellen.

Rudolf Augstein, der mit dem Finger am Abzug schrieb, von Tausendjahrsassern dunkler Zeit, verschwundener Herrlichkeit umzingelt, die Georg Wolffs, Horst Mahnkes u. u., die vom Führer gelernt, wie man´ ein Ding dreht, jetzt in Eigenregie´ ihr Ding drehen wollten.

Der "Simplizissimus" der Medien- Neuzeit, der mit seinem Sturmgeschütz der Demokratie DEM SPIEGEL Feldposten als Nische zwischen allen Fronten aufklärte, bezog und sich daraus unter dem Pseudonym Jens Daniel, Moritz Pfeil seinen, handwerklich gekonnt, schneidig gespiegelten Reim mit Elan machte.

Gegen die Nattern, Schlangen, die allerorten im geteilten Deutschland nach der bedingungslosen Kapitulation des NS- Regimes am 8. Mai 1945 als Jungvolk Fahrt aufnehmen, keck ihre Häupter aus verborgenen nationalsozialistisch Kreide fressenden Elternnestern erhoben, gegen deren völkisches Gift impfte sich Rudolf Augstein und sein Sturmgeschütz der Demokratie, darin dem ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer, gleich, der etliche Altvorderen NS- Beamtenapparatschiks, darunter Hans- Maria Globke unter hochbestallt allgemeine Quarantäne und persönliche Fittiche nahm, indem Rudolf Augstein ebenfalls etliche von diesem Jungvolk, mit ersten Meriten im Dritten Reich als Propagandisten, Assistenten staatlich durchregierten Verbrechens, Flakhelfer, Volksturm Kader, bei sich einstellte.

Das sollte und hatte den congenialen Gewinn, dass diese Kader vormaliger Achsenmächte des unabdinglich leidenschaftslos Bösen, des vom Bug bis zum Belt untergegangenen Deutschen Reichs, Italiens, Japans, nicht gegen, sondern für ihn und sein Sturmgeschütz der Demokratie schrieben.

Gleich, was sie auch nationalistisch khakibraungefärbt bescheuert Beklopptes, völkisch Durchgeknalltes schrieben, es war von nun an, gewollt, ungewollt, ein reines Lehrstück der Demokratie

"So nie wieder!"

Das daraufhin in SPIEGEL- Redaktionssitzungen ab 1947, zunächst in Hannover, dann im Hamburger Pressehaus am Speersort, weniger frei schwebende Gedanken als schöpferische Kopfgeburten des allgemeinen Friedens nach Innen, Außen und in der Mitten bis an den Rand der Gesellschaft, denn bereits vergessen und verschüttet geglaubt, in Kriegszeiten geladen, nun spätgezündete Schrapnellen als Artilleriegeschosse hier, Bombenabwürfe wider den Führer als Blindgänger da, sausend durch die Luft flogen, lässt sich unschwer ahnen und vermuten

Dazwischen geraten und mittenmang, züngelnder NS- Schlangen, Nattern imbeded, unser "SPIEGEL- Mann, der Rasende Wehrmachts- Leutnant außer Diensten, Rudolf Augstein, schneidig, mit blankem Glanz im stahlblauen Auge, im hochdeutsch Hannoveraner Ton, ein einzig Elan mit jedem Schritt und Tritt, auf der Kommandobrücke.

"Volle Fahrt voraus!",
der Mann für das investigativ rasend Unpolitische im etablierten Kreisverkehr des gefühlt Unabänderlichen der

"Normativen Kraft des Faktischen" (Schneidiger Begriff der Silberzunge, Bundeskanzler Hans- Georg Kiesinger 1966 )

Rudolf Augstein verhalf dem Zweifel als "Vierter Macht" in guten, schlechten Zeiten im Lande zu gesellschaftlichem Gehör, Ansehen, Rang und Namen

1988 gab Rudolf Augstein der Süddeutschen Zeitung ein Interview. Da sagte er, mit Willy Brandt (1913- 1992), es gehe ihm wie Koldinger, dem skandinavischen Eulenspiegel. Der kommt in den Laden, um seine Schnapsration zu kaufen. Ich habe nur noch zwei Flaschen, sagt der Verkäufer, in der einen ist Schnaps und in der anderen ist Methylalkohol, ich weiß nur nicht, in welcher. Gib her, sagt Koldinger, ich habe das meiste gesehen.

"So geht es mir auch", sagte Augstein, "ich sitze abends vor dem Fernseher und höre zu. Ich weiß jetzt viel über Kamele in der Wüste. Und über die Galapagos-Inseln. Warum muss ich noch wen kennenlernen?. meine Frauen, Geschwister, vier Schwesetern, einen Bruder, meine Kinder drei, eine Tochter, zwei Söhne und meinen Duz- Freund Martin Walser kenne ich schon"

"Er war da und blieb - bis zum letzten Tag", erklärt der Spiegel am 7. November 2002 in seiner Hausmitteilung "Betr.: Rudolf Augstein". "Er war da und blieb die Seele des ›Unternehmens Aufklärung‹, das der Spiegel war und ist..."

Rudolf Augstein zum Gedenken an seinen 90zigsten Geburtstag, den 5. November 1923.
JP

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/unternehmen-aufklarung
Otto Köhler
15.11.2002 | 00:00
Unternehmen Aufklärung

00:01 05.11.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Joachim Petrick

Aktuelles: Meine sichere Route- Refugee-Airlift - Petition "Luftbrücke für Flüchtlinge in Not" an die MdBs des Bundestages erhofft Debatte
Joachim Petrick

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