Johanna Montanari
Ausgabe 2417 | 16.06.2017 | 06:00 4

Kein Abbild

„Wonder Woman“ Hollywood will Kohle machen – und das geht auch mit Heldinnen

Kein Abbild

Mutig und stark: Wonder Woman schießt den Vogel ab

Foto: Warner Bros. Pictures

Sich im Sessel zurücklehnen und einer Frau dabei zusehen, wie sie die Welt rettet? Ja, will ich! Die Begeisterung über die Verfilmung eines Superheldin-Comics hallt durchs Netz. Kritikerinnen weinen gerührt, während sie Wonder Woman beim Kämpfen zuschauen. Und mit Patty Jenkins hat der Film auch eine Frau als Regisseurin.

Diskussionen um das feministische Potenzial von Blockbustern sind nichts Neues. Im vergangenen Jahr brachte Sony Pictures Ghostbusters mit weiblichen Rollen raus. Wütende Männer fühlten sich um ihre Kindheit betrogen. 2015 witterten bei Mad Max: Fury Road Männerrechtler gar das Ende des Actionfilms. Und jetzt bei Wonder Woman wird wieder die Frage gestellt: Wie feministisch ist dieser Film?

Anders als zum Beispiel Catwoman ist Wonder Woman kein Abbild eines männlichen Helden in weiblich. Wonder Woman ist im DC-Comic-Kosmos Teil des Volks der Amazonen. Die sind Kämpferinnen, die in einem Paradies leben, in dem es keine Männer und keine Heteronormativität gibt. Anfang der 1940er Jahre erfand der Psychologe William Moulton Marston die Figur, wohl in Zusammenarbeit mit seiner Ehefrau Elizabeth Holloway Marston und inspiriert von seiner Geliebten Olive Byrne. Die drei wohnten zusammen. Polyamorie gab es damals auch schon. Marston war der Überzeugung, dass Comics pädagogisches Potenzial besitzen, und dass Mädchen weibliche Vorbilder brauchen, die Macht und Stärke verkörpern.

Kinofilme werden aber nicht von Natur aus immer feministischer. 2016 waren nur sieben Prozent der Top-250-Filme in den USA von Regisseurinnen, weniger als im Vorjahr. Wenn Frauen Geschichten erzählen, haben die weiblichen Charaktere oft dunkle Seiten, Widersprüche. Die meisten Filme bestehen nicht mal den Bechdel-Test: Es gibt in ihnen also nicht zwei Frauen, die sich über etwas anderes als einen Mann unterhalten. Ich brauche nicht das Vorbild, ich will viele tiefgründige Charaktere auf der Leinwand sehen.

Der Erfolg des Films bedeutet für Hollywood: Es kann die Idee begraben vom weißen Hetero-Mann als einzigem Charakter, mit dem sich alle identifizieren können, – und wenn die Hauptfigur diesem nicht entspreche, gehe nur ein Nischenpublikum ins Kino. Wonder Woman zeigt, dass das Quatsch ist. Hollywood will Kohle machen und das geht auch mit Heldinnen. Wer kommt mit ins Kino?

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 24/17.

Kommentare (4)

miauxx 16.06.2017 | 22:55

"Hollywood will Kohle machen – und das geht auch mit Heldinnen"

Genau! Nunja, offenbar ein Genrefilm. So, wie sich das vornehmliche Publikum dafür ohnehin alles zwischen Spiderman, Hulk und Transformers anschaut, wird es auch hier nicht zurückschrecken, nur weil die Protagonistin so etwas wie eine Frau sein soll. Eine wirkliche Frau ist sie freilich nicht, sondern halt eine Amazone, ein Sagen- oder Phantasiewesen. Aber klar - dabei kann es sich um eine feministische Projektion wie aber auch eine schlichte Spiegelung des "heteronormativen" Musters handeln.

Nun kämpft Wonder Woman laut Trailer wohl im 1. Weltkrieg - um einen Mann ? - und stellt angesichts einer echten Frau, einer Sekretärin, fest, dass das, was diese tut, so etwas wie Sklaverei sein müsse. So viel an Gesellschaftskritik löst freilich längst keine Revolutionen mehr aus und ist, i.d.R. verträglich wie gefühlig und unterhaltsam verpackt, selbst im technophilen Actionkino Hollywoods längst Mainstream.

na64 17.06.2017 | 08:52

The queen of inspiration.

Oh Wonderwomen. Geschaffen aus Ton von übersinnlichen Händen (z.B.: Bosten Dynamics) die Fehler nicht eingestehen wollen und Ihre Taten mit neuen Inspirationen übertünchen wollen, so das die eigentlichen Erschaffer unsichtbar werden. Oh du Wunderfrau. Naiv im Unwissen darüber wie eine Welt im Krieg, in einem anderen Horizont erscheint, meinst du die Welt der menschlichen Wesen retten zu können, in dem man die alte bestehende Inspiration tötet. Doch dem ist nicht so. Was einmal da ist geht nicht mehr weg und will wachsen und wuchern in den Köpfen der Einfalt als Geist eines Glaubens und mittels Religion wird dieser Glaube dann das Gift für politische, gesellschaftliche Verwerfungen durch angewandte Gewalt sein. Diese Erleuchtung kommt auch bei dir dann später.
Doch da hat der giftige Glaube als Inspiration sich eine neue Bekleidung als Ausdruck von Macht erdacht und der man sich als menschliches Wesen loyal und hingebungsvoll dann das Gut, die eigene Würde selbst mit Füßen tritt und in Verhandlungen neue Leidensformen für menschliche Arbeit, einer Klassifizierung erdacht hat. Jeder gibt vor etwas anders zu sein und es dann nicht zu können, da der Glaube daran nicht natürlich und überzeugend in dieser Kulturreligion überzeugt. So wird über ein Bewusstsein in der Kultur, was das ausleben von boshaften Trieben für die Gewinnung von territorialer Macht anstrebt , mit Zweifel und Angst vor sich selbst und seinen eigenen Fähigkeiten vergiftet. Dieses Monster lebt und schläft und wartet auf das aufwachen in uns allen.
Oh du Wunderfrau als Geheimwaffe von Vernunft, Frieden und Liebe, dein Gift wirkt nicht als religiöses Licht einer Offenbarungserkenntnis der keiner nachgehen will. Du bist nicht die Jungfrau Maria und kannst die Welt zu einem anderen Handeln bewegen. Das liegt schon verankert an deiner eigenen Kultur aus der du abstammst. Selbst Du bist die Inspiration für neue Kriege. So bleibt alles beim alten wie es schon immer war, nur das Geschlecht für den Kriegsgott hat sich gewandelt und die Angst als Monster spukt immer noch in uns für neue Fortsetzungsberichte. Ich kann nicht sagen ob der Film gut oder schlecht war. Für mich diente er als Mittel zum Zweck und bringt Geld an der Kasse.
Ich fand auch den anderen Artikel in der Communityabteilung über diese Wunderfrau lustig. Besonders die 10 Euro für eine Currywurst. Man bezahlt für das Ambiente.