„Das ist Betrug“

Interview Der ADAC hat nicht nur ein Problem mit der Glaubwürdigkeit, sondern auch mit seiner Struktur, meint Michael Ziesak vom VCD.
Julian Heißler | Ausgabe 04/2014

Der Freitag: Der ADAC hat bei der Wahl zum Lieblingsauto der Deutschen die Zahl der abgegebenen Stimmen manipuliert. Was sagen Sie dazu?

Michael Ziesak: Das ist ein klarer Fall von Betrug. Der ADAC behauptete, dass 290.000 seiner Mitglieder an der Wahl zum „Gelben Engel“ teilgenommen haben, dabei waren es nur 76.000. Für den Gewinner, den VW Golf, haben nur 3409 Menschen gestimmt. Der ADAC gab das Zehnfache an. Damit hat er seine Mitgliederbenutzt, um größer und mächtiger zu erscheinen als er eigentlich ist.

Was hat der ADAC davon?

Wenn es um Themen wie ein allgemeines Tempolimit oder eine Null-Promille-Grenze geht, führt der ADAC immer an, dass 19 Millionen Mitglieder hinter seiner Position stehen. Damit wird massiv Druck auf die Politik ausgeübt und schnell sind Themen beerdigt. Die jetzt bekannt geworden Manipulationen zeigen jedoch, dass der ADAC sich nicht unbedingt an den Interessen seiner Mitglieder orientiert, sondern den Willen seiner Spitze vertritt. Denn wenn nur so wenige Mitglieder bei der für den Verein wichtigsten Wahl des Jahres teilnehmen, wirft das die Frage auf, wie wichtig ihnen die anderen Themen wirklich sind beziehungsweise wie viele Mitglieder zum Beispiel wirklich gegen ein Tempolimit sind.

Können Sie erklären, wie es zu einer solchen Manipulation kommen konnte?

Das Problem des ADAC ist die Struktur. Er ist zwar ein Verein, aber auch ein Unternehmen mit Milliardenumsatz und dafür reicht das Vereinsrecht nicht aus. Die Führung kann kaum kontrolliert werden, da es weder einen Aufsichtsrat, noch eine Mitgliederversammlung gibt. Es braucht eine Veränderung hin zu transparenten Strukturen.

Was muss passieren?

Der ADAC ist ein riesiges Unternehmen, das es nach Vereinsrecht eigentlich nicht geben dürfte. Er sollte aufgesplittet werden in ein Wirtschaftsunternehmen, eine Lobbyorganisation, die die Interessen der Autofahrer vertritt, und in einen Verein, der sich um seine Mitglieder kümmert.

Ihr Verband bietet auch Versicherungen und Schutzbriefe an.

Das ist richtig, aber wir machen das losgelöst von der Verbandsarbeit. Der VCD ist ein gemeinnütziger Verein, der von seiner Mitgliederversammlung kontrolliert und überprüft wird. In diesem Rahmen machen wir Lobbyarbeit sowie Verbraucherinformation. Die Schutzbriefe bieten wir über eine eigenständige Service-GmbH an. Die hat mit dem Verbandsarbeit direkt nichts zu tun. Es ist ein Extra-Service.

Die Politik kritisiert den ADAC ungewöhnlich scharf, ganz besonders die CSU...

Das ganze zeigt, wie schnell sich das Blatt wenden kann. Der ADAC hat gerne mit seinen 19 Millionen Mitgliedern Druck aufgebaut, daran kam die Politik nicht vorbei. Jetzt bricht die Drohgebärde zusammen. Die CSU nutzt die Kritik allein um das Thema PKW-Maut zu bespielen. Denn der ADAC sagt wie wir, dass die Maut falsch ist. Deshalb nimmt sich die Partei ihn jetzt vor.

Michael Ziesak ist der Vorsitzende des ökologischen Verkehrsclubs VCD. Er hat 60.000 Mitglieder und Förderer.

06:00 06.02.2014
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