Juliane Löffler
Ausgabe 3515 | 02.09.2015 | 06:00 21

Ganz so einfach ist es dann doch nicht

Coming-out Schauspielerin Kristen Stewart hält das Outing und die Festlegung auf eine starre Sexualität für gestrig. Nur die gesellschaftliche Realität ist leider noch eine andere

Ganz so einfach ist es dann doch nicht

Will sich nicht festlegen: Kirsten Stewart

Foto: Martin Bureau/AFP/Getty Images

Ist ein Coming-out heute überhaupt noch nötig? Nein, befand kürzlich Kristen Stewart. Sie verstecke sich nicht, sagte die US-amerikanische Schauspielerin, aber sie halte die Festlegung auf eine starre Sexualität für gestrig. Ja, befand dagegen die deutsche Youtuberin Melina Sophie und erklärte vor kurzem in einem Video, das bisher drei Millionen Mal geklickt wurde, sie sei lesbisch. Danach folgte ein Statement, dass sie nun der glücklichste Mensch der Welt sei und sie von Freunden und Eltern nur „superpositive“ Reaktionen bekommen habe. Mit ihrem Coming-out wolle sie anderen helfen. Die wenigen Hasskommentare ließen sie nach eigener Aussage kalt.

Das ist schön für Melina Sophie. Aber so einfach, wie sie es darstellt, ist es leider nicht. Nicht weil in unserer Gesellschaft Homosexualität noch immer „das Andere“ ist, wie sie in einem Follow-up selber zugab. Sondern weil sie mit ihrem Loblied auf das Coming-out all jene kleinen Hürden im Alltag ausblendet, die unbemerkt auftauchen, einen aber sehr treffen können.

Wenn deine Mutter ein paar Wochen länger zögert, bevor sie deine neue Freundin kennenlernen will. Wenn deine Freunde dir unterstellen, es sei nur ein Kreuzberger Hipster-Phänomen, dass du jetzt "auch mal mit einer Frau" schlafen wolltest. Wenn jemand über ein ekelhaft riechendes Parfum spricht, oder ein schlechtes Buch, und es "schwul" nennt. Wenn deine Freunde in deiner Gegenwart verschämt auf ihrem Stuhl rutschen, wenn du von deiner letzten Nacht mit einer Frau erzählst. Oder einfach gar nicht mehr mit dir über Sex reden. Oder wenn du dir nicht sicher bist, ob es eine gute Idee ist, deinen Kollegen von deiner Sexualität zu erzählen, weil du eigentlich kein Interesse an einem Sonderstatus hast.

Im Thema Homosexualität stecken jede Menge Unsicherheiten. Und je stärker dein Umfeld vorher meinte, dich einordnen zu können, umso größer ist die Unsicherheit, wenn du das Bild, das sie von dir hatten, plötzlich über den Haufen wirfst. „Bist du jetzt lesbisch?“, fragte mich ein Freund und bekam einen Lachanfall, als ich ihm von meiner ersten Freundin erzählte. „Nein, ich bin Jule“, antwortete ich und fragte mich, was genau jetzt so komisch war. Sich nicht erklären zu müssen, damit Menschen ihre Schubladen beibehalten können, ist, was Heterosexuelle von Anderssexuellen unterscheidet. Wir alle lieben diese Schubladen leider – und ich fürchte, es wird ein frommer Wunsch Kristen Stewarts bleiben, dass sich das in ein paar Jahren geändert haben wird. Ich habe mir zwischenzeitlich eine Schublade ausgesucht, mit der ich derzeit gut leben kann. Ich bezeichne mich als nicht-heterosexuell.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 35/15.

Kommentare (21)

Sikkimoto 02.09.2015 | 11:04

Schöner Text!

>Sich nicht erklären zu müssen, damit Menschen ihre Schubladen beibehalten können, ist, was Heterosexuelle von Anderssexuellen unterscheidet.<

Da möcht ich wiedersprechen. Zu 100% straighte Heterosexuelle sind genauso ein Sonderfall wie zu 100% straighte Homos. Die meisten Menschen bewegen sich irgendwo dazwischen. Dem entsprechend betrifft das Schubladendenken die meisten.

Trotzdem kann es auch der Person selbst halt geben sich an einem binären System zu definieren. Schubladen erfüllen mitunter auch sinnvolle Funktionen. Sich mit seiner Sexualität auseinanderzusetzen ist schließlich nicht nur erquicklich. Wer will schon abartig sein?

Lethe 02.09.2015 | 11:32

Wenn deine Freunde in deiner Gegenwart verschämt auf ihrem Stuhl herumrutschen, wenn du von deiner letzten Nacht mit einer Frau erzählst.

Einerseits die falschen Freunde. Andererseits ein Bedürfnis, das mich befremdet, da ich es noch nie wünschenswert empfand, anderen von meinen sexuellen Eskapaden zu berichten. Das mag aber auf Persönlichkeitsunterschiede zurückführbar sein.

Mir leuchtet Stewarts Ansicht jedenfalls unmittelbar ein. Ein Wort markiert einen bedeutsamen Unterschied. Wenn wir wollen, dass der Unterschied zwischen Frau und Mann, Heteros und Nichtheteros kein werttragender Unterschied sein soll, müssen wir die Bedeutung der Worte entschärfen. Ein Coming out schärft die Bedeutung.

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Ehemaliger Nutzer 02.09.2015 | 11:41

Ich glaube Kirsten Steward und viele andere, die es ähnlich machen, nämlich sich einer "Zuordnung" gegenüber sträuben, haben völlig recht.

Ähnlich wäre es, wenn jemand von dir verlangt, du solltest definieren, über welche Art von Witzen du lachst und wärst dann vorerst für alle Zeit auf diese eine Kategorie festgelegt.

Soll sich doch jeder mal über seine eigene Sexualität Gedanken machen, da ist Stoff genug. Ich verstehe sowieso nicht, warum im Intimleben anderer herumgestochert wird, es sei denn sie bieten dies auf dem silbernen Tablett geradezu an.

Bis ich mir über alles klargeworden bin, bezeichne ich mich als nicht sexuell-sexuell bzw. nicht asexuell.

Ringo Wunderlich 02.09.2015 | 15:23

Ich sach immer: "Weniger darüber reden, lieber öfter machen."

Sex ist Privatsache und mein Sex geht niemanden außer mich und meinen Sexpartner etwas an. Genauso, wie mich nicht interessiert was andere machen.Jeder soll nach seiner Facon glücklich werden, wußte schon der alte Preußenkönig. Das nennt sich Toleranz.

Natürlich alles unter der Prämisse, dass Kinder und andere Schutzbefohlene nicht missbraucht werden.

silvio spottiswoode 02.09.2015 | 18:29

»Ich bezeichne mich als nicht-heterosexuell.«:-)

Mutig.

Alaaso, ich glaube, das mit den Vorlieben ist/war alles von der Natur nie so eindeutig beabsichtigt, wie von der Wissenschaft dargestellt. Vor allem, dass unter Sexualität alles möglich läuft – Machtausübung, Daseinsvorsorge, Familienplanung, Imperienkreation, Kontinuitätspolitik, Pflegeversicherung, Statussymbolakquise – nur eben keine Sexualität. Misto. Also, dienicht-heterosexuelleOption ist meines Erachtens eine sehr, sehr kluge Entscheidung.

Wobei ich tatsächlich Outings so hochoffiziell schon irgendwie auch etwas eigenartig finde, eher was fürs Showbiz. Denn unter Freunden und Kollegen weiss es doch meist sowieso jeder – und wenn's nur die im minutentakt einlaufenden Messages frischverliebter Partner sind ... oder das Rumgeknutsche auf den Feiern – irgendwie haben doch sowieso immer alle schon längst geschnallt wo die Vorlieben liegen. Selbst ist eine*r dabei eher der/die Letzte.

janto ban 02.09.2015 | 19:02

Puh. Ich bin hin- und hergerissen.

Als ich beim Satz "Das ist schön für Melina Sophie" angekommen war, hatte ich ein Problem, denn den nahm ich Ihnen nicht ab und missverstand sogleich den nächsten Satz, der da lautet: "Aber so einfach, wie sie es darstellt, ist es leider nicht." Da dachte ich:Warum spricht sie ihr das ab..? Als ich weiter las, kam ich aber aus dem Nicken nicht mehr raus. Und nachdem ich dann das Video angesehen hatte, verstand ich, was gemeint war.

Das ThemaComing-Outist natürlich so kontrovers diskutiert, weil Menschen und Umwelten so unheimlich verschieden sind. Auf der ganz sicheren Seite bleibend würde ich sagen, das soll jede/r halten, wie ez "will". Undwillsteht da nicht zufällig in Anführungszeichen. Manche schaffen es nie, andere wollen es gar nicht "schaffen". Manche leiden vor ihrem Coming-Out, andere danach, wieder andere davor und danach und die Glücklichen, zu denen ich z.B. nicht gehör(t)e, leiden gar nicht.

Ich, der ich so eindeutig schwul bin, wie Chuck Norris hetero, habe weite Teile meiner Jugend damit vergeudet (<-- wie sich im Nachhinein erst herausstellte), zu glauben, dass ich in diesem Leben nie jemandem von meiner Nicht-Heterosexualität würde erzählen können. Das ging so lange und war so schlimm, dass es zwischenzeitlich Heerscharen Melina Sophies bedurft hätte, um mich auch nur annähernd umzustimmen. Geschafft (ohne Anführungszeichen!) habe ich es letztlich, weil die Zeit und der innere Prozess mir zuhilfe kamen. Was mich verleitet, allen zu raten, ES zu tun, aber auf den richtigen Zeitpunkt zu warten. Und der meldet sich, wenn er gekommen ist.

Lange Rede, kurzer Sinn: Toller Text! Und weil ich ich bin, kann ich es mir natürlich nicht verkneifen, zumCominStaying-Yourselfzu gratulieren!

silvio spottiswoode 02.09.2015 | 20:15

Scherzkeks. Weiss schon, ich müsste eigentlich die Klappe halten, weil hier von derMitteder Gesellschaft ausgegangen wird.»Geheimhaltung, schauspielerische Höchstleistungen«;öhm, also nö...aber wir reden ja über Lebensentwürfe, Schätzelein. Und wieso treu? Himmel, was hat das damit zu tun? Sicherlich, unter Künstlern werden mehr Lebensentwürfe ausprobiert als beispielsweise bei Anwälten und Steuerberatern. Nehme ich zumindest mal so an. Und darüber geredet wird sowieso. Es kommt auf die Peer group an, das stimmt schon. Aber, Fassbinder; Warhol. Outing? Ich bitte dich. Deswegen bin ich ja gerade nicht CEO von Apple Inc. geworden, oder PR-Frontfrau ... und ich habe auch nie auf dem Land gewohnt; weil schon klar, wird schwierig. Also, ich übergebe wieder nach Siegen. Du bist der Spezialist. :)

janto ban 02.09.2015 | 21:06

Vielen Dank für die Außenreportage. Nun endlich wieder zurück zu mir, dem Mann, ins Sendestudio ;o)

Das mit dem "treu" war ein kleiner Scherz vom Keks, der sich auf die "schauspielerischen Höchstleistungen" bezog. Das Thema an sich wollte ich natürlich nicht reinmengen.

|| Fassbinder; Warhol. Outing? Ich bitte dich. ||

Okay. Aber als verschüchtertes Azubileinchen (m/w) dem viel zu gutaussehenden Jüngelchen (m/w) an der Werkbank gleich nebenan zu erklären, was ein Fassbinder ist, ein Warhol oder Outing, ist wiederum nicht so einfach.

Als irgendwann mal die Frage aufkam, ob das Thema Homosexualität heute überhaupt noch ein Thema sei (im Sinne von 'Aaaach, das ist doch heute kein Thema mehr!'), schrieb ich ungefähr, dass z.B. Abtreibung oder Unfruchtbarkeit heute auch, aaaach, kein Thema mehr sind. Aber dass das eben auch keine Themen sind, über die man - z.B. in einer Warteschlange an der Kasse - mal eben mit Fremden spricht, so nach dem Motto: Guten Tag, ich bin zeugungsunfähig und wie geht es Ihnen so..? Ich glaube, das war irgendwo unter meinemHitzlsperger etc...

Die Grätsche, in die ich dabei immer gehen muss ist natürlich, dass ich aufpasse, die Dinge nicht zu schwarz zu zeichnen. Was ich zu gut kann. Denn ich will doch, dass möglichst viele, die's betrifft, dem Rat folgen, den ich oben abgegeben hatte, wonnich. Und deshalb behaupte ich einfach mal, dass man eine Bestellung bei der Bäckerin heute durchaus mit den Worten "...und übrigens bin ich schwul, was gut so ist" abschließen könnte, ohne dass der Bäckerfachverkäufer vom Hocker fiel, so er drauf stündt. Wan macht's halt nur nicht. Gerade fällt mir ein sensationeller Begriff ein:

es ist eine Situations-Information. Halb-privater Natur. Wegen dem Sex in HomoSEXualität..

Sascha 03.09.2015 | 06:15

Aber behandeln die Aussagen von Kirsten Stewart nicht zwei verschiedene Themen, die man nicht notwendigerweise zusammen diskutieren muss?

Das eine ist die Frage, ob Outings noch notwendig sind. Da würde ich der Autorin auch zustimmen, sie sind wahrscheinlich leider noch notwendig, weil es in der Gesellschaft Homophobie gibt und Outings ein Weg sind, um sich gegenseitig Mut zur eigenen Sexualität zu geben und sich gegen Homophobie zu stärken.

Aber das andere Thema, das von Kirsten Stewart aufgeworfen wird, ist die Frage, ob die Festlegung auf eine starre, heteronormative Sexualität noch zeitgemäß ist. Da würde ich wiederum sagen: nein, das ist sie natürlich nicht. Verschiedene und bunte Sexualitäten sind Realität und das werden auch die Homophoben früher oder später lernen müssen, also Face it!

Die Frage ist für mich sogar, ob diese Festlegung jemals zeitgemäß gewesen ist! Denn die Homophoben sind ja diejenigen, die am lautesten schreien und sich als Repräsentanten einer gesellschaftlichen Mehrheit empfinden oder besser gesagt: aufspielen. Aber wie die meisten Menschen oder viele Menschen darüber denken, wissen wir doch gar nicht, abgesehen vom persönlichen Umfeld. Ich vermute sogar, dass die Sexualität der anderen den meisten Menschen seit jeher einfach schnurzpiepegal ist. In den Betten der anderen herumschnüffeln und Dogmen aufstellen, wen man lieben darf und wen nicht - diese homophobe Sex-Polizei ist eine zwar laute und hysterische, aber gesellschaftlich wohl unbedeutende Randgruppe. Leider stößt die Sex-Polizei aber politisch durchaus auf offene Ohren bei manchen Parteien.

Sascha 03.09.2015 | 06:43

Volle Zustimmung! Übrigens muss ich aus meiner eigenen Situation heraus sagen: Mich interessiert nicht, ob andere mich schief anschauen, weil ich bisexuell bin. Mein Problem besteht leider schon darin, dass meine Bisexualität rein theoretischer Natur ist, da ich gezwungenermaßen die Autosexualität praktiziere, das heisst, ich mache es mir immer selber, weil ich leider niemanden treffe, der oder die mich sexuell attraktiv genug findet. DAS ist aus meiner persönlichen Betroffenheit für mich ein Problem und nicht die Frage, ob irgendwelche homophoben Idioten sexuelle Vielfalt nicht akzeptieren wollen! Aber in der Gesellschaft gibt es eher ekelhafte stereotype "Debatten" in den Massenmedien darüber, ob Homosexualität "normal" sei als dass man vielleicht mal darüber diskutiert, wie es den Menschen geht, die unfreiwillig gar keinen Sex haben. Ich kann nämlich nur sagen: mir geht's gar nicht gut damit.

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Ehemaliger Nutzer 03.09.2015 | 09:22

...weil Sie niemanden finden, "der oder die mich sexuell attraktiv genug findet"? Wieso das?

Woran liegt das? "Suchen" Sie eventuell zu krampfhaft? Denn das Unterbewusstsein eines anderen Menschen spürt gegebenenfalls die "Not" und das könnte es sein, was der andere als wenig anziehend empfindet.

Wenn es Ihnen "gar nicht gut damit" geht, ist es denn auch "schlimm" genug, Abhilfe zu schaffen - also von Ihrer Seite alles Machbare zu unternehmen, damit es Ihnen besser geht und Sie geeignete Partner/innen finden können?

Wenn ja,schauen Sie sich um, wo und wer Sie bei Ihrem Vorhaben unterstützen könnte (also attraktiv für andere zu werden, wenn Sie das wirklich(!) wollen).

Juliane Löffler 03.09.2015 | 09:45

||Denn unter Freunden und Kollegen weiss es doch meist sowieso jeder ...||

Falsch. Bedenken Sie mal, liebe Silvio, dass es ja einen Prozess gibt, in dem sich Dinge verändern. Es tut ja nicht auf einmal einen Schlag und jeder weiß Bescheid ...

Und das mit der Öffentlichkeit – ich habe lange (wirklich lange) überlegt, ob ich den Text unter meinem Namen veröffentlichen soll. Weil ich mich (besonders in dieser Sache) sehr! ungerne ausstellen möchte. Andererseit geht es um Sichtbarkeit und darum, dass Protagonisten da sind, die zeigen um was es geht. Sonst hätten wir in unsere Gesellschaft nur eine weiter anonyme Journalistin, die sagt ich bin nicht-heterosexuell. Ich glaube das ist nicht konstruktiv. Sehen Sie es politisch. Wenn hier Kommentatoren unterstellen es ginge (mir) um Hollywood-was-weiß-ich muss ich leider sagen: Das ist mangelnde Empathie. True story. Nehmens Sie´s mir nicht übel ;)

Sascha 03.09.2015 | 10:15

Woran das liegt? Da kann ich nur mutmaßen. Daran, dass ich "zu krampfhaft danach suche", kann es nicht liegen, denn im Grunde "suche" ich überhaupt nicht. Ich hatte da mein Leben lang eher ein entspanntes und abwartendes Verhältnis dazu und war immer sehr passiv, sprich: Flirten ist überhaupt nicht mein Ding. Außerdem bin ich eine sehr schüchterne Person und gehe bei anderen Menschen wenig aus mir heraus.

Ein anderer Grund könnte sein, dass ich selber eine gewisse Erwartungshaltung habe. Damit meine ich, dass ich mir solche Dinge wie One Night Stands für mich persönlich nur schwer vorstellen kann. Ich wünsche mir, dass es eine Verbindung gibt zwischen Lust auf Sex mit einem anderen Menschen und einer engen freundschaftlichen Beziehung zu diesem Menschen. "Einfach nur Sex" ohne weitergehende Bindung interessiert mich nicht wirklich, glaube ich. Also vielleicht eine zu hohe Erwartungshaltung?

Und schließlich befürchte ich, dass ich rein äußerlich aufgrund meines Übergewichtes bei vielen Menschen mit wenig Sex-Appeal punkten kann.

Worauf ich aber auch hinauswollte: Ich finde es inzwischen müßig, immer wieder in Diskussionen mit den ewig gleichen blöden homophoben "Argumenten"/Ängsten/Ressentiments konfrontiert zu werden. Das finde ich unterirdisch. Weil es gibt meiner Meinung ganz andere Probleme bezüglich Sexualität als die immer wieder im Kern und breit diskutierte Dumfbacken-Frage "Ist Homosexualität normal"? Warum reden wir nicht öfter über konkrete Probleme oder auch Bedürfnisse von Menschen wie eben sexueller Frust, wobei ich ja zb nicht einmal weiss: stehe ich mit meinem Autosexualitäts-Problem alleine da oder gibt es andere, die das Problem teilen? Wenn es nur mir so geht, dann ist das zwar bedauerlich für mich, gibt aber wahrscheinlich kein Diskussionsthema her. Aber es gibt auch sonst genug Fragen im Bereich Sexualität, wo es um vielfältige, konkrete Bedürfnisse und Probleme von Menschen geht. Breit diskutiert werden die aber eher nicht, kommt mir vor, es zählt meistens nur das Spektakel und möglichst reisserische "Kontroversen" wie eben "Homosexualität - normal oder nicht normal?", wo dann in den Medien einem christlichen Fundamentalisten, einem homophoben Politiker und einem Antifeministen viel Platz für das Auskotzen ihrer Ressentiments gegeben wird und vielleicht bestenfalls aus Alibigründen jemand mitdiskutieren darf, der oder die einen halbwegs respektvollen Umgang mit Homosexualität pflegt. Das stinkt mich einfach an!

Thomas.W70 04.09.2015 | 06:32

Es ist auch für heterosexuelle nicht so einfach, damit umzugehen. Eine Freundin erzählte mir wie traumatisch es für sie war, zu erfahren, dass ihr Exfreund sich als schwul geoutet hat. Nicht, dass sie das nicht akzeptieren könnte. Doch sie fühlte sich betrogen und verunsichert.

Jeder hat eben seine emotionalen und sozialen Konstrukte im Kopf, die zu berichtigen zunächst Verunsicherung auslöst. Sie sollten da vielleicht nicht ganz so streng mit ihrer Umwelt sein.

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Ehemaliger Nutzer 04.09.2015 | 13:06

Was Sie hier auf den Tisch bringen, sind zwei völlig verschiedene Baustellen: das eine sind Ihre individuellen Probleme und das andere ist die gesellschaftliche Wahrnehmung oder Bewertung von Bi- oder Homosexualität.

Falls ich mich im ersten Kommentar nicht klar ausgedrückt habe ;-) hier nochmal meine Einschätzung: Es liegt allein an Ihnen, ob Sie Ihr persönliches Intimleben verändern oder verbessern wollen. Was ja noch fraglich war oder ist!

Eine Erwartungshaltung, dass dies von außen, sprich der realen Öffentlichkeit auf Sie zukommt halte ich für aussichtslos :-o

janto ban 04.09.2015 | 18:18

||Jeder hat eben seine emotionalen und sozialen Konstrukte im Kopf, die zu berichtigen zunächst Verunsicherung auslöst.||

Das stimmt. Allerdings sind Sie zu streng mit der Autorin, denn dieser Gedanke taucht ja auch mehrfach im Text auf. Und er ist ja die andere Seite der Medaille, gegen die Jule Löffler zurecht anschreibt, nämlich einer "supi-dupi-easy"-Zeichnung des Themas, wie sie z.B. von Melina Sophie im Video vorgenommen wird. Ausschließlich positiv verläuft das Ganze wohl nie wirklich.

Es gibt sie natürlich, diese ausgeflippten Heterosexuellen, die einen nach einem Outing kreischend umarmen und gar nicht mehr aufhören wollen sich zu freuen. Das geht zwei Minuten lang so, bevor ihnen einfällt mal zu fragen, wie lange man das denn schon von sich wisse. Nachdem man darauf geantwortet hat sind sie dann erst mal eingeschnappt, weil man es ihnen doch schon viel früher hätte sagen können, wie es dann heißt.

Und dann gibt es natürlich andere bis ganz andere Reaktionen. Und zwar für alle Beteiligten, ganz klar. Mitunter werden da ganze Lebensentwürfe durcheinander gewirbelt.

Wie der Zufall es will, hatte mein Lieblingssender WDR5 heute ein ziemlich gutes, dichtes und perspektivisch breites Feature: "Wie tolerant sind wir eigentlich?" (--> zurWebseite| zumAudio) ; aus kurzen Reportagen und Interviews. In weiten Teilen, vor allem die Interviews, genau das, worüber wir hier reden. Unbedingt anhören!