Eine passende Waffe

Aufrüstung Verteidigungsministerin von der Leyen will Kampfdrohnen für die Bundeswehr. Die Superwaffe macht Krieg leichter führbar, weil für die Gesellschaft besser erträglich
Ausgabe 27/2014
Auch der französische Konzern Dassault Aviation exponiert sich beim Drohnen-Geschäft
Auch der französische Konzern Dassault Aviation exponiert sich beim Drohnen-Geschäft

Foto: Getty Images

Egal, ob mit Raketen bestückt oder nicht, die Beschaffung von Drohnen, ist für die Bundesregierung offenbar unumstößlich. Und überaus logisch. Wer statt einer Verteidigungs- eine Interventionsarmee haben will, muss auf Einsatzorte gefasst sein, die sich von den heißen Konfliktherden dieser Tage wie den Irak und Syrien, die Ostukraine, Libyen und den Südsudan nicht groß unterscheiden. Wollte die Bundeswehr dort eingreifen, würde sie augenblicklich zum Kombattanten und käme kaum ungeschoren davon. Es sei denn, man könnte auf Luftroboter zurückgreifen, um Ziele nicht nur erkunden, sondern beschießen zu können. Besitz und Einsatz von Kampfdrohnen ermöglichen genau das. Durch sie werden Kriege leichter führbar, weil für die eigene Gesellschaft besser erträglich.

Schutz gegen Verwundbarkeit

Schließlich erlauben es diese unbemannten Kriegsautomaten, aus dem bequemen Sessel eines Leitstandes heraus Menschen gezielt, risikoarm und diskret zu töten. Die Obama-Regierung führt das seit Jahren vor, wenn sie mit Drohnen Todesurteile vollstreckt, die keinen Prozess brauchen, weil ein Verdacht reicht. Niemand erfährt, wie viel unbeteiligte Zivilisten sterben, um einen Dschihad-Kommandeur in Pakistan oder einen Warlord in Somalia auszuschalten. Das gilt als Kollateralschaden, Es kommt allein auf technische Präzision, die nötige Skrupellosigkeit und die Schonung der eigenen S

oldaten an.

Afghanistan hat gelehrt, nichts kann Kriegsbegeisterung so sehr dämpfen wie eigene Verluste. Kriegsopfer rauben den hedonistischen Gesellschaften des Westens den Glauben, unerschütterlich und auf Ewigkeit angelegt zu sein. Um soi mehr verspricht Drohnenbesitz Versicherungsschutz gegen Verwundbarkeit.

Wer diese Flugmaschinen gebraucht, darf als Groß- und Ordnungsmacht auftrumpfen, von internationaler Verantwortung reden und die eigenen Interessen meinen, ohne sich übermäßigen Risiken auszusetzen. Man darf straflos töten, sei es in Afrika, Zentralasien oder Nahost. In jenen Weltgegenden also, die dem gewalttätigen Übergriff in der Regel hilflos ausgeliefert und dadurch noch beherrschbarer sind. Drohnenbesitz und -einsatz transportieren ein Menschenbild, das einem Gegner jede Schonung verweigert und sich aus einem entgrenzten Kriegsrecht herleitet. Wer die asymmetrischen Kriege des 21. Jahrhunderts führen und gewinnen will, für den sind Kampfdrohnen die passende Waffen. Es würde überraschen, wollten deutsche Militärs und Politiker sie nicht im Arsenal haben.

Schon einmal

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass sich eine Bundesregierung dieser Gerätschaften versichern will. Im Januar 2013 wurde ein solches Vorhaben bereits von Schwarz-Gelb verkündet, dann aber fallengelassen, als der Eurohawk-Skandal und die Verwicklung des damaligen Verteidigungsminister Thomas de Maizière zu vorübergehender Zurückhaltung mahnte. Auf Anfrage der Linksfraktion wurde das Aufrüstungsprojekt seinerzeit von der Bundesregierung damit begründet, dass Kampfdrohnen einen Gegner „reaktionsschnell, präzise und skalierbar bekämpfen“ ließen. „Außerdem werden durch diese Fähigkeit gegnerische Kräfte einer ständigen und für sie nicht prognostizierbaren Bedrohung ausgesetzt und in ihrem Handlungsspielraum eingeengt.“ In einem Interview mit der Zeitung Die Welt sagte de Maizière: „Die neuen Waffen haben da einen großen Vorteil. Sie sind zielgenauer.“

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Geschrieben von

Lutz Herden

Redakteur „Politik“, zuständig für „Ausland“ und „Zeitgeschichte“

Lutz Herden studierte nach einem Volontariat beim Studio Halle bis Ende der 1970er Jahre Journalistik in Leipzig, war dann Redakteur und Auslandskorrespondent des Deutschen Fernsehfunks (DFF) in Berlin, moderierte das Nachrichtenjournal „AK zwo“ und wurde 1990/91 zum Hauptabteilungsleiter Nachrichten/Journale berufen. Nach Anstellungen beim damaligen ORB in Babelsberg und dem Sender Vox in Köln kam er Mitte 1994 als Auslandsredakteur zum Freitag. Dort arbeitete es von 1996 bis 2008 als Redaktionsleiter Politik, war dann bis 2010 Ressortleiter und danach als Redakteur für den Auslandsteil und die Zeitgeschichte verantwortlich.

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