Magda
05.01.2010 | 10:52 10

Der Jemen – ein zerrissenes Land

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Magda

Ergänzend zu diesem Beitrag gedacht:

www.freitag.de/politik/0952-guardian-attentatsversuch-al-qaida-jemen-somalia

(Ich habe mich früher mal mit Außenpolitik befasst. Das ist eine kleine Zusammenfassung, die durch Einschätzungen und kritische Analysen ergänzt werden kann.)

Seit längerer Zeit – so die Berichte – sind die USA aktiv im Kampf gegen den Terrorismus in Jemen. Mit Militär – und Geheimdienstberatern unterstützen sie die Regierung des Präsidenten Ali Abdullah Saleh im Kampf gegen Islamisten und Aufständische.

Der Jemen- als neuer „Hort des Terrorismus“ - in aller Munde war schon immer ein Spielball widerstreitender Kräfte.

Der Jemen ist ein Land, das – vor dem Zusammenbruch des sowjetischen Machtzentrums – aus zwei Staaten bestand, der VDRJ (Volksdemokratische Republik Jemen) und der JAR (Jemenitische Arabische Republik ), die vorher aber nie zusammen gehört hatten. 1990 bestand die Chance, noch im Zuge der instabilen Entwicklungen einen gemeinsamen Staat zu gründen.

Indikator Frauenrechte

Wie immer ist an der Situation der Frauen am prägnantesten abzulesen, welche Folgen diese Einheit im ehemalig sozialistisch-kommunistischen Süden hatte:

Während im streng-islamisch geprägten Norden eine politisch aktive Frau undenkbar gewesen wäre, demonstrierten im sozialistischen Süden in Aden schon in den 80er Jahren junge Schülerinnen unverschleiert für die nationale Befreiung.

Die Frauen in der VDRJ hatten den besten rechtlichen Status in der Region, die niedrigste Geburtenrate und den höchsten Bildungsgrad. Der vereinigte Jemen aber geriet rasch unter die Dominanz des Nordens. Er hatte viermal mehr Einwohner als der Süden. Und die kurze Zeit der Modernisierung im Süden war dem kulturell und religiös verwurzelten Traditionen im Norden auf Dauer nicht gewachsen. „Die Freiheiten der Frauen in Aden wurden zum ersten Opfer der Einheit. Polygamie und Schleier kehrten zurück,“ konstatiert die Journalistin Charlotte Wiedemann in einem profunden Beitrag zum Thema.

Kämpfe zwischen Nord und Süd

Der gesamte Vereinigungsprozess war von ständigen Widersprüchen und Kämpfen begleitet. Die Südjemeniten in der ehemals von der UdSSR gestützten VDRJ empfanden sich als ungleiche Partner in einem vom Norden dominierten vereinigten Staat.

Andererseits fürchteten die Bewohner des Nordens – dem primär nach dem Einfluss der einzelnen Stämme ausgerichteten Gebiet – die Macht des zentralistisch und früher kommunistisch ausgerichteten Nordens und verbündete sich deshalbmit islamischen Kräften und konservativen Finanzkreisen.

Dies war eine Ursache für die von Islamisten initiierten Unruhen und Demonstrationen in den von Stämmen kontrollierten Gebieten.

Es sei ein offenes Geheimnis, dass diese Stämme seit vielen Jahren beträchtliche finanzielle Zuwendungen von der saudiarabischen Regierung erhalten hatten und dadurch in Abhängigkeit von Riad gelangt waren, erklären Experten. So kommt auch hier– wenn von Terrorismus und Islamismus die Rede ist – Saudiarabien ins Spiel. Ohnehin haben die Saudis kein Interesse an einem starken Jemen mit wesentlich mehr Einwohnern.

Immer wieder brachen Auseinandersetzung zwischen Norden und Süden aus, die 1994 zu einer erneuten Abspaltung der ehemaligen VDRJ führten.

In einer weiteren Auseinandersetzung wurde der Süden besiegt und unter demütigenden Bedingungen unterworfen.

Es sei – trotz mancher Schwächen - doch gelungen, einen Demokratisierungsprozess in Jemen voranzubringen, konstatierte ein Beitrag der Friedrich-Ebert-Stiftung. Pluralismus und Meinungsfreiheit seien gewährleistet und das Parlament diene als Forum öffentlicher Debatten.

Das ist ein sehr optimistischer Blick, denn eigentlich so muss man sehen, haben die Verwerfungen in dem Lande und der Einfluss aus anderen islamistisch geprägten Staaten dazu geführt, dass sich im Norden diese zahlreiche Rückzugsgebiete für potentielle Terroristen bilden konnten. Auch in den USA bezweifelt man inzwischen nachdrücklich, ob in Saudiarabien entsprechend energisch gegen den Terrorismus vorgegangen wird, denn von dorther fließen u.a. die Geldströme für die Rekrutierung und Bewaffnung der Kämpfer.

www.charlottewiedemann.de/islamische-laender/jemen

library.fes.de/fulltext/stabsabteilung/01099.htm#E9E1

www.zeit.de/2005/14/Jemen

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (10)

Magda 05.01.2010 | 16:20

Danke schön. Es ist ziemlich komprimiert, aber ich denke mir, ist vielleicht ganz interessant. Die DDR hatte immer gute Beziehungen zur VDRJ. Ein "Vorposten" des Sozialismus. Aber, wie immer mit viel Hilfe erkauft auch zur Ausbildung von Befreiungskämpfern und all solche Dinge lassen sich finden. Immerhin waren ja die "vom kolonialen Joch befreiten Länder" Teil der drei revolutionären Hauptströmungen.

Na, meisterfalk, kannst Du die noch aufsagen? :-))

Lukasz Szopa 05.01.2010 | 20:16

Interessant, leider, ist die Tatsache, dass beide Jemen-Staaten vor 1990 sowie der Jemen jetzt mehr oder weniger Ein-Parteien-Systeme waren/sind. Ob "islamistisch" oder "sozialistisch". D.h. selbst wenn der Bildungsstand der demonstrierenden Südjemeniteninnen hoch war - ich nehme kaum an, dass sie (wie die übrigen Bürger) 1990 über den Zusammenschluss der beiden Staaten abstimmen durften. Aber auch Mehr-Parteien-Staaten haben ihre Bürger 1990 nicht wirklich um Meinung zu einer Einheit gefragt :-)