Erich Loest (1926-2013)

Ein großer Erzähler Sein Buch "Löwenstadt" war sein letztes. Es ist eine Wiederaufnahme und Ergänzung des Jahre zuvor entstandenen "Völkerschlachtdenkmal". Auch das Altern kommt darin vor

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community.
Ihre Freitag-Redaktion

"Am achtzigsten Geburtstag kann sich einer glänzend fühlen, wenn er gesundheitlich einigermaßen drauf ist, wenig später merkt er: Nun gehts bergab auf die fünfundachzig zu; an die neunzig mag unsereiner gar nicht denken. Gabi, ich sag's dir, wer ein Jahr jünger ist, hat keine Ahnung. Von Halbjahr zu Halbjahr fehlt etwas, das registriest du, die anderen merken es sowieso."
So lässt Erich Loest in "Löwenstadt" seinen Helden Freddi Linden der Altersfreundin erklären, welche Schlacht er gerade schlägt. Gegen das Alter, gegen Krankheit und Müdigkeit.

Erich Loest - einer der geraden, guten Erzähler, der das, was er beschreibt, zutiefst kennt. Sein - noch in der DDR erschienenes Buch - "Es geht seinen Gang oder Mühen in unserer Ebene" wurde unterm Ladentisch gehandelt, heiß diskutiert und verbissen bekämpft.
In seinem biographischen Band "Der Zorn des Schafes" hat er die zähen Kämpfe mit Verlegern und Lektoren und der Kulturbürokratie spöttisch und bitter geschildert. In "Durch die Erde ein Riss" berichtet er, wie er, der begeisterte Hitlerjunge, gern zur Waffen SS gegangen wäre. Wie er nach dem Krieg seine tiefen, schmerzhaften Einsichten umsetzen, alles richtig machen wollte. Wie er teilnehmen wollte am Aufbau einer neuen Gesellschaft und wie er am Ende als "Konterrevolutionär" in Bautzen landet. Über sieben Jahre hat er dort verbracht. Danach schrieb er oft unter Pseudonym Krimis und historische Bücher. Dann kam das Buch vom DDR-Alltag und schon begann der Kampf um jedes Wort erneut. 1980 ging er nach dem Westen - auch darüber hat er geschrieben. "Die Stasi war mein Eckermann".

Nach 1989 hat er mit seinem Roman "Nikolaikirche" noch einmal ein Millionenpublikum erreicht. Dann wurde es wieder stiller um ihn. Jetzt ist er verstummt. Ein Jahrhundertzeuge, ein großer Sachse, ein großer Erzähler.

Hier habe ich vor einigen Wochen über Loests Buch und die Feierlichkeiten zum Gedenken an die Völkerschlacht bei Leipzig schon mal geschrieben. https://www.freitag.de/autoren/magda/leipziger-schlachten

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Magda

Immer mal wieder, aber so wenig wie möglich

Magda