Flüchtlingspolitik als Schutz vor Terrorismus

Angela Merkel Vielleicht ist es gerade die "Willkommens-Kultur", die Deutschland bisher vor großen Anschlägen bewahrt hat. Ein Beitrag in "The Independent" vertritt diese These
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Flüchtlingspolitik als Schutz vor Terrorismus

Foto: Sean Gallup/Getty Images

Sahra Wagenknechts Vorwürfe gegenüber Angela Merkel haben vor allem in der Linkspartei selbst ziemlich viel Streit verursacht. Darüber wurde bereits ausführlich geschrieben.

https://www.freitag.de/autoren/benjamin-immanuel-hoff/links-ist-da-wo-der-daumen-rechts-ist

Sie bedient die Ressentiments all jener, die in Angela Merkel persönlich die Ursache der gesamten Flüchtlingsproblematik sehen wollen und am Ende auch von ihr allein fordern, die Ursachen in den Heimatländern zu beenden.

Es gibt einen bisher unbeachteten Aspekt, den ich in einem Beitrag des britischen Independent fand.

Der Autor - Robert Verkaik - meint, dass Angela Merkels "Politik der offenen Tür" gegenüber Zuwanderern Deutschland bisher gegen Terroranschläge geschützt habe. Das ist, abgesehen von der Tatsache, dass Merkels Politik immer mehr von ihrem eigenen Anspruch - auch unter dem Druck der öffentlichen Meinung und der Medien - zurückweicht, durchaus eine These, die zu bedenken ist. Der Ausdruck des Mitgefühls für Hunderttausende von Flüchtlingen, habe auch die Botschaft in die islamische Welt gesandt, dass Deutschland nicht im Krieg mit dem Islam sei, unterstreicht Verkaik.

Aber noch wichtiger sei, dass sie damit die überwiegende Mehrheit der in Deutschland ansässigen Muslime bestärkte und legitimierte, mit den Sicherheitsdiensten im Kampf gegen den Terrorismus zu kooperieren.

Völlig anders sei das in den radikalisierten muslimischen Gemeinden in den Vororten von Brüssel und Paris, die zu Brutstätten des Terrorismus geworden seien.

Schnelle Beschuldigung

der Flüchtlingspolitik

Während Merkels Kritiker sehr schnell dabei waren, sie für die jüngsten Angriffe in Bayern verantwortlich zu machen, wäre es gut, darüber nachzudenken, ob ihre Handlungen das Land nicht eher vor organisierten Anschlägen bewahrte, wie es sie in Frankreich und Belgien gab. Diese Angriffe erfolgten aus den Vororten von Paris und Brüssel , die Inkubatoren des Terrorismus geworden seien.

Muslime die nicht mehr

zur Gesellschaft gehören

Die Paris Banlieues und der Molenbeek Vorort von Brüssel werden von Muslimen bewohnt, die nicht mehr das Gefühl haben, einen Anteil an der Mainstream-Gesellschaft haben, weshalb sie innerlich schon nach Syrien oder dem Irak orientiert sind, wo sie für das Kalifat kämpfen wollen.

Auch die Kriegserkärung François Hollandes an den IS habe in vielen Muslimen das Gefühl der Kriminalisierung verstärkt und die Meinung, dass der französische Präsident auch ihnen den Krieg erklärt habe.

Lehren aus den Folgen

des Irak-Krieges

Die Außenpolitik spielte eine entscheidende Rolle bei der Radikalisierung und Aktivierung von Terroristen

Frankreich habe während des Irakkrieges, gegen den das Land scharf opponierte, keine Terroranschläge erlebt, Großbritannien und Spanien als Unterstützer des Krieges aber schon. Das war 2004. Zu erinnern wäre hier daran, dass auch Angela Merkel im Jahr 2002 einen deutschen aktiven militärischen Beitrag für den Irak-Krieg zumindest nicht ausgeschlossen hatte, wenngleich dabei viel Wahlkampftaktik im Spiel war. Möglicherweise haben sie gerade diese harten Folgen für die beteiligten Länder umdenken lassen.

Einwanderungspolitik hat die

Terrorismusgefahr nicht erhöht

Entgegen den ständigen Angriffen ihrer Kritiker sei aber durch die Einwanderungspolitik die Terrorgefahr nicht erhöht worden. Die jüngsten Gewalttaten haben so unterschiedlichen Hintergründe, dass man auch jetzt von einer erhöhten Terrorgefahr nicht ausgehen könne.

Der Autor resümiert und appelliert: Während Frankreich und Belgien in einem Teufelskreis von immer härteren Polizeiarbeit und zunehmenden Terroranschläge gefangen seien, habe Deutschland die Chance, eine andere Zukunft zu schmieden.

15:53 28.07.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Magda

Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die normalen gebracht haben.(George B. Shaw)
Magda

Kommentare 138

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