If I had a hammer

Sprachstörungen Manchmal, wenn man im Leben so gar nicht mehr weiter weiß und vor Verzweiflung in irgendwas beißen will, am besten in den Hals eines bösen, bösen Debatten-Kontrahenten...
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

...dann wirft Gott - nein - nicht Hirn herab, sondern einen Zufallsfund in die Arena des Geistes. Also, während man sich hier aufregt wie verrückt, fällt einem woanders was in den Sinn.

Gabs da nicht einen gewissen Roberto Blanco? Den hatte ich doch gerade anderswo beim Wickel.

Und der sang mal ein schönes, schönes, ach so rührendes Lied. Das haut einen um, denn dann weiß man, welche Verse "Robert Weiß" in den Mund gelegt wurden, als es um die armen Neger ging.

Das Werk heißt: Schwarze Engel

Ihr Maler, laßt Euch sagen,
Ihr habt so viel uns zu schildern.
Ich frag´ Euch, darf ich´s wagen,
es fehlt etwas Euren Bildern:

Sagt warum malt Ihr denn nur weiße Engel,
die vom blauen Himmel schweben?
Diese vielen kleinen Engel
muß es doch auch anders geben!

(und jetzt kommts:)

Warum, denkt Ihr denn nie daran...
Daß auch - ein Engel schwarz sein kann?
Die vielen kleinen Neger
sehn Euch bittend an.

Denn ob wir arm oder reich sind
wir werden alle vergehen.
Weil wir doch alle gleich sind
wenn wir vor dem Himmel stehen.

Und wenn Ihr einen Engel malt,
dann denkt doch einmal daran
daß es nicht nur weiße Engel gibt!
Daß ein Engel schwarz sein kann.

Wie isses nun bloß schön, würde Walter Kempowski jemanden ausrufen lassen. Das ist doch das zum Leben erweckte Paradoxon. Und, um das Maß voll oder den Sack zu zu machen: Neben Roberto Blanco brachte dieses schöne Lied auch eine Sängerin namens Alexandra zum Vortrag.

Die hatte zuvor schon mal einen Zigeunerjungen beim Wickel.

Aber da wird immer nur tamtamteramtatatamtamteram gesungen. Vielleicht haben böse Menschen deshalb daraus einen Song namens "Zigeunerschnitzel" gemacht, weil man Schnitzel ja auch so kloppen muss. Auf jeden Fall aber war Alexandra geeignet für die Bitte um schwarze Engel.

Das ist alles lange her. Vielleicht ist was dran an der Idee, dass man solche "Sprachlandschaften" erhalten sollte, biete ich mal als Brücke ins Versöhnliche an. Da kann man historisch nachvollziehen, wie die Deutschen in ihrer Schlagerdichtkunst zwar nicht ganz dicht, aber doch herzensgut waren und den "vielen kleinen Negern" einen Engel schenken wollten.
Und vor welchen Hintergründen sich das alles so abspielt kann man in dem guten Alten Titel von dem aus Trinidad schwarz eingereisten Billy Mo nachvollziehen, der sang:

"Ich kauf mir lieber einen

Tirolerhut, der steht mir so gut"

Nie wurde der Wille zur Integration gültiger und schlichter ausgedrückt. Wie sie eben so sind die Tiroler alle:

Sie sind lustig und so froh

und deshalb auch der Billy Mo

Wolfram Heinrich et al.
14:12 15.03.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Magda

Immer mal wieder, aber so wenig wie möglich
Magda

Kommentare 45